Die Weiterbildung in der BRD sieht sich als eine der vier Säulen des deutschen Bildungswesens. Im Gegensatz zu den drei anderen Bereichen wie Vorschule, Schule und Hochschule unterliegt sie aber stärker berufspolitischen Strömungen, die sich in Förderungen spezieller Bereiche und Antizipation gesellschaftlicher Ansprüche zeigen.
Im engeren Sinn befasst sich die Weiterbildung in Deutschland mit betrieblichen und außerbetrieblichen Maßnahmen der Berufsbildung, wobei es sich hier nicht nur um die Erstausbildung handelt, sondern gerade Umschulungen und Weiterbildungen im Sinn von Qualifikationen und Qualifizierungen den Innovationen von Industrie und Technik Rechnung tragen. Auch bietet sich über die Weiterbildung gerade Bildungsbenachteiligten Gruppen der Gesellschaft, wie Frauen und Migranten ein Weg der Bildungsteilnahme,der sich als einzige Möglichkeit zu ihrer Gleichberechtigung im Gemeinwesen darstellt, nicht zuletzt durch Wiedereingliederungsmaßnahmen und somit gelebter Gleichstellungspolitik.
Neben dem bekannten 2. Bildungsweg über Abendgymnasien etc. bleibt in der Weiterbildung der so genannte 3. Bildungsweg nicht unbeachtet, auf dem es Erwachsenen mit Berufsausbildung und Berufsbewährung ermöglicht wird ein Studium ohne formale
Hochschulreife zu ergreifen.
Im Rahmen unseres horizontalen Bildungssystems stellt sich somit die Weiterbildung als allgemeine, berufliche und wissenschaftliche Bildung in vielfältigen Formen dar.
Durch die Ermöglichung von Weiterbildung sollen Bildungschancen verbessert werden und Benachteiligungen aufgrund regionaler, sozialer und individueller Voraussetzungen aufgeweicht werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Möglichkeiten der Weiterbildung in Deutschland
1.1. Einleitung
1.2. Institutionen der Berufsbildung und Weiterbildung
1.3. Berufsausbildung
1.4. Weiterbildung
2. Zielgruppen der Weiterbildung
2.1. Zielgruppen in der institutionellen Berufsbildung
2.2. Zielgruppenorientierung in der Erwachsenenbildung
2.3. Zielgruppen in der beruflichen Weiterbildung
2.4. Weibliche Anteile an der beruflichen Weiterbildung
3. Entwicklungen in der Weiterbildung
3.1. Berufsfindungsprozesse von jungen Mädchen und Frauen
3.2. Erwerbsbiographien von Frauen
3.3. Geschlechtsspezifische Perspektiven in der Weiterbildung
3.4. gender – mainstreaming : politische und gesellschaftliche Einflüsse auf die Weiterbildung von Frauen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die geschlechtsspezifischen Ungleichheiten im deutschen Weiterbildungssystem und analysiert, inwieweit Bildungsangebote dazu beitragen können, Benachteiligungen von Frauen abzubauen. Dabei steht die Frage im Zentrum, wie sich institutionelle Rahmenbedingungen und gesellschaftliche Rollenbilder auf die berufliche Teilhabe und Weiterbildungsbereitschaft von Frauen auswirken.
- Strukturen des deutschen Weiterbildungssystems und institutionelle Rahmenbedingungen.
- Differenzierung der Zielgruppen und deren spezifische Bildungsbedarfe.
- Geschlechtsspezifische Einflüsse auf Berufsfindungsprozesse und Erwerbsbiographien.
- Kritische Analyse von Förderprogrammen wie dem "Gender-Mainstreaming".
- Herausforderungen für die Schulpädagogik und die Berufsberatung bei der Förderung benachteiligter Gruppen.
Auszug aus dem Buch
3.1. Berufsfindungsprozesse von jungen Mädchen und Frauen
Obwohl Mädchen in den letzten Jahren von der Bildungsoffensive profitiert haben führt ihr Bildungsweg weiterhin von im Durchschnitt besseren Schulabschlüssen, als ihre männlichen Mitschüler, zur Doppelbelastung in Familie und Beruf.
