Der Dialog im Dialog


Fachbuch, 2010
209 Seiten

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Vorwort

2 Einladungen

3 Ein Anfang

4 Fragen im Dialog

5 Die Veranstaltung

6 Verheissungen

7 Wahrheit und Konflikt

8 Dialog als Kunst

9 Sinn und Verstehen

10 Reflexion

11 Nachwort

12 Glossar und Literatur

1 Vorwort

Mit Dialog im Dialog lege ich einige Berichte von inszenierten Dialogen vor. Inszeniert werden solche Dialoge in Form von Veranstaltungen, in welchen durch Protokolle darüber, wie man spricht, verhindert wird, dass der Gesprächsgegenstand die Führung darüber übernimmt, was man spricht. Die Protokolle, die die Gesprächsform festlegen, sollen verhindern, dass die Sprechenden zu Subjekten verkommen, die der jeweils verhandelten Sache unterworfen sind. In diesen Dialog sollen nicht die Gesprächsgegenstände bestimmen, was gesagt wird, sondern der Logos durch die Form der Sprache. Die Protokolle verlangen vordergründig, dass die Formulierungen eine bestimmte Form einhalten, so dass ich jedes Mal bevor ich spreche, noch etwas über die Formulierung nachdenken muss. So bleibe ich stets gewahr, dass ich spreche und dass ich das, was ich sage, auf verschiedene Weise sagen könnte, wobei ich dann natürlich Verschiedenes sagen würde. Ich treffe eine Wahl und bedenke so, was ich mit dem, was ich sage und wie ich es sage, aneignen will. Dieses Aneignen verstehe ich als allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Ich spreche so, damit mir klarer wird, wie ich zu andern, zum Du spreche.

Solche Dialogveranstaltungen kann man als Fortsetzung der Konversationssalons sehen, in welchen sich die Rhetorik des Mittelalters aufgehoben hat. In der kultivierten Salonkonversation zielt die Aufmerksamkeit immer darauf, dass keine Festschreibungen entstehen, obwohl oder gerade weil in diesen Salons immer die Zeit nach der nächsten angestrebten sozialen Revolution antizipiert wird. Die Konversation betrifft immer die Utopie, die nur erwogen wird, die man auch dort, wo sie sich als Historie gibt, nur erkennen, aber nicht kennen kann. In diesen Dialogen will ich keine Wahrheit finden und nicht darüber sprechen, wie es wirklich ist. Indem ich zum Du spreche, will ich erkennen, was gemeinsam formulierbar ist. Man kann darin eine Erwägungskultur sehen.

Die in unseren Dialogveranstaltungen verwendeten Protokolle stammen nicht aus den aristokratisch-frühbürgerlichen Salons, sondern werden im Dialog selbst entwickelt. In diesen Dialogprotokollen ist die Differenz zwischen Vorschrift und Beschreibung insofern aufgehoben, als jede Dialoggruppe ihre Regeln immer so umschreibt und anpasst, dass sie zum Verhalten der Dialogteilnehmer passen. Anhand des Protokolls kann jede Dialoggruppe erkennen, woran sie sich als Dialoggruppe halten wollte. Jede Dialoggruppe kann so in ihrem Protokoll ihr eigenes Dialogverständnis erkennen und reflektieren.

Die hier protokollierten Dialoge stammen also von Dialoggemeinschaften, die sich nicht zufällig im Park oder am Stammtisch zu einem beliebigen Gespräch treffen, sondern von Dialoggemeinschaften, die eigens in Veranstaltungen zusammenkommen, um im Dialog über den Dialog nachzudenken und dialogische Haltungen zu erkunden. In jüngerer Zeit hat David Bohm solche Dialog-Veranstaltungen populär gemacht und in seinem Buch "Der Dialog" reflektiert. Für unsere Dialog-Veranstaltungen hat er damit eine Art praktiziertes Vorbild geschaffen. Er zeigte exemplarisch, wie man im Dialog dialogisch und effektiv über den Dialog nachdenken kann, ohne dass daraus eine Vorschrift oder ein Festschreiben entsteht, das über den Moment der Dialogrunde hinaus Geltung beanspruchen würde. Er bezeichnete diese Praxis als partizipierendes Denken. Man kann aber auch einfach von Partizipieren, Zusammenarbeiten oder Kommunizieren sprechen, wenn man das Denken in zwischenmenschlichen oder sozialen Beziehungen nicht so herausstellen will. Bezeichnungen wie Denken und Arbeiten verführen mich überdies leicht dazu, eine Art Nützlichkeit, eine Funktion oder einen Zweck zu suchen und den Dialog so zum Mittel zu machen. In den hier beschriebenen Dialog-Veranstaltungen geht es aber um den Dialog, nicht um einen Zweck, zu welchem der Dialog als Verfahren oder als Methode zu begreifen wäre. Wir praktizieren den Dialog, wir verwenden ihn nicht für etwas und wir wenden ihn nicht für etwas an.

In diesen Dialogen begreife ich keine Sache, sondern Beziehungen, die ich zu Sachen, zu Mitmenschen und zum Leben pflegen will. Im so verstandenen Dialog finden unsere Beziehungen ihren Ausdruck dia logos; dia logos heisst dabei „durch das Wort“. Dialoge in diesem Sinne sind zwar Gespräche, aber keine Zwiegespräche oder Diskussionen. Im Dialog unterscheide ich zwischen Ich und Du, damit ich die Beziehung, die Art, wie Ich und Du in der Einheit einer umfassenden dialogischen Kultur zusammen gehören, dia logos zur Sprache bringen kann. Indem ich die analytische Differenz eines Ichs erzeuge, kann ich über die Einheit in Form von Beziehungen zwischen Ich und Du sprechen. Die in diesem Dialog gemeinten Beziehungen zwischen Ich und Du sind nicht wechselseitig, sondern eine Einheit. Sie werden lediglich in dialektischer Rede entfaltet, eben im Dialog. Im Dialog höre ich, wie ich diese Beziehungen auch formulieren könnte, weil andere sie so formulieren. Im Dialog erkenne ich dia logos, also durch die Formulierung hindurch, wo ich wie aufgehoben bin.

In diesem - es gibt ja auch ganz andere Auffassungen - Dialog beobachte ich Unterscheidungen, die zu verschiedenen Vorstellungen führen, und wie diese Unterscheidungen von diesen Vorstellungen abhängig sind. Viele dieser Unterscheidungen sind kulturell in dem Sinne fundamental, als sie innerhalb der Kultur kaum wahrgenommen werden. Im Dialog werden solche Unterscheidungen dia logos explizit und ermöglichen uns damit gewählte Vielfalt. Ich spreche im Folgenden exemplarisch einige solcher Unterscheidungen an, die mein in unseren Veranstaltungen bisher entwickeltes Dialogverständnis selbst betreffen.

Zum einen erkenne ich, dass ich in meinem Alltag in zwei verschiedenen Dialogkulturen lebe, die man etwas plakativ als jüdisch-gemeinschaftlich und griechisch-wissenschaftlich bezeichnen könnte. Die "griechischen" Dialoge von Sokrates, die Galileo Galilei im Sinne der Renaissance wieder aufgenommen hat, widerspiegeln sich in unseren wissenschaftlich orientierten Ausbildungen. Es geht dabei darum, Wissen mitzuteilen und sicherzustellen, dass alle dasselbe, das möglichst Richtigste wissen. Galileo Galilei hat dafür den Ausdruck Diskurs verwendet, weil er sich der zerschneidenden und entscheidenden Praxis solcher Diskussionen bewusst war. Den "jüdisch-religiösen" Dialog dagegen erkenne ich als Gespräch, das an das Du gerichtet ist. Es geht mir in diesem Dialog darum, mich selbst in eine Beziehung zur Welt zu setzen, während ich die "griechische" Wissenschaft gerade unabhängig von mir zu denken habe. Martin Buber bezeichnete diese Unterscheidung durch zwei verschiedene Ich-Formen, ein Ich-Es und ein Ich-Du. Das Es-Ich spricht - schliesslich wissenschaftlich - über die Welt, das Du-Ich spricht mit der Welt. Franz von Assisi sprach mit den Vögeln, nicht über die Vögel. In unseren Dialogveranstaltungen laviere ich oft zwischen diesen Kulturen, oft weil es mir schwerfällt im Dialog zu bleiben und alle Beiträge als dialogische wahrzunehmen. Unser Dialog erscheint mir unter diesem Gesichtspunkt als erfahrbare Differenz zwischen Dialog und Diskurs.

