334 v. Chr. begann der damals gerade 21jährige Alexander der Große seinen Feldzug gegen das Perserreich. Durch sein taktisches Geschick und die daraus resultierenden Schlachtsiege nahm dieser unvorstellbare Ausmaße an und veränderte das politische wie gesellschaftliche Bild großer Teile der damals bekannten Welt völlig.
Dieser Alexanderfeldzug ist zum Thema zahlreicher Werke und Diskussionen geworden, bereits in der Antike wie auch in der modernen Geschichtsforschung. Doch in den meisten Arbeiten über den Verlauf dieses Feldzuges wurde und wird häufig die Frage nach den Zielen des Königs der Makedonen vernachlässigt. Weshalb begann er nur knapp zwei Jahre nach der Herrschaftsübernahme ein solches Unternehmen? „Schließlich gab es keine virulenten Konfliktherde zwischen den Hellenen und dem Achaimenidenreich, die eine solch riskante und umfangreiche kriegerische Aktion gerechtfertigt hätten“.
Flavius Arrian, der bedeutendste der antiken Alexanderhistoriker, lässt in seinem Werk über diesen Feldzug Alexander in einem Brief an den persischen Großkönig Gründe aufzählen , die in dieser Arbeit etwas genauer betrachtet und analysiert werden sollen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Gründe für den Feldzug nach Arrian II 14, 4-6 und ihre historische Überprüfung
2.1. Rachefeldzug
2.2. Unterstützung Perinths
2.3. Schuld an der Ermordung Philipps II.
2.4. Ermordung des Arses’ und Ursupation des Dareios’
2.5. Aufwiegelung der Hellenen
3. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die in Flavius Arrians „Anabasis“ überlieferten Gründe, die Alexander der Große für seinen Feldzug gegen das Perserreich anführte, und überprüft deren historische Stichhaltigkeit sowie propagandistische Funktion.
- Historische Einordnung der Motive für den Alexanderfeldzug
- Kritische Untersuchung der Vorwürfe gegen Dareios III.
- Analyse antiker Quellenberichte zur Legitimation des Krieges
- Bewertung des propagandistischen Einsatzes von Begründungsmustern
- Untersuchung der tatsächlichen außenpolitischen Konflikte vor 334 v. Chr.
Auszug aus dem Buch
2.1. Rachefeldzug
An erster Stelle wird Rache als Begründung genannt. Gut 150 Jahre zuvor waren die Perser unter ihren Großkönigen Dareios I. und Xerxes in Griechenland militärisch aktiv gewesen - und obwohl die Hellenen in den Schlachten von Salamis und Plataiai schließlich entscheidende Siege errangen, waren große Zerstörungen nicht ausgeblieben. „Eure Vorfahren […] haben uns Übles angetan […]. Ich selbst nun […] bin nach Asien gekommen in der Absicht, dieses Unrecht an den Persern zu rächen“ lässt Arrian Alexander formulieren.
Ein Großteil der Historiker ist geneigt, anzunehmen, dass Rache für die zerstörten religiösen Heiligtümer Alexander ein Anliegen war. Durch seine Erziehung, seine Hellenenbegeisterung und seine Einstellung zum Mythos habe er diesen „Gedanken mit größter Begeisterung ergriffen“. Die Kriegsmotivation seines Vaters, der den Persienfeldzug selbst plante und begann, soll hingegen reines Expansionsstreben gewesen sein. Wenn auch kaum ein Historiker dessen Sohn das Racheanliegen abspricht, so gibt es doch nur wenige Stimmen, die dieses als wahre Kriegsmotivation gelten lassen.
