Die Lyrikeinheit zu "Krieg und Frieden" wird in diesem Stundenbeispiel als Schreibanlass für die Anschlusskommunikation zu Literatur genutzt. Ausgehend von der Didaktik der Textprozeduren, erarbeiten sich die Schüler durch rezeptive Auseinandersetzung mit Beispieltexten Gütekriterien für Leserbriefe, um letztlich ihre eigene Schreibkompetenz zu fördern.
Dies geschieht auf Basis eines breit gestreuten Lyrikportfolios zur Dichotomie Krieg und Frieden im deutschsprachigen Gedicht zu den drei großen Auseinandersetzungen Deutsch-Französischer Krieg (Patriotismus und Nationalstaatlichkeit), Erster Weltkrieg (Industrialisierung des Sterbens) und Kalter Krieg (Furcht vor atomarer Eskalation).
Dieser Unterrichtsentwurf richtet sich an eine 11. Klasse des Gymnasiums.
Inhaltsverzeichnis
(1) Lerngruppenanalyse
(2) Intendierter Lern- und Kompetenzzuwachs der Unterrichtsstunde
(3) Didaktische Analyse
(4) Überlegungen zu Methoden, Medien, Sozialformen und zur Lernprozessbegleitung
(5) Einbettung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtseinheit
(6) Tabellarischer Unterrichtsverlauf
(7) Literatur
(8) Anhang
Zielsetzung & Themen
Das primäre Ziel dieser Unterrichtsstunde ist die Ableitung von Gütekriterien für einen Leserbrief auf Basis von kontrastiven Vorlagen, um den nachfolgenden Schreibprozess zu einem frei gewählten Gedicht zum Thema Krieg und Frieden methodisch zu planen.
- Analyse und Ableitung von Textprozeduren für die Textsorte Leserbrief.
- Förderung des literarischen Lernens durch analytische Auseinandersetzung mit Lyrik.
- Individualisierung des Schreibprozesses durch freie Wahl eines Gedichts aus einem Textkorpus.
- Einsatz kooperativer Lernformen zur Steigerung der Lernaktivität und Kompetenzprogression.
- Verzahnung von traditioneller Textarbeit mit lebensweltbezogenen Impulsen.
Auszug aus dem Buch
(3) Didaktische Analyse
Die Didaktik der Textprozeduren geht davon aus, dass Rezipienten Textsorten aufgrund spezifischer Textmodelle unterscheiden: In gewählten Ausdruckskonstruktionen von Texten schwingen Verwendungskontexte mit, welche von kompetenten Lesern klar erkannt werden. Es war einmal ordnen geübte Leser des Deutschen bspw. themenunabhängig ad hoc der Textsorte (grimmsches) Märchen zu (vgl. Feilke & Bachmann, 2014, S. 7). Darüber hinaus gilt die zentrale Annahme, dass derartige Textmodelle nicht nur für das Rezipieren von Texten wirksam sind, sondern vor allem auch die Güte der eigenen Textproduktion maßgeblich beeinflussen. Für die Schule wird daher abgeleitet:
Das sprachliche Material, das den Schülerinnen und Schülern für ihren Ausdruck zur Verfügung steht, müssen sie zuvor rezeptiv in Handlungs- und Gebrauchszusammenhängen kennengelernt haben. (Feilke, 2014, S. 14)
Da „Textprozeduren als sprachliche Werkzeuge [...] in hohem Maße kontext- und textsortengebunden [sind; M.M.]“ (ebd.) ist daher zu schlussfolgern, dass SuS sich zunächst rezeptiv mit der gewünschten Textsorte auseinandersetzen sollten. Hieran muss sich aber eine selbstständige Textproduktion anschließen, da Schreiben nur gelernt werden kann, wenn geschrieben wird (vgl. ebd.) (→ intendierter Kompetenzzuwachs; → Einbettung in UE). Hinsichtlich der Textsorte des Briefes exponiert sich eine Schwierigkeit, da sie als ausdifferenziertes Mosaik erscheint, das interdependent zum Schreibanlass ein großes Spektrum an spezifischen Textprozeduren generiert. Briefe eint zwar, dass sie monologische, in zeitlicher wie räumlicher Hinsicht getrennte sowie geschriebene Kommunikation sind (vgl. Brinker, 2001, S. 139), aber da briefliche Textfunktionen auf einem Kontinuum von höchst offiziell bis zutiefst persönlich reichen, ist eine Spezifizierung des Schreibanlasses für ein Aufstellen von Textprozeduren notwendig. Der Schreibanlass der SuS ist die Lyrik eines Autors zur Dichotomie Krieg/Frieden, der ihnen nicht persönlich bekannt ist und ggf. aus einer bereits vergangenen Epoche stammt, daher ist die Textsorte mit
Zusammenfassung der Kapitel
(1) Lerngruppenanalyse: Diagnose des Lernstandes und der sozialen Struktur der zehnten Klasse unter Berücksichtigung von Förderbedarfen im Bereich der Schreibkompetenz.
