Indien, das Land mit der weltweit zweithöchsten Bevölkerungsrate nach China und mehr als 1,049 Milliarden Einwohnern im Jahr 2004 , stand noch vor wenigen Jahren für Unproduktivität und wenig wirtschaftliche Attraktivität. Dies hat sich gewandelt und Indien gewinnt nun multinationale Unternehmen zunehmend als Investitionsstandort und Absatzmarkt an Attraktivität.
Die indische Wirtschaft ist in den letzten Jahren im Durchschnitt um 5,9% pro Jahr gewachsen und das Bruttoinlandsprodukt des Subkontinents hat sich im gleichen Zeitraum beinahe verdoppelt. Unternehmen erkennen das Potential des Landes und allein im Jahr 2000 haben bereits mehr als 3000 multinationale Unternehmen wie General Electric, McDonalds oder Nestle den Markteintritt über 100%ige Tochtergesellschaften, Joint Ventures oder strategische Allianzen nach Indien gewagt. Trotz bestehender Standortnachteile, wie einem hohen Korruptionslevel und einer schlechten Infrastruktur, ist Indien heute als Investitionsstandort so attraktiv wie nie.
In einem Interview mit dem GE Landesvorstand Indien, Scott Baymann, äußert sich dieser beispielsweise wie folgt: „Almost every global company has woken up to India. I’ve met most the companies coming here or making plans to be here.” Es scheint folglich, dass multinationale Unternehmen ihre Chance auf dem Subkontinent nutzen sollten, um im globalen Wettbewerb bestehen zu können. Damit rückt zum einen für die Unternehmen die Frage der geeigneten Markteintrittstrategie in den Fokus, zum anderen ergibt sich die Notwendigkeit einer Analyse der bisherigen Bedeutung multinationaler Unternehmen auf dem indischen Markt.
Ziel dieser Arbeit soll es daher sein, einen Überblick über optionale Markteintrittsformen auf Basis der in Indien vorherrschenden Rahmenbedingungen zu geben, um dann die jeweiligen Strategien im Hinblick auf ihre empirische Bedeutung und Entwicklung zu untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Gang der Untersuchung
2 Multinationale Unternehmen in Indien – Ein Überblick
2.1 Begrifflichkeit und Merkmale multinationaler Unternehmen
2.2 Rahmenbedingungen des Standorts Indien
2.2.1 Standortvorteile und Marktchancen
2.2.2 Standortnachteile und Barrieren
3 Optionale Markteintrittsstrategien multinationaler Unternehmen in Indien
3.1 Funktionale Markteintrittsformen multinationaler Unternehmen
3.1.1 Markteintritt in Indien über Außenhandelsstrategien
3.1.2 Markteintritt in Indien über vertragliche Strategien
3.2. Institutionelle Markteintrittsformen multinationaler Unternehmen
3.2.1 Markteintritt in Indien über Alleingang- und Akquistionsstrategien
3.2.2 Markteintritt in Indien über Kooperationsstrategien
4 Statistische Bedeutung der wesentlichen Markteintrittsstrategien
4.1 Entwicklung der Außenhandeltätigkeiten in Indien
4.2 Entwicklung der Direktinvestitionen in Indien
4.3 Empirische Relevanz wesentlicher Markteintrittsformen in Indien
5 Kritische Auseinandersetzung mit der relativen Bedeutung multinationaler Unternehmen für Indien
6 Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Seminararbeit untersucht die verschiedenen Markteintrittsstrategien für multinationale Unternehmen in Indien vor dem Hintergrund der spezifischen lokalen Rahmenbedingungen und analysiert deren empirische Bedeutung und Entwicklung.
- Analyse des Standorts Indien (Anreize vs. Barrieren)
- Unterscheidung zwischen funktionalen und institutionellen Markteintrittsformen
- Betrachtung von Export, vertraglichen Strategien, Alleingang und Kooperationen
- Empirische Einordnung der Markteintrittstätigkeiten und der Bedeutung als Offshore-Standort
Auszug aus dem Buch
3.1.1 Markteintritt in Indien über Außenhandelsstrategien
Laut Kutschker/Schmid bezeichnet Export das Absetzen eigens im Heimatland produzierter Güter und Dienstleistungen im Ausland.37 Dabei kann der Export sowohl direkt als auch indirekt erfolgen.38 Werden alle Güter über die eigene Verkaufseinheit direkt an den Abnehmer gesandt, ist die Rede vom direkten Export.39 Wird zwischen die Außenhandelsaktivitäten ein Intermediär im Inland eingeschaltet, spricht man von indirektem oder mittelbarem Außenhandel.40 Neben direktem und indirektem Export wird als weitere Basisform des Außenhandels der Transithandel verstanden. Transithandel bezeichnet solche Außenhandelstätigkeiten, bei denen die Erzeugnisse nicht direkt an das Ausland geliefert werden, sondern über den Transithändler in einem Drittland in das Ausland gelangen.41 Die Transitausfuhr multinationaler Unternehmen erfolgt zumeist dann, wenn aufgrund rechtlicher oder politischer Regelungen kein direkter Export zwischen den jeweiligen Ländern erfolgen kann.
