In meiner Masterarbeit habe ich mich intensiv mit dem Thema des Philosophierens in der Grundschule auseinandergesetzt und dabei herausgefunden, dass der frühe Beginn des Philosophierens bei Schülern viele positive Auswirkungen hat. Das Philosophieren fördert das kritische Denken, die sozialen Kompetenzen, die sprachlichen Fähigkeiten und die Selbstreflexion der Kinder. Es ermöglicht ihnen, ihre Gedanken zu reflektieren, verschiedene Perspektiven zu betrachten und ihre eigenen Meinungen zu begründen.
Ein besonderer Fokus dieser Arbeit lag auf der Verwendung von Bilderbüchern als Medium für das Philosophieren in der Grundschule. Bilderbücher bieten eine visuelle Unterstützung, die Kindern hilft, komplexe Ideen zu verstehen. Die Kombination aus Bildern und Text ermöglicht es den Kindern, sich besser in die Geschichte einzufühlen und sich mit den dargestellten Themen auseinanderzusetzen. Durch die Verwendung von Bilderbüchern können Kinder spielerisch in das Philosophieren eingeführt werden und von den zahlreichen Vorteilen dieser Praxis profitieren.
Die Ergebnisse dieser Masterarbeit zeigen deutlich, dass das Philosophieren in der Grundschule nicht nur den intellektuellen und sozialen Fähigkeiten der Schüler zugutekommt, sondern auch ihre Neugier und ihr Interesse am Lernen fördert. Die Integration des Philosophierens in den Schulalltag kann somit einen wertvollen Beitrag zur ganzheitlichen Bildung der Schüler leisten.
Inhaltsverzeichnis
- 1 Einleitung
- 2 Philosophische Gespräche in der Grundschule
- 2.1 Philosophie
- 2.2 Philosophieren
- 2.3 Ansätze und Methoden der Kinderphilosophie
- 2.4 Philosophieren mit Kindern
- 2.4.1 Voraussetzungen und Merkmale nachdenklicher Gespräche in der Grundschule
- 2.4.2 Die Gesprächsführung
- 3 Bilderbücher
- 3.1 Besonderheit des Mediums „Bilderbuch“
- 3.2 Anlass für philosophische Gespräche
- 4 Praxistheoretische Überlegungen für den Deutschunterricht
- 4.1 Inhaltsangabe zum Bilderbuch „Irgendwie Anders"
- 4.2 Analyse des Bilderbuches „Irgendwie Anders“ von Kathryn Cave
- 4.3 Potenziale des Bilderbuches „Irgendwie Anders“ für philosophische Gespräche
- 4.4 Praxistheoretische Überlegungen für den Deutschunterricht in der Grundschule
- 5 Fazit
- 6 Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Masterarbeit untersucht, inwiefern Bilderbücher als Anlass für philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule dienen können und wie eine solche Umsetzung im Unterricht erfolgen sollte. Das primäre Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Kinder durch Bilderbücher einen vielfältigen Zugang zu philosophischen Themen und Fragen erhalten, um ihre Reflexionsfähigkeit und Orientierung im Denken und Handeln zu fördern.
- Die Definition und Abgrenzung der Begriffe Philosophie und Philosophieren.
- Ansätze und Methoden der Kinderphilosophie im Kontext der Grundschule.
- Die spezifischen Merkmale von Bilderbüchern und ihr Potenzial als Medium für philosophische Gespräche.
- Praxistheoretische Überlegungen zur konkreten Umsetzung philosophischer Gespräche mit dem Bilderbuch „Irgendwie Anders“ im Deutschunterricht.
- Die Rolle der Lehrkraft als Moderator und Entwicklungshelfer in philosophischen Gesprächen.
- Förderung von Toleranz, Akzeptanz und der Entwicklung eines Selbstbewusstseins bei Kindern.
