Zu Beginn des 21. Jahrhunderts platzte der Traum von der New Economy, die glaubte, die bisher geltenden Regeln im Wirtschaftsleben außer Kraft gesetzt zu haben. Treibende Kraft hinter diesem Glauben waren die neuen Kommunikationstechnologien – vor allem das Internet – mit der die Wirtschaft vom Industrie- ins Informationszeitalter überging. Obwohl die New Economy heute auf dem Boden der wirtschaftlichen Realität gelandet ist, haben die modernen Kommunikationstechniken trotzdem zu tiefgreifenden Veränderungen in den Unternehmen geführt. Sie wirken sich nicht nur intern auf die Unternehmensorganisation aus, sondern auch auf die externen Beziehungen zu Lieferanten, Kunden oder Konkurrenten.
Im Bereich der Unternehmensführung ist es heute möglich, mit Hilfe moderner Informationssysteme vorhandene Unternehmensdaten in sekundenschnelle zu verdichten, zu kombinieren, miteinander zu vergleichen und zukünftige Entwicklungen zu prognostizieren. Planungs- und Entscheidungssysteme liefern der Unternehmensführung Werkzeuge, die sie mit Hilfe von Datenanalysen bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Damit hat sich auch die Steuerung der Unternehmen im Informationszeitalter entscheidend verändert.
Daneben setzte sich seit den achtziger Jahren das Konzept der wertorientierten Unternehmensführung auf Basis des Shareholder Value immer weiter durch, bei dem der Unternehmenswert klassische Kriterien wie z. B. den Gewinn als Steuerungsgröße ersetzte. Letztendlich waren es wohl die neuen, immer erschwinglicher werdenden Möglichkeiten der elektronischen Verarbeitung von Informationen, die auch kleineren Unternehmen die bis dahin aufwändige Analyse der Unternehmensdaten ermöglichte. Erst dadurch konnte die wertorientierte Unternehmensführung sich an breiter Front durchsetzen. Die folgende Arbeit liefert einen Überblick über die verschiedenen Instrumente der wertorientierten Unternehmensführung, ihre Kennzahlen, die Zielplanung und die wertorientierten Anreizsysteme.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Grundlagen der wertorientierten Unternehmenssteuerung
3. Wertorientierte Kennzahlenkonzepte
3.1. Discounted Cash Flows
3.2. Economic Value Added und Cash Value Added
4. Wertorientiertes Zielplanung
5. Wertorientierte Anreizgestaltung
6. Besonderheiten von Versicherungsunternehmen
7. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit gibt einen fundierten Überblick über die Instrumente der wertorientierten Unternehmensführung und analysiert deren Anwendbarkeit, insbesondere unter Berücksichtigung der spezifischen Rahmenbedingungen in der Versicherungsbranche.
- Grundlagen und theoretische Einordnung wertorientierter Steuerungsmodelle
- Analyse zentraler Kennzahlenkonzepte wie DCF, EVA und CVA
- Strategische Ausrichtung der Zielplanung in Unternehmen
- Gestaltungsmöglichkeiten wertorientierter Anreizsysteme
- Spezifische Herausforderungen der Wertorientierung bei Versicherungsunternehmen
Auszug aus dem Buch
3.1. Discounted Cash Flows
Im Mittelpunkt wertorientierter Planungskonzepte stehen Investitionsrechnungen sowie die Diskontierung der Cash Flows. Die Discounted Cash Flows gehen auf die Kapitalwertmethode zurück, mit deren Hilfe Investitionen beurteilt werden können. Die vornehmliche Aufgabe des Managements wird darin gesehen, den Wert eines Unternehmens zu steigern, da dies nicht nur dem Unternehmer selbst, sondern auch den Stakeholdern zugute kommt. Damit gelingt der Brückenschlag zwischen den Interessen des Unternehmers, seiner Angestellten, Kunden und Zulieferern und den Aktionären, denn sie alle profitieren von einem höheren Unternehmenswert.