Neben den Basisformen des Außenhandels existieren einige spezielle Formen des grenzüberschreitenden Handels. Darunter fallen die so genannten Veredelungsgeschäfte und Countertradestrategien. Veredelungsgeschäfte bezeichnen die Lieferung von Rohmaterialien zur Weiterverarbeitung, wie z.B. Rohstoffen an das indische Ausland und die anschließende Rücksendung an das Heimatland der multinationalen Unternehmung.42 Im Rahmen von Countertrade importiert der indische Handelspartner Waren oder Dienstleistungen, die vollständig oder teilweise mit den aus diesen erzeugten Waren hergestellten Endprodukten bezahlt werden.43 Countertrade oder Kompensationsgeschäfte sind insbesondere dann für multinationale Unternehmen von Bedeutung, wenn der Zugang zum jeweiligen Auslandsmarkt über Export- und Direktinvestitionsstrategien nicht möglich ist. Auch wenn Countertrade ein vergleichsweise kompliziertes internationales Handelsinstrument darstellt, wird Countertrade in Indien aufgrund der restriktiven Regierungspolitik und dem Mangel an ausländischen Devisen44 angewendet.45 Es bleibt jedoch an dieser Stelle festzuhalten, dass aus einer Befragung von 500 multinationalen Unternehmen vom Institut der deutschen Wirtschaft hervorgeht, dass die Unternehmen in über 50% der Fälle negative Erfahrungen mit Countertrade gemacht haben. Gründe sind u.a. das Nichteinhalten von Lieferterminen, zeitaufreibende Verhandlungen mit Vetragspartnern und der hohe bürokratische Aufwand.46
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet Indiens Wandel vom geschlossenen System zum attraktiven Investitionsstandort und definiert das Ziel der Arbeit, einen Überblick über Markteintrittsformen zu geben.
2 Multinationale Unternehmen in Indien – Ein Überblick: Dieses Kapitel erläutert den Begriff der multinationalen Unternehmung und analysiert die Standortfaktoren Indiens, inklusive der Standortvorteile und der bestehenden Investitionsbarrieren.
3 Optionale Markteintrittsstrategien multinationaler Unternehmen in Indien: Hier werden die verschiedenen Strategien, unterteilt in funktionale (Außenhandel) und institutionelle (Direktinvestitionen, Joint Ventures) Formen, detailliert vorgestellt.
4 Statistische Bedeutung der wesentlichen Markteintrittsstrategien: Dieses Kapitel liefert eine empirische Analyse der Außenhandels- und Investitionstätigkeiten sowie der praktischen Relevanz der einzelnen Markteintrittsformen.
5 Kritische Auseinandersetzung mit der relativen Bedeutung multinationaler Unternehmen für Indien: Der Autor hinterfragt kritisch den bisherigen Integrationsgrad Indiens in den Weltmarkt und ordnet die Bedeutung der ausländischen Engagements ein.
6 Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die zukünftigen Potenziale Indiens als Absatzmarkt und Wirtschaftsstandort für multinationale Unternehmen.
Schlüsselwörter
Indien, Markteintrittsstrategien, Multinationale Unternehmen, Direktinvestitionen, Export, Außenhandel, Joint Ventures, Offshoring, Outsourcing, Standortfaktoren, Wirtschaftswachstum, Infrastruktur, Reformpolitik, Kooperationsstrategien, Unternehmensakquisitionen
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die verschiedenen Möglichkeiten und Strategien, mit denen multinationale Unternehmen in den indischen Markt eintreten können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen umfassen die Rahmenbedingungen des indischen Wirtschaftsstandorts, die Typologie der Markteintrittsstrategien sowie die statistische Analyse der tatsächlichen Unternehmensaktivitäten.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, einen fundierten Überblick über optionale Markteintrittsformen zu bieten, basierend auf den in Indien herrschenden Bedingungen, und deren empirische Relevanz zu untersuchen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie der Auswertung bestehender empirischer Studien und statistischer Daten zur Entwicklung des indischen Außenhandels und der Direktinvestitionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Systematisierung der Markteintrittsformen (Export, Vertrag, Investition) und die anschließende empirische Überprüfung der Bedeutung dieser Formen in der indischen Praxis.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Markteintrittsstrategien, Indien, multinationale Unternehmen, Direktinvestitionen, Offshoring und Standortfaktoren.
Warum spielen Joint Ventures und Neugründungen in Indien eine so große Rolle?
Untersuchungen belegen, dass diese Formen der institutionellen Markteintrittsstrategie bevorzugt werden, da sie eine stärkere lokale Präsenz ermöglichen und als notwendig für eine langfristige Absicherung vor Ort angesehen werden.
Welchen Einfluss haben die Reformen von 1991 auf das Markteintrittsverhalten?
Die Reformen führten zur Liberalisierung der Märkte, was die restriktive Investitionspolitik lockerte, den Marktzugang für internationale Unternehmen erheblich erleichterte und ein starkes Wachstum der Auslandsinvestitionen auslöste.
- Citation du texte
- Johanna Schlereth (Auteur), 2007, Markteintritt von multinationalen Unternehmen in Indien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144011