Auszug aus dem Buch
2.2 Philosophieren
Roeger beschreibt die Tätigkeit des Philosophierens folgendermaßen: Philosophieren diene dazu, um spezifisch zu argumentieren, zu urteilen und zu Einsichten zu gelangen (vgl. Roeger 2016, S. 15). Um dies zu können, erfordert die Philosophie die Bereitschaft, drei Regeln des Denkens zu berücksichtigen: über das Selbst nachzudenken, sich in die Stelle jedes Anderen einzudenken (Empathie) und mit sich selbst einstimmig zu denken. Kants Auffassung nach, muss das Denken-Lernen gefördert werden, damit ein autonomes bzw. selbstbestimmtes Handeln erlernt werden kann. Ausgehend von Kants Auffassung folgt, dass der Mensch entweder nur sozialisiert oder zum aufgeklärten Denken und Urteilen erzogen werden kann (vgl. Runtenberg 2016, S. 21 ff.): „[...] dass man keine Philosophie, sondern nur philosophieren lernen kann“ (Runtenberg 2016, S. 23). Kants Didaktik wird in den gegenwärtigen Konzepten verknüpft und erweitert.
Im Gegensatz zu dem Erwachsenen begegnen Kinder ihrer Umwelt mit Offenheit und Neugierde. Sie sind an vielen Vorgängen interessiert, die für Erwachsene wiederum belanglos erscheinen. Daurer hält fest, dass Kinder uns Erwachsenen diesbezüglich meist überlegen sind, und stützt sich auf die folgenden drei Pfeiler der Philosophie, auf denen der Prozess des Philosophierens gegründet wird, die auch im Laufe der Arbeit von Nutzen sein werden: das Staunen, den Zweifel und das Betroffensein. Diese werden wiederum von Brüning ausgebaut: das Staunen, das Fragen, das Nachdenken, das Zweifeln, das Weiterdenken und das Infragestellen (vgl. Daurer 2017, S. 17; vgl. Brüning 2010, S. 9).
Bevor das Bedürfnis aufkommt, etwas zu hinterfragen oder zu erforschen, muss man aufmerksam und neugierig bzw. erstaunt sein, so Daurer (vgl. Daurer 2017, S. 17). Die einflussreichsten Philosophen der Geschichte Platon (427 – 347 v. Chr.) und sein Schüler Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) heben hervor, dass das Staunen der Anfang der Philosophie ist und den Anstoß zur Erforschung des Großen und Ganzen ermöglicht. Der Drang, etwas wissen zu wollen, der Zustand des Nichtwissens, führt zu einem Zustand des Wissen-Wollens; der Mensch erfragt und hinterfragt das Warum und Wieso einer Sache. Das Betrachten der Sterne inspirierte zum Beispiel die Menschen, sich mit der Entstehung des Universums zu beschäftigen. Diese Inspiration fasst der griechische Philosoph Aristoteles im folgenden Zitat zusammen (vgl. Brüning 2010, S. 9 f.):
„Denn die Verwunderung ist es, die die Menschen zum Philosophieren trieb; sie wunderten sich zuerst über das ihnen aufstoßende Befremdliche, gingen dann allmählich weiter und fragten nach den Wandlungen des Mondes, der Sonne, der Gestirne und der Entstehung des Alls“ (Aristoteles: Metaphysik, 403a (geschrieben im 4. Jhd. v. Chr.), zitiert nach Jaspers 1971, S. 16).
Zusammenfassung der Kapitel
Kapitel 1 Einleitung: Dieses Kapitel stellt die Forschungsfrage der Arbeit vor, die sich damit befasst, wie Bilderbücher philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule anregen und umgesetzt werden können.
Kapitel 2 Philosophische Gespräche in der Grundschule: Hier werden die Begriffe Philosophie und Philosophieren definiert, verschiedene Ansätze der Kinderphilosophie vorgestellt und die Relevanz des Philosophierens mit Kindern, insbesondere im Deutschunterricht, begründet.
