Die Aufgabe der vorliegenden Hausarbeit ist eine Untersuchung dreier beteiligter Disziplinen der ‚Aktion Ritterbusch’, im Folgenden oft auch als ‚Gemeinschaftsprojekt’ oder ‚Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften’ bezeichnet. Dabei wird zunächst überprüft werden, wie sich die Stellung der jeweiligen Disziplinen nach Machtergreifung der Nationalsozialisten verändert hat, welche Bedeutung der Nationalsozialismus den einzelnen Geisteswissenschaften beimaß und wie diese ihm dienlich sein konnten. Einen weiteren zentralen Teil nimmt die deskriptive Darstellung der geplanten und realisierten Aktivitäten ein, um besser nachvollziehen zu können unter welchen Rahmenbedingungen die Publikationen der einzelnen Disziplinen entstanden und wie diese zu bewerten sind. Wie stark waren die Werke vom damaligen völkisch-nationalen Geist durchdrungen, findet sich auch hier der oft zitierte ‚wissenschaftliche Niveauabfall’ oder inwieweit können sie auch noch heutigen wissenschaftlichen Ansprüchen genügen? Abhängig von den Ergebnissen dieser Untersuchung folgt die Darstellung der Gründe für den Erfolg bzw. Misserfolg des ‚Gemeinschaftsprojektes’. Warum gelang bzw. misslang die ideologische Kontaminierung der Geisteswissenschaften in der „Aktion Ritterbusch“? Ob die oben beschriebenen Ziele aus Sicht der nationalsozialistischen Machthaber erreicht wurden oder kann man von einem Scheitern der „Aktion Ritterbusch“ sprechen ?
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Was ist die „Aktion Ritterbusch“ ?
1.2. Aufgabenstellung
2. Die Altertumswissenschaft – Ein Vorbild für die Moderne ?
2.1. Die Stellung der Altertumswissenschaft im NS.
2.2. Aktivitäten der Altertumswissenschaftler
2.3. Nutzen der Altertumswissenschaft für den NS.
2.4. Bewertung der Publikationen
3. Die Geschichtswissenschaft – Eine Legitimationswissenschaft ?
3.1. Die Wichtigkeit der Geschichtswissenschaft im NS.
3.2 Planung des historischen Kriegseinsatzes
3.3 Bewertung der neuzeitlichen Publikationen
3.4 Bewertung der mediavistischen Publikationen
4. Die Romanistik – Passiver Widerstand innerhalb des Kriegseinsatzes ?
4.1. Der Abstieg der Romanistik
4.2. Organisation des romanistischen Kriegseinsatzes
4.3 Bewertung der Publikationen
4.4 Widerstand gegen den Kriegseinsatz
5. Auswertung
5.1 Fazit der Auswertung
5.2 Gründe für gemäßigte Publikationen
5.3 Das Scheitern der „Aktion Ritterbusch“ ?
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den „Kriegseinsatz der Geisteswissenschaften“, bekannt als „Aktion Ritterbusch“, und analysiert, inwieweit es dem nationalsozialistischen Regime gelang, die Disziplinen Altertumswissenschaft, Geschichtswissenschaft und Romanistik ideologisch zu vereinnahmen und als „Waffe“ für seine Ziele zu instrumentalisieren.
- Stellung der Geisteswissenschaften im Nationalsozialismus
- Deskriptive Analyse der geplanten und realisierten Aktivitäten der „Aktion Ritterbusch“
- Bewertung der entstandenen Publikationen hinsichtlich ideologischer Kontaminierung
- Untersuchung der Motivationslagen der beteiligten Wissenschaftler
- Analyse des Erfolgs bzw. Misserfolgs des „Gemeinschaftsprojektes“
Auszug aus dem Buch
3.3. Bewertung der neuzeitlichen Publikationen
Die erste Publikation, die aus dem Gemeinschaftswerk hervorging, erschien kurz nach jener Tagung unter dem gleichen Namen wie das Rahmenthema selber: ‚Das Reich und Europa.’ Die Bewertung dieses Bandes ist zwiespältig. Einige Beiträge sind ideologisch kontaminiert und aus heutiger Sicht wissenschaftlich kaum brauchbar. Als exemplarisch dafür kann der Beitrag von Walter Platzhoff ‚Englands Kontinentalpolitik‘ angesehen werden:
„Dem festländischen Europa, das dem Briten als eine Gesamtheit erscheint, fühlt er sich nicht eigentlich angehörig; gewiß er steht ihm nahe, aber vor allem, er steht über ihm […] Die Gleichgewichtspolitik entspringt keiner schöpferischen Idee und dient nicht der gemeinsamen europäischen Sache, sondern ausschließlich der britischen. Von einem Verständnis für die Eigenart und die Lebensnotwendigkeiten anderer Nationen, wie Bismarck es in seiner Führung Europas bewiesen hat, findet sich keine Spur. […] Englands Machtbasis ist für einen großen europäischen Kampf zu entfernt und zu schmal […] Deshalb haben die Briten ihre Kriege stets durch andere führen lassen, durch Verbündete, Trabanten, gemietete oder gekaufte Truppen, und es als eine Selbstverständlichkeit betrachtet, dass diese sich für das Interesse Englands schlugen und aufopferten“
An diesem Ausschnitt zeigt sich schon ein deutlicher Niveauabfall des historischen Arbeitens, da hauptsächlich mit gängigen, antibritischen Klischees und Stereotypen gearbeitet wird. Das hier vermittelte Englandbild ist überaus negativ, spezifisch ‚englische’ Charakterzüge seien Egoismus, Individualismus und Rücksichtslosigkeit und die Außenpolitik Großbritanniens sei vor allem durch einen prinzipiell anti-europäischen, isolationistischen Anstrich geprägt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Entstehungsgeschichte der „Aktion Ritterbusch“ und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2. Die Altertumswissenschaft – Ein Vorbild für die Moderne ?: Untersuchung der Rolle der Altertumswissenschaftler, deren Aktivitäten und der ideologischen Nutzung der Antike im NS-Regime.
