In dieser Bachelorarbeit werden die professionellen Handlungskompetenzen von Lehrkräften, die mit jugendlichen Migrant:innen arbeiten, untersucht. Die Forschungsfrage lautet: Inwiefern benötigen die Lehrkräfte, die mit jugendlichen Migrant:innen zum Zweck der Berufsorientierung, Berufsvorbereitung und Entwicklung von Ausbildungsreife arbeiten, besondere professionelle Kompetenzen?
Für die Beantwortung wurden vier theoriegeleitete Expert:inneninterviews durchgeführt und ausgewertet. Die empirische Untersuchung zeigt, dass Lehrkräfte, die mit diesen Schüler:innen arbeiten, keine besonderen Kompetenzen benötigen. Alle notwendigen Kompetenzen für diesen Bereich entsprechen den gewünschten Kompetenzen für professionelles Handeln in der Erwachsenenbildung. Die Befragten ordnen ihre Haltungen zum Teil nicht als Kompetenzen ein, verfügen aber darüber. Bemerkenswert ist dennoch, wie wichtig den Befragten vor allem die professionellen Werthaltungen und Überzeugungen sind, das heißt ein Handeln orientiert an moralischen, humanen pädagogischen Werten.
Es ist bekannt, dass seit Frühjahr 2015 die große Anzahl von Personen, die aus ihrer Heimat nach Deutschland geflohen sind, eine vielschichtige Herausforderung ist, denn es gilt, diejenigen, die es wünschen, in die deutsche Gesellschaft zu integrieren. Die Integration von Geflüchteten war und ist politisch gewünscht. Expert:innen sind überzeugt, dass die duale Berufsausbildung sowohl für die gesellschaftliche Integration von großem Wert ist, als auch für die Wertschätzung der dualen Ausbildung selbst. Die Aufnahme einer dualen Ausbildung kann sowohl für die Zugewanderten als auch für Betriebe vorteilhaft sein und dem aktuellen Fachkräftemangel entgegenwirken.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
Problemstellung und Methodik
2. Ausgangslage: Migrant*innen in
Berufsorientierungsmaßnahmen für
Geflüchtete
2.1 Zielgruppe und Struktur der Förder-
maßnahme BOF
2.2 Ziele und zu fördernde Teilnehmenden-
Kompetenzen
2.3 Geforderte Qualifikation der Lehrkräfte
2.4 Besonderheiten der migrantischen
Teilnehmerschaft
3. Einordnungen und begriffliche Klärungen
3.1 Erwachsenenbildung, Berufsorientierung und Berufs-
ausbildungsvorbereitung
3.2 Professionalität und professionelles pädagogisches
Handeln
3.3 Kompetenzen – Abgrenzungen und Begriffs-
bestimmungen
3.4 Selbstreflexion als Teilkompetenz in der Erwachsenen-
bildung
4. Kompetenzmodelle der Erwachsenenbildung,
Der Berufsorientierung und für die Arbeit mit jugendlichen
Migrant*innen
4.1 Das GRETA-Kompetenzmodell der Erwachsenenbildung
4.2 Qualifikationselemente von Lehrkräften in der Berufs-
orientierung
4.3 Lehrkräftekompetenzen in der Arbeit mit jugendlichen
Migrant*innen
5. Empirischer Teil: Expert*inneninterviews
5.1 Gütekriterien und Prinzipien der qualitativen
Forschung
5.2 Forschungsdesign: Expert*inneninterviews
5.3 Interviewleitfaden
5.4 Feldzugang
5.5 Durchführung der Interviews
5.6 Transkription
5.7 Auswertungsmethode: Inhaltsanalyse nach Mayring
6. Beantwortung der Forschungsfrage und Zusammen-
führung der Untersuchungsergebnisse
7. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Diese Bachelorarbeit untersucht die professionellen Handlungskompetenzen von Lehrkräften, die in staatlich geförderten Maßnahmen mit jungen Geflüchteten in der Berufsorientierung und Berufsausbildungsvorbereitung arbeiten. Die zentrale Forschungsfrage lautet, inwieweit diese Lehrkräfte besondere Kompetenzen benötigen oder ob allgemeine Kompetenzen für professionelles Handeln in der Erwachsenenbildung ausreichen.
