Der Vampir ist ein Phänomen, das interessanterweise in den unterschiedlichsten Kulturen, von Europa bis Afrika, zu finden ist. Der Ursprung des transsilvanischen Vampirs wird im allgemeinen Volksglauben auf den Grafen Vlad Ţepeş zurückgeführt, der Anfang des 15. Jahrhunderts gelebt hat und das Blut seiner Gegner getrunken haben soll.
Die Literatur und später auch der Film haben das Thema des untoten Blutsaugers dankbar aufgenommen und verarbeitet. Die Eleganz, die dem Vampir seit Bram Stoker nachgesagt wird, macht ihn als Monster im Film besonders interessant. Grausamkeit und Adel sind in Kombination viel erschreckender als nacktes Grauen. Der Zuschauer fühlt sich vom eleganten Äußeren des Vampirs angezogen und von seinen tödlichen Taten abgestoßen.
Ich möchte in dieser Arbeit die Filme Nosferatu – Symphonie des Grauens von Friedrich F. Murnau und Bram Stoker’s Dracula von Francis Ford Coppola auf ihren sexuellen Gehalt und ihre erotischen Anspiellungen hin untersuchen und dann mit Hilfe des Romans von Bram Stoker ihre Aussage deuten. Dazu bedarf es eines Überblicks über die Freud’schen Forschungsansätze bezüglich des Romans und detaillierter Einzelanalysen der Filme. Abschließend soll auf Basis der Einzelanalysen ein Bogen von Stoker über Murnau bis hin zu Coppola gespannt und die Entwicklung des Themas Sex interpretiert werden.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Vampire und Sexualität
2. Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens
3. Coppola: Bram Stoker’s Dracula
4. Stoker – Murnau – Coppola
III. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den sexuellen Gehalt und die erotischen Anspielungen in Friedrich F. Murnaus Film "Nosferatu – Symphonie des Grauens" und Francis Ford Coppolas "Bram Stoker’s Dracula". Dabei wird analysiert, wie beide Werke das Thema Sexualität vor dem Hintergrund der literarischen Vorlage von Bram Stoker interpretieren und welche Entwicklungen sich in der Darstellung der Geschlechterrollen und sexuellen Begehren über die Jahrzehnte hinweg abzeichnen.
- Sexualität und Erotik im Vampir-Mythos
- Psychoanalytische Ansätze zur Interpretation von Stoker, Murnau und Coppola
- Darstellung von Geschlechterrollen und patriarchalen Strukturen
- Vergleich der filmischen Umsetzung und Symbolik (Homosexualität, Potenz, Tabus)
- Die Verbindung von Tod und erotischem Verlangen (Eros und Thanatos)
Auszug aus dem Buch
1. Vampire und Sexualität
Der Vampir ist schon in der Mythologie ein sexuell aktives Wesen. Laut Claude Lecouteux findet man schon in Dokumenten des 18. Jahrhunderts Hinweise auf den postmortalen Eros des Vampirs. In diesen Dokumenten wurde diskret vertuscht, daß man bei Leichen, die als Vampire verdächtigt wurden, steife Geschlechtsorgane fand. „Dieser erigierte Penis ist, ganz natürlich, der Beweis, daß diese außerhalb der Gesellschaft stehenden Toten sexuelle Regungen verspüren (…)“
Mythen entspringen jedoch meistens auch Besonderheiten des natürlichen Verhaltens. So ist der Biß in den Hals kein rein vampirischer Akt. Tiere beißen ihre Sexualpartner oft in den Nacken, um sie sexuell zu stimulieren. In südslawischen Ländern war es verbreitet, sich in der Hochzeitsnacht regelrecht ineinander zu verbeißen. „Mit den durch den Liebesbiß hervorgerufenen Hautinsulten prunkte nach altem Brauchtum die jung verheiratete Frau förmlich. Der Bißkuß findet in bosnischen Liedern häufig Erwähnung.“
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung führt in das Phänomen des Vampirismus ein und umreißt das Ziel, den sexuellen Gehalt der Filme von Murnau und Coppola unter Rückgriff auf Freuds Theorien und literarische Vorlagen zu untersuchen.
II. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert detailliert die Verbindung von Vampirismus und Sexualität, untersucht die filmische Darstellung bei Murnau als Ausdruck unterdrückter Triebe und vergleicht diese mit Coppolas moderner, expliziterer Interpretation.
III. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert die Entwicklung der Thematik, wobei sie hervorhebt, dass trotz zunehmender sexueller Freizügigkeit in modernen Filmen weiterhin Ängste und gesellschaftliche Beschränkungen reflektiert werden.
Schlüsselwörter
Vampirismus, Sexualität, Bram Stoker, Nosferatu, Francis Ford Coppola, Filmgeschichte, Psychoanalyse, Geschlechterrollen, Eros, Thanatos, Viktorianismus, Homosexualität, Erotik, Gender-Studien, Symptom
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Darstellung von Sexualität und erotischen Symbolen in den Vampirfilmen von Murnau und Coppola im Vergleich zur literarischen Vorlage von Bram Stoker.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Psychoanalyse des Vampirismus, die Darstellung von Geschlechterrollen im viktorianischen und modernen Kontext sowie die Verbindung von Erotik, Tod und Krankheit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Entwicklung der sexuellen Symbolik und die Darstellung von Verlangen über den Zeitraum von der Romanvorlage bis hin zu Coppolas Adaption nachzuvollziehen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kulturwissenschaftliche Analyse sowie film- und literaturwissenschaftliche Interpretationsansätze unter Einbeziehung psychoanalytischer Konzepte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Mythen, Murnaus filmische Umsetzung als Ausdruck unterdrückter Triebe und die explizitere, modernere Auseinandersetzung Coppolas mit Potenzthemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind Vampirismus, Sexualität, Gender, Psychoanalyse, Repression und die filmische Interpretation von Erotik und Tod.
Wie deutet die Arbeit die Rolle von Ellen in Murnaus Film?
Ellen wird als eine Figur interpretiert, die durch ihre Akzeptanz der sexuellen Obsessionen und den Opfertod eine befreiende, wenn auch tragische Rolle einnimmt, um das "große Sterben" zu beenden.
Welche Bedeutung schreibt die Autorin dem Mosaik am Ende von Coppolas Film zu?
Das Mosaik symbolisiert die ewige Wiedervereinigung von Dracula und seiner geliebten Elisabetha und schließt den Kreis zur Anfangsszene des Films.
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- Verena v. Waldow (Author), 2007, Vampire und Sexualität, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143664