In der Diskurstheorie wird diese Differenz wissenschaftlich behandelt. Der Diskurs erscheint dabei als subjektfreies Gespräch der Wissenschaft, welches Wissen gerade dadurch generiert, dass jede Subjektivität sublimiert wird. Michel Foucault geht in Freudscher Tradition sogar so weit, den Diskurs als gesellschaftlich inszenierten Dialog zu begreifen, in welchem durch die entlastende Inszenierung einer Objektivität alles gesagt werden darf, weil kein Mensch, sondern quasi die Wirklichkeit spricht. Die Wissenschaft kennt kein Tabu, der wissenschaftlich sprechende Mensch hat keine Verantwortung, weil er als Überbringer der Nachricht, quasi als Autor der Natur nur sagt, wie es wirklich ist. Und um die Wirklichkeit zu Worte zu kommen lassen, darf die Wissenschaft auch alles tun. Jedes Tabu wird zugunsten von objektivem Wissen als Hemmung in einer Ethik aufgehoben. In unserem Dialog bringen wir in gewisser Weise Hintergründe von Tabus zur Sprache, statt die Tabus zu brechen und dafür Ethik auszusprechen, wie Ludwig Wittgenstein es nannte.

Die Du-Es-Differenz verdoppelt sich in der verbreiteten Vorstellung, man könne den Dialog wie jenen von Sokrates als Verfahren einsetzen, das in Kommunikationstrainings geschult werden könne. Es gibt verschiedene Mediations- und Coachingslehren, die in Politik und Business getrennte Parteien durch rhetorisch geschultes Reden einigen sollen. In diesem Dialog geht es aber gerade nicht darum, jemandem etwas mitzuteilen, sondern darum, etwas zu teilen. Wenn ich mitteile, behandle ich mein Gegenüber als Es, ich konfiguriere oder in-form-iere Es. Ich entscheide, was mein Gegenüber wissen muss. Im aufgehobenen Mitteilen des Dialoges habe ich gar kein individualisiertes Gegenüber, das ich informieren könnte. Ich nehme im Dialog zwar Personen wahr, aber ich nehme sie als persona eines Du. Wo ich zum Du spreche, idealtypisch beispielsweise im Gebet, reproduziere ich keine Information über die Welt, sondern spreche über mein Wahrnehmen unserer Beziehung. Dein Reich komme.

Die Differenz zwischen Dialog und Diskurs erscheint mir auch in der Differenz, in welcher ich nach Erklärungen suchen oder anderen Menschen etwas erklären kann. Im Diskurs ist wichtig, dass der andere meine Erklärung versteht, im Dialog ist wichtig, dass ich mein Erklären verstehe; dass ich Erklärungen konstruieren oder eben dialogisierend verfertigen kann. Das Du repräsentiert im Dialog nicht jemanden, dem ich etwas erklären muss, in diesen Dialogen will ich nicht, dass andere meine Erklärungen verstehen. Gott und jede seiner Repräsentationen im Dialog brauchen meine Erklärung nicht, ich brauche sie - ich brauche sie noch, solange ich sie produziere. Im Dialog mache ich keine Mitteilungen und schon gar keine Überzeugungsversuche. Ich mache Äusserungen, in welchen ich mein Ich (also mich) als Ausdrucksweise einer Inkarnation begreife. Ich strebe dabei nicht nach einer Selbstfindung oder Selbstverwirklichung eines Ichs, sondern danach, das Ich oder das Selbstbewusstsein als Mittel des Dialoges zu erkennen. Es geht mir nicht darum, individuelle Subjekte zu verstehen, sondern darum, den Sinn zu erkennen, der hinter dem Sprechen liegt, das die Subjekte erst hervorbringt. Verstehen bedeutet in dieser Differenz nicht an die Stelle des andern zu stehen, also ihn oder seine Worte zu verstehen. Verstehen heisst die Offenbarung des Sinns zu sehen. Im Dialog mit dem Du muss ich verstehen, was ich sage, ich muss meine Worte verstehen. Das Du, das ich im Dialog anspreche, weiss - wie jenes, das ich im Gebet anspreche - immer schon und antwortet nicht mit Wörtern.

In diesem Sinne kann ich im Dialog nicht (be)lehren. Lehrend beziehe ich mich auf Realitäten, die mir so wichtig scheinen, dass ich sie mitteilen muss. Dabei verliere ich den Respekt vor dem Du, weil ich quasi durchsetze, was wichtig ist, ohne mich darum zu kümmern, was der andere wichtig findet.

In Dialogen erkenne ich oft auch ein Differenz zwischen dem Ich und dem Wir. Wo wir gemeinsam denken und sprechen, liegt die Vorstellung nahe, dass wir ein gemeinsames Verständnis anstreben oder gar erreichen könnten. Im Dialog baue ich aber auf einer Gemeinsamkeit auf, ich habe sie nicht als Ziel.

Die Gemeinsamkeit ist im Dialog bereits gegeben, bevor irgend etwas geäussert wird. Ich spreche nicht zu Menschen, die mir gegenüber stehen, sondern mit Menschen, die die Du-Ich-Unterscheidung als Ausdrucksform der Gemeinschaft mit mir teilen. Was ich im Dialog sage, sind Worte - dia logos - die eine Sprechgemeinschaft voraussetzen, die nicht an eine Sprache gebunden ist. Ich spreche auch mit meinen Tieren, vor allem aber auch mit Gott, obwohl beide nicht in meiner Sprache antworten. Im Diskurs wähne ich mich verstanden, wenn der andere so reagiert, wie wenn er mich verstanden hätte. Im Diskurs haben Worte wie Sachen eine Bedeutung, auf die Bezug genommen wird. Im Dialog haben Worte ihre Bedeutung nicht in sich, sondern in den Sprechenden und in den Hörenden. Es ist im Dialog nicht wichtig, dass diese Bedeutungen irgendwie übereinstimmen, sondern nur, dass es den Dialogteilnehmenden gelingt, durch die Worte den Sinn des Du in der Gemeinschaft zu erkennen. Im Dialog muss ich nicht über die richtige Interpretation von Worten befinden oder in irgendeiner Art intersubjektiv verstehen, was mit den Worten gemeint sein könnte. Im Dialog hören alle, was sie hören und alle verstehen, was sie verstehen.

Man kann den Dialog von einem Monolog unterscheiden. Umgangssprachlich verkürzt wird Monolog oft für die Rede eines Einzelnen verwendet und Dialog für ein Gespräch, in welchem mindestens zwei Personen sind. Das Wesen des Monologes sehe ich aber nicht darin, dass nur einer spricht, sondern darin, dass eine Sichtweise als die Richtige dargestellt wird. Im Monolog sagt schliesslich einer, was nach einer gelungenen Diskussion jeder der Beteiligten sagen würde, weil sich eine Sichtweise durchsetzen konnte. Der Monolog widerspiegelt so gesehen das Resultat einer Diskussion, in welcher verschiedene Vorstellungen argumentativ durch die mächtigste Vorstellung ersetzt wurden. Der Monolog hat dort einen etwas negativen Beigeschmack, wo diese Zumutung durchschimmert. Anschaulich gesprochen geht es in der Diskussion darum, dass sich verschiedene Vorstellungen immer mehr annähern, während es im Dialog darum geht, verschiedene Vorstellungen zu entfalten. In der Diskussion fliessen Bäche und Nebenflüsse in einen Strom, der alles mitreisst, im Dialog geht es um Vielfalt, die sich wie die Krone eines Baumes aus einem Stamm herausentwickelt. In der Diskussion ist entscheidend, dass sich die richtige Vorstellung durchsetzen kann. Im Dialog ist die beste Vorstellung eine unter vielen besten Vorstellungen. Die Diskussion sucht ein Ende, die Einigung im Monolog. Der Dialog geht wie das Leben immer weiter, wobei immer neue Möglichkeiten sichtbar werden.