3. Die Geschichtswissenschaft – Eine Legitimationswissenschaft ?: Analyse der Bedeutung der Geschichtswissenschaft als ideologische Waffe sowie Bewertung der neuzeitlichen und mediavistischen Publikationen.
4. Die Romanistik – Passiver Widerstand innerhalb des Kriegseinsatzes ?: Betrachtung des Abstiegs der Romanistik, der Organisation ihres Kriegseinsatzes und der Publikationen unter dem Aspekt des passiven Widerstands.
5. Auswertung: Synthese der Ergebnisse über das Scheitern der „Aktion Ritterbusch“ und die Gründe für die eher gemäßigte Publikationspraxis.
Schlüsselwörter
Aktion Ritterbusch, Nationalsozialismus, Geisteswissenschaften, Altertumswissenschaft, Geschichtswissenschaft, Romanistik, Wissenschaftlergemeinschaft, Ideologische Kontaminierung, Kriegseinsatz, Propaganda, Objektivität, Neutralität, Wissenschaftliche Standards, Drittes Reich, Traditionell konservative Ansätze
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die „Aktion Ritterbusch“, ein Projekt während des Zweiten Weltkriegs, bei dem geisteswissenschaftliche Disziplinen in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie gestellt wurden.
Welche wissenschaftlichen Disziplinen stehen im Fokus?
Die Untersuchung konzentriert sich schwerpunktmäßig auf die Altertumswissenschaft, die Geschichtswissenschaft und die Romanistik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu ermitteln, ob die ideologische Vereinnahmung der Geisteswissenschaften erfolgreich war und wie die Qualität der in diesem Rahmen entstandenen Publikationen zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit nutzt eine deskriptive Darstellung der Aktivitäten sowie eine kritische Bewertung der in den jeweiligen Disziplinen entstandenen Publikationen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden die spezifischen Kriegseinsätze der drei genannten Disziplinen, deren Zielsetzungen, die beteiligten Akteure und die resultierenden Schriften detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind neben der „Aktion Ritterbusch“ insbesondere Begriffe wie Instrumentalisierung, Wissenschaftsgeschichte im Nationalsozialismus, Propagandaforschung und der Widerstreit zwischen ideologischer Anpassung und fachlicher Neutralität.
Wie bewertet der Autor den Erfolg der „Aktion Ritterbusch“?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass das Projekt in seinen primären Zielen – einer wirklichen Etablierung einer nationalsozialistischen Geisteswissenschaft – weitgehend gescheitert ist.
Welche Rolle spielte der „Publikationsdruck“ für die Wissenschaftler?
Der Druck, den Nutzen für den Staat zu beweisen, führte bei vielen dazu, sich anzupassen, wobei jedoch bei vielen Werken ein Rückgriff auf traditionelle wissenschaftliche Standards feststellbar blieb.
Warum blieb ein Großteil der Werke fachlich „gemäßigt“?
Der Autor führt dies auf die mangelnde politische Homogenität der Forscher, die unterschiedliche Motivation (z.B. Frontvermeidung) und das grundlegende Selbstverständnis der Wissenschaften zurück.
Was unterscheidet die „Aktion Ritterbusch“ von Organisationen wie dem „Ahnenerbe“?
Im Gegensatz zu reinen Forschungsapparaten für Pseudowissenschaften bemühten sich die Beteiligten der „Aktion Ritterbusch“ häufiger um die Einhaltung wissenschaftlicher Minimalstandards.
- Citar trabajo
- Daniel Conley (Autor), 2006, Die Transformation der Geisteswissenschaften in der Aktion Ritterbusch , Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144262