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Die SPD und die Europa-Frage nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Kontinuitätsbruch in der Europapolitik?

Título: Die SPD und die Europa-Frage nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Kontinuitätsbruch in der Europapolitik?

Tesis de Máster , 2021 , 101 Páginas , Calificación: 1,3

Autor:in: Philipp Müller (Autor)

Historia de Europa - Historia contemporánea, Unificación europea
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In dieser Masterarbeit geht es um die Haltung der SPD in den ersten Jahren der Bundesrepublik bezüglich des europäischen Einigungsprozesses. Die Arbeit stellt heraus, dass die SPD keineswegs eine frühzeitige, durchgängige Visionärin eines europäischen Staatenbundes war. Vielmehr kritisierte und blockierte sie die Westintegration der BRD unter Adenauer vor allem in den 1950er-Jahren. Die Gründe dafür sind vielschichtig und keineswegs allein mit der Angst vor einer Festigung der Deutschen Teilung zu erklären.

Diese Arbeit nimmt dabei insbesondere die SPD-Fraktion als einen Akteur unter die Lupe und untersucht, welchen Einfluss Europa-Vorstellungen der deutsche Sozialdemokraten in der Nachkriegszeit hatten. Dabei zeigt die Arbeit zunächst die historische Entwicklungslinie dieser sozialdemokratischen Europa-Konzepte auf und wie diese die SPD-Politiker in den 1950er noch beeinflussten. Schließlich wird damit auch der programmatische Turn der SPD durch Godesberg und im Speziellen auch in der Europafrage 1957-1960 erklärt. Abschließend wird die Frage diskutiert, inwiefern die SPD-Europapolitik der Nachkriegszeit ein Kontinuitätsbruch mit der eigenen Parteitradition war.

Der Forschungsstand zur Europapolitik der SPD in den 1950er-Jahren ist gut erschlossen, insbesondere durch Werke von Klotzbach, Hrbek und Mittag. Die Untersuchung stützt sich auch auf Protokolle und Analysen der Bundestagsfraktion sowie auf aktuelle Arbeiten, die die Rolle der SPD-Fraktion im Bundestag detailliert analysieren.

Die Arbeit gliedert sich in zwei vorangestellte Kapitel, die die Tradition der Internationalität bei der Sozialdemokratie und die im Exil erarbeiteten Europavorstellungen der SPD beleuchten. Anschließend wird die Blockadehaltung der SPD in den 1950er-Jahren dargestellt, wobei die innerparteilichen Widerstände und alternativen Europakonzepte analysiert werden. Das Kapitel zur Europapolitik 1957-1960 untersucht die Weiterführung der historischen Klammer zu den Ideen des SPD-Exils. Der Ausblick auf die Kanzlerschaft unter Willy Brandt schließt die Arbeit ab.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Europa und die Sozialdemokratie bis zum Zweiten Weltkrieg

2.1 Internationalität als Tradition?

2.2 Europa-Vorstellungen in der Sozialdemokratie bis zum Zweiten Weltkrieg

2.3 Europa-Konzepte im Exil während des Zweiten Weltkrieges

2.3.1 Der Weg zum sozialdemokratischen Exil in London

2.3.2 Die Parteitransformation im Exil

2.3.3 Die Idee eines kapitalistisch-liberalen Europas

2.3.4 Die Idee eines sozialistischen Europas

2.3.5 Die Idee eines Europas der „Dritten Kraft“

3 Von der Kapitulation 1945 zur Konstitution Deutschlands 1949 – was blieb vom sozialdemokratischen Exil?

3.1 Der neue sozialdemokratische Nationalismus

3.2 Kurt Schumacher als Totengräber der „Dritten Kraft“?

4 Die SPD-Blockade gegenüber der Westintegration Adenauers

4.1 Der Europarat

4.2 Schuman-Plan und Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)

4.3 Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG), Europäische Politische Gemeinschaft (EPG) und der Führungswechsel der SPD

4.4 Die Pariser Verträge

4.5 Die Römischen Verträge

4.5 Gründe für die Blockadehaltung

5 Innerparteiliche Strömungen für eine Europäische Integration

5.1 Erste kritische Ansätze bis 1950

5.2 Sozialdemokratische Befürworter des Europarats

5.3 Schuman-Plan und Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS)

5.4 Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG) und Europäische Politische Gemeinschaft (EPG)

