Sämtliche Medien, die heute über strukturell benachteiligte Mitglieder unserer Gesellschaft diskutieren, fordern immer wieder Chancengleichheit für eben diese. Nach dem ersten Hören zu urteilen könne man meinen, dies sei eine vernünftige Forderung, nur was steckt eigentlich hinter diesem so vielsagenden Begriff und wie denken der Staat und die Wissenschaft darüber? Aufgrund dieser Diskussion, die immer wieder im medialen und gesellschaftlichen Interesse steht, werde ich im Folgenden eine Definitionsanalyse des Begriffs Chancengleichheit durchführen, wobei ich meine Argumentation hauptsächlich auf Gesetzestexte und Definitionen von Wissenschaftlern des Allgemeinwissens sowie der Sozialwissenschaft stützen werde. Nach der Untersuchung der allgemeinen Definitionen für Chancengleichheit werde ich exemplarisch auf Chancengleichheit im Zusammenhang mit Frauen in Führungspositionen eingehen und darlegen, inwiefern Frauen Führungspositionen bekleiden und wo die hauptsächliche Barriere liegt, dass es vergleichsweise wenig Frauen in Führungspositionen gibt. Im Fazit werde ich unter anderem eine Einschätzung abgeben, ob Chancengleichheit in Deutschland bereits Alltag ist oder immer noch eine idealistische Wunschvorstellung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rechtliche Grundlagen
3. Definitionen des Begriffs Chancengleichheit
4. Frauen in Führungspositionen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Begriff der Chancengleichheit durch eine fundierte Definitionsanalyse auf Basis rechtlicher und sozialwissenschaftlicher Quellen und beleuchtet exemplarisch die Herausforderungen bei der Besetzung von Führungspositionen durch Frauen.
- Analyse rechtlicher Rahmenbedingungen der Chancengleichheit
- Vergleichende Definition des Begriffs aus Sicht verschiedener Disziplinen
- Untersuchung der Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen
- Reflexion des Einflusses der Altersstruktur und Familienplanung auf Karriereverläufe
- Diskussion der Realisierung von Chancengleichheit in der modernen Industriegesellschaft
Auszug aus dem Buch
4. Frauen in Führungspositionen
Wie das IAB Betriebspanel 2004 im Rahmen einer Führungskräftestudie gezeigt hat, sind Führungspositionen in deutschen Unternehmen deutlich stärker von Männern besetzt als von Frauen. 45% aller Beschäftigten in der deutschen Privatwirtschaft sind weiblich, der Anteil von Frauen in Führungspositionen der ersten Führungsebene (Eigentümer, Geschäftsführer, Vorstand, Filialleitung, Betriebsleitung) mit abhängigem Beschäftigungshintergrund liegt im Durchschnitt jedoch nur bei 23%. Er stieg von 2000 bis 2004 um 2 Prozentpunkte, ist damit aber immer noch sehr gering. Besonders in Großbetrieben (hier: ab 500 Beschäftigten) ist der Anteil weiblicher Führungskräfte sehr gering, hier liegt er bei knapp 5%. Bei Betrachtung der Unternehmensbranche fällt auf, dass der weibliche Führungskräfteanteil in Chemieunternehmen, Banken und im Einzelhandel steigend und schon deutlich höher ist als der Durchschnitt, jedoch noch lange nicht den der Männer erreicht. Doch wie ergeben sich diese Verhältnisse?
Ein wichtiger Grund, um Erkenntnisse darüber zu erlangen, warum sich dieses Missverhältnis so ergibt, ist die Altersstruktur aller abhängig beschäftigten Führungskräfte. Dem Mikrozensus zufolge wird ein unterschiedlicher Karriereverlauf zwischen Mann und Frau in der Regel bei einem Lebensalter von ungefähr 30 Jahren erkennbar. In der Altersgruppe unter 30 Jahren entsprechen die Anteile weiblicher und männlicher Führungskräfte in Deutschland nahezu genau den Anteilen der abhängig beschäftigten Personen insgesamt (43%). Hingegen geht dieser Anteil im Alter zwischen 30 und 34 Jahren dann auf schon auf 30% zurück, später im Alter von 34 bis 49 sogar auf 20%. Dieser Rückgang während der „Familiengründungs- und Kinderbetreuungsphase“ zeigt, dass eben diese Ereignisse und neuen Aufgaben wahrscheinlich die Karriere und die beruflichen Perspektiven einschränken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die mediale und gesellschaftliche Debatte um Chancengleichheit ein und umreißt das methodische Vorgehen der Definitionsanalyse sowie die anschließende Untersuchung der Situation von Frauen in Führungspositionen.
2. Rechtliche Grundlagen: Das Kapitel erläutert die gesetzliche Verankerung des Begriffs der Chancengleichheit in Deutschland, insbesondere durch das Grundgesetz, das AGG und das Betriebsverfassungsgesetz.
3. Definitionen des Begriffs Chancengleichheit: In diesem Teil werden verschiedene wissenschaftliche und allgemeine Definitionen des Begriffs gegenübergestellt, um Gemeinsamkeiten und disziplinäre Unterschiede herauszuarbeiten.
4. Frauen in Führungspositionen: Dieses Kapitel analysiert anhand von Daten des IAB-Betriebspanels das Missverhältnis der Geschlechter in Führungsebenen und diskutiert den Einfluss von Familienphasen auf den Karriereverlauf.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Einschätzung, dass Chancengleichheit noch nicht vollständig realisiert ist und ein ungenutztes Potenzial für die gesamte Gesellschaft darstellt.
Schlüsselwörter
Chancengleichheit, Grundgesetz, Gleichstellung, Führungspositionen, Arbeitsmarkt, Karriereverlauf, Frauenförderung, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, Soziale Gerechtigkeit, Diskriminierung, Leistungsprinzip, Industriegesellschaft, Gender, Personalmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der theoretischen Definition und der praktischen Umsetzung des Konzepts der Chancengleichheit in der Bundesrepublik Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die rechtlichen Rahmenbedingungen, die wissenschaftliche Begriffsdefinition sowie die spezifische Situation von Frauen beim Aufstieg in Führungspositionen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, zu analysieren, wie Chancengleichheit definiert wird und ob sie in der deutschen Arbeitswelt bereits als Alltag oder lediglich als Wunschvorstellung existiert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit stützt sich auf eine Definitionsanalyse unter Verwendung von Gesetzestexten sowie auf die Auswertung sozialwissenschaftlicher Literatur und statistischer Studien.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine juristische Grundlagenbetrachtung, einen Vergleich soziologischer Definitionen sowie eine empirische Betrachtung zur Unterrepräsentanz von Frauen in Führungsebenen.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Gleichberechtigung, Chancengleichheit, Karriereverlauf, strukturelle Benachteiligung und das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz.
Welche Rolle spielt die Familiengründung für die Karriere von Frauen?
Die Arbeit identifiziert die Phase der Familiengründung und Kinderbetreuung als einen wesentlichen Grund für den Rückgang weiblicher Führungskräfte in der Altersgruppe ab 30 Jahren.
Ist Chancengleichheit laut der Arbeit in Deutschland bereits erreicht?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Chancengleichheit noch längst nicht vollkommen realisiert ist und Unternehmen sowie der Staat noch erhebliche Potenziale zur Verbesserung aufweisen.
- Arbeit zitieren
- Damian Barsch (Autor:in), 2009, Chancengleichheit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143561