Der Begriff der Integration gewinnt in unserer Gesellschaft immer mehr an
Bedeutung. Er ist derzeit in aller Munde und kommt vielseitig zur Anwendung, daher
wird auch eine genaue Definition immer schwieriger. Im Zusammenhang mit dem
Integrationsbegriff verbindet man vor allem die gesellschaftliche Eingliederung von
Menschen mit fremder Herkunft, Sprache und Religion. Weiters verbindet man mit
dem Fachbegriff auch die Einbeziehung von Menschen mit Beeinträchtigungen bzw.
Behinderungen in das „normale“ gesellschaftliche Leben, in die Lebensbereiche der
Schule, Arbeit und Freizeit.
Im Speziellen werde ich mich in vorliegender Diplomarbeit auf die „schulische
Integration“ lern – und verhaltensbeeinträchtigter Kinder, welche das Störungsbild
ADHS aufweisen, konzentrieren. Diese Störungsform zeigt sich häufig erst mit dem
Eintritt in die Schule. ADHS weist ein sehr umfangreiches Krankheitsbild mit vielen
verschiedenen, unterschiedlich ausgeprägten Symptomen auf. Die betroffenen
Schüler sind durch die Hauptsymptome (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität,
Impulsivität) oft nicht in der Lage dem Unterricht zu folgen bzw. ermöglichen es dem
Lehrer nicht einen geordneten Unterricht zu führen und werden deshalb vielfach zum
Außenseiter. Das Erscheinungsbild der Störung kann von Kind zu Kind deutlich
unterschiedlich sein und verändert sich auch mit dem Heranwachsen. Die
Diagnoseerstellung gestaltet sich daher sehr schwierig und erfordert einen hohen
Arbeitsaufwand und viel Erfahrung. Die Basis einer erfolgreichen Therapie dieser
Störungsform ist eine vernetzte Zusammenarbeit zwischen Therapeuten, Eltern und
Schule. Die Feststellung des Sonderpädagogischen Förderbedarfs spielt hier eine
zentrale Rolle. Erst dadurch kann man den Kindern die benötigte besondere
Unterstützung in der Schule ermöglichen.
Die Probleme, welche mit diesem Störungsbild einhergehen, führen nicht selten zu
einer problematischen Schullaufbahn, welche sich durch Klassenwiederholungen
oder mehrmaligen Schulwechsel äußern.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Gliederung der Arbeit
