Wer war Ludwig der Fromme? War er nur der Sohn Karls des Großen? War er der letzte Herrscher eines fränkischen Großreichs? Für seinen Biographen Thegan war er jemand, der consiliariis suius magis credidit quam opus esset. Für Astronomus wiederrum war er ein Mensch [de] gesta […] bona [et] malave.
Da beide Biographien für das Frühmittelalter außerordentlich gut überliefert sind und Einzug in zahlreiche spätere mittelalterliche und frühneuzeitliche Werke fanden, sind die Erkenntnisse, über die dort vermittelten Darstellungen Ludwigs des Frommen grundlegend, um die Rezeption dieses Herrschers aber auch der Karolinger an sich im Wandel der Jahrhunderte zu verstehen. Wie kam es dazu, dass Ludwig I. im deutschsprachigen Bereich einen positiven, Gottesfurcht ausdrückenden Beinamen erhielt und er in Frankreich selbst „le Débonnaire“ gesehen wird?
Im Zentrum dieser Arbeit steht die Frage, wie beide Biographen ihr jeweiliges Bild des Kaisers in ihren Werken vermitteln und welcher Stilmittel sie sich bedienen. Dabei werden zu Anfang die Vita Hludowici Pii imperatoris des Astronomus' sowie die Gesta Hludowici imperatoris Thegans quellenkritisch eingeordnet. Anschließend erfolgt ein Vergleich konkreter Textstellen beider Werke. Gestützt auf die dort erbrachten Ergebnisse sollen die zwei in den Werken vorherrschenden Vorstellungen Ludwigs herausgestellt werden und abschließend hinsichtlich der jeweiligen Quellenkritik näher erklärt werden.
Ein Historiker, der sich mit den Biographien Kaiser Ludwigs sehr stark auseinandergesetzt hat, ist Ernst Tremp. Neben seinen grundlegenden Editionen der beiden Quellen, beschäftigte er sich vor allem mit der handschriftlichen Überlieferung und der späteren Rezeption beider Werke. Auch die darin enthaltenen Kaiserdarstellungen waren für ihn in seinem Aufsatz „Thegan und Astronomus, Die beiden Geschichtsschreiber Ludwigs des Frommen“ von Interesse. Auch Andrew J. Romig macht vor allem die vom Astronomus beschriebenen Tugenden zum Zentrum seiner Arbeit und untersuchte in seinem 2014 publizierten Aufsatz „In Praise oft he Too-Clement Emperor“ ausführlich die Barmherzigkeit, durch welche der sogenannte Astronomus den Kaiser vordergründig charakterisierte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Astronomus' Vita Hludowici Pii imperatoris
2.1 Äußere Quellenkritik
2.2 Innere Quellenkritik
3. Thegans Gesta Hludowici imperatoris
3.1 Äußere Quellenkritik
3.2 Innere Quellenkritik
4. Hauptteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die unterschiedliche Darstellung Kaiser Ludwigs des Frommen durch seine zwei zeitgenössischen Biographen, den sogenannten Astronomus und Thegan. Dabei steht die quellenkritische Einordnung ihrer Werke im Vordergrund, um herauszuarbeiten, welche stilistischen Mittel und theologischen Vorbilder – insbesondere Hiob und König David – die Autoren nutzten, um ihr jeweiliges Bild des Kaisers zu formen und ihn in den kirchenpolitischen Kontext seiner Zeit einzubetten.
- Quellenkritische Analyse der Vita Hludowici Pii imperatoris des Astronomus
- Quellenkritische Analyse der Gesta Hludowici imperatoris von Thegan
- Untersuchung der herrscherlichen Tugenddarstellungen
- Vergleich der apologetischen Absichten bezüglich Ludwigs Herrschaft
- Analyse der biblischen Typologie als Mittel der Herrscherlegitimation
Auszug aus dem Buch
Thegans Gesta Hludowici imperatoris
Die Gesta Hludowici imperatoris ist eine in Latein vom Trierer Chorbischof Thegan verfasste Gesta, welche das Leben Ludwigs des Frommen in annalistischer Weise bis in das Jahr 835 beschreibt. Das Werk entstand wohl im kurzen Zeitraum von 837 bis 838 in Trier.
