„Wenn der Begriff »Regierung« eine Institution meint, die fähig ist, eine Erholung einzuleiten, dann besitzt Japan keine Regierung. Sie redet, sie debattiert, sie macht Versprechen, doch sie handelt nicht.“ Noch vor etwa sechs Jahren schätze der US amerikanische Wirtschaftswissenschaftler Lester Thurow die japanische Regierung zu Zeiten der Japankrise (etwa 1991-2006) aus verschiedenen Gründen als unfähig ein, mithilfe einer durchdachten Geld- und Steuerpolitik die bereits mehr als zehn Jahre andauernde Krise endlich zu beenden. Er verglich die japanische mit der amerikanischen Spar- und Kreditkrise der 1930er Jahre und wunderte sich darüber, dass Japan nicht den amerikanischen Lösungsansätzen folgte, welche ihre krisenbezwingende Wirkung zeigten. Auch Paul Krugmann sah in der Bewältigung der großen amerikanischen Depression ein mögliches Vorbild für die Krisenbewältigung auf dem Inselstaat. Dennoch verlief die Reaktion auf die Japankrise, welche in der »Lost Decade« (1991-2001) ihren stagnierenden Höhepunkt fand, anders als erwartet. „Japan lieferte damit den Beweis, dass auch moderne Industrieländer in eine Deflationsspirale geraten können. Gleichzeitig bietet das Land den einzigen praktischen Anschauungsunterricht seit der großen Depression, wie mit einer solchen Situation umzugehen ist.“ Seit etwa 2008 erleben wir abermals eine Finanzkrise. Dieses Mal ist jedoch jedes Land auf der Erde mehr oder weniger von den Auswirkungen betroffen. Experten auf der ganzen Welt sind nach wie vor damit beschäftigt, die Ursachen und Auswirkungen der globalen Finanzkrise zu analysieren. Die Ursachen betreffend, gibt es bereits vielfältige Bücher und täglich wird die Liste der Auswirkungen und Bekämpfungsstrategien länger. Dies ist bisher die größte und weitreichendste aller Wirtschaftskrisen, gleichwohl lassen sich Parallelen zur Japankrise in den 1990er Jahren, ausmachen. Inwiefern diese beiden Krisen vergleichbar sind, wird sich im Laufe der vorliegenden Arbeit herausstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Japankrise in den 1990ern
2.1. Krisenentstehung
2.2. Verlauf und Reaktionen
2.2.1. Unterschätzter „Bubble Burst“
2.2.2. Finanzsanierung ab 1996
3. Japan und die globale Finanzkrise
3.1. Der „Unternehmensaquisitions-Boom“ 2007/2008
3.2. Die Krise kommt in Japan an
3.3. Antworten auf die Situation
4. Schlussbetrachtungen und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht vergleichend, ob und inwiefern Japan bei der Bewältigung der Auswirkungen der globalen Finanzkrise auf Erfahrungen aus der eigenen „Lost Decade“ in den 1990er Jahren zurückgreifen kann. Dabei wird analysiert, welche Institutionen und Mechanismen damals geschaffen wurden und ob diese in der aktuellen Krisensituation als wirksame Puffer fungieren oder ob neue, angepasste Maßnahmen erforderlich sind.
- Historische Analyse der Japankrise in den 1990er Jahren (Ursachen, Verlauf, Regierungsreaktionen)
- Strukturwandel und fiskalpolitische Maßnahmen zur Krisenbewältigung
- Einfluss der globalen Finanzkrise auf die japanische Exportwirtschaft
- Vergleichende Bewertung der krisenbezogenen Lernprozesse der japanischen Regierung
Auszug aus dem Buch
2.2.1. Unterschätzter „Bubble Burst“
Was dem Platzen der „Blasenwirtschaft“ ab 1991 folgte war eine etwa zehn Jahre andauernde »Kakau Hakai«, eine Preiszerstörung und „Wachstumsrezession“. Diese brach jedoch nicht taifunartig über den Inselstaat herein, weshalb auch zu keinem Zeitpunkt öffentliche Forderungen nach drastischen Maßnahmen der Regierung entstanden. Die Immobilien- und Grundstückspreise sanken zwar unaufhaltsam, zahlreiche japanische Großbanken gingen bankrott, die Investitionen in die verarbeitenden und anderen Gewerbe waren rückläufig und einige Betriebe mussten schließen, die Zahl der Arbeitslosen stieg dennoch von 1990 bis zum Jahr 1995 nur verhältnismäßig gering um 1,1% an, was eine Erklärung für das eher geringe Interesse der Bevölkerung an strengen Maßnahmen wäre.