1.2. Die integrative Schule – eine Schule für Alle
1.3. Bildungssystem in Österreich
2. Allgemeine Einführung in den Themenbereich der Sozialen Integration
2.1. Integration als gesellschaftlicher Auftrag
2.2. Begriffsdefinition Integration
2.2.1. Schulische Integration
2.2.2. Vorraussetzungen für schulische Integration
2.3. Behinderungsbegriff
2.3.1. Lernbehinderung
2.4. Begriffsdefinition Sonderpädagogischer Förderbedarf
3. Historische Entwicklung der Schulischen Integration in Österreich
3.1. Allgemeine historische Einführung
3.2. Geschichte Sonderschulen
3.2.1. Sonderschulen in der Zeit des Nationalsozialismus
3.2.2. Sonderschulen nach dem 2. Weltkrieg
3.3. Entwicklungslinien schulischer Integration in Österreich ab den späten 60iger Jahren
3.3.1. Gesetzliche Entwicklungen schulischer Integration
4. Gesetzliche Grundlagen für die schulische Integration
4.1. Schulische Integration in der Praxis
4.2. Schule und Behinderung – die aktuelle Situation in Österreich
5. Schulische Integrationsmodelle in Österreich
5.1. Integrative Klasse
5.2. Klassen mit Stützlehrersystem
5.3. Kooperative Klasse
5.4. Klein- oder Förderklasse
6. Einführung das Störungsbild der ADHS
6.1. Gegenwärtiger Kenntnisstand der ADHS
6.2. ADHS – eine Krankheit?
7. Begriffsdefinition ADHS
8. Symptomatik
8.1. Unaufmerksamkeit
8.2. Hyperaktivität
8.3. Impulsivität
9. Ursachen der Störung
9.1. Physiologische Faktoren
9.2. Genetische Faktoren
9.3. Psychosoziale Faktoren
9.4. Soziokulturelle Faktoren
9.5. Schwangerschafts- und Geburtsfaktoren
9.6. Weitere Faktoren
10. Diagnostische Kriterien
10.1. ICD-10
10.2. DSM-IV
11. ADHS Diagnostik
11.1. Differenzialdiagnose
11.2. Komorbiditäten
11.2.1. Oppositionelles Trotzverhalten
11.2.2. Angststörungen
11.2.3. Depressive Störungen
11.2.4. Störung des Sozialverhaltens
11.2.5. Tic-Störungen und Tourette-Syndrom
11.2.6. Entwicklungsstörungen, Lernstörungen, Teilleistungsschwächen
11.2.7. Gesundheitliche oder medizinische Probleme
11.3. Die diagnostischen Ebenen bei ADHS
11.3.1. Exploration des Umfeldes
11.3.2. Exploration des Kindes
11.3.3. Verlaufskontrolle
11.3.4. Standardisierte Fragebögen
11.3.5. Testpsychologische Untersuchung
11.4. Diagnose ADHS
11.4.1. Teufelskreis des hyperkinetischen Kindes
12. Entwicklung des ADHS betroffenen Kindes
12.1. Kindheit
12.2. Jugend
12.3. Erwachsenenalter
13. Therapie der ADHS
13.1. Konzept der Multimodalen Therapie
13.2. Verhaltenstherapie
13.3. Elterntraining
13.4. Stimulanzientherapie
13.5. Ergotherapie
13.6. Marburger Trainings
14. AD(H)S und Schule: Pädagogische Ansätze
14.1. Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Schulbesuch
14.1.1. Die Rolle des Lehrers
14.2. Allgemeine pädagogische Maßnahmen für den Umgang mit ADHS Kindern im Unterricht
14.2.1. Lernumfeld
14.2.2. Strukturierung der Unterrichtsstunde
15. Perspektiven zur Weiterentwicklung gesellschaftlicher Integration
15.1. Entwicklung einer integrationsfördernden Infrastruktur
15.2. Entwicklung eines neuen Selbstverständnisses zur gesellschaftlichen Integration
15.3. Entwicklung einer integrationsfördernden Teamarbeit und Teamkultur
15.4. Weiterentwicklung der integrationspädagogischen Ausbildung
15.5. Weiterentwicklung der berufsbegleitenden Fort- und Weiterbildung
16. Resümee der Arbeit und Ausblick
17. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht die Möglichkeiten und Herausforderungen der sozialen Integration von Kindern mit AD(H)S im österreichischen Schulsystem. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie diese Kinder bestmöglich integriert und gefördert werden können, ohne dabei aufgrund ihrer Störung ausgegrenzt zu werden, und welche pädagogischen sowie gesetzlichen Rahmenbedingungen hierfür notwendig sind.
- Historische Entwicklung der schulischen Integration in Österreich
- Störungsbild ADHS: Symptomatik, Ursachen und Diagnostik
- Integrationsmodelle in der österreichischen Schulpraxis
- Multimodale Therapiekonzepte und deren Anwendung bei ADHS-Kindern
- Pädagogische Ansätze und Rahmenbedingungen für einen erfolgreichen Schulalltag
Auszug aus dem Buch
6.1. Gegenwärtiger Kenntnisstand der ADHS
Hyperkinetische Verhaltensweisen zählen zu den am umfangreichsten untersuchten Störungen in der Kinder- und Jugendpsychiatrie. Die Symptome des Störungsbildes sind in den verschiedenen Kulturen beinahe identisch.
ADHS ist keine neue Modeerkrankung unserer Gesellschaft. Die ersten Beschreibungen gab es schon wie zuvor erwähnt vor ca. 200 Jahren. Der Ursprung der Störung ist also nicht durch unsere schnelllebige Zeit begründet. Reizüberflutung, Erziehungsfehler und übermäßiger Medienkonsum können das Störungsbild aber negativ beeinflussen. (vgl. KNÖLKER 2005, 16)
„Heute können wir davon ausgehen, dass das Auftreten von ADHS zwischen drei bis zehn Prozent aller Kinder und Jugendlichen weltweit beschrieben werden kann und damit die häufigste kinder- und jugendpsychiatrische Diagnose darstellt“ (KNÖLKER 2005,16).
Die internationale Verteilung der ADHS- Diagnoseerstellung und –Behandlung weist jedoch große Unterschiede auf. In den USA werden beispielsweise ca. vier Millionen Schulkinder mit Medikamenten behandelt. (vgl. FARNKOPF 2007, 12)
„In der BRD geht die Fachwelt je nach Diagnose- bzw. Klassifikationssystem von ca. 5 Prozent Syndromträgern in einer Altersgruppe aus (Staatsinstitut für Schulpädagogik 2000). D.h., in jeder Kindergartengruppe und in jeder Schulklasse befinden sich ein bzw. mehrere ADS-Kinder“ (FARNKOPF 2007, 12).
ADHS ist also die häufigste psychische Störung bei Kindern und Jugendlichen, wobei hervorzuheben ist, dass Jungen wesentlich öfter betroffen sind als Mädchen. (vgl. KNÖLKER 2001, 16)
Das Thema ADHS wird weltweit sehr kontrovers diskutiert. Die wichtigsten Sichtweisen werde ich folgend darlegen:
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Integration ADHS-betroffener Kinder in das österreichische Schulwesen und Überblick über die Gliederung der Arbeit.
