Dieses Portfolio konzentriert sich auf die Analyse und Diskussion der kontinuierlichen Förderung sprachlicher Fähigkeiten und des Einsatzes von Bildungssprache im schulischen Umfeld, insbesondere im Zusammenhang mit Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache.
Im ersten Abschnitt werden die Sprachleistungen der Schülerin Anna analysiert und diskutiert. Die zweite Portfolio-Aufgabe widmet sich der Bedeutung von Bildungssprache und durchgängiger Sprachbildung im schulischen Kontext. Abschließend erfolgt in der dritten Portfolio-Aufgabe die Analyse eines Schülertextes mit anschließendem konstruktivem Feedback.
Die Arbeit bietet einen Einblick in die Herausforderungen und Möglichkeiten, die sich im schulischen Umfeld in Bezug auf Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache ergeben. Durch die praxisorientierten Aufgaben werden konkrete Ansätze zur Verbesserung sprachlicher Kompetenzen und des Einsatzes von Bildungssprache aufgezeigt.
Inhaltsverzeichnis
Portfolio-Aufgabe I: Analyse der Sprachleistungen von Anna
Portfolio-Aufgabe II: Bedeutung von Bildungssprache & durchgängiger Sprachbildung
Portfolio-Aufgabe III: Analyse eines Schülertextes und konstruktives Feedback
Zielsetzung und Themen
Das vorliegende Portfolio befasst sich mit der Analyse sprachlicher Leistungen von Schülern in verschiedenen Kontexten. Das primäre Ziel ist es, den Übergang von der Alltagssprache zur Bildungssprache wissenschaftlich fundiert zu evaluieren und praktische Förderansätze für den Unterricht aufzuzeigen.
- Analyse und Einordnung von Sprachproben im Kontext der Bildungssprache
- Unterscheidung zwischen Alltagssprache und Bildungssprache (Sprache der Nähe vs. Distanz)
- Die Bedeutung durchgängiger Sprachbildung in allen Unterrichtsfächern
- Einsatz von Scaffolding als Methode zur Sprachförderung
- Konstruktives Feedback zur Verbesserung von Schülertexten
Auszug aus dem Buch
Portfolio-Aufgabe I: Analyse der Sprachleistungen von Anna
Im Folgenden soll die Sprachleistung der 15-jährigen Schülerin Anna analysiert werden. Darüber hinaus soll eingeordnet werden, ob sie sich eher in der Welt der Alltagssprache oder der Bildungssprache befindet. Anna besucht zum Zeitpunkt der Untersuchungen die 9. Klasse eines Gymnasiums und ist vor 10 Monaten aus Kiew nach Deutschland immigriert. Ihre Herkunftssprache ist Russisch und sie nimmt für das Erlernen der deutschen Sprache schulische Fördermaßnahmen in Anspruch (vgl. Baur u.a. 1993: 10-11). In den Sprachproben fasst Anna den Inhalt des Textes ‚Was Tiere lernen können‘ aus einem Biologiebuch über das Pawlowsche Experiment zur Speichelproduktion von Hunden auf Russisch sowie auf Deutsch zusammen (vgl. Baur u.a. 1993: 18). Für die Analyse nehme ich die Theorie von Hans Reich (in Gogolin & Lange 2010: 113-114) als Ausgangspunkt meiner Überlegungen.
In der deutschen Sprachprobe zeigt Anna in ihrer Wiedergabe des Experiments von Pawlow (vgl. Baur 1993: 19), dass sie bereits eine monologisch geprägte Erzählweise auf Deutsch meistern kann. Ihre Wiedergabe des Experiments in der deutschen Sprache ist sachbezogen und logisch aufeinander aufbauend (vgl. Gogolin & Lange 2010: 113). Dies zeigt, dass sie schon einige diskursive Merkmale von konzeptionell schriftlicher Sprache bzw. Bildungssprache beherrscht. Allerdings deuten auch mehrere Aspekte darauf hin, dass sie erst ganz am Anfang des Weges in die Welt der Bildungssprache Deutsch steht.
