Interkulturelles Lernen im Sachunterricht: Eine Unterrichtsanalyse


Wissenschaftlicher Aufsatz, 2009

21 Seiten


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Allgemeine Ziele des Unterrichts in der Primarstufe
2.1 Interkulturelles Lernen: Ein Vergleich zwischen ‚Kultur‘ und ‚Interkulturälität‘:
2.2 Soziales und politisches Lernen
2.3 Lehrplan für den Sachunterricht in Nordrhein-Westfalen
2.4 Perspektivrahmen des Sachunterrichts

3 Analyse von einem Unterrichtsmaterial zum Thema „Viele Kulturen bei uns in der Nordstadt“
3.1 Was zeichnet die Nordstadt aus?
3.2 Unterrichtsbeispiel und Einordnung in den Lehrplan
3.2.1 Unterrichtsbeispiel: Länder und Flaggen
3.2.2 Analyse: Inhaltliche Lernziele
3.2.3 Analyse: Bezug zum Lehrplan
3.2 4 Analyse: Bezug zum Perspektivrahmen
3.2.5 Kritische Stellungnahme

4. Fazit

5 Quellenverzeichnis
Sekundärliteratur:
Internetadressen:

1 Einleitung

Die vorliegende Hausarbeit behandelt die Analyse eines Unterrichtsmaterials im Sachunterricht der Primarstufe. Im Fokus steht hierbei das Thema Interkulturalität unter der Berücksichtigung politischer Erziehung. Aufgrund dessen werden einführend diese Themen sowie der Perspektivrahmen und Lehrplan des Sachunterrichts behandelt, um nachfolgend deren signifikante Aspekte im Hinblick auf das Unterrichtsmaterial zu analysieren sowie auf die Lehr- und Lernziele hin zu überprüfen.

In einer interkulturell geprägten Klassengemeinschaft bzw. in einer multikulturellen Gesellschaft ist es sehr bedeutsam, bereits in der Primarstufe Solidarität, Interkulturalität und dadurch ein demokratisches, soziales, politisches Verhalten zu fördern. Durch die im Lehrplan des Sachunterrichts formulierten Lehrziele werden die Schülerinnen und Schüler angeregt, ihre vielfältige Lebenswelt zu begreifen und ein Bewusstsein dafür zu erlangen. Gleichermaßen wird die Persönlichkeitsentwicklung der Kinder gefördert.

Aufgrund des im Seminar „Ausgewählte Themen des sozialwissenschaftlichen Sachunterrichts aus zwei Perspektiven“ vorgestellten Referats mit dem Thema „Viele Kulturen bei uns in der Nordstadt: Analyse von Unterrichtsmaterial“, möchte ich mich auf die multikulturell geprägte Nordstadt in Dortmund beziehen[1]. Die Thematik des Unterrichtsmaterials ist demnach dieser Lebenssituation angepasst. Bewusst entscheide ich mich für das Arbeitsblatt „Länder und Flaggen“, um einen direkten Bezug zum im Seminar behandelten Referat herzustellen, zudem gestaltete sich die Suche nach einem guten Unterrichtsmaterial mit dem Thema Interkulturalität/verschiedene Nationen unerwartet schwierig. In dieser Ausarbeitung möchte ich meine Konzentration auf ein Arbeitsblatt richten und dieses ausreifen, um anschließend deren Anforderungen sehr ausführlich mit den Zielen des Lehrplans und des Perspektivrahmens zu vergleichen. Ebenso die Analyse im Hinblick auf eine soziale und politische Erziehung, Aspekte der Förderung zur Selbstständigkeit und eine kritische persönliche Stellungnahme betrachtete ich als sehr wichtige Unterpunkte. Durch eben diese Auseinandersetzung erhoffe ich mir, einen expliziteren Eindruck über die ausgereiften Unterrichtsziele des Lehrplans und den didaktischen Konventionen zu erlangen.

2 Allgemeine Ziele des Unterrichts in der Primarstufe

Innerhalb der Behandlung des Unterpunktes Interkulturalität möchte ich die differenten Stufen sowie die Ziele einer interkulturell geprägten Schulerziehung aufgreifen. Da in vielen Städten Deutschlands eine große Zahl an Schulklassen von einer interkulturellen Heterogenität geprägt ist, stellt dessen Auseinandersetzung folglich eine unabdingbare Notwendigkeit dar.

Die Ziele des Unterrichts in einer Grundschule in Nordrhein-Westfalen werde ich im weiteren Verlauf dieses Kapitels durch die Rahmenbedingungen des Lehrplans sowie unter Einbeziehung des Perspektivrahmens erläutern.

2.1 Interkulturelles Lernen: Ein Vergleich zwischen ‚Kultur‘ und ‚Interkulturälität‘:

„Kultur ist die „Gesamtheit der erlernten Verhaltensweisen und der übernommenen Einstellungen, Wertesysteme und Kenntnisse [...], die von Mitgliedern einer Großgruppe geteilt und tradiert werden. ‚Kultur‘ ist sowohl Ausdruck als auch Bedingungsstruktur für das Verhalten der Mitglieder einer bestimmten Gesellschaft.“[2]

„Der Begriff Interkulturalität beschreibt das Aufeinandertreffen zweier oder mehrerer Kulturen, die sich vermischen oder überlagern. Er grenzt sich ab von den Begriffen "Multikulturalität" und "Transkulturalität". Während Multikulturalität ein "Nebeneinander" von Kulturen manifestiert, betont "Transkulturalität" die Übernahme von fremden Kulturelementen, die nicht zu Kulturwandel führt.“[3]

Deutlich wird, dass es letzteres darum geht, verschiedene Kulturen in Interaktion treten zu lassen, sodass eine Verflechtung zwischen ihnen entstehen kann (Interkulturalität). Gegensätzlich dazu beschreibt der Begriff Multikulturalität eine Situation, in welcher verschiedene Nationalitäten zwar zusammen in einer Stadt leben, jedoch nicht verbunden oder verflechtet sind, sondern vielmehr „nebeneinander“ her leben.