(2) Intendierter Lern- und Kompetenzzuwachs der Unterrichtsstunde: Definition der Ziele zur Entwicklung von Kriterien für einen Leserbrief und zur Vorentlastung des Schreibprozesses.
(3) Didaktische Analyse: Herleitung der unterrichtlichen Vorgehensweise auf Basis der Didaktik der Textprozeduren und der Spezifizierung des Schreibanlasses.
(4) Überlegungen zu Methoden, Medien, Sozialformen und zur Lernprozessbegleitung: Erläuterung der angewandten kooperativen Lernarrangements und der methodischen Anpassungen an die spezifische Lerngruppe.
(5) Einbettung der Unterrichtsstunde in die Unterrichtseinheit: Verortung der Stunde im Kontext der gesamten Einheit und Begründung der Fortschritte in der literarischen Kompetenz.
(6) Tabellarischer Unterrichtsverlauf: Detaillierte zeitliche und inhaltliche Strukturierung des Stundengeschehens inklusive eingesetzter Medien.
(7) Literatur: Auflistung der verwendeten fachwissenschaftlichen und didaktischen Quellen.
(8) Anhang: Überblick über zusätzliche Arbeitsmaterialien und ergänzende Dokumente.
Schlüsselwörter
Deutschunterricht, Prüfungslehrprobe, Politische Lyrik, Leserbrief, Textprozeduren, Gütekriterien, Schreibkompetenz, Literaturdidaktik, Kooperatives Lernen, Schreibanlass, Unterrichtsentwurf, Krieg und Frieden, Textproduktion, Textanalyse, Anschlusskommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Unterrichtsentwurf grundsätzlich?
Es handelt sich um einen Unterrichtsentwurf für die zehnte Klasse im Fach Deutsch anlässlich einer Prüfungslehrprobe, der die Themenfelder Lyrik sowie das Schreiben von Leserbriefen adressiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Unterrichtseinheit?
Die Einheit widmet sich der politischen Lyrik unter der Dichotomie Krieg und Frieden, wobei verschiedene literarische Epochen und Autoren betrachtet werden.
Was ist das primäre Ziel der beschriebenen Unterrichtsstunde?
Die Lernenden sollen Gütekriterien für einen Leserbrief ableiten und diese als Grundlage nutzen, um einen Schreibplan (Mindmap) zu einem selbst gewählten Gedicht zu erstellen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt primär zum Einsatz?
Der Unterricht basiert auf der Didaktik der Textprozeduren nach Helmuth Feilke sowie der Methode des kooperativen Lernens (Think-Pair-Share).
Was wird im Hauptteil des Dokuments thematisiert?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit der Lerngruppenanalyse, der didaktischen Herleitung der Stunde, der methodischen Gestaltung und der Einbettung in die gesamte Unterrichtseinheit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Schreibkompetenz, Textprozeduren, politische Lyrik, literarisches Lernen und adressatenorientiertes Schreiben.
Warum hält die Lehrkraft trotz der vermeintlichen Lebensweltferne am Format "Leserbrief" fest?
Die Lehrperson argumentiert, dass das Schreiben von Leserbriefen die Schreibkompetenz fördert und an die Papierform der geforderten Leistungsaufgaben sowie die Tradition der Schriftkultur anknüpft.
Welche Rolle spielt die digitale Lebenswelt der Schüler zu Beginn der Stunde?
Der Einstieg nutzt ein konstruiertes Instagram-Layout, um durch den Alltagsbezug zu Social-Media-Kommentaren eine Brücke zur Textsorte des Leserbriefs zu schlagen.
- Quote paper
- Martin Reese (Author), 2022, Gütekriterien aus Leserbriefen ableiten und nutzbar machen (10. Klasse Deutsch), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1438490