„Wenn Rache aber als Motiv politischer Entscheidungen angeführt wird, so besteht der Verdacht, dass die Rache nur als Vorwand dienen soll“. Dieser Meinung Jacob Seiberts stimmen in der modernen Forschung die meisten Historiker zu, indem sie das Rachemotiv als Propaganda bezeichnen. Betrachtet man die Gegebenheiten zwischen 338 und 334, den Jahren in denen unter Philipp II. und Alexander dem Großen der Persienfeldzug konkret geplant worden war, so wird deutlich, dass für einen Rachefeldzug gegen Persien bei den Verbündeten der Makedonen kaum Begeisterung aufkommen konnte und letztlich auch nicht kam. Immerhin lebten die Griechen zu diesem Zeitpunkt seit 50 Jahren, seit 386, in Frieden mit dem persischen Großkönig. Spätestens in der Mitte des fünften Jahrhunderts, als der Wiederaufbau der Tempel zum Großteil abgeschlossen war, dürfte der Rachegedanke immer mehr an Dominanz eingebüßt haben.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in den Beginn des Alexanderfeldzuges 334 v. Chr. und die zentrale Fragestellung nach den tatsächlichen Beweggründen für die riskante Unternehmung.
2. Die Gründe für den Feldzug nach Arrian II 14, 4-6 und ihre historische Überprüfung: Detaillierte Untersuchung und historische Einordnung der einzelnen Anschuldigungen, die Alexander gegenüber dem Perserkönig erhob.
2.1. Rachefeldzug: Analyse des Rachemotivs als propagandistisches Mittel gegenüber der geringen historischen Relevanz für die Zeitgenossen Alexanders.
2.2. Unterstützung Perinths: Untersuchung der persischen Hilfe für Perinth als konkreten Vorwurf des Vertragsbruchs durch den Großkönig.
2.3. Schuld an der Ermordung Philipps II.: Bewertung der Vorwürfe einer persischen Verwicklung in das Attentat auf Philipp II. und deren historische Einordnung als Propagandabehauptung.
2.4. Ermordung des Arses’ und Ursupation des Dareios’: Analyse der Vorwürfe gegen Dareios hinsichtlich seiner Thronbesteigung durch den Mord an seinem Vorgänger Arses.
2.5. Aufwiegelung der Hellenen: Untersuchung der Behauptung, Persien habe griechische Poleis gegen die makedonische Herrschaft unter Alexander aufgehetzt.
3. Schluss: Fazit, dass die Vorwürfe weitgehend propagandistisch motiviert waren und dazu dienten, Alexanders Kriegsziele flexibel auszuweiten.
Schlüsselwörter
Alexander der Große, Arrian, Anabasis, Perserreich, Dareios III., Philipp II., Rachefeldzug, Propaganda, Kriegsziele, Makedonien, Perinth, Historische Überprüfung, Antike Geschichtsschreibung, Hellenen, Achaimeniden
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die diplomatischen und politischen Begründungen, die Alexander der Große für seinen Angriff auf das Perserreich vorbrachte, wie sie in Arrians Geschichtswerk "Anabasis" überliefert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Analyse antiker Quellen, die Untersuchung politischer Legitimation von Kriegen sowie die Unterscheidung zwischen tatsächlichen außenpolitischen Konflikten und propagandistischen Narrativen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die historische Haltbarkeit der von Alexander angeführten Vorwürfe gegen den persischen Großkönig Dareios III. kritisch zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse durchgeführt, bei der die Texte Arrians mit modernen Forschungsergebnissen und anderen antiken Berichten verglichen werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in fünf Unterkapitel, die den Rachefeldzug, die Unterstützung von Perinth, die Schuld am Mord Philipps II., die Thronbesteigung des Dareios und die angebliche Aufwiegelung griechischer Städte analysieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Alexander der Große, Propaganda, Anabasis, Perserkriege, historische Legitimation und makedonische Außenpolitik.
Wie bewertet der Autor den Vorwurf, Persien sei für den Mord an Philipp II. verantwortlich?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass es sich hierbei höchstwahrscheinlich um eine offizielle, aber unbewiesene Propagandabehauptung handelt, da eine direkte Beauftragung durch den Perserkönig als unwahrscheinlich gilt.
Welche Rolle spielte das Rachemotiv im Kontext der Zeit?
Der Autor zeigt auf, dass das Rachemotiv für die griechischen Verbündeten kaum noch aktuell war und primär als wirkungsvolles propagandistisches Instrument diente, um den Feldzug ideologisch aufzuladen.
- Citar trabajo
- Eva-Maria Burger (Autor), 2008, Die Gründe für den Alexanderfeldzug nach Arrian, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144020