Da in Zeiten wachsender Globalisierung der interkulturelle Zusammenhalt fortlaufend gefragt ist, stellt dessen Auseinandersetzung in der Primarstufe ein signifikanter Faktor dar.

Eine interkulturelle Schulerziehung wird zum Einen durch die spezifischen konzeptionellen Schwerpunkte, welche in der erziehungswissenschaftlichen Literatur festgehalten werden, beschrieben, zum Anderen wird der Fokus auf die differenten Stufen des interkulturellen Lernens gelegt. Zu erwähnen ist hierbei, dass die Lernniveaus bisweilen keinen empirischen Untersuchungen unterliegen. Aufgrund eigener Erfahrungen formulierten Leenen/Grosch (1998) das folgende Stufenmodell, mit welchem ein interkulturelles Training gefördert wird[4].

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Stufen interkulturellen Lernens[5]

Die Autoren betonen anlässlich dieser Thematik im Speziellen die „[…] Beachtung der Lernwiderstände […]“[6]. Lernwiderstände werden provoziert, wenn die „[…] Schüler sich von oben belehrt fühlen [...], [und] je mehr sie aufgrund großer Unsicherheit eine Desorientierung befürchten, wenn sie sich auf das Neue einlassen […]“[7]. Durch Situationen, in denen Bedürfnisse und Interessen der Schüler in den Hintergrund geraten und in welchen mehr Misstrauen als Vertrauen herrscht, können Lernwiderstände seitens der Schülerinnen und Schüler entstehen.

Das Stufenmodell trägt dazu bei, dass eine kulturelle Sichtweise gefördert wird, sodass ein interkultureller Lernprozess stattfindet bzw. entstehen kann, welcher für die Erziehung des Kindes elementar ist. Über die Fähigkeit eines Grundschülers, ein solch komplexes soziales Netz zu durchschauen und Verständnis gegenüber den Konventionen der verschiedenen Nationen und Menschen aufzubringen, wird im Folgenden näher beschrieben[8].

2.2 Soziales und politisches Lernen

In der Literatur „Einführung in die interkulturelle Pädagogik“ von Georg Auernmeier wird auf Seite 126 eine stufenweise Zielsetzung bei der Konzeption von interkultureller Pädagogik aufgeführt. Dabei geht es um

- Offenheit, Verständnis und Kontaktbereitschaft zwischen den Schülern und den Lehrpersonen
- Konstruktive Reflexion eigener Vorurteile, aufmerksam und bewusst werden für rassistische Strukturen
- Generelle Einsicht und Verständnis in die Kulturgebundenheit in Bezug auf das menschliche Verhalten (Dezentrierung)
- Interkulturelles Verstehen, Kommunizieren, miteinander reden und
- Befähigung zum Dialog[9].

Deutlich wird hierbei, dass Verständnis und Kommunikation zwischen den Schülern fundamentale Elemente darstellen. Diese Elemente spielen folglich eine signifikante Rolle in der Pädagogik der interkulturellen Erziehung und bilden somit dessen Ziel. In Bezug auf die Zielsetzung der Dezentrierung (Einsicht in kulturgebundenes Verhalten) wendet sich Epstein (2000) unter Verweis auf Wygotski gegen die Vermutung, dass (Vor-)Schulkinder in dem jungen Alter noch nicht oder kaum zur Dezentrierung fähig seien. Entscheidend sei, wie die Lehrperson das Thema Rassismus in den Unterricht einfließen lässt. Die Frage, ab welchem Alter ein Kind fähig sei, das soziale System und die damit verbundenen Normen und Konventionen zu verstehen, ist von Pädagoginnen und Pädagogen umstritten. Dennoch besagt eine psychologische Grundeinsicht, „ […] dass die emotionale Wertung, die ein wichtiges Elemente unserer Handlungssteuerung ist, der kognitiven Urteilsfähigkeit vorauseilt“[10]. Aufgrund dessen bestehe die Notwendigkeit, Kinder bereits im Vorschulalter Erfahrungen machen zu lassen, welche für das interkulturelle Verständnis elementar sind. So sollen in der Primarstufe bereits Vorurteile und Konflikte thematisiert werden[11].

[...]


[1] Auf den Unterschied zwischen Multikulturalität und Interkulturalität wird ferner eingegangen.

[2] Weggel 1989, S.22.

[3] http://de.thefreedictionary.com/interkulturell Stand: 13.09.09 um 19:04 Uhr.

[4] Auernheimer 2002, S. 124 f.

[5] A.a.O. frei formuliert nach Leenen/Grosch 1998, S. 125.

[6] A.a.O. S. 126.

[7] Auernheimer 2002, S. 126.

[8] Vgl. A.a.O. S. 126 f.

[9] A.a.O.

[10] Vgl. Auernheimer 2002, S. 127.

[11] A.a.O.

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Details

Titel
Interkulturelles Lernen im Sachunterricht: Eine Unterrichtsanalyse
Hochschule
Technische Universität Dortmund
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V144292
ISBN (eBook)
9783640542482
ISBN (Buch)
9783640542734
Dateigröße
787 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Interkulturelles, Lernen, Sachunterricht, Eine, Unterrichtsanalyse
Arbeit zitieren
Leonora Krätzig (Autor), 2009, Interkulturelles Lernen im Sachunterricht: Eine Unterrichtsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144292

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