Anna verwendet in ihrer Sprache keinerlei Fachtermini, die in der Bildungssprache bzw. der konzeptionell schriftlichen Sprache aber sehr wichtig sind. Außerdem schildert sie nur konkrete Erlebnissituationen und Handlungen Pawlows in seinem Experiment und verwendet keine Abstrahierungen (vgl. Gogolin & Lange 2010: 114). Anna wechselt zudem stark zwischen einzelnen Tempusformen hin und her, beispielsweise verwendet sie zuerst das Imperfekt ‚Pavlov wollte‘, wechselt dann ins Perfekt ‚hat ein Glocken genommen‘ und verwendet zum Schluss das Präsens ‚er sieht‘. Hier ist keine einheitliche Erzählform gegeben, die der geforderten Textsorte entsprechen würde.
Zusammenfassung der Kapitel
Portfolio-Aufgabe I: Analyse der Sprachleistungen von Anna: Eine linguistische Untersuchung einer Schülerin, die ihren aktuellen Stand im Erwerb bildungssprachlicher Merkmale auf Deutsch und Russisch aufzeigt.
Portfolio-Aufgabe II: Bedeutung von Bildungssprache & durchgängiger Sprachbildung: Theoretische Herleitung und Definition von Alltags- und Bildungssprache sowie Plädoyer für ein fächerübergreifendes, durchgängiges Sprachbildungskonzept.
Portfolio-Aufgabe III: Analyse eines Schülertextes und konstruktives Feedback: Praktische Anwendung eines Auswertungsrasters an einem konkreten Schülerbericht mit konkreten Hinweisen zur Verbesserung von Ausdruck, Fachsprachlichkeit und Satzstruktur.
Schlüsselwörter
Bildungssprache, Alltagssprache, Durchgängige Sprachbildung, Deutsch als Zweitsprache (DaZ), Sprachbewusstsein, Scaffolding, Sprachhandlung, Mehrsprachigkeit, Fachsprachlichkeit, Spracherwerb, Didaktik, Migrationshintergrund, Sprachanalyse, Lernförderung, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Portfolio?
Das Portfolio analysiert sprachliche Leistungen von Schüler*innen und untersucht den Erwerb der Bildungssprache im schulischen Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Das Werk behandelt die Differenzierung zwischen Alltags- und Bildungssprache sowie Strategien zur Förderung der Sprachkompetenz in der Schule.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist die Sensibilisierung für sprachliche Hürden bei Schüler*innen und die Aufzeigung methodischer Ansätze, wie durchgängige Sprachbildung in allen Fächern gelingen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es werden qualitative Sprachanalysen von Schülertexten durchgeführt, basierend auf theoretischen Modellen zur Sprachregister-Entwicklung (u.a. nach Reich, Gogolin & Lange).
Was ist das zentrale Ergebnis zu Anna in Aufgabe I?
Anna beherrscht bereits diskursive Merkmale des monologischen Erzählens, zeigt jedoch Defizite bei der Verwendung fachsprachlicher Lexik und bei der konsistenten grammatikalischen Strukturierung ihrer Texte.
Welches Konzept schlägt der Autor für den Sprachunterricht vor?
Es wird das Konzept des Scaffolding empfohlen, das Schüler*innen schrittweise von alltagssprachlichen, mündlichen Äußerungen hin zur schriftlichen Bildungssprache leitet.
Warum ist Bildungssprache relevant außerhalb des Deutschunterrichts?
Bildungssprache ist entscheidend für das Verstehen von Fachinhalten in Fächern wie Mathematik oder Biologie; mangelnde Sprachkenntnisse blockieren hier häufig den fachlichen Erfolg.
Welche Rolle spielt die Mehrsprachigkeit für die Lernenden?
Die Arbeit betont, dass Mehrsprachigkeit als Ressource genutzt werden sollte, um durch den Vergleich verschiedener Sprachen das Sprachbewusstsein zu stärken.
- Arbeit zitieren
- Stella Bremer (Autor:in), 2022, Sprachbildung im Schulalltag. Analyse, Förderung und Feedback in Bezug auf Mehrsprachigkeit und Deutsch als Zweitsprache, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1440860