Eine wieder ganz andere manifeste Differenz, die unsere Dialogveranstaltung betrifft, besteht zwischen Dialogen und Dialog-Veranstaltungen. Die Dialog-Veranstaltung ist als Übung konzipiert. Ich übe aber in der Dialog-Veranstaltung nicht für einen späteren Zeitpunkt, für einen Auftritt oder für einen Ernstfall, ich übe im Sinne des Ausübens. Die Übung zeigt sich vor allem darin, dass wir uns ein Protokoll geben, also festlegen, wie gesprochen werden darf, während Dialoge natürlich gerade keine Regeln haben, die jemand einhalten müsste. Ein grosser Teil der Reflexionen in unseren Dialogveranstaltungen betrifft den Sinn und die Interpretation dieses Protokolls. Weil die Regeln nicht von aussen kommen, sondern in den Dialoggruppen selbst hervorgebracht werden, ist die Reflexion der Regeln immer auch eine Reflexion des mitgebrachten Verständnisses. Und weil leicht zu erkennen ist, dass die Regeln nicht das Wesen des Dialoges betreffen, sondern Werkzeuge der Übung sind, herrscht in den Dialogveranstaltungen zu diesen Regeln immer ein ambivalentes Verhältnis mit einem beträchtlichen Frustrationspotenzial, das wohl jedes geregelte Üben begleitet. Man kann mit diesem Frustrationspotenzial aber auch die eigenen Ansprüche bemessen.

Eine an die Veranstaltungsregeln anschliessende Differenz besteht zwischen Regeln als Gebot und Regeln als Vision. Unsere Dialogregeln sind auch in der Dialogveranstaltung keine Vorschriften, die jemand einhalten müsste. Das würde nicht nur dem Dialog prinzipiell widersprechen, sondern auch einer Veranstaltung, deren Sinn auch im Ausloten von Regeln liegt. Die Regeln müssen nur in einem bestimmten Sinn eingehalten werden, sie müssen als solche aufrecht erhalten werden, gleichgültig wie oft sie auf welche Weise verletzt werden. Die Regelverletzungen müssen als Ausnahmen wahrgenommen werden können oder wo das nicht mehr gelingt, als Antrag, die Regeln zu ändern. Regelverletzungen werden in keiner Weise geahndet, sie werden als Anlass genommen, die Regel zu bedenken. Die Regeln beschreiben als Vision, wie ich sprechen möchte, wie ich sprechen werde, wenn ich dialogisch entwickelt bin. Wenn ich die Einträge auf den Steintafeln von Moses als solch utopische Regeln lese, lese ich nicht, Du sollst nicht lügen, rauben und töten, sondern die Verheissung, Du wirst nicht lügen, rauben und töten, wenn Du ein Mensch geworden bist. Die Regeln des Protokolls beschreiben nur sozusagen die Zukunft, sie beschreiben als Utopie die Gegenwart.

Die hier vorgestellten Dialoge sind äusserlich durch Dialogregeln bestimmt. Ein paar einfache Dialogregeln, die sich am Anfang von Veranstaltungen schon oft bewährten, beschreiben etwa, dass ich im Dialog Ich-Formulierungen verwende und in die Mitte spreche. Ich spreche nicht zu, sondern mit Menschen. Ich sage nichts, was andere wissen müssen, sondern ergründe, was wir gemeinsam erkennen können. Im Dialog versuche ich nicht zu überzeugen, was von andern bezeugt wird. Ich bezeuge, was ich für-wahr-nehme. Die für mich grösste Herausforderung besteht gerade darin, im Dialog etwas anderes als andere zu sagen, ohne dies als ihnen zu widersprechen zu begreifen. Im Dialog muss ich auf eine radikale Weise bei meinen Vorstellungen sein, weil ich nur so den Respekt gegenüber verschiedenen Vorstellungen nicht verletze, also nicht in Kompromissen auflöse.

Die Dialogregeln lassen sich als eine Art Absicherung verstehen, als ein Behältnis, innerhalb dessen ich ohne Vorsicht und ohne Rücksicht über meine Vorstellungen sprechen kann. Was mir in einer Diskussion als Widerspruch erscheint, verstehe ich im Dialog als komplementäre Auffassung, die Reichtum erschliesst, weil von allem, was von Herzen gesagt wird, nichts ausgeschlossen wird. Da ich im Dialog auch mir selbst zuhöre, kann ich erkennen, wie oft mir unklar ist, was ich sage. Ich kann meine eigenen Aussagen wie die Aussagen aller andern in der Mitte des Kreises schweben sehen und warten, bis sie mir passen oder mich zu einer weiteren Formulierung bringen.

Man kann in der Dialogveranstaltung nach der Funktion der jeweils gewählten Regeln fragen. Eine grundlegende Funktion der Regeln sehe ich darin, noch nicht entwickeltes oder gefährdetes Vertrauen zu überbrücken. Ich brauche beispielsweise im Dialog eine Art Vertrauen, welches mir das Aushalten von Aussagen ermöglicht, die ich nicht sofort verstehen kann. Ich muss auch Aussagen aushalten, die mir falsch, abwegig oder politisch nicht korrekt erscheinen. Wenn ich genügend Vertrauen entwickelt habe, kann ich im Dialog Bewertungen zurückstellen, so wie ich es unter meinen engsten Freunden kann. Ich kann abwarten, wohin die Reise gehen wird, ich muss nicht sofort ins Steuer greifen. Die Regeln können - bewusst oder unbewusst - so gewählt werden, dass sie für mich Effekte haben wie dieses gegenüber fremden Menschen vorerst nur potentiell vorhandene Vertrauen. Man kann etwa als Regel wählen, auf rasche Bewertungen zu verzichten, Aussagen in der Schwebe zu halten, auch wenn das Vertrauen noch nicht durch Erfahrungen begründet ist. Eine entsprechende Regel würde etwa lauten, dass die Aussagen nicht kommentiert werden, dass ich auf explizite Zustimmung und auf explizite Zurückweisungen verzichte, oder dass beispielsweise nicht erklärt wird, wie eine Aussage zu verstehen sei. Im Dialog wird sich zeigen, wie ein aktuelles Nichtverstehen, etwa das Staunen darüber, dass jemand etwas für mich ganz Undenkbares sagt, aufgehoben wird. Das Nichtverstehen ist im Dialog insofern ganz ungefährlich, als man keine Mitteilung verpassen kann, sondern in jedem Nichtverstehen eine Chance für neues Kristallisieren des eigenen Wissens kriegt.

Die Dialogregeln sollen Wirkungen entfalten, die einen Dialog erkennbar machen. Umgekehrt kann man die Dialogregeln dann auch als Beschreibung eines Dialoges auffassen. Wenn man weder den Dialog noch die Dialog-Veranstaltung neu erfinden will, kann man praktischerweise mit ein paar Regeln beginnen, die sich an anderen Orten bereits bewährt haben. Alle Regeln können jederzeit modifiziert oder ersetzt werden, wenn sie den Dialog behindern oder blockieren, weil keine dieser Regel für den Dialog selbst wichtig oder gar konstitutiv ist. In einer gewissen Hinsicht geht es ja in der Dialogveranstaltung darum, die Dialogregeln aufzuheben, also darum, in den Dialog zu kommen. Die Regeln lenken nur meine Aufmerksamkeit. Wenn ich eine Dialogregel verletze, habe ich Anlass, über mein Verhältnis zum Dialog nachzudenken. Im Dialog denke ich aber nicht im Stillen und nicht einsam für mich, sondern gemeinsam, partizipierend, eben im Dialog. Die Regeln und deren Verletzungen können kollaborative Anlässe schaffen. Dabei kann ich neue Sichten auf die Regeln und auf mögliche Interpretationen der Regeln gewinnen. Regeln können sinnlos werden, weil sie gar nicht mehr gebrochen werden oder eben, weil sie noch zu widerständig sind und den Fluss des Dialoges verhindern. Regeln sollen sich sogar auflösen, wo sie nur überbrückend eine noch nicht vorhandene Freundschaft unterstützen, die sich im Dialog entwickelt und den Dialog überhaupt erst möglich macht.

