Die Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie (Client-centered Therapy) wurde 1942 von dem amerikanischen Psychologen Carl Rogers begründet und theoretisch und praktisch u.a. von Bommert (1976), Pavel (1978) und dem Ehepaar Tausch (1979) weiterentwickelt.1 Das Hauptziel der klienten-zentrierten Therapie, die im deutschsprachigen Raum auch als personenzentrierte Psychotherapie bezeichnet wird, ist „die Förderung des gesunden psychischen Wachstums des Individuums."2 Der Ansatz, der der Humanistischen Psychologie zuzuordnen ist, geht davon aus, dass „allen Menschen das grundlegende Streben der menschlichen Natur nach Selbst-verwirklichung - nach der Verwirklichung des eigenen Potentials - gemeinsam ist"3. Hinzu kommt die Annahme, dass der Mensch von Natur aus gut ist, dieses positive Selbstbild jedoch durch negative Kritiken von au-ßen, z.B. durch fehlerhafte Lernmuster, gestört werden kann. Die Folgen können Angst und ein geringes Selbstwertgefühl sein. „Nach Rogers besteht die Aufgabe des Therapeuten darin, eine therapeutische Umgebung zu schaffen, die es dem Klienten gestattet, die Fähigkeit zur Selbstbewertung neu zu erwerben. Er lernt von neuem zu beurteilen, wie er sich am besten verhält, um die eigene Entwicklung und die Selbstverwirklichung zu fördern. [...] Es ist die grundlegende Strategie des Therapeuten, die Gefühle des Klienten anzuerkennen, anzunehmen und zu klären."4 Im Gegensatz zu an-deren Therapieformen, etwa der Psychoanalyse, in der der Therapeut interpretiert und mögliche Antworten bzw. Anweisungen gibt, ist er in der klientenzentrierten Therapie ‘nur’ ein unterstützender Zuhörer, der die Gefühle und Behauptungen des Klienten reflektiert und sie gelegentlich wiederholt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Menschenbild und die Persönlichkeitstheorie von Rogers
3. Therapeutisches Verhalten in der Gesprächspsychotherapie
3.1 Echtheit
3.2 Positive Wertschätzung
3.3 Einfühlendes Verstehen
4. Experiencing und Focusing
5. Schlusswort
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit setzt sich zum Ziel, die zentralen Charakteristika der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers theoretisch zu erläutern und anhand von Praxisbeispielen zu verdeutlichen. Dabei wird insbesondere untersucht, wie die therapeutische Haltung den psychischen Heilungsprozess des Klienten unterstützt.
- Grundlagen der Persönlichkeitstheorie nach Rogers
- Die drei Kernmerkmale therapeutischen Verhaltens: Echtheit, positive Wertschätzung und einfühlendes Verstehen
- Abgrenzung der klientenzentrierten Therapie zu anderen Beratungsstilen
- Konzepte des Experiencing und Focusing als Erweiterung des Ansatzes
Auszug aus dem Buch
3.1 Echtheit
Andere Begriffe für diese ‘Begegnungshaltung’ sind laut Kriz z.B.: ‘Selbstkongruenz’, ‘Selbstaufrichtigkeit’, ‘ohne-Fassade-sein’ und ‘Selbstintegration’. Echtheit stellt den Anspruch an den Therapeuten, „dass seine Äußerungen, sein Verhalten, seine Maßnahmen, seine Gestik und Mimik weitgehend mit seinem inneren Erleben, Fühlen, Einstellungen und Denken übereinstimmen.“ Er muss also bereit sein, sich selbst zu erleben, um sich in die jeweilige Situation natürlich einbringen zu können. Er darf sich nicht hinter Fassaden verstecken und aus einer gewissen Distanz seine ‘Therapeutenrolle’ spielen. Sein Verhalten und seine Kommunikation muss authentisch sein und das wiedergeben, was in ihm vorgeht. D.h. seine Mimik, Gestik und sein Tonfall müssen mit dem Inhalt seiner Äußerung übereinstimmen - er muss transparent sein. Bei diesem Verhalten kann es jedoch nicht darum gehen, permanent seinem Gegenüber (sowohl Therapeut als auch Klient) seine Empfindungen mitzuteilen. Zu oft unterliegt der Mensch emotionalen Schwankungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Ursprünge der von Carl Rogers begründeten klientenzentrierten Therapie ein und definiert deren Ziel, die Förderung des gesunden psychischen Wachstums.
