Nach den Bildungsstandards der KMK ist Kommunikation ein zentraler Punkt allen schulischen Lernens. Für eine gelingende Kommunikation ist die Entwicklung und Förderung der Sprachkompetenz der Schüler von zentraler Bedeutung.
Ein wichtiger Baustein der kindlichen Sprachentwicklung ist das mündliche Erzählen. Kinder im Grundschulalter entwickeln ihre Sprache an Geschichten, die sie selbst lesen, selbst erzählen, selbst hören, mit denen sie sich auseinander setzen und zu denen sie sich zusammensetzen. Das Erlernen und Ausüben von Erzählen und Zuhören ist eine langfristige Aufgabe für die Grundschule, doch wurde bisher kein entsprechendes erzähldidaktisches Curriculum entwickelt.
Das mündliche Erzählen fördert die Sprach- und Kommunikationsfähigkeit und wirkt sich auf weitere Kompetenzen wie Kreativität, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl und das soziale Miteinander aus.
Wer selbst eine Geschichte vorbereitet und vorträgt, übt sich in der sprachlichen Darstellung, und dies nicht nur im richtigen Gebrauch von Wörtern und grammatischen Regeln, sondern auch im Ausdruck von Gefühlen. Wolf Singer, Neurophysiologe und Direktor des Frankfurter Max-Planck-Instituts für Hirnforschung, fordert mit Blick auf die Bildungsentwicklung von Kindern, mehr in die Ausdrucksfähigkeit der SchülerInnen zu investieren, und zwar nicht nur in die verbale, sondern auch in die mimische und gestische (Singer: 2003, S. 97f). Wenn Kinder Geschichten erzählen und erzählte Geschichten besprechen und beurteilen, dann erweitern sie ihre Möglichkeiten, Emotionen auszudrücken und zu interpretieren.
Mit der Sprachentwicklung hängt die Entwicklung der kommunikativen und damit auch der sozialen Fähigkeiten zusammen. Dabei konstituiert das Zuhören ein Gemeinschaftserlebnis. Das eigene Vortragen einer Geschichte erweitert die Erfahrungen im Umgang mit den sozialen Herausforderungen gelingender Kommunikation und die Erfahrung des Gelingens stärkt das Selbstvertrauen der Kinder.
Schüler müssen heute in allen Bereichen präsentieren können und werden auch in ihrem weiteren Leben mit dieser Aufgabe konfrontiert werden. Daher ist es wichtig, den Kindern die Kleintechniken eines erfolgreichen Erzählens zu vermitteln, wie Stimmeinsatz, Körperhaltung, Mimik, Gestik und ausdrucksvolles Sprechen.
Der Schwerpunkt dieser Unterrichtseinheit liegt auf dem Einüben des gestalteten Erzählens einer selbst erfundenen Sage in der Gruppe für die anschließende Präsentation vor der Klasse.
Inhaltsverzeichnis
1. Warum dieses Thema?
2. Bezug zum amtlichen Lehrplan
3.1 Sprechen und Gespräche führen
3.1.1 Einander erzählen und einander zuhören
3.1.3 Miteinander sprechen und miteinander umgehen
3.1.5 Verständlich und ausdrucksvoll sprechen
3. Bezug zu den Bildungsstandards
4. Was ist die Sache beim Thema?
5. Klassensituation
6. Leistungssituation im Bereich Sprechen und Gespräche führen
7. Anmerkungen zu einzelnen Schülern
8. Das bringen die Kinder an Vorwissen und Lernvoraussetzungen mit
9. Folgen daraus für differenzierende und individualisierende Maßnahmen
10. Einordnung in die Lernsequenz
11. Lernziele
12. Benötigte Materialien
13. Stundenverlauf: Planung und Methodische Begründung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, die mündliche Sprach- und Kommunikationskompetenz von Grundschülern durch das gestaltete Erzählen selbst verfasster Sagen zu fördern und das Vertrauen der Kinder in ihre sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten zu stärken.
- Förderung der mündlichen Erzählfähigkeit und Sprachgestaltung
- Einsatz körpersprachlicher Ausdrucksmittel (Mimik, Gestik, Stimmmodulation)
- Stärkung des Selbstbewusstseins durch Präsentation in einer Gruppensituation
- Anwendung von Feedback- und Reflexionsmethoden bei der gegenseitigen Beurteilung
Auszug aus dem Buch
Was ist die Sache beim Thema?
Mündliches Erzählen meint in diesem Zusammenhang das „Erzählen als gesellige Praxis“ nach einem Konzept von Claus Claussen. Diese Form des Erzählens wird abgegrenzt gegen das monologische Erzählen – eine Person erzählt den anderen eine Geschichte – und das dialogische Erzählen – zwei Personen erzählen sich wechselseitig Geschichten. Erzählen als gesellige Praxis ergänzt beides um eine weitere Form, nämlich das gemeinsame Erfinden, Erzählen und Präsentieren einer Geschichte.
Beim gestalteten mündlichen Erzählen geht es darum, differenzierte sprachliche und auch dramaturgische Mittel anzuwenden. Dazu gehören nicht nur verbale, sondern vor allem auch nonverbale Kommunikationsmittel.