Durch die zunehmende Neigung privater Haushalte zu Investitionen in Aktien oder kapitalgedeckte Versicherungen profitiert letztendlich die ganze Gesellschaft von steigenden Unternehmenswerten. Die wertorientierte Unternehmenssteuerung schafft eine Verbindung zwischen den Zielen eines Unternehmens und seiner strategischen Ausrichtung. Als vornehmliche Ziele werden die Generierung von Shareholder Value und von Wettbewerbsvorteilen angesehen. Sie sollen vor allem über eine Produktivitätserhöhung erreicht werden. Mit Hilfe der Wertkette gewinnt das Management einen Überblick über die geschaffenen Werte sowie die Kosten, die diesen gegenüberstehen. Im Rahmen einer Wettbewerbsanalyse identifiziert man nun die Werttreiber des Unternehmenswertes wie zum Beispiel Umsatzwachstum, Gewinnmarge, Investitionen in Umlauf- und Anlagevermögen oder die Kapitalkosten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den Übergang vom Industrie- zum Informationszeitalter und die damit verbundene Notwendigkeit, klassische Erfolgsgrößen durch wertorientierte Konzepte zu ergänzen.
2. Grundlagen der wertorientierten Unternehmenssteuerung: Dieses Kapitel erörtert die Defizite des traditionellen Rechnungswesens und die daraus resultierende Entwicklung neuer, wertorientierter Steuerungsansätze.
3. Wertorientierte Kennzahlenkonzepte: Hier werden die methodischen Ansätze von Discounted Cash Flows (DCF), Economic Value Added (EVA) und Cash Value Added (CVA) detailliert vorgestellt und bewertet.
4. Wertorientiertes Zielplanung: Das Kapitel beschreibt die notwendigen Dimensionen bei der Definition wertorientierter Ziele und die Bedeutung des Zielbildungsprozesses.
5. Wertorientierte Anreizgestaltung: Fokus ist die verhaltenswissenschaftliche Komponente, wie Mitarbeiter durch variable Vergütung zur wertorientierten Unternehmensführung motiviert werden können.
6. Besonderheiten von Versicherungsunternehmen: Der Abschnitt diskutiert, warum klassische Shareholder-Value-Ansätze bei Versicherern aufgrund spezifischer regulatorischer und struktureller Anforderungen angepasst werden müssen.
7. Fazit: Das Fazit fasst die Vor- und Nachteile der Konzepte zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit einer konsequenten, aber pragmatischen Umsetzung.
Schlüsselwörter
Wertorientierung, Unternehmenssteuerung, Shareholder Value, Discounted Cash Flows, Economic Value Added, Cash Value Added, Zielplanung, Anreizsysteme, Versicherungsunternehmen, Kapitalmarkt, Finanzielle Ziele, Unternehmenswert, Investitionsrechnung, Kapitalkosten, Leistungsvergütung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Konzepte der wertorientierten Unternehmensführung und deren Bedeutung für die moderne Unternehmenssteuerung im Informationszeitalter.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf Kennzahlenkonzepten, strategischer Zielplanung, leistungsabhängigen Anreizsystemen und den Besonderheiten bei der Anwendung dieser Methoden in Versicherungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über verschiedene Instrumente der wertorientierten Unternehmenssteuerung zu geben und deren Eignung und Herausforderungen darzustellen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und analytische Arbeit, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur und theoretischer Steuerungskonzepte basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung mathematischer Kennzahlen (DCF, EVA, CVA), die Erläuterung der strategischen Zielplanung und der Anreizgestaltung sowie die branchenspezifische Analyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Wertorientierung, Shareholder Value, Unternehmenssteuerung, Kennzahlenkonzepte und spezifische Anforderungen der Versicherungswirtschaft.
Warum ist die Anwendung von Shareholder-Value-Modellen bei Versicherungen problematisch?
Versicherungen unterliegen besonderen regulatorischen Auflagen, einer festen Konzernintegration und einer spezifischen Risikostruktur, die eine direkte Übertragung marktorientierter Instrumente erschweren.
Welche Rolle spielt die Eigenkapitalquote in diesem Kontext?
Die Eigenkapitalquote ist für Versicherer ein kritischer Faktor, da sie die Sicherheit der Schutzleistung bestimmt und für Investoren ein wichtiges Indiz bei der Entscheidungsfindung darstellt.
- Quote paper
- Mark Berger (Author), 2009, Wertorientierung der Unternehmenssteuerung im Informationszeitalter, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143313