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Das Bild der Schule in "Professor Unrat" von Heinrich Mann

Titre: Das Bild der Schule in "Professor Unrat" von Heinrich Mann

Dossier / Travail de Séminaire , 2008 , 25 Pages , Note: 1

Autor:in: Frank Hoyer (Auteur)

Philologie Allemande - Littérature Allemande Moderne
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Obwohl das wilhelminische Schulsystem als festes und leistungsorientiertes Fundament der Gesellschaft galt, sah es sich um 1900 einer fundamentalen Kritik seitens der Literatur sowie der Reformpädagogik ausgesetzt. Dabei wurden verschiedene Aspekte, wie der überzogene Militarismus und die anerzogene Untertanenmentalität, herausgegriffen und in Form der Gattung des Schulromans der Öffentlichkeit präsentiert. Hierbei sind mehrere Beispiele zu nennen.
Wedekind zeigt in seinem Werk „Frühlingserwachen“, dass die überzogene Sexualmoral und die fehlende Aufklärung in der Schule zu einem großen Identitätskonflikt der Jugendlichen führen und sie in die Verzweiflung oder im schlimmsten Falle sogar zum Selbstmord treiben. Hesse hingegen stellt den großen Leistungsdruck der Schule in den Vordergrund, indem er aufweist, dass durch bloßes Aneignen großer Wissensmengen keine selbstständigen Geister erzogen werden, sondern angepasste, widerspruchslose „Untertanen“. Wer sich diesem System nicht fügen will oder dem Druck nicht standhält, wird ausgesondert und vergessen.
All diesen Werken ist gemeinsam, dass sie das Leben in der wilhelminischen Schule ausschließlich aus der Schülerperspektive schildern, ohne auf die Protagonisten der Gegenseite, die Lehrer, näher einzugehen. Die Schule erscheint als mächtige, unbarmherzige Institution und der Lehrer ist „nur Schema, personifizierte Macht des Staates, ohne eigentliche Entwicklung.“1 Dabei sind es genau jene Schultyrannen, die maßgeblich zu den kritisierten Umständen beitragen - aber selten wird nach ihren Motiven und Beweggründen gefragt. Schon Pestalozzi sagte:

„Es ist wohl bekannt, dass von allen Tyrannen die kleinen die grausamsten sind, und von allen kleinen Tyrannen sind die Schultyrannen die schrecklichsten.“2
1 Zit.: Bertschinger, Thomas: Das Bild der Schule in der Literatur zwischen 1890 und 1914, Zürich 1969, S. 94. Im Folgenden abgekürzt als: Bertschinger: Bild der Schule.
2 Zit.: Bertschinger, Bild der Schule, S. 92.

Extrait


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Historischer Hintergrund

3. Analyse der Schulszenerie

3.1 Unrats Sichtweise auf die Schule

3.2 Darstellung der Schüler

3.3 Unterrichtsatmosphäre und Stoffvermittlung

4. Schule im Kontext der weiteren Romanhandlung

4.1. Widerspiegelung der Schule im Wortschatz Unrats

4.2 Die Schule als permanente Wahnvorstellung Unrats

5. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Bild der Schule in Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“. Dabei verfolgt sie das Ziel, das Werk über die bloße Einordnung als Schulroman hinaus als gesellschafts- und sozialkritische Auseinandersetzung mit dem wilhelminischen Bildungssystem sowie mit der psychologischen Entwicklung des Protagonisten zu deuten.

  • Historische Einordnung des wilhelminischen Schulsystems und seiner Ideologie.
  • Analyse der Schulszene, insbesondere aus der Perspektive des Protagonisten Professor Unrat.
  • Typisierung der Schülerschaft und deren Darstellung im Spannungsfeld von Disziplin und gesellschaftlicher Herkunft.
  • Untersuchung der Stoffvermittlung und der Unterrichtsatmosphäre als Herrschaftsinstrumente.
  • Psychologische Analyse der Schule als permanente Wahnvorstellung und Katalysator für das Handeln Unrats.

Auszug aus dem Buch

3.1 Unrats Sichtweise auf die Schule

Der Roman eröffnet mit der Namensgebung des Professors und schafft somit expositionsartig eine kurze Zusammenschau über das Wesen und die Selbst- und Fremdwahrnehmung der Hauptfigur, Herrn Professor Raat, der aufgrund seiner tyrannischen und makaberen Wesenszügen von der Gesellschaft der Stadt als „Unrat“ betitelt wird. Die Namensgebung erfolgt hierbei aufgrund der langen Tätigkeit Unrats als Lehrer des städtischen Gymnasiums und ist somit bereits Generationen von Schülern bekannt, die dies mit einer gelassenen Selbstverständlichkeit wahrnehmen und ihn bei passender Gelegenheit damit verhöhnen. Besonders interessant ist, dass der Spottname nicht nur von der Gesellschaft als Pseudonym für diesen merkwürdigen Lehrer benutzt wird, sondern sich Unrat selbst als Folge der dauerhaften Titulierung versehentlich als „Professor Unrat“ benennt und ein entsprechend abstoßendes äußerliches Erscheinungsbild besitzt: „Ich bin nämlich der Professor Un- der Professor Raat […] am hiesigen Gymnasium.“