Zusammenfassung der Kapitel
Warum dieses Thema?: Dieses Kapitel begründet die Relevanz des mündlichen Erzählens als zentralen Baustein für die Sprachkompetenz und die Persönlichkeitsentwicklung von Grundschulkindern.
Bezug zum amtlichen Lehrplan: Hier werden die Inhalte der Unterrichtseinheit explizit den Anforderungen des bayerischen Lehrplans für das Fach Deutsch im Bereich Sprechen zugeordnet.
Bezug zu den Bildungsstandards: Es erfolgt eine Einordnung der angestrebten Kompetenzen in die bundesweiten Bildungsstandards für das Fach Deutsch.
Was ist die Sache beim Thema?: Das Kapitel definiert den theoretischen Rahmen des gestalteten mündlichen Erzählens und die spezifische Form der "geselligen Praxis".
Klassensituation: Der Abschnitt gibt einen Einblick in die Zusammensetzung und das Sozialgefüge der Klasse 3b.
Leistungssituation im Bereich Sprechen und Gespräche führen: Die pädagogische Ausgangslage bezüglich der sprachlichen Fähigkeiten und der Sprechhemmungen der Schüler wird hier analysiert.
Anmerkungen zu einzelnen Schülern: Hier werden individuelle Förderschwerpunkte und besondere Bedingungen einzelner Kinder kurz erläutert.
Das bringen die Kinder an Vorwissen und Lernvoraussetzungen mit: Dieser Teil beschreibt die bereits eingeführten Rituale und methodischen Grundlagen der Sprecherziehung.
Folgen daraus für differenzierende und individualisierende Maßnahmen: Hier wird erläutert, wie durch Gruppenarbeit und offene Aufgabenstellungen auf die verschiedenen Lernniveaus eingegangen wird.
Einordnung in die Lernsequenz: Dieses Kapitel verortet die Unterrichtseinheit innerhalb einer mehrwöchigen Reihe zum Thema Sagen.
Lernziele: Die angestrebten Kompetenzzuwächse auf der Selbst-, Sach- und Sozialebene werden hier formuliert.
Benötigte Materialien: Eine Übersicht aller notwendigen Requisiten, Arbeitsblätter und Medien für die Unterrichtseinheit.
Stundenverlauf: Planung und Methodische Begründung: Detaillierte Darstellung des geplanten Unterrichtsablaufs inklusive Begründung der gewählten Sozialformen und methodischen Schritte.
Schlüsselwörter
Mündliches Erzählen, Sprachkompetenz, Grundschule, Sagen, Gestaltetes Erzählen, Sprachgestaltung, Sprecherziehung, Unterrichtsplanung, Gruppenarbeit, Artikulation, Mimik, Gestik, Lernsequenz, Kompetenzförderung, Erzählmotivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Unterrichtsvorbereitung für eine schulpraktische Prüfung im Fach Deutsch, wobei der Fokus auf dem mündlichen Erzählen selbst erfundener Sagen liegt.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Themenfelder umfassen die Sprecherziehung, die methodische Ausgestaltung von Erzählsituationen im Unterricht sowie die Förderung sozialer und kommunikativer Kompetenzen.
Was ist das primäre Ziel der Unterrichtseinheit?
Das primäre Ziel ist es, die Schüler zur Präsentation ihrer Sagen zu befähigen und dabei ihre Artikulations- und Ausdrucksfähigkeit sowie ihr Selbstbewusstsein zu steigern.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Es wird auf Konzepte der Sprecherziehung und das Modell des "Erzählens als gesellige Praxis" nach Claus Claussen zurückgegriffen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die methodisch-didaktische Begründung der Unterrichtseinheit, die Analyse der Klassensituation und die detaillierte Verlaufsplanung der Stunde.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie gestaltetes Erzählen, Sprachförderung, Sagenpädagogik und individualisierende Unterrichtsmethoden kennzeichnen.
Warum ist die Wahl der Sagen als Unterrichtsthema besonders geeignet?
Sagen bieten mit ihren fantastischen, rätselhaften Wesen und Naturerscheinungen einen hohen Motivationsanreiz, der die Fantasie der Kinder anregt und den Wunsch zum freien Erzählen fördert.
Wie gehen die Schüler mit individuellen Leistungsschwächen während des Erzählens um?
Durch die Arbeit in festen Gruppen geben sprachgewandtere Kinder den zurückhaltenden Schülern Rückhalt, sodass diese ihre Ideen in einer geschützten Umgebung einbringen können.
Welche Rolle spielen die "Profischilder" in der Gruppenarbeit?
Die Profischilder dienen dazu, Verantwortlichkeiten wie Zeitmanagement, Materialverwaltung oder das Ansagen zu verteilen, um die Selbstständigkeit der Schüler zu fördern.
Warum wurde das "Kugellager" als Aufwärmübung gewählt?
Das Kugellager ermöglicht eine hohe Schüleraktivität und schult gleichzeitig die klare Artikulation sowie das aktive Zuhören in einer strukturierten Form.
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- Kathrin Doeppner (Author), 2009, Unterrichtsstunde: Gestaltung der Präsentation selbst erfundener Sagen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144368