Wie Fremdsprachenunterricht mit Schreibübungen zu Kultur und Literatur gestaltet und erweitert werden kann, erkundet André Maertens in seinen Vorträgen zu Kurseinheiten für den Unterricht Deutsch als Fremdsprache. Die in diesen Beiträgen vorgestellten Lehrkonzepte umfassen kreative Übungen (z. B. zu Lyrik), deskriptive Aufgaben zur Förderung der Sprachbeherrschung und interpretierende Schreibübungen als Vorstufe zu literaturwissenschaftlichen Analysen. Ergänzt werden diese Übungsmethoden mit Studientexten des Verfassers, die den jeweiligen Unterrichtsplan vorbereiten und vertiefen sollen.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort: Die Fremdsprache Deutsch lernen – mit Schreibübungen zu Kultur und Literatur
1. Themenblock: Unterrichtskonzepte
Kreatives Schreiben: Dichten im Kultur-Kurs – ein Unterrichtsmodell
Schreiben und Zeichnen: grafische Literatur als DaF-Projekt
Aufgaben-zentriert über Bücher schreiben: Kompetenzen-Vermittlung und Sprachvertiefung in DaF-Literaturkursen
Projekte im DaF-Unterricht: Kritische Fragen zu Lernzielen, Sprachlerneffekt und Kompetenzschulung in „produzierenden“ Unterrichtseinheiten
2. Themenblock: Literaturinterpretationen
Biblische Symbolsprache in Gert Ledigs Kriegsroman „Vergeltung“
Wie der österreichische Reisende Eugen Binder von Krieglstein das China um das Jahr 1900 schilderte: Beispiel eines Selbstbildes kultureller Dominanz
Anthropozäne Sprache in Schweizer Lyrik: Betrachtungen zu Natur- und Raummotiven bei Martin Bieri
Zielsetzung & Themen
Dieses Buch zielt darauf ab, den Deutschunterricht auf mittlerem und höherem Sprachniveau durch kreative und literaturwissenschaftliche Ansätze zu bereichern, um neben dem reinen Spracherwerb auch das kulturelle Verständnis und die eigenständige Textproduktion zu fördern.
- Integration von kreativen Schreib- und Zeichenübungen in den DaF-Unterricht.
- Entwicklung von Projektmodellen zur Förderung der Lernerautonomie.
- Interpretation deutschsprachiger Literatur unter Berücksichtigung historischer und gesellschaftlicher Krisenkontexte.
- Fokussierung auf moderne didaktische Methoden zur Steigerung der Sprachlernmotivation.
Auszug aus dem Buch
Textauszug: Romananfang
Dementsprechend beginnt der Roman mit einer Szenerie, deren Metaphorik Anklänge an christliche Bildsprache aufweist:
► Lasset die Kindlein zu mir kommen. – Als die erste Bombe fiel, schleuderte der Luftdruck die toten Kinder gegen die Mauer. Sie waren vorgestern in einem Keller erstickt. Man hatte sie auf den Friedhof gelegt, weil ihre Väter an der Front kämpften und man ihre Mütter erst suchen mußte. Man fand nur eine. Aber die war unter Trümmern zerquetscht. So sah die Vergeltung aus. […]
Als die emporgeschleuderte Erde wieder herunterprasselte, begann das Geheul der Sirenen. Es klang, als beginne ein Orkan. Hunderttausend Menschen spürten ihr Herz. Die Stadt brannte seit drei Tagen, und seitdem heulten die Sirenen regelmäßig zu spät. Es war, als würden sie absichtlich so in Betrieb gesetzt, denn zwischen dem Zerbomben brauchte man Zeit zum Leben. […]
Zwei Frauen auf der anderen Seite der Friedhofsmauer ließen den Handwagen los und rannten über die Straße. Sie dachten, die Friedhofsmauer sei sicher. Darin hatten sie sich geirrt. […] Wo eben noch Asphalt war, prasselten Flammen. Der Handwagen wurde von der Luftwelle umgeworfen. Die Deichsel flog in den Himmel, aus einer Decke entrollte sich ein Kind. Die Mutter an der Mauer schrie nicht. Sie hatte keine Zeit dazu. […]
► Neben der Mutter stand eine Frau und brannte wie eine Fackel. […] Die Mutter blickte sie hilflos an, dann brannte sie selbst. Von den Beinen herauf über die Unterschenkel bis zum Leib. Das spürte sie noch, dann schrumpfte sie zusammen. […] Eine Explosionswelle barst an der Friedhofsmauer entlang, und in diesem Augenblick brannte auch die Straße. Der Asphalt, die Steine, die Luft. (Ledig, 2004, 10-11)
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Die Fremdsprache Deutsch lernen – mit Schreibübungen zu Kultur und Literatur: Der Autor erläutert die Notwendigkeit, Deutschlernenden auf fortgeschrittenem Niveau durch kreative Schreibaufgaben eine Anwendungsmöglichkeit jenseits klassischer Lehrbuchübungen zu bieten.
Kreatives Schreiben: Dichten im Kultur-Kurs – ein Unterrichtsmodell: Dieses Kapitel stellt ein Modell vor, das durch Lyrikarbeit die Sprachfertigkeiten und den kulturellen Horizont von fortgeschrittenen Lerngruppen erweitert.