2. Das Menschenbild und die Persönlichkeitstheorie von Rogers: Es werden die zentralen Thesen von Rogers vorgestellt, die das Individuum als selbstbestimmtes Wesen mit einem angeborenen Streben nach Selbstverwirklichung beschreiben.
3. Therapeutisches Verhalten in der Gesprächspsychotherapie: Dieses Kapitel erläutert, warum emotionale Lernprozesse wichtiger sind als rationale Anweisungen und definiert die therapeutische Grundhaltung.
3.1 Echtheit: Hier wird die Bedeutung von Kongruenz und Transparenz im therapeutischen Handeln als Voraussetzung für eine authentische Beziehung thematisiert.
3.2 Positive Wertschätzung: Das Kapitel beschreibt, wie durch Akzeptanz und eine respektvolle Einstellung gegenüber dem Klienten ein sicherer Raum für psychische Veränderung geschaffen wird.
3.3 Einfühlendes Verstehen: Es wird erörtert, wie der Therapeut durch Empathie und das Verständnis der Welt aus der Sicht des Klienten dessen Entwicklung unterstützen kann.
4. Experiencing und Focusing: Dieses Kapitel stellt die von Gendlin entwickelten Konzepte vor, die dem Klienten ermöglichen, durch einen bewussten Kontakt mit dem eigenen Körpererleben innere Prozesse zu klären.
5. Schlusswort: Das Fazit fasst die Bedeutung der drei Grundmerkmale für den therapeutischen Erfolg zusammen und plädiert für deren Anwendung im zwischenmenschlichen Bereich.
Schlüsselwörter
Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Carl Rogers, Echtheit, Kongruenz, Positive Wertschätzung, Empathie, Einfühlendes Verstehen, Experiencing, Focusing, Selbstverwirklichung, Persönlichkeitstheorie, Therapeutische Beziehung, Humanistische Psychologie, Klient, Selbstbild.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Publikation grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den theoretischen und praktischen Grundlagen der klientenzentrierten Gesprächspsychotherapie nach Carl Rogers.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild von Rogers, die drei therapeutischen Grundmerkmale und die Erweiterung durch Focusing-Konzepte.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die theoretische Erklärung und praxisnahe Verdeutlichung der therapeutischen Charakteristika, die für das psychische Wachstum eines Klienten notwendig sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin stützt sich auf Literaturanalysen und den Vergleich von Praxisbeispielen, um die therapeutische Haltung zu operationalisieren und verständlich zu machen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die Persönlichkeitstheorie, die drei Säulen der Therapie (Echtheit, Wertschätzung, Einfühlung) sowie das Konzept des Experiencing detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind klientenzentrierte Psychotherapie, Empathie, Kongruenz, Focusing und therapeutische Grundhaltung.
Warum ist laut der Arbeit eine 'Konsumentenhaltung' des Klienten problematisch?
Weil der Klient dabei nur Ratschläge erwartet und bei neuen Problemen handlungsunfähig bleibt, anstatt selbst die Fähigkeit zur Selbstbewertung zu erwerben.
Welche Bedeutung hat das 'Körpergefühl' im Focusing?
Das Körpergefühl dient als primärer Anker für den Klienten, um unbewusste Gefühle wahrzunehmen und eine spürbare Veränderung zu erreichen.
- Quote paper
- Marcus Grützner (Author), 1997, Klientenzentrierte Gesprächspsychotherapie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143458