Im Folgenden werden Expertenmeinungen zur AfD eingeholt, danach die AfD mit anderen Parteien in den Wahl-o-maten 2013 bis 2019 zu den Europa- und Bundestagswahlen hinsichtlich ihrer prozentualen Übereinstimmung quantitativ verglichen und ein qualitativer Positionsvergleich durchgeführt. Die Ergebnisse werden in einer Gesamtbetrachtung über die Zeit zusammengeführt und diskutiert.
Mit der 2013 gegründeten Alternative für Deutschland (AfD) hat sich eine Partei, die sich nach gängiger Meinung rechts von der CDU bewegt, in allen deutschen Parlamenten und im Europaparlament etabliert, was für Verunsicherung in der Gesellschaft sorgt und Fragen aufwirft. Ist die AfD freiheitlich-konservativ oder tendenziell sozialistisch, rechtspopulistisch oder rechtsradikal oder sogar ganz oder in Teilen rechtsextremistisch?
Mit dem Stemwijzer von 1989 sind die ersten Voting Advice Applications (VAA) aufgekommen. Mit diesen Computerprogrammen können sich Interessierte einen Überblick verschaffen, inwieweit die verschiedenen Parteien oder Kandidaten mit ihren eigenen politischen Positionen zu großen Bündeln von Sachfragen übereinstimmen. Dies legt nahe, VAAs auch für die Parteienforschung nutzbar zu machen.
Linhart ist daher auf die Idee gekommen, mit den Daten des Wahl-o-maten, einer VAA aus der Stemwijzer-Familie, die AfD näher zu analysieren und mit anderen Parteien systematisch zu vergleichen. Er untersuchte dafür die Landtagswahlen von 2014 bis 2016. Da seitdem mittlerweile ein halbes Jahrzehnt vergangen ist, scheint es interessant, hier einmal nachzufassen und Position und Wandel der AfD in der Relation zu den übrigen Parteien auch einmal in bundesweiten Wahlen wie den Bundestagswahlen und den Europawahlen zu erfassen zu suchen. Damit leitet die Arbeiten folgende Leitfrage an: Wie wandelt sich von 2013 bis 2019 die Ähnlichkeit der AfD zu anderen Parteien im Wahl-o-maten und wie ist dieser Wandel zu erklären?
Im Zusammenhang mit dieser Leitfrage angesprochene Unteraspekte lassen sich in folgende Fragen kleiden:
Verortung: Schafft es die AfD, inhaltlich eine Alternative zu den älteren Parteien, insbesondere im konservativen und rechten Spektrum zur Christdemokratie der CDU einerseits, zum traditionellen Rechtsextremismus der NPD andererseits anzubieten?
Wandel: Gibt es Anhaltspunkte, dass sich die AfD radikalisiert bzw. einer Rechtsdrift unterliegt? Finden sich Hinweise auf Rechtspopulismus und Rechtsextremismus?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Positionierung und Wandel der AfD im Expertenurteil
3. Parteienvergleich im Wahl-o-mat
3.1 Beschreibung und Begründung des Vorgehens
3.1.1 Wahl-o-mat
3.1.2 Verglichene Wahlen und Parteien
3.2 Bundestagswahl 2013
3.3 Europawahl 2014
3.4 Bundestagswahl 2017
3.5 Europawahl 2019
4. Zusammenschau der Ergebnisse – Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den politischen Wandel der Partei Alternative für Deutschland (AfD) im Zeitraum von 2013 bis 2019 unter Verwendung der Daten von Wahl-o-maten zu Europa- und Bundestagswahlen. Das primäre Ziel ist es, die Veränderung der relativen Ähnlichkeit der AfD zu anderen Parteien quantitativ zu erfassen und qualitativ zu erklären, um Anhaltspunkte für eine Rechtsdrift oder Radikalisierung zu identifizieren.
- Analyse der prozentualen Positionsübereinstimmungen der AfD zu etablierten Parteien und der NPD
- Untersuchung der inhaltlichen Verschiebung in Kernthemen wie Einwanderung, EU-Politik und Rechtsstaatlichkeit
- Vergleich der Ergebnisse mit Expertenmeinungen und bisherigen wissenschaftlichen Studien
- Diskussion der Rolle der AfD als alternative Kraft im Parteienspektrum und deren Polarisierungseffekte
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Wahl-o-mat
Warum wurde von den VAAs der Wahl-o-mat zur Spiegelung der AfD ausgesucht? Der 2003 gestartete Wahl-o-mat deckt alle seit Auftreten der AfD hier relevanten Wahlen ab (vgl. Ladner/Fivaz 2012: 184). Er ist die populärste VAA in Deutschland (vgl. Marschall/Garzia 2014: 1 f.), weithin akzeptiert, alle Parteien von Interesse bei vorliegender Untersuchung kooperieren mit dem Wahl-o-maten und teilen ihre Positionierungen zu den Fragen mit. Der Wahl-o-mat ist auch authentisch, weil die Positionierungen unvermischt sind mit den Einschätzungen externer Experten. Die Positionen aller Partei zu den einzelnen Fragen (Antwortmöglichkeiten „stimme zu“/ „stimme nicht zu“/ „neutral“) sind aufrufbar, ebenso die Begründungen der Parteien für ihre Position. Der Wahl-o-mat erstellt dann als quantitatives Angebot Rankings, in denen User vergleichen können, zu wieviel Prozent ihre Positionierung mit den zum Vergleich ausgewählten Parteien übereinstimmt, welche Parteien also mehr, welche weniger. Auf einen Abgleich der Ergebnisse mit denen anderer VAAs wie dem Wahlswiper oder dem Wahl-Kompass wird im Rahmen dieser Arbeit auch verzichtet, weil sie keine wesentlich anderen Positionierungen der Parteien erbringen (vgl. König/Jäckle 2018: 193 ff.).
