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Spanische Eroberungszüge in Amerika als Gewinngemeinschaften. Wie prägte gesellschaftliches und materielles Gewinnstreben privater Akteure die Conquista?

Title: Spanische Eroberungszüge in Amerika als Gewinngemeinschaften. Wie prägte gesellschaftliches und materielles Gewinnstreben privater Akteure die Conquista?

Bachelor Thesis , 2021 , 49 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Michael Bauer (Author)

History - America
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Summary Excerpt Details

Die Arbeit versucht zu beantworten, wie sehr die spanische Expansion in Amerika durch gesellschaftliches und materielles Gewinnstreben ihrer einzelnen Akteure geprägt war.

Die Eroberung der "Neuen Welt" durch die Konquistadoren stellt einen welthistorisch einmaligen Vorgang dar und wird häufig durch einen fanatischen Missionierungseifer und die blinde Gier nach Gold der Spanier erklärt. Tatsächlich spielte der Wunsch nach Verbreitung des katholischen Glaubens für die meisten Konquistadoren wohl eine untergeordnete Rolle und auch Gold war in den wenigsten Fällen die Beute der Eroberer. Sie begaben sich auch nicht auf Befehl des Königs als dessen Armee nach Amerika, sondern freiwillig auf eigene Kosten, Planung und Risiken. Die Krone vergab lediglich Lizenzen für Entdeckungen bzw. Eroberungen und beanspruchte das königliche Fünftel für die dabei entstehenden Gewinne. Es waren also in erster Linie weltliche Verlockungen, die das Leitmotiv der Konquistadoren prägten. Doch lagen diese weniger in Gold, sondern vielmehr in der "Ressource Mensch" in Form von encomiendas, Ländereien sowie Titel.

Diese Arbeit eruiert, wie sehr die spanische Expansion in Amerika durch gesellschaftliches und materielles Gewinnstreben ihrer einzelnen Akteure geprägt war. Der geographische und zeitliche Fokus liegt dabei auf dem Mexiko der 1520er Jahre, wobei unter der Prämisse, die Conquista als Gesamtphänomen zu verstehen, punktuell räumlich auf ihren karibischen sowie andinen Schauplatz ausgegriffen wird. Gleichzeitig wird die Arbeit dort, wo die inhaltliche Verflechtung es gebietet, auch zeitlich einen größeren Rahmen abdecken und neben der Eroberungsphase die anschließende Etablierung der spanischen Herrschaft einbeziehen, womit sie die Periode ab Kolumbus erstmaliger Ankunft in der "Neuen Welt" bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts umfasst. Nach der Einleitung werden ein Bild der sozialen Zusammensetzung einer Konquistadorengruppe gezeichnet und deren wesentliche Charakteristika herausgearbeitet. Dem folgt eine Darstellung der legitimatorischen Grundlagen der Conquista, die ganz wesentlich dafür waren, dass das, was die Konquistadoren erbeuteten, nach eigener Rechtsauffassung kein Raub, sondern genehmigte Beute war.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Die spanischen Konquistadorengruppen

2.1 Eroberungslizenzen

2.2 Die Rolle des Bellum Iustum

2.2.1 Der Gebrauch des Requerimientos als rechtliche Absicherung für die Konquistadoren

3 Die Belohnungslogik der Conquista

3.1 Die Beuteökonomie und ihre Auswirkungen

3.2 Formen unmittelbarer Beute

3.3 Die zweite Ebene der Belohnungslogik: Belohnung durch königliche Gnaden

4 Schluss

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern die spanische Expansion in Amerika durch das gesellschaftliche und materielle Gewinnstreben privater Akteure der Conquista geprägt war. Dabei wird analysiert, wie diese Akteure ihre Unternehmungen rechtlich legitimierten und welche ökonomische Logik hinter ihrer Beuteerwartung und den Belohnungsstrukturen stand.

