Das Motiv der Verlebendigung wird auch in Eichendorffs Werk der Moderne „Das Marmorbild“ aufgegriffen. Eine Besonderheit der Novelle ist dabei, dass die Verlebendigung kein abgeschlossener irreversibler Prozess ist, sondern vielmehr eine zeitlich befristete Verwandlung. Aus diesem Grund ist das Thema der vorliegenden Hausarbeit nicht nur, wie die Statue aus dem Werk verlebendigt wird, sondern auch, wie die Auflösung der Lebendigkeit hin zur ursprünglichen Versteinerung gelingt. Ziel ist es dabei, die dafür genutzten Verlebendigungsstrategien in Eichendorffs Marmorbild darzustellen. Dafür wird vor allem die Interaktion zwischen Kunst und Mensch erläutert. Vorweg werde ich auf die Epoche des Haupttextes Das Marmorbild von Eichendorff, der Romantik, eingehen, um ein allgemeines, zeitliches Verständnis zu schaffen und Motive anzuführen, die für die spätere Analyse relevant sein werden. Anschließend gehe ich auf den Pygmalionmythos von Ovid und einige seiner Darstellungsformen von Lebendigkeit ein, die ich anschließend in der Analyse vergleiche. Weiter nehme ich Bezug auf kunstästhetischen Schriften wie Giorgio Vasaris Künstlerbiographien, Gotthold Ephraim Lessings Laokoon und Johann Wolfgang von Goethes italienischer Reise und führe weitere Verlebendigungsstrategien an. Auf diese Verlebendigungsstrategien wird das Marmorbild anhand von zwei Textpassagen untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Verlebendigungstechniken
2.1 Die Romantik und ihre Motive
2.2 Pygmalion-Mythos
2.3 Vasaris Ekphrasis
2.4 Lessings fruchtbarer Moment
2.5 Beleuchtungsinszenierung
3 Das Marmorbild
3.1 Inhalt
4 Analyse
4.1 Erste Textpassage
4.1.1 Pygmalionmythos
4.1.2 Vasaris Ekphrasis
4.1.3 Motive der Romantik
4.1.4 Beleuchtungstechniken
4.1.5 Fruchtbarer Augenblick
4.2 Zweite Textpassage
4.2.1 Lebendigkeit
4.2.2 Auflösung
5 Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die Erzählstrategien in Joseph von Eichendorffs Novelle "Das Marmorbild", wobei der Fokus auf der Verlebendigung antiker Statuen liegt. Ziel ist es, die Interaktion zwischen Mensch und Kunst sowie die Mechanismen der Transformation von der belebten Figur zurück zur versteinerten Materie zu analysieren.
- Analyse der romantischen Epoche und ihrer zentralen Motive
- Untersuchung des Pygmalion-Mythos und dessen Rezeption
- Deutung von Lichtinszenierungen und Bildbeschreibungen (Ekphrasis)
- Anwendung des Konzepts des "fruchtbaren Augenblicks" nach Lessing
- Untersuchung der psychologischen Dimension von Wahn und Wirklichkeit
Auszug aus dem Buch
2.1 Die Romantik und ihre Motive
Im Allgemeinen ist die literarische Epoche der Romantik geprägt von historischen Faktoren, wie den Folgen der Französischen Revolution, gesellschaftlichen Veränderungen, den Ideen der Aufklärung und der Entfremdung des Menschen von der Natur durch den industriellen Fortschritt. Die Romantik bildet dabei eine Gegenströmung zur Aufklärung. Frenzel beschreibt die Romantik als „Sammelbecken für Entgegengesetztes“. Beliebte Themen der Romantik sind das Unterbewusste, die Seele, das Schaurige und die Auseinandersetzung mit dem Verstand und der empfindsamen Gefühlswelt. Diese Themen sollten die Grenzen des Verstandes herausfordern und sich gegen aufklärerischer Nützlichkeitsgedanken richteten, aber gleichermaßen Entgegengesetztes zueinander bringen.