5.5 Nach den Pariser Verträgen

6 Der Meinungsumschwung in der Europafrage 1957-1960

7 Diskussion: Die SPD-Europapolitik der Nachkriegszeit als Kontinuitätsbruch zur Parteitradition?

8 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht, ob die Europapolitik der SPD nach 1945 tatsächlich als Bruch mit der eigenen Parteitradition zu verstehen ist. Dabei analysiert sie das Spannungsfeld zwischen den im Exil entwickelten Europakonzepten, insbesondere der Idee einer "Dritten Kraft", und der tatsächlichen Blockadehaltung der Parteiführung in den Nachkriegsjahren sowie die innerparteiliche Willensbildung in der Bundestagsfraktion.

  • Analyse der sozialdemokratischen Europakonzeptionen vor und während des Zweiten Weltkriegs.
  • Untersuchung der Blockadehaltung der SPD gegenüber der Adenauer'schen Westintegration in den 1950er Jahren.
  • Aufarbeitung des Einflusses der SPD-Bundestagsfraktion auf die europapolitische Positionsfindung.
  • Bewertung des Kontinuitätsbruchs gegenüber der Internationalitätstradition der Arbeiterbewegung.
  • Analyse des Meinungsumschwungs der Partei in der Europafrage Ende der 1950er Jahre.

Auszug aus dem Buch

2.3 Europa-Konzepte im Exil während des Zweiten Weltkrieges

Wie bereits erwähnt, fanden deutsche Sozialdemokraten während ihrer Verfolgung in den Jahren des NS-Regimes Asyl in Ländern, wo relativ starke sozialdemokratische bzw. sozialistische Parteien, Gruppierungen und Strukturen vorhanden waren. Auch wenn ihr Einfluss auf die jeweiligen Schwesterparteien vor Ort sehr begrenzt war, so ist die Bedeutung eines politischen Exils als solches nicht zu unterschätzen. Gehler weist darauf hin, dass es in der europäischen Geschichte fast schon Tradition sei, dass religiöse Minderheiten, gesellschaftliche Randgruppen und politisch Verfolgte in anderen Ländern Europas Aufnahme finden konnten und sie darin ihre spezifischen Anschauungen beibehalten oder gar weiterentwickeln konnten. Dadurch konnte so manche Idee nicht unterdrückt werden und sich teilweise in der anderen Umgebung auch stärker entfalten. In jedem politischen Exil steckt demzufolge immer auch das Potenzial, die eigene Weltanschauung, Politik und Methodik zu überdenken und an ihr zu feilen. Ein Exil ist demnach keine bloße Verbannung aus dem jeweiligen Wirkungskreis. Vielmehr ist es eine Chance zur Neuausrichtung. Dies gilt umso mehr, wenn die Welt angesichts des größten Krieges der Menschheitsgeschichte sich in einem weit ausgreifenden Wandel befindet.

Der SPD-Vorstand im Exil hatte diese Erkenntnis vor allen Dingen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges und nutzte diese Chance nicht nur, um ihre grundsätzliche Parteiprogrammatik zu überdenken, sondern auch, um ein neues Europa-Konzept zu entwickeln: Das „Europa der Dritten Kraft“. Doch um dieses Konzept verstehen und einordnen zu können, ist es nicht nur notwendig, die alternativen Europa-Vorstellungen zu beleuchten, sondern auch das Umfeld, in dem dieser Gedanke einen Resonanzboden hatte. Im Anschluss daran lässt sich dann herausarbeiten, welchen Einfluss diese alternative Idee auf die sozialdemokratische Politik der Nachkriegsjahre hatte und vor allem inwieweit sie trotz ihrer unmöglichen Umsetzbarkeit weiterlebte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Einleitung hinterfragt das SPD-Narrativ einer ungebrochenen europapolitischen Kontinuität und stellt die Forschungsfrage zur Blockadehaltung der Partei gegenüber der Westintegration.

2 Europa und die Sozialdemokratie bis zum Zweiten Weltkrieg: Dieses Kapitel skizziert die ideengeschichtliche Tradition des Internationalismus und die Entwicklung von Europa-Vorstellungen bis hin zum Exil.