Kapitel 3 Bilderbücher: Das Kapitel beleuchtet die Besonderheiten von Bilderbüchern und ihre Eignung als Medium, um philosophische Gespräche anzustoßen und die kindliche Entwicklung zu fördern.
Kapitel 4 Praxistheoretische Überlegungen für den Deutschunterricht: Anhand des Bilderbuches „Irgendwie Anders“ werden konkrete praxistheoretische Vorschläge für die didaktische Umsetzung philosophischer Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule entwickelt.
Kapitel 5 Fazit: Das Fazit fasst die Erkenntnisse der Arbeit zusammen und bestätigt die vielfältigen Potenziale von Bilderbüchern als Impulsgeber für philosophische Gespräche in der Grundschule.
Schlüsselwörter
Bilderbücher, philosophische Gespräche, Deutschunterricht, Grundschule, Philosophie, Philosophieren, Kinderphilosophie, Reflexionsfähigkeit, Identität, Selbstbewusstsein, Toleranz, Akzeptanz, Sinnfragen, Bildanalyse, Gesprächsführung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Fragestellung, wie Bilderbücher als Anlass für philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule genutzt und methodisch umgesetzt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die Philosophie und das Philosophieren mit Kindern, die Rolle von Bilderbüchern als Medium hierfür sowie praxistheoretische Überlegungen zur Integration in den Deutschunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, inwiefern und auf welche Weise Bilderbücher philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule anregen und zur Umsetzung gebracht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit analysiert theoretische Konzepte der Philosophie und Kinderphilosophie und wendet diese praxistheoretisch auf das Medium Bilderbuch an, insbesondere durch eine detaillierte Analyse eines ausgewählten Bilderbuches.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Philosophierens mit Kindern, die Besonderheiten von Bilderbüchern und deren Potenziale für philosophische Gespräche, sowie konkrete praxistheoretische Überlegungen für den Deutschunterricht anhand eines Fallbeispiels.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Charakteristische Schlüsselwörter sind Bilderbücher, philosophische Gespräche, Deutschunterricht, Grundschule, Kinderphilosophie, Reflexionsfähigkeit und Identität.
Welche besonderen Funktionen von Bilderbüchern werden für philosophische Gespräche hervorgehoben?
Bilderbücher ermöglichen ästhetische Erfahrungen und eröffnen Räume für ästhetisches Denken in Bildern, wobei sie emotionale Betroffenheit und individuelle Reflexion fördern und somit die Artikulation philosophischer Fragen unterstützen.
Warum ist das Bilderbuch „Irgendwie Anders“ als Fallbeispiel besonders geeignet?
Das Bilderbuch „Irgendwie Anders“ eignet sich besonders gut, da es die Außenseiterproblematik thematisiert und Fragen zu Selbstbild, Ich-Identität, Toleranz und Akzeptanz aufwirft, die für Kinder in der Grundschule besonders relevant sind und zu tiefgehenden philosophischen Gesprächen anregen.
Welche Rolle spielt die Lehrkraft bei philosophischen Gesprächen mit Kindern?
Die Lehrkraft agiert als Coach und Moderator, der eine offene und vertrauensvolle Gesprächsatmosphäre schafft, in der die Kinder ihre Gedanken frei äußern und selbstständig nachdenken können, ohne dass es um die Vermittlung statischen Wissens geht.
Welche didaktischen Phasen werden für philosophische Gespräche im Unterricht vorgeschlagen?
Es werden Phasen des Entwickelns (freie Assoziation von Ideen), Erprobens (Vergleich und Überprüfung von Vorstellungen) und Prüfens (Urteilsbildung und Reflexion von Handlungsbezügen) vorgeschlagen, die einen strukturierten, aber ergebnisoffenen Denkprozess ermöglichen.
- Citar trabajo
- F. Ulrich (Autor), 2021, Bilderbücher als Anlass für philosophische Gespräche im Deutschunterricht der Grundschule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1435819