Erstaunliche Parallelen legen es nahe, Japan und Deutschland miteinander zu vergleichen, wobei natürlich darauf hingewiesen werden muss, dass es auch erhebliche Unterschiede zwischen diesen beiden Vergleichsobjekten gibt. Ein Unterschied tritt meines Erachtens in Bezug auf das „Wirtschaftswunder“ besonders stark hervor – beide Länder verzeichneten einen Arbeitskräftemangel in jenen Jahren und beide Länder setzten auf unterschiedliche
Mechanismen, um diesen Mangel abzustellen. Einer dieser vielseitigen Mechanismen steht in der vorliegenden Arbeit im Fokus der Betrachtung – die Migrations- bzw. Einwanderungspolitik, welche in beiden Staaten völlig unterschiedlich war und auch noch ist.
Es stellt sich daher die interessante Frage: Warum gab es unterschiedliche Ansätze einer Migrationspolitik, obwohl Japan und Deutschland das gleiche Problem des Arbeitskräftemangels hatten?
Um diese Frage zu beantworten, erscheint es notwendig einen kurzen Abriss der historischen Entwicklung beider Länder im 20. Jahrhundert darzustellen, da diese Entwicklungen ansatzweise eventuelle Erklärungsversuche liefern könnten. Dieser so genannte historische
Kontext wird daher im Punkt 2 nähere Angaben hierzu liefern. Punkt 3 und Punkt 4, samt deren Unterpunkte werden den Hauptteil der Hausarbeit beinhalten. In diesen beiden Punkten erfolgt die Darstellung und grobe Analyse des „Wirtschaftswunders“ und der
Migrationspolitik beider Staaten, die als Fallbeispiele für diesen Vergleich stehen – Deutschland und Japan.
Punkt 5 befasst sich thematisch abschliessend mit einem Ereignis, welches allgemein betrachtet die Hochkonjunktur in beiden Ländern zum Erliegen gebracht hat – die Ölpreiskrise des Jahres 1973. Die danach folgende Schlussbetrachtung in Punkt 6 wird dazu dienen, die zuvor dargestellten Ergebnisse zu bündeln und die Antwort auf die in Punkt 1 gestellten Fragen zu formulieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Historischer Kontext
3 „Wirtschaftswunder“ in Westdeutschland
3.1 Die Ausgangslage in den Nachkriegsjahren 1945 bis 1949
3.2 Der Aufschwung beginnt – die 1950/60er Jahre
3.3 Arbeitskräftemangel – westdeutsche Einwanderungspolitik als Konsequenz der Vollbeschäftigung und des Mauerbaus 1961
4 „Wirtschaftswunder“ in Japan
4.1 Ausgangslage in den 1950er Jahren
4.2 Der Aufschwung beginnt – die 1960er Jahre
4.3 Arbeitskräftemangel – japanische Binnenmigration und Bevölkerungswachstum als Konjunkturmotor
5 Ölpreiskrise 1973 – das Ende beider „Wirtschaftswunder“
6 Schlussbetrachtung
7 Quellen- und Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die unterschiedlichen Migrationspolitiken von Deutschland und Japan als Reaktion auf den akuten Arbeitskräftemangel während der jeweiligen „Wirtschaftswunder“-Phase nach dem Zweiten Weltkrieg bis zur Ölpreiskrise 1973. Dabei wird analysiert, warum die beiden Länder trotz ähnlicher konjunktureller Ausgangslagen bei der Bewältigung des Arbeitskräftebedarfs verschiedene Wege einschlugen.
- Historische Entwicklung und Vergleich der Nachkriegsgesellschaften
- Analyse des Arbeitskräftemangels in der Bundesrepublik Deutschland und Japan
- Migrations- und Einwanderungspolitik als Instrument der Wirtschaftsförderung
- Bedeutung von Binnenmigration und Bevölkerungswachstum für die japanische Industrie
- Auswirkungen der Ölpreiskrise 1973 als ökonomische Zäsur
Auszug aus dem Buch
4.3 Arbeitskräftemangel – japanische Binnenmigration und Bevölkerungswachstum als Konjunkturmotor
Wie die Bundesrepublik Deutschland hatte auch Japan aufgrund der starken wirtschaftlichen Konjunktur einen verstärkten Bedarf an Arbeitskräften – es herrschte Arbeitskräftemangel bedingt durch die Vollbeschäftigung. Allerdings schlug Japan einen anderen Weg ein, diesem Mangel zu begegnen. Eine striktere Einwanderungspolitik ließ es nicht zu, dass dieses Arbeitskräftedefizit von außen beglichen werden konnte, dies war auch nicht notwendig, da eine stärkere Arbeitsmobilisierung im inneren des Landes erfolgte. Binnenwanderung und starkes Bevölkerungswachstum in Japan waren somit auch eine wichtige Voraussetzung für den wirtschaftlichen Aufschwung. Binnenwanderung war aufgrund der „Einigkeit“ des Landes ohne größere Probleme möglich. Während Deutschland ab 1949 de jure und spätestens ab 1961 de facto geteilt war und somit die Binnenwanderung regelrecht zum erliegen kam, teilte Japan dieses Schicksal nicht.