Der Dialog ist an das Wort im Sinne des Logos, des Ausdruckes gebunden. Logos bezeichnet dabei eine Differenz zwischen dem Begriff und dem damit Begriffenen. Der Begriff als Ausdruck steht für eine bestimmte Auffassung, für eine Definition, die bestimmt, wie das Begriffene begriffen wird. Im Dialog geht es deshalb um das im Begriff Begriffene. Begriffe werden im Dialog nicht an einer gegebenen Sache gemessen, sie können deshalb nicht richtig oder falsch sein. Begriffe zeigen vielmehr, wie eine Sache gesehen werden kann. Es geht mithin um Erklärungen, aber nicht darum, anderen etwas zu erklären. Es geht darum, auf wie viele Arten wir uns etwas erklären können und darum, wer weshalb welche Erklärung verwendet.

Damit habe ich ein paar fundamentale Unterscheidungen angesprochen, die in meiner Wahrnehmung unserer Dialoge eine Rolle spielen. Natürlich können unsere Dialoge auch ganz anders wahrgenommen werden. Soweit das Protokoll, das ich vorlege, unter diesen Gesichtspunkten steht, ist es fiktiv, eben unter einer Perspektive hergestellt, die den Dialog eben so erscheinen lässt. Also nicht einmal die Dialoge, von welchen ich berichte, waren so, wie ich es berichte, geschweige denn, dass irgendwelche andere Dialoge auch nur annähernd so sein sollten. Der Dialog folgt keiner Logik, die man programmieren oder vorschreiben könnte.

* * *

Die vorgelegten Berichte sind auch in dem Sinne fiktiv, als ich Erinnerungen an Dialoge aufschreibe. Ich schreibe die Erinnerungen als direkte Reden, weil ich so einen für mich wesentlichen Aspekt der Dialog-Veranstaltungen veranschaulichen kann, nämlich wie einfach und voraussetzungslos Dialog-Veranstaltungen inszeniert werden können. Dialog-Veranstaltungen erläutern sich quasi selbst, das heisst, sie brauchen keinen Kommentar, was eine mögliche Dialogregel reflektiert, wonach im Dialog keine Kommentare gemacht werden.

Man kann diese Berichte als eine spezifische Anleitung zur Dialog-Veranstaltung lesen, weil verschiedene Aspekte der Organisation solcher Veranstaltungen reflexiv zur Sprache kommen. Man kann in den Berichten auch konkrete Auffassungen zum Dialog selbst finden, es sind aber Auffassungen von Teilnehmenden, die keinerlei privilegierte Sichtweisen vertreten. Der Dialog im hier gemeinten Sinn repräsentiert die Beziehung zwischen dem Ich und dem Du und wird so in jedem Ich-Du-Verhältnis immer wieder neu geschaffen.

2 Einladungen

Vor einigen Jahren wurde ich zu einer Dialogveranstaltung eingeladen. Ich stutzte. Ich fragte mich unwillkürlich, was ein Dialog sein könnte, zu welchem man eingeladen wird. Ich dachte an eine Art Friedensangebot, an ein Angebot, ein festgefahrenes, abgebrochenes Gespräch wieder aufzunehmen. Ich hatte aber keinen mir bewussten Streit, zumal nicht mit Renate, die mich zum Dialog eingeladen hatte. Also fragte ich: "Worüber wollen wir denn einen Dialog führen? Renate antwortete: "Ich wurde vor einiger Zeit zu einer Dialogveranstaltung eingeladen. Ich bin einfach hingegangen und es hat mir dort so gut gefallen, dass ich das jetzt auch machen will. Deshalb lade ich Dich jetzt zu einer Dialogveranstaltung ein." Ich erinnere mich, dass ich damals noch einige Fragen auf der Zunge hatte, aber ich sagte zu, weil ich Renate schon lange gut kannte. Diese Dialogveranstaltungen haben mir dann so gut gefallen, dass ich später beschloss, auch zu solchen Dialogveranstaltungen einzuladen. Wenn ich nun Leute zu einer Dialogveranstaltung einlade, werde ich oft gefragt, worüber wir einen Dialog führen wollen. Das erinnert mich jedes Mal daran, wie ich mit dieser Einladung zuerst umgegangen bin. Ich antworte dann: "Ich wurde vor einiger Zeit selbst zu einer Dialogveranstaltung eingeladen. Ich bin einfach hingegangen und es hat mir dort so gut gefallen, dass ich das jetzt auch machen will. Deshalb lade ich Dich jetzt zu einer Dialogveranstaltung ein." Und weil ich mich auch daran erinnere, dass ich damals noch viele Fragen hätte stellen wollen, sage ich: "Lass uns doch einfach gemeinsam schauen, was wir im Dialog über den Dialog erkennen."

3 Ein Anfang

In meiner ersten Dialogveranstaltung, zu welcher ich von Renate eingeladen wurde, waren etwa zehn Personen, von welchen ich die meisten mehr oder weniger gut kannte. Wir sassen auf Stühlen, die im Kreis aufgestellt waren. Am Boden in der Mitte des Kreises waren eine Vase mit einigen Tulpen und einige andere Gegenstände auf einem farbigen Tuch. Nachdem sich alle gesetzt hatten, schob Renate die nichtbesetzten Stühle aus dem Kreis, setzte sich selbst wieder und begrüsste uns. Sie schlug eine ganz kurze Vorstellungsrunde vor. Ich sagte, dass mir solche Runden immer etwas peinlich seien, weil ich nie recht wisse, was ich in solchen Runden sagen solle. Die meisten sagten ihren Namen, was sie arbeiten und woher sie Renate so gut kanten, dass sie eingeladen wurden. Dann sagte Renate, wir sollen uns zuerst einige Gedanken über unsere Erwartungen und über den Dialog machen, also gemeinsam zusammenzutragen, was wir als Dialog bezeichnen und was wir uns von einem Dialog erhoffen. Sie sagte, wir sollten dabei nicht um Definitionen streiten, weil es nicht um richtig oder falsch gehe, sondern offenen Herzens aufzählen, was uns wichtig scheine. Wir sollten nicht bewerten, was andere sagten, sondern zuhören und uns zu eigenen Vorstellungen inspirieren lassen, die wir dann wiederum in den Kreis eingeben sollen. Sie selbst habe damit bereits gesagt, was ihr im Dialog sehr wichtig scheine, nämlich dass wir von Herzen sprechen und nicht sofort bewerten, was andere sagen.

Renate verdichtete unsere Beiträge. In ihrer Zusammenfassung haben wir in unserem Dialog zusammengetragen, dass wir uns gegenseitig respektieren, zuhören, vor allem von uns selbst und unseren Erfahrungen sprechen und dabei auf Annahmen und Bewertungen verzichten sollten. Wir umschrieben dies durch eine achtsam erkundende Haltung, wie sie ernsthaft Lernende auszeichnet. In dieser Haltung würden wir nicht nur beobachten, was gesagt wird, sondern auch, wie wir in der Kommunikation aufgehoben sind, wie wir durch unsere Kommunikation eine Kommune, eine Gemeinschaft werden.

Renate erzählte dann von einem Buch von David Bohm, in welchem die Grundzüge des Dialoges, wie wir sie eben selbst entwickelt hätten, beschrieben seien. David Bohm habe realisiert, dass unsere Gespräche oft gar keine Gespräche seien, sondern hoffnungslose Diskussionen, in welchen es nur darum ginge, wer Recht habe. Er siedle den Dialog als offenes Gespräch am Ende der Diskussionen an, also dort, wo die Einsicht gewonnen wurde, dass weitere Diskussionen zu nichts mehr führen. Der Dialog beruhe auf Fertigkeiten, die in unserer Diskussionsgesellschaft verkümmert seien. David Bohm habe die Dialogveranstaltungen entwickelt, um diese Fertigkeiten, die wir früher einmal alle gehabt hätten, zu reanimieren und zu neuer Blüte zu bringen. Respekt und Achtsamkeit, sagte Renate, seien Haltungen, diese Haltungen seien aber nicht nur eine innere Angelegenheit, sondern würden sich im Dialog zeigen, also darin, wie wir gegenseitig miteinander sprechen. Im Dialog würden diese Haltungen sichtbar und erfahrbar.