  • Soziale Zusammensetzung und Charakteristika der Konquistadorengruppen
  • Die Rolle rechtlicher Legitimationsmuster wie dem Bellum Iustum und dem Requerimiento
  • Strukturen der Beuteökonomie und deren Einfluss auf die Conquista
  • Das System der königlichen Gnaden als zweite Belohnungsebene
  • Vergleich und Einordnung historischer Forschungsdebatten (z.B. New Conquest History)

Auszug aus dem Buch

Die spanischen Konquistadorengruppen

Um die Dynamik des Prozesses, der gemeinhin als Conquista bekannt ist, greifbar zu machen, soll zunächst die Beschaffenheit jener Gruppen von Spaniern, die vom ausgehenden 15. bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts ihre Eroberungszüge in der „Neuen Welt“ unternahmen, charakterisiert werden. Diese kriegerischen Feldzüge unterschieden sich wesentlich von jenen, welche Spanien zur selben Zeit unter Karl V. beispielsweise in Italien oder gegen die deutschen Protestanten führte. Die Konquistadorengruppen agierten weder auf Befehl des Königs, noch handelte es sich beim Großteil von ihnen um professionelle Soldaten. Bei den Operationen im karibischen Raum und später in Mittel- und Südamerika, handelte es sich um privat finanzierte Kriegsunternehmungen, die vom spanischen Monarchen oder seinem Statthalter lediglich lizenziert und indirekt unterstützt wurden, wobei die Eroberer im Gegenzug das königliche Fünftel, also 20% der gewonnenen Beute, zu entrichten hatten.

Die Krone selbst, die sich nicht an den Kosten der Expedition beteiligte, ging somit in diesem System kein Risiko ein, welches mit wenigen Ausnahmen bei den Konquistadoren lag. Die Tatsache, dass die Teilnehmer des Unternehmens sämtliche Auslagen für Material, Ausrüstung und Verpflegung selbst zu tragen hatten und sich häufig für die Finanzierung zuvor verschuldet hatten, erklärt die tendenziell geringe Bereitschaft unter den Konquistadoren, auch in schwierigen Situationen, ihre Feldzüge vorzeitig abzubrechen. Grundsätzlich gilt, dass je höher der eigene Anteil des Einzelnen an der Gesamtinvestition aller war, umso größer fiel der prozentuelle Anspruch auf Beteiligung am Gewinn aus, wobei die konkrete Belohnungslogik in Kapitel 3 eingehender beleuchtet wird. Das erfolgreiche Beutemachen war existenziell für die Beteiligten, bedeutete ein Misslingen doch häufig den persönlichen Ruin.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, wie stark die Conquista durch privates Gewinnstreben anstatt durch königliche Befehle motiviert war, und umreißt den methodischen Rahmen.

2 Die spanischen Konquistadorengruppen: Das Kapitel analysiert die soziale Herkunft und Motivation der privaten Akteure, die zumeist keine professionellen Soldaten, sondern privat finanzierte Abenteurer waren.

2.1 Eroberungslizenzen: Dieser Abschnitt erläutert die rechtliche Grundlage der Expeditionen durch die Kapitulationen, die zwischen der Krone und privaten Vertragspartnern abgeschlossen wurden.

2.2 Die Rolle des Bellum Iustum: Es wird die ideologische Rechtfertigungsgrundlage des „gerechten Krieges“ analysiert, die als Basis für die rechtmäßige Aneignung von Beute diente.

2.2.1 Der Gebrauch des Requerimientos als rechtliche Absicherung für die Konquistadoren: Das Kapitel beschreibt die praktische Anwendung des Requerimientos, einer juristischen Farce, um die Unterwerfung der indigenen Bevölkerung zu erzwingen.

3 Die Belohnungslogik der Conquista: Hier wird das ökonomische System der Belohnung untersucht, das die Konquistadoren finanziell an ihre Unternehmungen band.

3.1 Die Beuteökonomie und ihre Auswirkungen: Der Text beschreibt, wie die leistungs- und investitionsorientierte Beuteverteilung zu einer Eigendynamik der Conquista führte.

