Grundlagen der Textualität

Textbegriff und Textualitätskriterien


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

12 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die vortheoretische Bezeichnung des Textbegriffes

3. Der linguistische Textbegriff

4. Textualität und integrativer Textbegriff

5. Die sieben Textualitätskriterien
5.1 Köhäsion
5.2 Kohärenz
5.3 Intensionalität
5.4 Akzeptabilität
5.5 Informativität
5.6 Situationalität
5.7 Intertextualität

6. Die Gesamtheit der Textualitätskriterien

7. Vorläufige Definition des Textbegriffs

8. Abschließendes

Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In der vorliegenden Arbeit soll ein Überblick über grundlegende Ansätze der Textlinguistik gegeben werden, mit dem Ziel einer schrittweisen Verfeinerung einer Definition des Textbegriffs. Hierfür wird der Textbegriff zunächst unter vorwissenschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet. Unter welchem alltagssprachlichen Verständnis Text hier gesehen und auch in Lexika präsentiert wird, soll den Vergleich zum unmittelbar darauf folgenden textlinguistischen Textbegriff verschärfen. Dieser widmet sich in weitaus diffizilerer Art und Weise einem Textbegriff motiviert durch Wissenschaften, die per se mit Sprache und Text agieren. So werden in diesem Abschnitt die Ansätze der sprachsystematisch ausgerichteten und der kommunikationsorientierten Textlinguistik präsentiert. Der von Brinker geforderte integrative Textbegriff ist Kern des folgenden Abschnitts, durch den sich die vorgestellten Ansätze einer Definition des Textbegriffs verweben. Im Zuge des integrativen Textbegriffs wird die Textualität vorgestellt und die damit verbundenen sieben Textualitätskriterien, die deBeaugrande und Dressler 1972 eingeführt haben. Dies wird in einer groben Übersichtsform geschehen, denn zentral bleibt die kritische Bewertung einer Aufstellung von Textualitätskriterien generell und der Ausbau einer Definition des Textbegriffs.

2. Die vortheoretische Bezeichnung des Textbegriffes

Text bezeichnet unter vorwissenschaftlichem Gesichtspunkt nach Bußmann (2002: 683) eine formal begrenzte, schriftliche Äußerung, die mehr als einen Satz umfasst. Dies wird zugleich als das angesehen, was dem Alltagsverständnis des Textbegriffes entspricht. Texte werden hiernach schriftlich verfasst und setzt man sich mit Text auseinander, setzt man sich gleichzeitig mit dem geschriebenen Wort auseinander. Eine Vielzahl an Wissenschaften beschäftigen sich mit Texten auf dieser Basis, wie zum Beispiel die Rechtswissenschaft, Pädagogik, Geschichtswissenschaft oder die Theologie. Hier werden Texte unter verschiedenen Gesichtspunkten und mit unterschiedlicher Zielsetzung untersucht. So legt die Theologie religiöse Texte aus, die Rechtswissenschaft Gesetzestexte oder die Geschichtswissenschaft historische Dokumente.

Um feststellen zu können, welche Eigenschaften ein Text aufweisen muss, damit er als eben solcher zu bezeichnen ist, macht es Sinn, zu prüfen, in welchem Zusammenhang das Wort

Text überhaupt verwendet wird und welche Erklärungen sich dazu beispielsweise in Lexika finden lassen. Der Kleine Duden führt unter dem Begriff „Text“ folgende Stichpunkte auf:

1. Wortlaut eines Schriftstücks, Vortrags o.Ä.
2. Zusammenhängende Folge von Sätzen (Sprachw.)
3. Bibelstelle als Predigtgrundlage
4. Beschriftung (z.B. von Abbildungen)
5. Die zu einem Musikstück gehörenden Worte

Im Neuen Lexikon findet man unter dem Eintrag „Text“ Erläuterungen, wonach Text ein geschriebener oder gesprochener verbaler Zusammenhang ist, der in der Regel den Wortlaut eines sprachlichen Sinnzusammenhanges repräsentiert. Text bezeichnet hiernach im Grunde alles an menschlichen Äußerungen. Dazu gehören Gedichte über Zeitungsartikel oder Theaterwerke bis hin zu alltagssprachlichen Bemerkungen.

In der Alltagssprache wird der Begriff Text zum Beispiel in folgenden Zusammenhängen verwendet (vgl. Brinker 1997: 11):

- ein langer, gedruckter Text; einen Text vorlesen, vortragen, auswendig lernen, korrigieren, überfliegen, kommentieren, ändern, ergänzen, erstellen, übersetzen… - den vollen Text einer Rede abdrucken, nachlesen; der Text eines Vertrages, Telegramms, Dramas…
- Die Texte zu den Abbildungen schreiben - über einen text predigen
- der Text eines Liedes, einer Oper…

Bei der Betrachtungsweise des alltagsgebrauchten Begriffes Text fallen die unterschiedlichen Bedeutungen auf. Zusammenfassend kann jedoch als gültig betrachtet werden, dass Text „eine (schriftlich) fixierte sprachliche Einheit [ist], die in der Regel mehr als einen Satz umfasst.“ (Brinker 1997:12).

Zusätzlich wird in der Alltagssprache eine Abfolge von Sätzen nur dann als Text bezeichnet, wenn eine inhaltlich zusammenhängende, also kohärente, Struktur erkennbar ist. Nach der Etymologie des Wortes Text, das vom lateinischen textus (seines Zeichens abgeleitet von texere) abstammt, handelt es sich um ein Gewebe, also die ‚Webart’, letztlich den Stil der zusammenhängenden Wörter.