Zeitlich lässt sich die Romantik in drei Phasen untergliedern: die Früh-, Hoch- und Spätromantik. Den Beginn der Romantik setzt man um etwa 1798, das Ende um etwa 1835. Da sich „Das Marmorbild“ von Eichendorff, welches 1818 erstmals veröffentlicht vor allem der Hoch- und Spätromantik zuordnen lässt, fokussiert sich diese Hausarbeit im Folgenden vor allem auf diese.
Ende des 18. Jahrhunderts kam ein allgemeines Interesse an den „Nachtseiten des Menschen“ auf. Spätromantiker wendeten sich daher zunehmend der Mystik und dem Unheimlichen zu. Ein Einfluss dafür waren die Vorträge Gotthilf Heinrich Schuberts über die „Nachtseiten der Naturwissenschaft“, wie Träume, Hellsehen und Magnetismus, die nicht zuletzt auch viele Autoren in dieser Zeit beeinflusste.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die kunsttheoretische Problematik der belebten Statue ein und umreißt das Ziel der Arbeit, die Strategien der Verlebendigung in Eichendorffs Werk zu analysieren.
2 Verlebendigungstechniken: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Grundlagen, darunter romantische Motive, den Pygmalion-Mythos, künstlerische Bildbeschreibungen und Techniken der Lichtinszenierung.
3 Das Marmorbild: Hier wird der inhaltliche Plot der Novelle zusammengefasst, wobei Florios Begegnung mit der Venusfigur und die darauffolgende Verwirrung im Zentrum stehen.
4 Analyse: Das Hauptkapitel untersucht anhand von zwei prägnanten Textstellen, wie Eichendorff die Verlebendigung und die darauffolgende Rückversteinerung durch verschiedene ästhetische Mittel konstruiert.
5 Fazit: Das Abschlusskapitel resümiert, dass die Verlebendigung in Eichendorffs Werk eine temporäre, durch Trugbilder und ästhetische Strategien hervorgerufene Illusion bleibt.
Schlüsselwörter
Eichendorff, Das Marmorbild, Romantik, Verlebendigung, Pygmalion-Mythos, Ekphrasis, Bildbeschreibung, Lessing, fruchtbarer Augenblick, Lichtinszenierung, Fackelbeleuchtung, Florio, Venus, Statuenbelebungs-Motiv, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert Eichendorffs Novelle "Das Marmorbild" hinsichtlich der darin verwendeten Erzählstrategien, um eine Statue künstlerisch zum Leben zu erwecken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind das Motiv der Verlebendigung von Kunst, die Rolle des Lichts für die Wahrnehmung sowie die romantische Dialektik zwischen Verstand und Gefühl.
Welches primäre Ziel verfolgt die Analyse?
Ziel ist es, die spezifischen literarischen Methoden aufzuzeigen, mit denen Eichendorff die Illusion einer lebendigen Statue erzeugt und wie diese wieder in Ernüchterung auflöst.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt eine werkimmanente Textanalyse, ergänzt durch kunsttheoretische und literaturhistorische Kontextualisierungen (z.B. Lessings Laokoon oder Vasaris Schriften).
Was wird im umfangreichen Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Techniken und eine detaillierte Untersuchung zweier Schlüsselpassagen aus dem Werk, in denen die Figur Florio mit der statuehaften Venus interagiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie "Verlebendigung", "romantische Motive", "Pygmalion-Mythos" und "Fruchtbarer Augenblick" sind für das Verständnis der Arbeit essenziell.
Inwiefern spielt der "fruchtbare Augenblick" nach Lessing eine Rolle?
Das Konzept wird genutzt, um zu erklären, wie durch eine strategisch gewählte Pose der Statue das Narrativ einer Bewegung beim Betrachter simuliert wird.
Wie unterscheidet sich die Verlebendigung in dieser Novelle von antiken Mythen?
Im Gegensatz zum antiken Pygmalion-Mythos, in dem die Belebung dauerhaft durch göttliche Gnade geschieht, ist die Verlebendigung bei Eichendorff zeitlich befristet, fragil und letztlich trügerisch.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2021, Die Interaktion zwischen Kunst und Mensch. Kunstbelebung als Erzählstrategie in Eichendorffs "Das Marmorbild", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1442092