Unsere nächste Aufgabe war, gemeinsam zu überlegen, wie sich die dialogische Haltung auf unsere Sprache und auf unser Sprechverhalten auswirke. Renate sagte, wir könnten uns dazu beispielsweise überlegen, wie sich Dialoge von hitzigen Diskussionen unterscheiden. Erneut verdichtete sie als Moderatorin, was in dieser Runde gesagt wurde. In Diskussionen würden sich die Leute oft gegenseitig ins Wort fallen, andere diskreditieren und deren Argumente zerpflücken. In Diskussionen wolle jeder Recht haben und die anderen missionarisch zu einer anderen, der je eigenen Meinung überzeugen. Renate machte uns auf einen Punkt speziell aufmerksam, indem sie uns anwies, auch noch etwas zu bedenken, dass in Diskussionen sehr oft Tatsachen behauptet werden. Wir fanden, dass viele dieser Tatsachen sich später als Fantasien entpuppen, dass es aber schwierig ist, etwas gegen ins Feld geführte Tatsachen zu sagen, weil man Tatsachen eigentlich nur mit anderen Tatsachen bestreiten könne, was mithin auch der Grund sei, warum bestimmte Diskussionen so hitzig werden. Den nach dieser Erkenntnis auf der Hand liegenden Vorschlag brachte Renate selbst, indem sie sagte: "Also könnten wir im Dialog versuchen, auf alle Tatsachen und Wahrheiten zu verzichten. Was haltet Ihr davon?" Wir spielten etwas mit dieser Vorstellung herum, dann sagte sie: "Ich meinte das nicht ganz so radikal. Mein Vorschlag wäre, dass wir nur über unsere eigenen Erfahrungen und über unsere eigenen Folgerungen sprechen." Das seien ja auch Tatsachen, aber subjektive, die für andere Menschen nicht zwingend seien. Wenn jemand sage, dass er etwas gesehen, erlebt oder gefühlt habe, spreche er über seine Wahrnehmungen, nicht über die Wirklichkeit. Das erleichtere ihr das Zuhören sehr. Nur über eigene Wahrnehmungen zu sprechen sei ganz einfach. Wir müssten dazu nur Ich-Formulierungen verwenden, also nicht von "man" sprechen und einfach nichts behaupten und nicht erzählen, wie die Welt wirklich sei.

Dann erzählte Renate aus einem anderen Buch. Im Dialogverfahren, wie sie die Sache jetzt nannte, müssten sich die Teilnehmenden ohnehin an bestimmte Regeln halten, wie wir sie ja auch formuliert hätten. So sei beispielsweise klar, dass man im Dialog niemanden unterbreche. Sie sagte: "Wenn ich aber achtsam bin, unterbreche ich auch niemanden, der noch nicht spricht, sondern sich erst noch überlegt, was er sagen will. Ich meine damit, dass wir in der Dialogrunde darauf achten können, ob jemand etwas sagen will. Wenn ich merke, dass jemand zum Wort ansetzt, warte ich mit meinen Worten." Wir hatten einige skeptische Teilnehmer im Kreis, oder etwas dialogischer gesagt, einige der Teilnehmenden äusserten sich manchmal skeptisch. Peter, der sich als Physiker vorgestellt und schon einige Male auf den naturwissenschaftlichen Dialog verwiesen hatte, sagte: "Wenn ich warte und alle andern auch warten, weil ja niemand weiss, ob nicht gerade jemand anderer reden will, dann warten doch alle, dann ist der Dialog zu Ende, weil niemand mehr spricht." Renate lächelte und wartete etwas, bevor sie antwortete: "Wenn ich achtsam bin, merke ich dann schon, dass niemand spricht, dann kann ich etwas sagen. Und in der Zwischenzeit, also solange alle noch warten, kann ich noch etwas den Worten hinterher denken, nachdenken, die ich zuvor gehört habe."

Renate stand auf und ging in die Mitte des Kreises. Sie nahm einen kurzen Stab, der neben einer Schale lag, und schlug damit an den Rand der Schale, die wie ein heller Gong tönte. Der Klang verhallte ganz langsam und alle lauschten dem Klang nach. Renate sagte: "Mindestens am Anfang kommt es öfter vor, dass alle reden wollen als dass alle schweigen. Dann wird auch der Dialog hitzig. Wenn jemand merkt, dass er nur noch zum Wort kommen könnte, wenn er die andern unterbricht, geht er in die Mitte und schlägt diese Klangschale an. Dann schweigen alle, bis der Klang auch schweigt. Ihr werdet sehen, das wirkt Wunder. Aber wir wollen uns nicht nur auf dieses Wunder verlassen." Sie hob einen anderen Stab auf, einen gläsernen, der mit farbiger Flüssigkeit und glitzernden Partikel gefüllt war. "Das ist sozusagen unser Zauberstab. Nur wer ihn in den Händen hat, darf sprechen. Jetzt darf nur ich sprechen, weil ich den Stab habe. Wenn ich fertig gesprochen habe, lege ich den Stab hin und wer etwas sagen will, holt zuerst den Stab." Peter sagte: "Das ist ein lustiges Spiel, es erinnert mich an den Kindergarten ..." Renate unterbrach ihn: "Du solltest jetzt eben nichts sagen, weil Du den Stab nicht hast. Es geht mir mit dem Stab um Folgendes: Er verlangsamt unser Gespräch. Wenn ich beispielsweise jemanden, der etwas sagt, an den Kindergarten erinnern möchte, oder ihn gar mit einem tollen Argument widerlegen will, muss ich etwas warten. Und in der Zeit, bis ich endlich zum Sprechstab gekommen bin, hat sich vielleicht mein Gemüt beruhigt, und ich muss gar nicht mehr sagen, was mir vorher so dringend schien."

Renate legte den Stab in die Mitte und setzte sich. Alle schienen zu warten, niemand holte den Stab und niemand sagte etwas, ohne den Stab zu holen. Nach einer ganzen Weile sagte Renate lachend: "Jetzt scheint der Dialog zu Ende zu sein!" Und Peter sagte sofort: "Du hast den Stab nicht geholt!" Alle lachten. Peter holte den Stab und sagte noch im Stehen: "Ich finde das immer noch wie im Kindergarten und ich frage mich, wozu wir neben dem Stab auch noch die Klangschale haben. Das ist ja nicht nur doppelt genäht." Renate sagte: "Ich möchte Euch bitten, jeweils erst zu sprechen, wenn Ihr wieder sitzt. Es geht ja um eine Verlangsamung und es wird natürlich viel langsamer, wenn wir auf unsere Stühle zurückgehen, als wenn wir in der Mitte stehen bleiben und einander den Zauberstab aus den Händen reissen. Die Klangschale ist einfach ein zusätzliches Mittel. Vielleicht brauchen wir sie nie, aber auch dann sehen wir sie doch in der Mitte stehen und das hilft uns vielleicht, daran zu denken, nicht in eine hitzige Diskussion zu verfallen." Peter stand immer noch mit dem Zauberstab in der Mitte. Mir schien, er wollte etwas darüber sagen, dass der Zauberstab offenbar nicht recht funktioniert, weil schon wieder Renate gesprochen hatte, er liess es aber bleiben. Er legte den Stab wieder in die Mitte und setzte sich.

