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"Das Ghetto und seine Fiktionen"

Das paratextuelle Spiel zwischen dokumentarischer Authentizität und literarischer Fiktionalisierung in Feridun Zaimoglus "Kanak Sprak"

Titel: "Das Ghetto und seine Fiktionen"

Seminararbeit , 2007 , 13 Seiten , Note: 1

Autor:in: Fabian Saner (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
Leseprobe & Details   Blick ins Buch
Zusammenfassung Leseprobe Details

Der Fokus dieser Arbeit liegt auf den produktionsästhetischen Voraussetzungen von Feridun Zaimoglus Buch "Kanak Sprak. 24 Misstöne vom Rand der Gesellschaft". Die textformal-gattungsmässigen als auch die inhaltlichen paratextuellen Strategien sollen auf ihr performatives und hybrides Spiel hin untersucht werden, sowie auf die Frage hin, inwiefern sie das aufgeworfene Authentizitäts- und Autorschaftsproblem gleichsam bewusst-unbewusst problematisieren, um damit eingespielte Rezeptionskanäle zu verwirren. Mich interessiert in einer präzisen Lektüre der 'Vorrede’ vor allem Zaimoglus Legitimationsmodell, 'authentische Sprachbilder' zu gestalten, die er selbst als „Nachdichtungen“ deklariert. Die nicht signalisierte Paratextualität soll darauf hin untersucht werden, wie sie gleichsam die ablesbare Argumentationsstrategie des Autors unterläuft. Das Verhältnis von Faktizität und Fiktionalität, von dokumentarischer Authentizität und literarisierter (Nach-)Dichtung prägen nicht die Autorstrategie, 'Wahrheiten aus dem Ghetto' zu berichten und diese gleichzeitig, im kritischen Rekurs auf die herrschenden Identitätsangebote für Secondos in europäischen Gesellschaften, subversiv zu brechen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1.1. Prolog: Feridun Zaimoglu, „Ghetto“-Zauberer der Postmoderne?

1.2 Einleitung: „Hier hat allein der Kanake das Wort“ – die Misstöne der Kanak Sprak als hybrides Sprach-Spiel mit Rezeptionserwartungen

2.1. „Man gibt eine ganz und gar private Vorstellung in Worten.“ Typographische und terminologische Untersuchungen im Gegenlicht des Authentizitätsparadigmas

2.2. Die verweigerte Ontogenese der Generation X. Zur textuellen (Nach-) Konstruktion des ‚Kanaken’

2.3. „Gelungene Literatur ist immer hybrid und rhizomatisch.“ Zum produktionsästhetischen Mischverhältnis der Autor- und Fremdstimmen in Kanak Sprak

3. Bilanz: „Dem Free-Style-Sermin im Rap verwandt“ – Kanak Sprak als performativ inszenierte orale Literatur oder real-soziale Portraitmalerei „von der Peripherie her“?

Zielsetzung und Themen

Die Arbeit untersucht mikrodiskursanalytisch die paratextuellen Strategien in Feridun Zaimoglus "Kanak Sprak". Dabei wird hinterfragt, wie der Autor durch die Inszenierung einer vermeintlich authentischen Sprache zwischen dokumentarischer Realität und literarischer Fiktionalisierung oszilliert, um Rezeptionserwartungen gezielt zu unterlaufen.

  • Analyse des paratextuellen Spiels zwischen Dokumentation und Fiktion.
  • Untersuchung der produktionsästhetischen Strategien in Zaimoglus Vorrede.
  • Problematisierung des Authentizitäts- und Autorschaftsdiskurses.
  • Erforschung der performativen Struktur der „Kanaken“-Monologe.
  • Diskussion der literarischen Form als hybrides und rhizomatisches Konstrukt.

Auszug aus dem Buch

2.1. „Man gibt eine ganz und gar private Vorstellung in Worten.“ Typographische und terminologische Untersuchungen im Gegenlicht des Authentizitätsparadigmas

Im Folgenden will ich anhand typographischer und terminologischer Untersuchungen nachzuvollziehen versuchen, inwiefern sich das produktionsästhetische Mischverhältnis aus programmatisch statuierter Authentizität und konzessierter Nachdichtung quantifizieren lässt. Die Ausgangshypothese lautet, dass gerade der geschickte Ausweichprozess, wodurch Zaimoglu definitive literarische oder dokumentarische Zuschreibungen und Kategorisierungen dieser „Protokolle“ (KS, S. 15; daselbst in Anführungszeichen gesetzt) oder „Chroniken“ ins Leere laufen lässt, mit dem Gestus des kulturellen Hybrids kombiniert und fusioniert werden soll, als den der ‚Kanake’, der keine kulturelle Verankerung sucht, aber doch klare Vorstellungen von Selbstbestimmung hat (KS, S. 12), charakterisiert und vorgestellt wird.

Dass Zaimoglus Kanak Sprak sensibler Aufmerksamkeit hinsichtlich der paratextuellen Signale bedarf, wird bereits in der Absenz, bzw. der polyvalenten Zuschreibungen einer Gattungsbezeichnung, die von aussen an das Buch herangetragen werden, ersichtlich. Der verlegerische Klappentext oszilliert unentschieden zwischen „authentischen Bekenntnissen junger Männer“, die Zaimoglu als Übersetzer in „lesbares, nahezu hörbares Deutsch“ überträgt, und charakterisiert die „Protokolle“ gleichzeitig als „veritables und kräftiges Stück Literatur.“ (KS, unnummeriert [S. 2], Hervorh. F.S.) Nimmt man Zaimoglus einleitende Bemerkungen und Erläuterungen, die der Terminologie von Gérard Genette als auktoriales Originalvorwort zu charakterisieren wären, selbst unter die Lupe, sticht in einer genaueren typographischen Betrachtung ins Auge, dass sie sich visuell (vorerst) nicht von den 23 anderen „Misstönen“ abheben.