Halten wir also fest, woran die japanische Wirtschaft vor und nach dem Platzen der Spekulationsblase krankte: zu geringe Kapitaladäquanzanforderungen der Banken führten zu hoch riskanten Krediten, die Aufsichtsbehörden erkannten den Ernst der Lage nicht – oder wollten ihn nicht erkennen – und verfolgten Maßnahmen nur nachlässig, den Bilanzierungsrichtlinien für notleidende Kredite fehlte Stringenz und die Anreizstrukturen verführten die Bänker häufig zum »Moral Hazard«.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der japanischen Wirtschaftskrisen ein und stellt die zentrale Forschungsfrage, ob die Erfahrungen aus der „Lost Decade“ für die aktuelle globale Finanzkrise hilfreich sind.
2. Die Japankrise in den 1990ern: Dieses Kapitel beleuchtet die Entstehung der Spekulationsblase, deren Platzen und die anschließenden langwierigen Rezessionsjahre sowie die staatlichen Sanierungsversuche.
3. Japan und die globale Finanzkrise: Der Fokus liegt hier auf den Auswirkungen der US-Hypothekenkrise auf Japan, der Exportabhängigkeit und den aktuellen politisch-ökonomischen Gegenmaßnahmen.
4. Schlussbetrachtungen und Ausblick: Hier werden die Ergebnisse zusammengeführt, der Lerneffekt der Regierung kritisch hinterfragt und die Herausforderungen für die Zukunft unter Berücksichtigung neuer politischer Rahmenbedingungen erörtert.
Schlüsselwörter
Japankrise, Lost Decade, globale Finanzkrise, Konjunkturpolitik, Bankenkrise, Immobilienblase, Exportabhängigkeit, Fiskalpolitik, Deflation, Strukturreform, Bubble Burst, notleidende Kredite, Wirtschaftswachstum, Krisenbewältigung, Geldpolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der vergleichenden Analyse der japanischen Wirtschaftskrisen der 1990er Jahre und der globalen Finanzkrise ab 2008, um zu prüfen, ob Japan von seinen historischen Erfahrungen lernen konnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Entstehung von Spekulationsblasen, die Rolle der Banken, staatliche Interventionsmöglichkeiten sowie die Auswirkungen einer starken Exportabhängigkeit auf das Wirtschaftswachstum.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist zu beantworten, ob die „Lost Decade“ eine lehrreiche Phase für Japan darstellte, die bei der Bewältigung der aktuellen Finanzkrise tatsächlich von Nutzen ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung von Wirtschaftsdaten, Statistiken und Expertenmeinungen, um die Krisenverläufe und politischen Gegenmaßnahmen vergleichend gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Entstehung und den Verlauf der Japankrise in den 1990ern sowie die Übertragungseffekte der globalen Finanzkrise auf den japanischen Markt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören „Lost Decade“, „Bubble Burst“, Exportabhängigkeit, Konjunkturpakete und das Management notleidender Kredite.
Wie bewertet der Autor den Lerneffekt der Regierung?
Der Autor kommt zu der Einschätzung, dass die Regierung zwar schneller und entschlossener auf die neue Krise reagiert hat, die grundlegenden Hauptursachen jedoch aufgrund der neuen, globalen Rahmenbedingungen komplexer sind.
Welche Rolle spielt die Exportwirtschaft für Japan in dieser Krise?
Die Arbeit arbeitet heraus, dass Japans ausgeprägte Orientierung an externen Märkten einerseits zum Aufschwung beitrug, andererseits jedoch in der globalen Finanzkrise zu einer massiven Verstärkung der negativen Auswirkungen führte.
- Citar trabajo
- Jana Emkow (Autor), 2009, Japan und die Wirtschaftskrisen. Zeigt die globale Finanzkrise, dass die "Lost Decade" eine lehrreiche Phase war, die Japan bei der Krisenbewältigung hilft?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143270