Auch heute noch existieren erhebliche Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen bei der Berufs – und Studienwahl. So dient die Erwerbsarbeit den Mädchen eher zur Existenzsicherung und weniger zur Lebensplanung oder Persönlichkeitsentwicklung. Die Berufsfindung gilt hier als wichtiger Einstieg, dessen falsche oder ungünstige Entscheidungen sich im weiteren Leben der Mädchen nur schwer wieder rückgängig machen lassen. Man könnte sie als Weichenstellung für die spätere Erwerbsbiographie bezeichnen. Von individuellen und strukturellen Faktoren geprägt zeigt dieser Einstieg in die Erwerbswelt nicht selten eine hohe Technikdistanz der Mädchen. Wenig hilfreich ist hier auch die extra eingerichtete Jugendberufshilfe, die von einigen Autoren eher als Jungenhilfe bezeichnet wird. In den letzten Jahren lässt sich durch den Wegfall von Ehe und Familie als Versorgungsinstanz eine Änderung der weiblichen Lebensentwürfe und die Eingliederung von Berufs – und Erwerbsarbeit als Lebensperspektive in diese beobachten. Leider laufen viele Mädchen hier Gefahr einen Beruf erlernen zu müssen, den sie nicht wollen bzw. nach erfolgreicher Ausbildung doch arbeitslos zu sein. Mädchen verbleiben meist länger in Bildungsinstitutionen als Jungen und ihre Familienbildungsphase verläuft obwohl sie den größeren Anteil daran tragen parallel zu ihrer Berufsphase. Es ist aber davon auszugehen, dass ein einheitliches Lebensmodell nach wie vor nicht existiert. Der Wunsch nach einer dauerhaften Partnerschaft wird von den meisten jungen Mädchen und Frauen geäußert, wobei sich etwa 90 % ein oder mehrere Kinder wünschen und eine partnerschaftliche Arbeitsteilung die Ausgangsbasis für ihre weitere Erwerbstätigkeit nach der Familiengründung sein soll. Dieser doppelte Lebensentwurf kann durchaus als Leitbild der heutigen Generation angesehen werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Möglichkeiten der Weiterbildung in Deutschland: Einführung in das deutsche Bildungssystem mit Fokus auf die verschiedenen Institutionen und die Definition von Weiterbildung sowie Berufsausbildung.
2. Zielgruppen der Weiterbildung: Analyse der verschiedenen Akteure im Weiterbildungsbereich, wobei besonders auf institutionelle Aspekte, soziale Herkunft und Motivation eingegangen wird.
3. Entwicklungen in der Weiterbildung: Untersuchung der geschlechtsspezifischen Dynamiken in Berufsfindung und Erwerbsverlauf sowie kritische Reflexion politischer Steuerungsinstrumente wie Gender-Mainstreaming.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Wirksamkeit von Weiterbildungsmaßnahmen in Bezug auf den Abbau geschlechtsspezifischer Benachteiligungen im deutschen Arbeitsmarkt.
Schlüsselwörter
Weiterbildung, Berufsausbildung, Geschlechtsspezifische Ungleichheit, Frauenförderung, Erwerbsbiographie, Gender-Mainstreaming, Bildungsbenachteiligung, Arbeitsmarkt, Lebenslanges Lernen, Berufswahl, Qualifikation, Sozialisation, Familiengründung, Berufsfindung, Bildungsgerechtigkeit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die bestehenden geschlechtsspezifischen Disparitäten innerhalb des deutschen Weiterbildungs- und Berufsbildungssystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf den Auswirkungen von Bildungsentscheidungen, der Bedeutung von Erwerbsbiographien bei Frauen und dem Einfluss staatlicher sowie gesellschaftlicher Strukturen auf die Bildungschancen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, warum aktuelle Weiterbildungsangebote die intendierten Gleichstellungsziele oft nicht erreichen und welche Barrieren für Frauen bestehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf der Auswertung bestehender Studien, bildungspolitischer Berichte und erziehungswissenschaftlicher Diskurse zur Berufs- und Erwachsenenbildung basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Bildungsinstitutionen, die Analyse der Zielgruppenorientierung, die Untersuchung weiblicher Erwerbsverläufe sowie eine kritische Auseinandersetzung mit dem Gender-Mainstreaming.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Weiterbildung, Berufswahl, Gender-Mainstreaming, Benachteiligung, Erwerbsbiographie und Bildungsgerechtigkeit.
Inwiefern beeinflusst die Mutterschaft die berufliche Weiterentwicklung laut der Autorin?
Die Autorin identifiziert die Mutterschaft als eine kritische "Bruchstelle" in den Erwerbsbiographien von Frauen, die oft zu einer dauerhaften Benachteiligung und einer Abkehr von ambitionierten Karrierezielen führt.
Welche Rolle spielt das Bildungssystem bei der Aufrechterhaltung von Ungleichheiten?
Die Arbeit argumentiert, dass das dreigliedrige Schulsystem und die traditionelle Berufsberatung oft unbewusst geschlechtsspezifische Rollenbilder festigen, anstatt individuelle Potenziale losgelöst von diesen Mustern zu fördern.
- Citation du texte
- Marion Pape (Auteur), 2007, Geschlechtsspezifische Ungleichheiten in der Weiterbildung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143392