Eine zweite Ursache dieser verstärkten Binnenwanderung in Japan lässt sich in dessen wirtschaftlicher und sozialer Entwicklung bis zu jenem Zeitpunkt erkennen. Japans Transformation zum Industriestaat war nach dem Zweiten Weltkrieg noch nicht vollständig abgeschlossen, daher konnte eine Arbeitskräftemobilisierung der in der Landwirtschaft tätigen Arbeiter erfolgen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert die Parallelen und Unterschiede zwischen Deutschland und Japan während der Nachkriegszeit sowie die Notwendigkeit unterschiedlicher Migrationspolitiken bei gleichem Arbeitskräftemangel.
2 Historischer Kontext: Dieses Kapitel beleuchtet den historischen Hintergrund beider Nationen im 20. Jahrhundert, mit Fokus auf die imperialistische Expansion, den Zweiten Weltkrieg und die anschließende Demokratisierung unter alliierter Besatzung.
3 „Wirtschaftswunder“ in Westdeutschland: Hier wird der wirtschaftliche Wiederaufbau der BRD analysiert, wobei besonders die Rolle der Einwanderung und der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte als Konsequenz aus Vollbeschäftigung und Mauerbau hervorgehoben wird.
4 „Wirtschaftswunder“ in Japan: Dieses Kapitel widmet sich dem japanischen Aufschwung und verdeutlicht, wie das Land den Arbeitskräftemangel primär durch Binnenmigration und ein signifikantes Bevölkerungswachstum bewältigte.
5 Ölpreiskrise 1973 – das Ende beider „Wirtschaftswunder“: Die Ölpreiskrise wird als Zäsur identifiziert, die in beiden Ländern zum Ende der Hochkonjunktur führte und eine Rezession einleitete.
6 Schlussbetrachtung: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei die zentralen Unterschiede – das „Importieren“ von Arbeitskräften in Deutschland versus die interne Mobilisierung in Japan – zusammenfassend gegenübergestellt werden.
7 Quellen- und Literaturverzeichnis: Hier sind sämtliche herangezogenen wissenschaftlichen Werke sowie Internetquellen aufgeführt.
Schlüsselwörter
Wirtschaftswunder, Arbeitskräftemangel, Migrationspolitik, Einwanderungspolitik, Japan, Deutschland, Nachkriegszeit, Binnenmigration, Bevölkerungswachstum, Ölpreiskrise 1973, Vollbeschäftigung, Strukturwandel, industrielle Transformation, Arbeitskräftemobilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht den Umgang von Deutschland und Japan mit dem Arbeitskräftemangel während der Zeit des „Wirtschaftswunders“ und vergleicht dabei die jeweils gewählten Lösungsstrategien.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der wirtschaftlichen Nachkriegsentwicklung, dem Vergleich der Migrationsansätze sowie der Rolle des demografischen Wandels und der Binnenmigration.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, warum Deutschland und Japan trotz gleicher Probleme (Arbeitskräftemangel bei Vollbeschäftigung) völlig unterschiedliche politische Wege der Arbeitskräftebeschaffung wählten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende historische und wirtschaftspolitische Analyse unter Nutzung statistischer Daten und zeitgeschichtlicher Literatur.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert das „Wirtschaftswunder“ in der BRD sowie in Japan, wobei insbesondere die Migrationsgeschichte und die strukturelle Arbeitskräftekontingentierung betrachtet werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Wirtschaftswunder, Migrationspolitik, Arbeitskräftemangel, Binnenmigration und die Ölpreiskrise von 1973.
Warum konnte Deutschland den Arbeitskräftemangel nicht durch interne Ressourcen decken?
In Deutschland war der ländliche Arbeitskräftepool bereits erschöpft und die Binnenwanderung durch die politische Teilung (insbesondere den Mauerbau) erheblich eingeschränkt, was den „Import“ ausländischer Arbeitskräfte notwendig machte.
Wie unterscheidet sich die japanische Strategie von der deutschen?
Japan setzte konsequent auf die interne Mobilisierung von Arbeitskräften aus dem agrarischen Sektor sowie auf das eigene Bevölkerungswachstum, anstatt in großem Umfang ausländische Arbeitskräfte anzuwerben.
- Citation du texte
- René Cremer (Auteur), 2007, Die „Wirtschaftswunder“ und der Mangel an Arbeitskräften in Westdeutschland und Japan – zwei Wege der Migrationspolitik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143691