2. Allgemeine Einführung in den Themenbereich der Sozialen Integration: Klärung zentraler Begrifflichkeiten wie Integration, Behinderung und Sonderpädagogischer Förderbedarf im gesellschaftlichen Kontext.
3. Historische Entwicklung der Schulischen Integration in Österreich: Darstellung der historischen Wurzeln des Sonderschulwesens und des Wandels hin zur heutigen Integrationsbewegung.
4. Gesetzliche Grundlagen für die schulische Integration: Analyse der relevanten Rechtsnormen und Bestimmungen in Österreich, die den gemeinsamen Unterricht regeln.
5. Schulische Integrationsmodelle in Österreich: Vorstellung und kritische Betrachtung der vier gängigen Modelle (Integrative Klasse, Stützlehrersystem, Kooperative Klasse, Klein-/Förderklasse).
6. Einführung das Störungsbild der ADHS: Überblick über das Krankheitsbild, seinen historischen Hintergrund und den aktuellen Kenntnisstand.
7. Begriffsdefinition ADHS: Abgrenzung und Definition der Aufmerksamkeits-Defizit-Störung mit und ohne Hyperaktivität.
8. Symptomatik: Detaillierte Beschreibung der drei Kernsymptome: Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität.
9. Ursachen der Störung: Untersuchung der verschiedenen multifaktoriellen Einflüsse, von physiologischen bis hin zu psychosozialen Faktoren.
10. Diagnostische Kriterien: Vergleich der international anerkannten Klassifikationssysteme ICD-10 und DSM-IV.
11. ADHS Diagnostik: Erläuterung des diagnostischen Vorgehens, der Differenzialdiagnose und relevanter Komorbiditäten.
12. Entwicklung des ADHS betroffenen Kindes: Darstellung des typischen Verlaufs von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter.
13. Therapie der ADHS: Beschreibung des multimodalen Therapiekonzepts sowie spezifischer Methoden wie Verhaltenstherapie und Elterntraining.
14. AD(H)S und Schule: Pädagogische Ansätze: Strategien für den Umgang mit betroffenen Schülern, inklusive Rahmenbedingungen und Strukturierungshilfen.
15. Perspektiven zur Weiterentwicklung gesellschaftlicher Integration: Aufzeigen zukünftiger Handlungsfelder für eine verbesserte Integration und Infrastruktur.
16. Resümee der Arbeit und Ausblick: Zusammenfassende Betrachtung der Ergebnisse und Forderung nach einem einheitlichen Integrationssystem.
17. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Fachquellen und Internetquellen.
Schlüsselwörter
ADHS, schulische Integration, Sonderpädagogischer Förderbedarf, Inklusion, Österreichisches Bildungssystem, Multimodale Therapie, Diagnostik, Symptomatik, Verhaltenstherapie, Lehrer-Schüler-Beziehung, Sonderschulwesen, Lernbehinderung, Entwicklungsstörungen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit befasst sich mit der sozialen und schulischen Integration von Kindern, die von der Aufmerksamkeits-Defizit/Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) betroffen sind, innerhalb des österreichischen Bildungssystems.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Integration, die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die detaillierte Diagnostik von ADHS sowie pädagogische Ansätze und multimodale Therapieformen für den Unterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Kinder mit ADHS erfolgreich in die Regelschule integriert werden können und welche Maßnahmen sowohl gesetzlich als auch pädagogisch notwendig sind, um diese Kinder bestmöglich zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auswertung bestehender gesetzlicher Bestimmungen sowie pädagogischer Fachkonzepte zur Integration und ADHS-Therapie.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Definition von Behinderung und Integration, die historische Einordnung, eine ausführliche klinische Betrachtung des Störungsbildes ADHS (Diagnose, Ursachen, Verlauf, Therapie) sowie praktische pädagogische Handlungsanweisungen für Lehrkräfte.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
ADHS, schulische Integration, Sonderpädagogischer Förderbedarf, Inklusion, multimodale Therapie und pädagogische Ansätze.
Warum wird die „Integrative Klasse“ als besonders wichtig hervorgehoben?
Die Autorin bewertet das Modell der Integrationsklasse positiv, da es am ehesten dem Grundsatz der Nicht-Aussonderung entspricht und die besten Rahmenbedingungen für eine echte, gelebte Integration bietet.
Welche Rolle spielt die Zusammenarbeit zwischen Eltern, Schule und Ärzten?
Diese interdisziplinäre Zusammenarbeit ist essenziell für ein multimodales Therapiekonzept, da nur durch den Austausch zwischen den verschiedenen Lebensbereichen des Kindes eine ganzheitliche Förderung und Entlastung erreicht werden kann.
- Quote paper
- Silvia Traby (Author), 2009, Soziale Integration von AD(H)S betroffenen Kindern in der Schule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144272