Die Darstellung Unrats erfolgt hierbei aus einer reinen Außenperspektive und trägt zu seiner Typisierung als „flacher Charakter“ bei, der zunächst nur als Tyrann und Schülerschreck wahrgenommen wird. Dies erweist sich jedoch als notwendig, um die typische Funktionalität des starren Unterrichts genau zu beschreiben, der für Unrat schon lange mehr die Dimensionen eines täglichen Kampfes als einer normalen Arbeitsstätte angenommen hat.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die literarische Tradition des Schulromans um 1900 und positioniert Heinrich Manns Werk als satirische Neuerung, die den Fokus auf die Psychologie des Schultyrannen legt.

2. Historischer Hintergrund: Dieses Kapitel skizziert das durch Klassenunterschiede und Disziplin geprägte wilhelminische Schulsystem, das primär der Bewahrung des Staates und der ideologischen Erziehung diente.

3. Analyse der Schulszenerie: Die Analyse zeigt Unrat als Tyrannen ohne Multiperspektivität und untersucht die stereotype Darstellung der Schüler sowie die methodische Fehlentwicklung des Unterrichts.

4. Schule im Kontext der weiteren Romanhandlung: Hier wird dargelegt, wie die Schule als latentes Thema in Unrats Sprache und als permanente Wahnvorstellung bis in sein Privatleben fortwirkt.

5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass das Thema Schule als psychologischer Katalysator fungiert und die Analyse des Werkes weit über das Genre des Schulromans hinausgehen muss.

Schlüsselwörter

Heinrich Mann, Professor Unrat, wilhelminische Schule, Schultyrann, Sozialkritik, Bildungsroman, Autorität, Untertanenmentalität, Unterrichtsmethoden, Wahnvorstellungen, psychologische Motivation, soziale Herkunft, Kaiserreich, Machtinstrument, Literaturanalyse.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert das Bild der Schule in Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“ und untersucht, wie das wilhelminische Schulsystem und die Lehrerfigur literarisch dargestellt und kritisiert werden.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die Machtverhältnisse im Kaiserreich, die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahrnehmung des Lehrers, die Rolle der sozialen Herkunft von Schülern sowie die Entwicklung der Schule vom Handlungsort zum psychologischen Katalysator.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass „Professor Unrat“ nicht nur als klassischer Schulroman gelesen werden darf, sondern eine tiefgreifende soziologische und psychologische Kritik an gesellschaftlichen Machtstrukturen darstellt.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die historische Kontexte mit der Untersuchung der Figurenentwicklung und der sprachlichen Gestaltung verbindet.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil beleuchtet den historischen Hintergrund, analysiert detailliert die Schulszene (inklusive der Darstellung von Lehrern und Schülern) und untersucht, wie das Thema Schule die weitere Romanhandlung und Unrats Geisteszustand beeinflusst.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie „Schultyrann“, „wilhelminische Ära“, „Machtinstrument“ und „psychologische Radikalisierung“ charakterisiert.

Warum betrachtet die Arbeit Unrat als „flachen Charakter“?

Die Arbeit greift diese literaturwissenschaftliche Einordnung auf, um zu verdeutlichen, dass Unrat zunächst als eindimensionaler Tyrann fungiert, um die Funktionalität des starren, repressiven Unterrichtssystems als "Schulroman" satierisch überspitzt darzustellen.

Welche Rolle spielen die Schüler im Roman laut der Analyse?

Die Schüler werden als stereotype Repräsentanten verschiedener gesellschaftlicher Schichten dargestellt, deren Schicksale maßgeblich von ihrem sozialen Status und ihrem Verhältnis zu den Machtansprüchen Unrats abhängen.

Wie verändert sich die Darstellung der Schule im Laufe des Romans?

Während die Schule zu Beginn ein konkreter Handlungsort der Unterrichtsszene ist, verschwindet sie im zweiten Teil als Institution und manifestiert sich stattdessen in Unrats Wahnvorstellungen als permanentes Herrschaftsinstrument.

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Résumé des informations

Titre
Das Bild der Schule in "Professor Unrat" von Heinrich Mann
Université
University of Bayreuth
Note
1
Auteur
Frank Hoyer (Auteur)
Année de publication
2008
Pages
25
N° de catalogue
V143896
ISBN (ebook)
9783640553808
ISBN (Livre)
9783640553495
Langue
allemand
mots-clé
Bild Schule Professor Unrat Heinrich Mann
Sécurité des produits
GRIN Publishing GmbH
Citation du texte
Frank Hoyer (Auteur), 2008, Das Bild der Schule in "Professor Unrat" von Heinrich Mann, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143896
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Extrait de  25  pages
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