3. Der linguistische Textbegriff

Die eben vorgestellte vortheoretische Bezeichnung des Textbegriffs genügt den Wissenschaftsbereichen, die sich am intensivsten mit dem Thema auseinandersetzen nicht. Sprach- und Literaturwissenschaft benötigen eine weitaus differenzierte Definition des Textbegriffs, allein durch die Vielzahl an unterschiedlichen Untergruppen und die intensive Beschäftigung mit Sprache generell. Wird einem Bereich Textlichkeit zugerechnet, wirft dies z.B. häufig Fragen auf, ob nahe stehende Bereiche ebenfalls darunter fallen bzw. warum sie dies nicht tun. Den Textbegriff zu definieren, war und ist teilweise bis heute Gegenstand reger Diskussionen, denn bis heute konnte keine allgemein akzeptierte Definition gefunden werden. Viel eher findet man eine reiche Vielfalt an Definitionen vor. In einführender Literatur werden häufig unterschiedliche Definitionen für den Textbegriff präsentiert, der Text wird hierbei vor allem als Kommunikationsbestandteil angesehen. Danach können Texte schriftlich oder mündlich vorliegen, aus einem oder mehreren Sätzen bestehen, als Monologe oder Dialoge, rein sprachlich oder auch gemischt mit anderen Kommunikationsformen.

Dass es bis heute nicht gelungen ist, eine universelle Definition des Textbegriffes zu erreichen, mag vor allem auch an den verschieden Untersuchungszielen liegen, sowie an den unterschiedlichen Ansätzen der Wissenschaftler.

Brinker isoliert zwei Hauptrichtungen der Textlinguistik, die eine unterschiedliche Definition des Textbegriffs leisten.

1. Die sprachsystematisch ausgerichtete Textlinguistik (Text erscheint als grammatisch verknüpfte Satzfolge), entwickelt Mitte der sechziger Jahre.
2. Die kommunikationsorientierte Textlinguistik (Text erscheint als komplexe sprachliche Handlung zur Herstellung einer bestimmten kommunikativen Beziehung), entwickelt Anfang der siebziger Jahre

Bei der sprachsystematisch ausgerichteten Textlinguistik wird der Text definiert als eine kohärente Folge von Sätzen, die die Struktureinheit darstellen. Somit wird der Textzusammenhang ausschließlich durch grammatische Regularitäten bestimmt. Diese Ansichtsweise entstand aus der generativen Transformationsgrammatik Mitte der sechziger Jahre. Texte sind hierbei als das primäre sprachliche Zeichen zu sehen, nicht der Satz. Trotzdem gilt der Satz als Struktureinheit des Textes, zur Beschreibung der Textkohärenz dienen allein syntaktisch-semantische Beziehungen zwischen den Sätzen. Maßgeblich an einer Entwicklung der sprachsystematisch ausgerichteten Textlinguistik waren Linguisten wie Harweg, Lux oder van Dijk. Letztgenannter geht bei Texten von einer Tiefenstruktur aus, Text definiert er als „eine durch semantische Tiefenstruktur motivierte, ’gesteuerte’ Oberflächenstruktur“ (van Dijk 1972: 206). In der Tat ist es schwer anzunehmen, Texte seien nur über ihre innere Struktur zu definieren. Sicher sind syntaktische Aspekte bei der Verknüpfung unerlässlich, jedoch spielen auch semantische und pragmatische Gesichtspunkte eine Rolle bei der Definition von Text.

Die kommunikationsorientierte Textlinguistik beschäftigt sich in erster Linie mit der kommunikativen Funktion des entsprechenden Textes selbst. Untersuchungsgegenstand ist der Kontakt zwischen Schreiber bzw. Sprecher und dem Rezipienten. Der Text erscheint nun nicht mehr als schlicht grammatisch verknüpfte Satzfolge, sondern als komplexe sprachliche Handlung, durch die der Sender eine kommunikative Beziehung zum Rezipienten aufbaut. Jeder geäußerte Bestandteil eines Kommunikationsaktes in einem kommunikativen Handlungsspiel ist hierbei ein Text. Allerdings muss der Kommunikationsakt thematisch orientiert sein und eine kommunikative Funktion erfüllen, also ein erkennbares Illokutionspotential realisieren (Schmidt 1973: 150)

Die Beachtung von textexternen Faktoren stützt sich auf die Sprechakttheorie, die von Searle und Austin entwickelt wurde, denn Text wird hier als Text-in-Funktion gesehen. Text ist demnach ein Prozess und Produkt eines Kommunikationsvorganges.

Wichtig ist anzumerken, dass die eben vorgestellten textlinguistischen Grundpositionen nicht als separat zu betrachten sind. Vielmehr ergänzen sie einander und sind aufeinander zu beziehen. Brinker fordert aus diesem Grund den integrativen Textbegriff, was bedeutet, dass Text als einerseits sprachliche und andererseits kommunikative Einheit zu verstehen ist. Denn „der Terminus „Text“ bezeichnet eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“ (Brinker 1997:17). Als sprachliche Zeichen sind grundsätzlich Satzfolgen zu verstehen. Die Satzfolge erhält ihre kommunikative Funktion erst innerhalb einer Kommunikationssituation.

[...]

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Details

Titel
Grundlagen der Textualität
Untertitel
Textbegriff und Textualitätskriterien
Hochschule
Technische Universität Berlin  (Institut für Geisteswissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in die Textlinguistik
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V144028
ISBN (eBook)
9783640525690
Dateigröße
416 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Textualität, Textbegriff, Textualitätskriterien, integrativer Textbegriff, linguistischer Textbegriff, Textdefinition, Text
Arbeit zitieren
B.A. David Spitzl (Autor), 2009, Grundlagen der Textualität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144028

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