- Berufsorientierungsmaßnahmen für junge Geflüchtete (BOF)
- Anforderungsprofile und Qualifikationsbedarfe von Lehrpersonal
- Theoretische Fundierung durch Kompetenzmodelle (speziell GRETA)
- Empirische Analyse mittels Experteninterviews und qualitativer Inhaltsanalyse
Auszug aus dem Buch
2.4 Besonderheiten der migrantischen Teilnehmerschaft
Neben einer geringen Anzahl von jungen Frauen der überwiegende Anteil der Teilnehmenden an einer BOF-Maßnahme männlich, kommt aus Syrien, dem Irak und Afghanistan, aber auch Personen aus dem Libanon, Armenien Albanien oder Marokko sind vertreten. Was sie verbindet ist das ungefähre gleiche Alter von 18 – 22 Jahren und die gemeinsame Religion, die jedoch nur selten thematisiert wird. Wenn sie auch aus unterschiedlichen Erstsprachen kommen, so können sie sich oft in der arabischen Sprache als „Lingua franca“ verständigen. Gemeinsam ist ihnen auch der Unterstützungsbedarf, da die Teilnehmer*innen nicht über einen geringen oder keinen Schulabschluss verfügen. Teilweise sind aber in der Praxis Teilnehmende anzutreffen, die einen in einem Oberstufenzentrum (OSZ) in Berlin gemachten mittleren Schulabschluss (MSA) vorweisen können. Dieser ist jedoch aufgrund im BOF-Unterricht feststellbaren sprachlichen und kognitiven Fähigkeiten nicht nachvollziehbar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Thema der professionellen Handlungskompetenz von Lehrkräften in Berufsorientierungsmaßnahmen für Geflüchtete ein und konkretisiert die Forschungsfrage.
2. Ausgangslage: Migrant*innen in Berufsorientierungsmaßnahmen für Geflüchtete: Hier werden der situative Rahmen, die Zielgruppenmerkmale und die spezifische Situation der Teilnehmenden in BOF-Maßnahmen dargestellt.
3. Einordnungen und begriffliche Klärungen: Dieses Kapitel verortet das Thema wissenschaftlich, indem Begriffe wie Erwachsenenbildung, Professionalität und Kompetenz definiert und abgegrenzt werden.
4. Kompetenzmodelle der Erwachsenenbildung, Der Berufsorientierung und für die Arbeit mit jugendlichen Migrant*innen: Hier werden bestehende theoretische Modelle, insbesondere das GRETA-Modell, analysiert und als Maßstab für die weiteren Untersuchungen herangezogen.
5. Empirischer Teil: Expert*inneninterviews: Dieser Abschnitt beschreibt das methodische Vorgehen, von der Gütekriteriensicherung über das Forschungsdesign bis hin zur Auswertung der Experteninterviews mittels qualitativer Inhaltsanalyse.
6. Beantwortung der Forschungsfrage und Zusammenführung der Untersuchungsergebnisse: Die empirischen Erkenntnisse werden mit den theoretischen Modellen abgeglichen, um die Forschungsfrage fundiert zu beantworten.
7. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse sowie Überlegungen zur Bedeutung der Thematik für die zukünftige Gestaltung von Bildungsmaßnahmen.
Schlüsselwörter
Berufsorientierung, Geflüchtete, BOF-Maßnahme, Lehrkräftekompetenzen, Erwachsenenbildung, Kompetenzmodell, GRETA, professionelles Handeln, Migrant*innen, Ausbildungsvorbereitung, qualitative Inhaltsanalyse, Experteninterviews, Professionalität, Berufsreife, pädagogische Haltung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den professionellen Anforderungen an Lehrkräfte, die in speziellen Berufsorientierungsmaßnahmen (BOF) junge Geflüchtete auf den Übergang in eine duale Berufsausbildung vorbereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Felder sind die Qualifizierung von Lehrpersonal, die theoretische Definition beruflicher Kompetenzen in der Erwachsenenbildung sowie die speziellen Herausforderungen bei der Arbeit mit jugendlichen Migrant*innen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist herauszufinden, ob Lehrkräfte für die Arbeit mit jungen Migranten in der Berufsorientierung explizit neuartige "Sonderkompetenzen" benötigen oder ob etablierte professionelle Kompetenzen der Erwachsenenbildung ausreichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit nutzt einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf leitfadengestützten Experteninterviews, die nach der Methode der qualitativen Inhaltsanalyse von Philipp Mayring ausgewertet wurden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Block, der Kompetenzmodelle (GRETA) erörtert, und einen empirischen Block, der die Auswertung von vier Experteninterviews enthält.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Berufsorientierung, Geflüchtete, Kompetenzmodell, GRETA, Lehrkräfteprofessionalität und Ausbildungsvorbereitung.
Was sind laut der Untersuchung die wichtigsten Kompetenzen für Lehrkräfte in diesem Bereich?
Die befragten Experten heben besonders ethisches Berufsethos, empathisches Einfühlungsvermögen, Flexibilität und eine Haltung der Wertschätzung gegenüber der Zielgruppe hervor, statt spezifisch neuer "technischer" Fertigkeiten.
Was ist das Ergebnis bezüglich der "Ausbildungsreife" bei den Teilnehmenden?
Die Arbeit stellt fest, dass der Begriff der Ausbildungsreife komplex ist und oft durch soziale, sprachliche und psychologische Barrieren der Geflüchteten erschwert wird, was eine hohe pädagogische Reflexionskompetenz der Lehrkräfte erfordert.
- Citation du texte
- Maren Schulz (Auteur), 2023, Professionelle Handlungskompetenz von Lehrkräften zur Berufsvorbereitung von Geflüchteten, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1435855