Nach einer Weile sagte Renate: "Ich möchte Euch noch ein ganz wichtiges Prinzip erläutern. Wir sitzen hier in einem Kreis. Wenn ich spreche, spreche ich zu allen. Ihr wisst ja, dass es unanständig ist, mit seinem Nachbarn zu schwatzen, während jemand anderer spricht. Das kann hier nicht vorkommen, weil wir ja nur sprechen, wenn wir den Zauberstab in den Händen haben." Sie war während des Redens aufgestanden und hatte den Stab aufgenommen. Sie fügte ein: "Ihr seht ja auch, dass es auch für mich manchmal schwierig ist, mich an diese Kindergartenregel zu halten." Dann fuhr sie weiter: "Im Dialog spreche ich immer zu allen, ich spreche in die Mitte. Wir können uns vorstellen, dass die Worte dort wie in einer Wolke schweben und darauf warten, gehört zu werden. Nicht alle hören dieselben Worte. Es ist eher wie bei einem grossen Büfett. Jeder nimmt etwas davon. Das Büfett ist für alle das Gleiche, aber jeder isst etwas anderes. Was ich beitrage, stelle ich auf dieses Büfett. Ich dränge es niemandem auf. Ich spreche nicht zu einzelnen Personen, sondern eben in die Mitte des Kreises. Vielleicht passt das, was ich sage, jetzt gerade nicht zu dem, was jemand jetzt gerade denkt. Aber schon kurze Zeit später kann das anders sein. Vom Büfett nehme ich pro Gang, was mir passt und was für mich zusammenpasst. Ich komme aber später zum Büfett zurück und nehme Delikatessen, die ich zuvor habe liegenlassen. Im Dialog versuche ich das Gesagte in der Schwebe zu halten. Ich warte, bis es passt."

Brigitte fragte: "Du hörst also nur, was Dir passt?" und fügte sofort an: "Oh, ich darf ja gar nichts sagen, weil ich den Stab nicht habe." Renate, die sich wieder gesetzt hatte, stand auf, um den Stab in die Mitte zu legen, obwohl sie unmittelbar neben Brigitte sass. Brigitte war fast gleichzeitig mit Renate in der Mitte und wollte ihr den Stab schon knapp über dem Boden aus der Hand nehmen. Aber Renate hielt den Stab fest umschlossen. Sie richtete sich nochmals auf und schaute Brigitte an. Dann bückte sie sich wieder und legte den Stab hin. Brigitte packte den Stab augenblicklich. Renate legte ihre Hand auf die Hand von Brigitte und sah sie an. Sie sagte: "Wir haben Zeit, viel Zeit."

Brigitte setzte sich auf ihren Stuhl und wiederholte ihre Frage. Renate antwortete nicht. Nach wirklich langer Zeit, in welcher ich das Knistern in der Luft hören konnte, sagte Renate: "Es ist wichtig, den Stab wieder in die Mitte zu legen, wenn man nichts mehr sagen will. Man muss sich dabei nicht beeilen, wir haben Zeit, viel Zeit." Brigitte legte den Stab zurück und sagte: "Dann kannst Du mir ja jetzt eine Antwort geben."

Renate ging langsam in die Mittel und schlug die Klangschale ziemlich kräftig an. Sie setzte sich wieder ohne den Zauberstab mitzunehmen. Nachdem der Klang schon eine Weile verklungen war, holte Brigitte den Stab, setzt sich langsam, sorgfältig und sagte dann: "Also, es tut mir leid, aber ich ... Ich meine, ich will die Frage nochmals ganz ruhig und ohne Hektik stellen. Also: Hörst Du im Dialog nur was Dir passt, so wie Du bei einem Speisebüfett nur nimmst, was Dir passt. Ist das Dialog? Ich verstehe es einfach nicht." Während sie den Stab in die Mitte legte, fügte sie an, dass sie vielleicht deshalb etwas energisch geworden sei.

Renate schaute in die Runde, aber niemand sagte etwas. Dann holte sie den Stab und sagte: "Ich muss vielleicht den meines Erachtens wichtigsten Grundsatz noch etwas mehr verdeutlichen. Im Dialog spreche ich immer in die Mitte, ich lege etwas aufs Büfett, aber nie jemandem etwas in seinen Teller. Umgekehrt beobachte ich sehr gut, was andere in die Mitte legen. Ich höre aufmerksam zu. Ich schaue immer das ganze Büfett an. Aber ich kann nie alles aufnehmen, sowieso nicht alles zusammen und sofort. Ich versuche möglichst vieles in der Schwebe zu halten, bis es passt." Sie machte eine recht lange Pause. "Was heisst das, dass ich in die Mitte spreche? Das heisst, ich spreche keine einzelne Person an. Wen ich dann angesprochen habe, höre ich im Nachhinein, wenn ich Antworten bekomme. Das kann sofort der Fall sein, weil jemand etwas dazu sagen will, also weil es bei jemandem gerade auf den Teller passt. Es kann aber auch später sein, einen Gang später sozusagen. Und vor allem kann es auch sein, dass ich eine Antwort unter der bewussten Ebene bekomme, eine Antwort zwischen den Zeilen." Sie stand von ihrem Stuhl auf. "Ich werde später noch mehr dazu sagen, jetzt will ich an der Oberfläche der Regel bleiben. Ich spreche immer in die Mitte und nie zu einer einzelnen Person."

Renate hatte sich zunehmend mehr an Brigitte gewandt, während sie davon sprach, dass man in die Mitte spricht. Brigitte setzte zu einer Antwort an, doch Renate hielt ihr den Zauberstab vor die Nase und fuhr fort: "Diese Regel hat unter anderem den Sinn, dass sich keine Zweiergespräche entwickeln, bei welchen die andern im Kreis ausgeschlossen sind und dann logischerweise ihrerseits mit ihren Nachbarn Zweiergespräche anfangen."

Peter, der etwas unruhig auf seinem Stuhl herumgerutscht war, sagte: "Ich weiss, dass ich jetzt ganz viele Regeln verletze, aber es muss doch eine Möglichkeit geben, dass ich etwas sagen kann, wenn ich etwas sagen will. Wir kennen jetzt ja noch nicht alle Regeln, ich könnte mir vorstellen, dass es so etwas wie einen zweiten Gong gibt, den man anschlagen kann, wenn man gerne den Sprechstab hätte. Ist das nicht so?"

Renate schaute demonstrativ in die Mitte, als suchte sie einen Gong, und sagte dann: "Ich kann keinen Gong sehen. Aber ich sehe unsere Klangschale. Die Klangschale hat generell den Sinn den Dialog zu unterbrechen, wenn jemand den Dialog nicht mehr recht wahrnehmen kann, also wenn sich jemand gestört fühlt durch das, was gerade läuft. Störungen haben Vorrang. Es kann beispielsweise sein, dass jemand spricht und spricht und spricht und spricht und. Dann kann jemand die Klangschale anschlagen. Ich kann mir aber auch einen Dialog vorstellen, in welchem eine einzige Person den ganzen Abend spricht, ohne dass jemand etwas dagegen hätte, einfach weil alle merken, dass das jetzt richtig ist." Sie ging auf Peter zu, blieb vor ihm stehen und sah ihn an und sagte: "Ich spreche jetzt in die Mitte, nicht zu Peter. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich zu einer Sache unbedingt und sofort etwas ganz Entscheidendes sagen muss. Manchmal scheint es mir so wichtig, dass ich die andere Person sogar beim Reden unterbreche. Aber im Dialog kommt das nicht vor. Ich meine, dieses Gefühl habe ich zwar auch in Dialogveranstaltungen mehr als mir lieb ist, aber dann besinne ich mich auf die Dialogregeln. Dann weiss ich, dass es hier anders ist, dass ich hier bin um zuzuhören und um zu erwägen, nicht zum Debattieren." Sie hielt ihren Zauberstab hoch, um Peter zuvorzukommen und sagte: "Nur wenn ich es gar nicht mehr aushalten kann, dann schlage ich auf die Schale."