Der Wahl-o-mat hat auch Nachteile, er bietet keine zweidimensionale Verortung der Parteien, somit ist für den User aus der Nutzung dieser VAA allein nicht erkennbar, wo die Partei politisch verortet wird, mit der er ein Match hat. Es findet sich aber ein Link zur Bundeszentrale für politische Bildung mit einer eingehenden Einschätzung aller angetretenen Parteien in Form kleiner Aufsätze. Es fehlen im Wahl-o-maten auch Experteneinschätzungen zu den Positionen im Detail. Es werden nur die Selbsteinschätzungen der Parteien präsentiert, die möglicherweise ihre Beschlusslage nicht richtig wiedergeben und ihre Partei in einem zu rosigen oder zu scharfem Licht präsentieren (vgl. Linhart 2017: 104).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel motiviert die Untersuchung der AfD durch ihre Etablierung im deutschen Parteiensystem und formuliert die Leitfrage nach dem Wandel ihrer Ähnlichkeit zu anderen Parteien zwischen 2013 und 2019.
2. Positionierung und Wandel der AfD im Expertenurteil: Hier wird der Forschungsstand zusammengefasst, wobei Expertenmeinungen zum "Rechtsruck" der Partei und ihrer ideologischen Entwicklung diskutiert werden.
3. Parteienvergleich im Wahl-o-mat: In diesem Hauptteil wird der methodische Ansatz dargelegt, gefolgt von einer detaillierten Analyse der Wahl-o-mat-Daten für die einzelnen Wahlen von 2013 bis 2019.
3.1 Beschreibung und Begründung des Vorgehens: Dieses Kapitel begründet die Auswahl des Wahl-o-maten als Datenquelle und erläutert die methodischen Herausforderungen beim Vergleich unterschiedlicher Fragenkataloge.
3.1.1 Wahl-o-mat: Dieser Abschnitt behandelt die Vor- und Nachteile des Wahl-o-maten als Instrument der politikwissenschaftlichen Analyse.
3.1.2 Verglichene Wahlen und Parteien: Hier werden die Auswahl der untersuchten Wahlen sowie der Fokus auf den Vergleich mit CDU/CSU und NPD begründet.
3.2 Bundestagswahl 2013: Analyse der AfD-Positionen kurz nach ihrer Gründung und dem Vergleich zu den etablierten Parteien in ihrem ersten Wahljahr.
3.3 Europawahl 2014: Untersuchung der AfD in der frühen Phase und erste Anzeichen einer Positionierung als "Alternative".
3.4 Bundestagswahl 2017: Analyse der inhaltlichen Veränderungen nach den internen Parteiumbrüchen und der zunehmenden Distanz zu den Unionsparteien.
3.5 Europawahl 2019: Untersuchung der AfD nach 2015, gekennzeichnet durch eine stark wachsende inhaltliche Nähe zur NPD.
4. Zusammenschau der Ergebnisse – Schlussbetrachtung: Dieses Kapitel führt die Ergebnisse zusammen und diskutiert die langfristige Entwicklung einer Polarisierung und die relative Rechtsdrift der AfD im Spiegel der Wahl-o-mat-Daten.
Schlüsselwörter
Alternative für Deutschland, AfD, Wahl-o-mat, Rechtspopulismus, Parteienvergleich, Rechtsdrift, Bundestagswahl, Europawahl, politische Positionierung, NPD, CDU/CSU, Wandel, Radikalisierung, Wahlanalyse, Parteienforschung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht den inhaltlichen Wandel der AfD von ihrer Gründung bis 2019 anhand von Daten aus Wahl-o-maten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Der Fokus liegt auf der prozentualen Übereinstimmung der AfD mit anderen Parteien sowie auf inhaltlichen Positionen in Bereichen wie EU-Politik, Einwanderung und Rechtsstaatlichkeit.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Leitfrage lautet, wie sich die Ähnlichkeit der AfD zu anderen Parteien zwischen 2013 und 2019 gewandelt hat und welche Erklärungen für diese Entwicklung gefunden werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quantitative Analyse von Wahl-o-mat-Daten (Matching-Prozente) mit einer qualitativen inhaltlichen Prüfung (Themenanalyse) kombiniert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Wahlergebnisse von 2013 bis 2019 einzeln analysiert und ihre Entwicklung systematisch verglichen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind AfD, Rechtspopulismus, Parteienvergleich, Rechtsdrift, Bundestagswahl, Europawahl und Wahl-o-mat.
Welche Erkenntnis ergibt sich bezüglich der NPD?
Die Arbeit stellt eine signifikante Zunahme der inhaltlichen Überschneidung zwischen der AfD und der NPD über den untersuchten Zeitraum fest.
Wie hat sich das Verhältnis zu CDU/CSU entwickelt?
Die AfD hat sich über die Jahre hinweg inhaltlich zunehmend von den einst ähnlichen Unionsparteien distanziert.
Warum wird der Wahl-o-mat kritisch betrachtet?
Der Wahl-o-mat basiert auf Selbsteinschätzungen der Parteien und ist nicht für eine zweidimensionale politische Verortung in einem Koordinatensystem konzipiert, was die methodische Interpretation erfordert.
- Arbeit zitieren
- Burkhard von Grafenstein (Autor:in), 2021, Der Wandel der AfD im Spiegel des Wahl-O-Maten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1437630