Schreiben und Zeichnen: grafische Literatur als DaF-Projekt: Ein Workshop-Konzept zur Arbeit mit Comics oder Graphic Novels wird beschrieben, das kreative Gestaltung mit fachsprachlichem Lernen verbindet.
Aufgaben-zentriert über Bücher schreiben: Kompetenzen-Vermittlung und Sprachvertiefung in DaF-Literaturkursen: Hier wird ein Stufenmodell zur Textproduktion vorgestellt, welches das Schreiben als langsamen, reflektierten Prozess begreift und die Schreibkompetenz durch gezielte Übungsformen systematisch fördert.
Projekte im DaF-Unterricht: Kritische Fragen zu Lernzielen, Sprachlerneffekt und Kompetenzschulung in „produzierenden“ Unterrichtseinheiten: Ein Praxisbericht verdeutlicht, wie durch kollaborative Projektarbeit eine produktorientierte und kompetenzbasierte Lernform jenseits des Standardunterrichts gelingen kann.
Biblische Symbolsprache in Gert Ledigs Kriegsroman „Vergeltung“: Die Untersuchung zeigt auf, wie in einem zentralen Werk der Kriegsliteratur christliche Motive zur Auseinandersetzung mit Schuld und Kriegstrauma genutzt werden.
Wie der österreichische Reisende Eugen Binder von Krieglstein das China um das Jahr 1900 schilderte: Beispiel eines Selbstbildes kultureller Dominanz: Das Kapitel analysiert die koloniale Sichtweise und die Konstruktion kultureller Identität in den Reiseerzählungen von Eugen Binder von Krieglstein.
Anthropozäne Sprache in Schweizer Lyrik: Betrachtungen zu Natur- und Raummotiven bei Martin Bieri: Diese Analyse setzt sich mit der ökologischen Thematik in der Lyrik von Martin Bieri auseinander und untersucht die Rolle von Mensch und Technik im Anthropozän.
Schlüsselwörter
Deutsch als Fremdsprache, DaF, Literaturunterricht, kreatives Schreiben, Lyrik, grafische Literatur, Comic, Projektarbeit, Literaturwissenschaft, Anthropozän, Kriegsliteratur, Textproduktion, Schreibkompetenz, Interkulturalität, Sprachlerneffekt
Häufig gestellte Fragen
Was ist das übergeordnete Ziel dieser Publikation?
Die Arbeit möchte Lehrenden im Bereich Deutsch als Fremdsprache (DaF) Modelle an die Hand geben, um Literatur und Kultur durch produktive, kreative und projektbasierte Lernformen in den Kursalltag zu integrieren.
Welche Themenfelder stehen im Zentrum?
Die Schwerpunkte liegen auf kreativem Schreiben (Lyrik), Comic-Projekten (grafische Literatur), der schriftlichen Auseinandersetzung mit anspruchsvoller Belletristik sowie der literaturwissenschaftlichen Analyse von politischer und ökologischer Literatur.
Welche Forschungsfragen werden adressiert?
Zentral sind Fragen nach der Steigerung der Schreibkompetenz, der Vermittlung von Literaturwissen als Motor für Spracherwerb sowie der kritischen Reflexion über Lehrprozesse und Kompetenzentwicklung in autonomen Projekten.
Welche methodischen Ansätze werden zur Leistungssteigerung genutzt?
Zum Einsatz kommen Stufenmodelle der Textproduktion, kollaborative Projektarbeit mit Peer-Feedback sowie die Integration von Fachsprache durch kreatives Anwenden anstatt reiner Wissensreproduktion.
Was behandelt der Hauptteil des Buches spezifisch?
Der Hauptteil ist in praktische Unterrichtskonzepte und literaturwissenschaftliche Interpretationen gegliedert, wobei konkrete Unterrichtsmodelle für verschiedene Gattungen wie Lyrik, Grafiknovellen und Romane erläutert werden.
Welche Keywords prägen die inhaltliche Ausrichtung?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie DaF, Schreibkompetenz, Projektarbeit, Anthropozän, Literaturvermittlung und interkulturelles Lernen aus.
Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Comics im DaF-Kontext von der klassischen Literaturanalyse?
Comics bieten eine Text-Bild-Kombination, die das Storytelling visuell greifbar macht und Schüler dazu animiert, eigene erzählerische oder zeichnerische Kompetenzen in einer niedrigschwelligeren, aber dennoch fachsprachlich relevanten Weise zu erproben.
Warum wird im Kontext von Remarque oder Ledig der Begriff der Schilderung von Schuld diskutiert?
Diese Autoren nutzen explizite oder implizite religiöse Bildsprachen, um die oft als absurd empfundene Gewalt des Kriegs und die Verantwortlichkeit des Einzelnen über die rein historische Dokumentation hinaus moralisch greifbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- André Maertens (Autor:in), 2024, Literatur und Kultur im Unterricht „Deutsch als Fremdsprache“ – Konzepte für deskriptive, interpretierende und kreative Schreibübungen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1440728