Ich konnte richtig sehen, dass Peter etwas sagen wollte. Er schnitt Grimassen, aber er schwieg und er schlug auch nicht auf die Schale. Er wartete und Renate liess ihn warten. Sie sagte nichts mehr, aber sie legte den Stab nicht zurück. Schliesslich sagte Brigitte: "Also ich finde das ziemlich schräg, ich sehe nicht, wie ein gutes Gespräch zustande kommen könnte, wenn wir das alles ernst nehmen würden, wenn also wirklich jede nur hören würde, was ihr passt."

Heiner, der sich selbst als radikalen Konstruktivisten vorgestellt hatte, sagte: "Ich finde auch einiges schräg hier, aber gerade das gar nicht. Im Konstruktivismus geht man davon aus, dass jeder Hörer nur hört, was er hört. Man kann also nie etwas sagen und dabei meinen, der andere höre es. Es ist vielmehr so, dass ich erst weiss, was ich überhaupt gesagt habe, wenn ich höre, was der andere gehört hat, also wenn ich sehe, wie der andere darauf reagiert. Ich glaube, dieses Prinzip stammt von Norbert Wiener."

Peter sagte: "Ja, ja, im Konstruktivismus unter Solipsisten. Aber hier ..."

"Hier gilt die Regel mit dem Sprechstab" unterbrach Renate, die immer noch im Kreis stand und den Sprechstab in den Händen hatte. Sie setzte sich auf ihren Stuhl und sagte nun sichtbar zu allen: "Wir können auch Rauchpause machen, nicht zum Rauchen, sondern um unsere Köpfe etwas verrauchen zu lassen. Und natürlich kann und will ich niemanden von Euch zwingen, sich an irgendwelche Regeln zu halten. Ich habe Euch eingeladen, weil ich mit Euch eine bestimmte Erfahrung teilen wollte und immer noch will. In meinen bisherigen Erfahrungen haben sich diese Regeln immer sehr positiv ausgewirkt, aber ich gebe gerne zu, dass diese Regeln etwas, ja, gewöhnungsbedürftig sind. Lasst uns eine kurze Pause machen, dann sehen wir weiter." Halblaut fügte sie an: "Dann sehen wir auch, wer noch dableiben will."

Alle standen auf, aber niemand verliess den Raum. Ich brauchte keine Pause, im Gegenteil, ich war gespannt auf den weiteren Verlauf. Ich setzte mich wieder und es dauerte nicht lange, bis alle wieder auf ihren Stühlen sassen. Renate, die den Stab immer noch in ihren Händen hielt, sagte: "Dann können wir ja weitermachen. Ich wäre froh, wenn wir die Regeln beachten könnten. Es gibt noch mehr Regeln, aber am Anfang sollten wir uns nicht überfordern. Ich schlage also vor, dass jeder und jede nur spricht, wenn er oder sie mit dem Sprechstab auf seinem Stuhl sitzt, und dass dann nur Ich-Formulierungen verwendet werden, die überdies in die Mitte gesprochen werden. Wenn man so will, haben wir bislang drei Regeln." Sie legte den Stab in die Mitte.

Peter holte den Stab. "Also ich bin einverstanden, wir spielen dieses Spiel. Aber mehr noch als solche Regeln braucht ein Dialog ein Thema. Mir ist nicht klar, worüber wir sprechen wollen. Bis jetzt haben wir ja fast nur über den Sinn der Regeln diskutiert. Natürlich könnten wir uns noch lange über diese Regeln unterhalten, aber vielleicht wäre ein anderes Thema interessanter, oder?" Er schaute in die Runde. Dann schaute er auf den Stab in seinen Händen und schien zu realisieren, dass er keine Antwort bekommen würde, bevor er den Stab zurücklegte.

Zwei oder drei Leute standen etwa gleichzeitig auf und setzten sich wieder, als sie bemerkten, dass andere auch aufstanden. Renate lächelte und holte den Stab. "Ich spreche heute etwas mehr als sich gebührt, weil ich zusätzlich zum Dialog eine Art Moderation mache und Euch die Regeln und Prinzipien erläutere. Ein Dialog kann kein Thema haben. Wenn der Dialog ein Thema hätte, könnte ich nicht sagen, was ich sagen will, sondern müsste mich immer an das Thema halten. Mir fällt eigentlich in jeder Diskussion auf, wie stark die Leute vom Thema abweichen, bis dann jemand sagt, dass das nicht zum Thema gehöre. Dann weicht schon der Nächste wieder ab und der Übernächste sagt schon wieder, was alles nicht zum Thema gehört und so weiter. Im Dialog gibt es deshalb kein Thema, an welches man sich halten müsste. Wenn jemand etwas über Fussball oder über den letzten Besuch beim Zahnarzt erzählt, kann ich ohne weiteres über die ersten Menschen auf dem Mond sprechen, wenn ich gerade das so wichtig finde. Weil ich alles auf das Büfett stelle, muss es nicht zum davor Erzählten passen. Es ist vielleicht Dessert, während andere mit ihren Beiträgen die Vorspeise bringen. Für mich ist wichtig, dass ich nicht über etwas sprechen muss, nur weil es eben gerade zufällig Thema ist. Ich spreche über das, was mir wichtig ist."

Ich dachte darüber nach, was das für ein Gespräch bedeuten könnte, wenn alle Beteiligten unabhängig von einander irgend etwas, was sie wichtig finden, erzählen würden. Vielleicht dachten auch die anderen darüber nach. Hanspeter jedenfalls holte den Stab ohne Eile, nachdem er wieder in der Mitte lag. "Also ich würde gerne einmal etwas zusammenfassen, was ich bisher verstanden habe. Ich muss vorweg schicken, dass fast alles das Gegenteil davon ist, was ich bisher über den Dialog dachte, aber als Spiel finde ich es gerade deshalb sehr spannend. Also: Es geht in diesem Dialog darum, dass wir uns einerseits an Regeln halten, aber das tun wir ja sowieso immer. Die Frage ist also mehr, was das für Regeln sind, die in diesem Dialog gelten oder gelten sollen? Mir kommt es so vor, als ob der Erfinder dieses Dialoges geschaut hätte, was in normalen Diskussionen nie recht funktioniert, und genau daraus Regeln gemacht hat. In normalen Diskussionen gibt es immer Leute, die vom Thema abweichen, also haben wir jetzt die Regel, gar kein Thema zu haben. In normalen Diskussionen kommt es oft zu Behauptungen, also haben wir jetzt die Regel, nur über unsere Wahrnehmung zu sprechen. In normalen Diskussionen kommt es, wenn mehrere Leute dabei sind, immer wieder zu Zweierdiskussionen, weil einer dem andern sagt, dass etwas Bestimmtes nicht stimmt, worauf der andere dann antworten muss, und so weiter, also darf man im Dialog gar nicht zu einer anderen Person sprechen, sondern eben nur in die Mitte. Man könnte eigentlich sagen, dieser Dialog sei eine Anti-Diskussion, das würde die Sache, die ich bis jetzt verstanden habe viel besser treffen als Dialog." Beim Zurücklegen des Stabes sagte er: "Ihr müsst jetzt natürlich nichts dazu sagen. Ich wollte einfach einmal sagen, wie ich es sehe, Ihr könnt das als kalten Kaffee nach dem Büfett nehmen."

Ich hing immer noch etwas meiner Frage nach. Ich nahm den Stab auf und sagte: "Ich denke darüber nach, was passiert, wenn in einem Gespräch jeder nur sagt, woran er selbst gerade denkt und überhaupt nicht auf das eingeht, was andere gesagt haben. Ich antworte damit natürlich nicht auf die Antidiskussion von Hanspeter, sondern sage eben, woran ich denke. Ich finde diesen Dialog, oder diese Vorstellung irgendwie seltsam, aber ich weiss nicht recht, was mich daran stört."