Zusammenfassung der Kapitel

1.1. Prolog: Feridun Zaimoglu, „Ghetto“-Zauberer der Postmoderne?: Das Kapitel analysiert Zaimoglus poetologische Strategien und seinen Aufstieg in den Kanon durch die rhetorische Gestaltung seiner „Misstöne“.

1.2 Einleitung: „Hier hat allein der Kanake das Wort“ – die Misstöne der Kanak Sprak als hybrides Sprach-Spiel mit Rezeptionserwartungen: Diese Einleitung legt den Fokus auf die mikrodiskursanalytische Untersuchung der Vorrede und der performativen paratextuellen Strategien des Autors.

2.1. „Man gibt eine ganz und gar private Vorstellung in Worten.“ Typographische und terminologische Untersuchungen im Gegenlicht des Authentizitätsparadigmas: Hier wird das Spannungsverhältnis zwischen programmatischer Authentizität und literarischer Nachdichtung anhand von Typographie und Terminologie hinterfragt.

2.2. Die verweigerte Ontogenese der Generation X. Zur textuellen (Nach-) Konstruktion des ‚Kanaken’: Dieses Kapitel untersucht die medientechnische Problematik der Konstruktion des „Kanaken“ als literarische Kunstfigur im Kontext der Generation X.

2.3. „Gelungene Literatur ist immer hybrid und rhizomatisch.“ Zum produktionsästhetischen Mischverhältnis der Autor- und Fremdstimmen in Kanak Sprak: Das Kapitel befasst sich mit der Polyphonie des Textes und der Frage, wie Zaimoglus paratextueller Rahmen den sozialen Kontext der literarischen Produktion bestimmt.

3. Bilanz: „Dem Free-Style-Sermin im Rap verwandt“ – Kanak Sprak als performativ inszenierte orale Literatur oder real-soziale Portraitmalerei „von der Peripherie her“?: Die Bilanz reflektiert über die performative Inszenierung der Texte und relativiert die Annahme einer rein sozialkritischen oder dokumentarischen Intention.

Schlüsselwörter

Kanak Sprak, Feridun Zaimoglu, Authentizität, Fiktionalisierung, Paratextualität, Hybridität, Rhizom, Literaturkanon, Diskursanalyse, Generation X, orale Literatur, Selbstbestimmung, Identitätskonstruktion, Polyphonie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht die Wechselwirkung zwischen dem literarischen Anspruch und den paratextuellen Strategien in Zaimoglus "Kanak Sprak", wobei die Frage nach der Authentizität der dargestellten Identitäten im Zentrum steht.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die zentralen Felder umfassen die Autorschaft, die performative Struktur von Sprache, die Abgrenzung zwischen Dokumentation und Fiktion sowie die ästhetische Gestaltung von Identität.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Zaimoglu durch gezielte paratextuelle Setzungen Erwartungen an eine "authentische" Migrantenliteratur manipuliert und konterkariert.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird ein mikrodiskursanalytischer Ansatz gewählt, der durch literaturtheoretische Konzepte (insbesondere Paratextualität und Performativität) ergänzt wird.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Im Hauptteil werden die programmatische Vorrede, die typographische Gestaltung, die Konstruktion der Kunstfigur „Kanake“ und das produktionsästhetische Mischverhältnis analysiert.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Begriffe wie Hybridität, Rhizom, Authentizitätsparadigma und die performative Inszenierung von Identität sind für das Verständnis der Arbeit essentiell.

Inwiefern beeinflusst Zaimoglus Vorrede die Wahrnehmung des Buches?

Die Vorrede konstituiert ein normatives Wahrnehmungsnetz, das den Leser in eine bestimmte Richtung lenkt, während die tatsächliche Textstruktur dieses Netz durch ihre hybride Natur wieder destabilisiert.

Warum wird der Begriff „Kanake“ in der Arbeit in Anführungszeichen gesetzt?

Die Anführungszeichen verdeutlichen, dass es sich um eine textuelle Konstruktion und keine reale ethnische Festlegung handelt, was die kritische Distanz des Autors zum Begriff unterstreicht.

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Details

Titel
"Das Ghetto und seine Fiktionen"
Untertitel
Das paratextuelle Spiel zwischen dokumentarischer Authentizität und literarischer Fiktionalisierung in Feridun Zaimoglus "Kanak Sprak"
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Institut für Germanistik)
Veranstaltung
Proseminar "Gastarbeiterliteratur? Migrantenliteratur? Interkulturelle Literatur?“
Note
1
Autor
Fabian Saner (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2007
Seiten
13
Katalognummer
V143707
ISBN (eBook)
9783640516384
ISBN (Buch)
9783640516582
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Ghetto Fiktionen Spiel Authentizität Fiktionalisierung Feridun Zaimoglus Kanak Sprak
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Fabian Saner (Autor:in), 2007, "Das Ghetto und seine Fiktionen", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143707
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  13  Seiten
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