Thegan selbst wurde wohl vor dem Jahr 800 geboren und entstammte einer adligen Familie, die wahrscheinlich im Mittelrheingebiet oder im Maas-Mosel Raum zu verorten gewesen war. Spätestens für das Jahr 842 bekleidete er neben seiner Stellung als Chorbischof ebenfalls das Amt des Propsts für die zwei Bonner Stifte und starb im Zeitraum zwischen 849 und 853.
Als Adressatenkreis ist der fränkische Hof zur Zeit Kaiser Ludwigs anzusehen, Thegan wollte jedoch auch der Nachwelt über die Ereignisse in der Herrschaftszeit Ludwigs des Frommen berichten.
Die Quelle ist ähnlich gut wie die Vita Hludowici überliefert und es existieren 18 Handschriften. Das Original der Quelle ist nicht überliefert. Die Gesta Hludowici imperatoris ist ein sehr stark rezipiertes Werk und wurde bereits im Jahr 837 von einem anonymen Verfasser durch Schilderungen zum Jahr 836 ergänzt. Strabo edierte die Gesta bald darauf und fasste sie mit der Vita Karoli Magni in einem Werk zusammen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Relevanz Ludwigs des Frommen ein und stellt die Fragestellung zur Darstellung des Kaisers durch seine Biographen vor.
2. Astronomus' Vita Hludowici Pii imperatoris: Dieses Kapitel liefert eine detaillierte äußere und innere Quellenkritik zu den Werken des Astronomus und analysiert seinen Entstehungskontext sowie die Glaubwürdigkeit.
3. Thegans Gesta Hludowici imperatoris: Hier erfolgt eine quellenkritische Einordnung von Thegans Werk, wobei insbesondere sein Hintergrund, seine Intentionen und sein Zugang zu Informationen untersucht werden.
4. Hauptteil: Der Hauptteil vergleicht die konkreten Textstellen beider Autoren und zeigt auf, wie sie Ludwig des Frommen durch biblische Anspielungen als Hiob oder König David charakterisieren.
Schlüsselwörter
Ludwig der Fromme, Astronomus, Thegan, Quellenkritik, Karolinger, Vita Hludowici Pii imperatoris, Gesta Hludowici imperatoris, Hiob, König David, Mittelalter, Herrscherbild, Biographik, fränkisches Großreich, Tugenddarstellung, Epochenrezeption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historiographische Darstellung Kaiser Ludwigs des Frommen in den Werken zweier zeitgenössischer Biographen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Den Kern bilden die äußere und innere Quellenkritik, die Untersuchung herrscherlicher Tugenden und die Analyse der durch die Autoren konstruierten Kaiserbilder.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, wie Astronomus und Thegan ihr jeweiliges Bild des Kaisers vermitteln und welcher stilistischer Mittel sie sich dabei bedienen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird eine quellenkritische Methode angewandt, bei der die Texte in ihrem historischen Entstehungskontext analysiert und direkt miteinander verglichen werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf den Umgang der Biographen mit politischen Krisen, insbesondere in Bezug auf Bernhard von Italien, und die Nutzung biblischer Vorbilder.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Quellenkritik, Karolinger, Vita Hludowici, Thegan, Astronomus und die biblische Typologie von Hiob und König David.
Warum spielt die Figur des Hiob eine Rolle bei Thegan?
Thegan nutzt das Bild des Hiob, um Ludwig als unschuldig Leidenden darzustellen, dessen Milde durch böse Berater und Zuredner ausgenutzt wurde.
Wie unterscheidet sich die Darstellung des Astronomus?
Astronomus wählt bevorzugt das Bild des Königs David, um einen Herrscher zu zeichnen, der zwar sündigt, aber durch aufrichtige Reue von Gott geschützt und wieder eingesetzt wird.
- Quote paper
- Ruben Schapke (Author), 2023, Kaiser Ludwig der Fromme. Zwischen Hiob und König David, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1442603