3.2 Formen unmittelbarer Beute: Es wird diskutiert, wie Edelmetalle, Sklaven und Encomiendas die unmittelbaren Ziele der Konquistadoren darstellten.

3.3 Die zweite Ebene der Belohnungslogik: Belohnung durch königliche Gnaden: Das Kapitel analysiert, wie nach den unmittelbaren Eroberungen Ansprüche auf Titel und Privilegien durch formelle Dienstberichte geltend gemacht wurden.

4 Schluss: Die Arbeit fasst zusammen, dass die Conquista ein privat organisiertes „Empire Building von unten“ war, das maßgeblich durch materielles Gewinnstreben angetrieben wurde.

Schlüsselwörter

Conquista, Konquistadoren, Spanien, Amerika, Beuteökonomie, Encomienda, Requerimiento, Bellum Iustum, Kapitulationen, Kolonialgeschichte, Gewinnstreben, Karl V., indigene Akteure, soziale Mobilität, Hidalgo

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht, inwiefern die spanischen Eroberungen in Amerika zwischen 1519 und der Mitte des 16. Jahrhunderts nicht als staatlich gelenkte Missionen, sondern als privat finanzierte Unternehmungen betrachtet werden müssen, die durch Gewinnstreben motiviert waren.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Zentrum stehen die soziale Zusammensetzung der Eroberergruppen, die rechtliche Legitimierung ihres Vorgehens durch Verträge und Glaubensdoktrinen sowie die ökonomischen Anreizsysteme, die das Handeln der Konquistadoren dauerhaft prägten.

Was ist das primäre Ziel der Forschung?

Das Ziel ist es zu analysieren, wie gesellschaftliches und materielles Gewinnstreben das Verhalten der Konquistadoren beeinflusste und inwiefern dies zur Etablierung dauerhafter kolonialer Strukturen beitrug.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer quellenkritischen Analyse zeitgenössischer Dokumente, wie den Berichten von Hernán Cortés (Cartas de relación), sowie einer Auswertung aktueller historischer Fachliteratur, insbesondere aus der Tradition der „New Conquest History“.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der sozialen Struktur der Gruppen, die rechtlichen Rahmenbedingungen der Eroberungslizenzen (Kapitulationen) und die zweistufige Belohnungslogik bestehend aus unmittelbarer Beuteökonomie und dem System königlicher Gnaden.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Conquista, Konquistadoren, das Encomienda-System, der rechtliche Status des „gerechten Krieges“ (Bellum Iustum) und die soziale Gruppe der Hidalgos.

Welche Rolle spielten die Kapitulationen?

Die Kapitulationen waren vertragliche Vereinbarungen zwischen der Krone und privaten Expeditionsleitern, die festlegten, dass der Eroberer auf eigene Kosten handelte, während die Krone Lizenzen und anteilige Gewinne vergab.

Wie sicherte man sich die Beute rechtlich ab?

Durch die Verlautbarung des Requerimientos wurde den Indigenen formal ein juristisches Verfahren angeboten, dessen Ablehnung den Spaniern den „gerechten Krieg“ ermöglichte und so die Ausbeutung rechtlich absicherte.

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Details

Title
Spanische Eroberungszüge in Amerika als Gewinngemeinschaften. Wie prägte gesellschaftliches und materielles Gewinnstreben privater Akteure die Conquista?
College
Bielefeld University
Grade
1,0
Author
Michael Bauer (Author)
Publication Year
2021
Pages
49
Catalog Number
V1440997
ISBN (PDF)
9783346998620
ISBN (Book)
9783346998637
Language
German
Tags
Conquista Mexiko Peru Karibik Cortés Alvarado Las Casas Requerimiento Azteken Maya Inkas 16. Jahrhundert Kolumbus Beute Frühkapitalismus Cartas Capitulación
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Michael Bauer (Author), 2021, Spanische Eroberungszüge in Amerika als Gewinngemeinschaften. Wie prägte gesellschaftliches und materielles Gewinnstreben privater Akteure die Conquista?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1440997
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