3 Von der Kapitulation 1945 zur Konstitution Deutschlands 1949 – was blieb vom sozialdemokratischen Exil?: Hier wird der Einfluss der Exilerfahrungen auf die Akteure der Nachkriegs-SPD und die Spannungen innerhalb der Partei untersucht.

4 Die SPD-Blockade gegenüber der Westintegration Adenauers: Das Kapitel analysiert detailliert die ablehnende Haltung der Parteiführung bei zentralen Integrationsschritten wie Europarat, Montanunion und EVG.

5 Innerparteiliche Strömungen für eine Europäische Integration: Hier wird der Blick auf die innerparteiliche Opposition gegen den Kurs der Parteispitze und die Rolle einzelner Akteure gerichtet.

6 Der Meinungsumschwung in der Europafrage 1957-1960: Dieses Kapitel beschreibt die allmähliche Abkehr vom "Nein" zur Westintegration hin zu einer europafreundlicheren Politik unter Ollenhauer.

7 Diskussion: Die SPD-Europapolitik der Nachkriegszeit als Kontinuitätsbruch zur Parteitradition?: Eine kritische Auseinandersetzung mit der These, warum der vermeintliche Bruch in der Tradition der Partei dennoch möglich war.

8 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Europapolitik der SPD als einen zwar realen, aber in der Parteilogik verankerten Kontinuitätsbruch.

Schlüsselwörter

SPD, Europapolitik, Nachkriegszeit, Dritte Kraft, Westintegration, Kurt Schumacher, Erich Ollenhauer, Exil, Parteitradition, Internationalismus, Europäische Einigung, Deutschlandpolitik, Bundestagsfraktion, Montanunion, Godesberger Programm

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die europapolitische Ausrichtung der SPD in den ersten 15 Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere ihre anfängliche Blockadehaltung gegenüber der Westintegration unter Adenauer.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Untersuchung konzentriert sich auf die Spannung zwischen sozialistischen Europa-Idealen, der "Dritte-Kraft"-Konzeption aus dem Londoner Exil und der realpolitischen Parteipraxis in der frühen Bundesrepublik.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Forschungsfrage lautet, inwieweit die europapolitische Blockadehaltung der SPD als Bruch mit der Tradition internationalistischer Parteipolitik zu interpretieren ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine geschichtswissenschaftliche Analyse unter Einbeziehung von Fraktionsprotokollen, Parteiprogrammen, Archivmaterial und der etablierten Forschungsliteratur.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entwicklung der Europa-Konzepte während des Exils, die faktische Blockadepolitik der SPD-Spitze in den 1950er Jahren und die innerparteiliche Willensbildung.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie SPD, Westintegration, Dritte Kraft, Schumacher, Ollenhauer, Exil und Europäische Gemeinschaft geprägt.

Welche spezifische Rolle spielt der Exil-Vorstand in der späteren Politik?

Der Exil-Vorstand entwickelte das „Dritte-Kraft“-Konzept, auf das sich führende SPD-Politiker wie Ollenhauer nach dem Krieg bezogen, um ihre eigenständige, aber teilweise utopische Außenpolitik zu begründen.

Wie wird das Verhalten von Kurt Schumacher bewertet?

Schumacher wird als prinzipienfester Gegenspieler dargestellt, der die Europapolitik der SPD stark autoritär prägte, wobei seine "Magnet-Theorie" die Einheit Deutschlands als Voraussetzung für europäische Integration betrachtete.

Final del extracto de 101 páginas  - subir

Detalles

Título
Die SPD und die Europa-Frage nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Kontinuitätsbruch in der Europapolitik?
Universidad
University of Cologne  (Historisches Institut, Lehrstuhl für Geschichte der Europäischen Integration)
Calificación
1,3
Autor
Philipp Müller (Autor)
Año de publicación
2021
Páginas
101
No. de catálogo
V1437537
ISBN (PDF)
9783346992123
ISBN (Libro)
9783346992130
Idioma
Alemán
Etiqueta
SPD Europa Europäische Union Nachkriegszeit SPD-Fraktion Bonner Republik Bundesrepublik 1950er
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Philipp Müller (Autor), 2021, Die SPD und die Europa-Frage nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein Kontinuitätsbruch in der Europapolitik?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1437537
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