Als ich den Stab zurücklegte, standen schon drei Leute fast in der Mitte, um den Stab zu holen. Wir schauten uns alle an und dann fingen wir an zu lachen. Verena sagte: "Das ist auch wie bei einem Büfett, alle wollen zur gleichen Zeit dasselbe, man muss immer anstehen, egal wie gross das Büfett ist." Dann nahm sie den Stab und sagte: "Eigentlich wollte ich nur sagen, dass ich mir die gleichen Gedanken gemacht habe wie Rolf. Ich finde aber nicht, dass das nicht zu dem passt, was vorher gesprochen wurde. Ich dachte darüber nach, weil Renate gesagt hat, dass ein Dialog kein Thema habe, das passt doch zusammen oder?" Sie stand immer noch in der Mitte. Sie drehte ihren Blick nach oben und sagte dann: "Und eigentlich haben wir doch schon die ganze Zeit ein Thema, wir sprechen ja immer über den Dialog, es ist ein Dialog über den Dialog. Ich finde, alle halten sich an dieses Thema, vielleicht sogar viel besser, als wenn wir dieses Thema abgemacht hätten." Sie legte den Stab wieder auf den Boden und fügte an: "Ich finde unseren Dialog auch etwas eigenartig, aber trotzdem spannend. Ich bin sicher, dass ich künftig Gespräche ausserhalb dieser Runde etwas anders wahrnehmen werde."

Dann sagte längere Zeit niemand etwas. Das war für mich eine eindrückliche Erfahrung. Dass so viele Menschen, die sich zu einer Gesprächsrunde treffen, so lange schweigen können. Schliesslich nahm Hans den Stab. Ich hatte das Gefühl, er nahm ihn nicht, weil er etwas sagen wollte, sondern eher damit etwas gesagt wird, damit es nicht noch länger einfach ruhig ist. Er sagte: "Vielleicht kann man es so sagen, dass man für einen Dialog kein verbindliches Thema festlegt, aber dass dann doch über etwas gesprochen wird. Also ich hätte schon gerne, wenn wir über etwas sprechen würden."

Ohne die Regel mit dem Sprechstab hätte ich sofort geantwortet, warum er denn kein Thema vorschlage oder welches Thema ihn denn interessiere, aber ich konnte ja nichts sagen, weil ich den Stab nicht hatte. Dann merkte ich, dass ich damit zu Hans und nicht in die Mitte gesprochen hätte. Die Stabregel hatte mir also geholfen, eine andere Regel einzuhalten. Und ich merkte auch, dass ich das den andern mitteilen wollte, und auch, dass dazu keine Eile nötig war.

Hans sagte nach einer Pause: "Mich interessiert, ob es auch einen Dialog über eine anderes Thema als über den Dialog geben kann", und beim Zurücklegen des Stabes sagte er: "Falls wir jetzt alle Regeln kennen."

Heiner holte den Stab und sagte: "Ich kann ja mal sagen, wie das im Konstruktivismus ist. Da versteht jeder, was er versteht. Logischerweise kann es dann gar kein Thema geben, weil es sehr zufällig wäre, wenn der Sprecher und der Hörer das Gleiche meinen würden. Luhmann sagte sogar, dass man gar nicht kommunizieren könne, oder wenigstens dass Kommunikation extrem unwahrscheinlich sei. Konstruktivistisch gesehen macht jeder sein eigenes Thema. In gewisser Weise erkenne ich im Dialog ein konstruktivistisches Gespräch."

Brigitte sagte: "Ich weiss nicht, was Konstruktivismus ist, und Luhmann kenne ich auch nicht. Und den Sprechstab habe ich jetzt auch nicht, aber ich vermute, dass eine reine Verstehensfrage immer erlaubt ist, oder?"

Renate schaute Brigitte an und sagte: "Ich will nochmals etwas Moderierendes sagen. Im Dialog kann ich auch keine Verständnisfrage an jemanden richten, weil ich so ein Zweiergespräch anfange, wie wir jetzt gerade gesehen haben. Im Dialog muss ich warten, bis der andere es wichtig genug findet, seine Fremdwörter zu erklären. Meiner Erfahrung nach verpasse ich damit selten etwas. Wenn ich einen Begriff wie Konstruktivismus nicht kenne, wird er entweder nicht wichtig sein oder ohnehin noch zur Sprache kommen. Ich muss das nur abwartend aushalten. Umgekehrt, und das ist ja gerade das Wichtige, zwinge ich so niemanden, über etwas zu sprechen, was er vielleicht selbst nicht recht versteht."

Heiner hielt den Stab hoch und sagte: "Ich benutze keine Fremdwörter, die ich nicht kenne, ich weiss, was Konstruktivismus ist. Und gerade deshalb kann ich diesen Dialog auch sehr gut verstehen, weil ich ihn eben konstruktivistisch interpretieren kann. Ich wollte nur auf diesen Zusammenhang hinweisen, weil dieser Dialog, der offenbar einigen Leuten ganz konfus vorkommt, für mich total Sinn macht. Diese Regeln und dass wir kein Thema haben, passen eben gut zur Vorstellung, dass Kommunikation ohnehin sehr unwahrscheinlich ist. Ich finde, das wird hier ja auch sehr schön sichtbar. Wir bemühen uns doch schon beachtlich lange ohne grossen Erfolg, oder?"

Peter sagte: "Ich meine, wir könnten ziemlich gut kommunizieren, wenn wir es uns nicht mit komischen oder konstruktivistischen Regeln schwer machen würden." Er winkte ab und sagte: "Entschuldigt bitte, dass ich schon wieder damit angefangen habe, aber ..."

Renate stand auf. Sie nahm den Stab von Heiner und sagte: "Die Regeln sind nicht so wichtig, wichtig ist die Haltung, die hinter diesen Regeln steckt oder die sich hinter diesen Regeln versteckt. Ich schlage vor, dass wir jetzt aufhören, nur über die Regeln zu sprechen und uns mehr auf den Dialog einlassen. So lernen wir vielleicht mehr über den Dialog, als wenn wir den Dialog noch lange so analytisch zerlegen. Wir können ja nach dem Dialog noch etwas über unsere Erfahrungen im Dialog sprechen." Sie setzte sich wieder und fuhr weiter: "Ich erzähle Euch einmal, womit ich mich in letzter Zeit unter anderem beschäftige. Wir wohnen in einem Quartier, in welchem eigentlich die besten Voraussetzungen für eine gute Nachbarschaft gegeben sind. Die Häuser sind etwas speziell, nicht ganz billig, aber auch keine Prestigeobjekte. Es gibt eine Eigentümerversammlung, weil einige gemeinsame Kosten anfallen und manchmal irgendwelche Entscheidungen getroffen werden müssen. Es geht dabei nicht um riesige Sachen oder riesige Beträge, weil das alles schon durch die Verträge geregelt ist. Man könnte das ohne weiteres so sehen, dass diese Versammlung der Beziehungspflege unter Nachbarn dient. Bislang sind diese Versammlungen aber immer ziemlich komisch verlaufen. Es gab beispielsweise schon mehrere Vorschläge, wie man irgendwelche Details reglementieren könnte, obwohl in den Eigentümerstatuten schon alles Denkbare reglementiert ist. Wir haben deshalb vorgeschlagen, die Versammlungen etwas informeller zu gestalten, mit einem Grill und etwas Wein. Das wurde aber abgelehnt. Eine kleine Grillparty könne man ja jederzeit machen, aber diese Versammlung müsse sachlich bleiben. Ich will das alles hier nicht weiter ausmalen, ich will Euch mehr erzählen, was mich daran so bewegt. Wenn wir es nicht schaffen, in so kleinen kulturell relativ homogenen Einheiten einen Dialog zu führen, wie sollten wir es schaffen, einen interkulturellen, interkonfessionellen, globalen Dialog zu führen? Ich denke in letzter Zeit sehr oft über diese Frage nach und dieses Dialogverfahren hat mich noch mehr sensibilisiert."

Peter nahm das Rederecht zu sich und sagte: "Das finde ich eine interessante Frage. Man könnte sie noch etwas zuspitzen: Wenn es nicht einmal unter zehn Nachbarn mit einem immerhin gemeinsamen Interesse gelingt, einen Dialog zu führen, wie sollten da die Amerikaner und die Iraker oder die Iraner einen Dialog führen können? Und wenn ich mir jetzt noch vorstelle, man würde denen die Dialogregeln, die hier vorgestellt wurden, vorsetzen, dann würde ich ganz schwarz sehen, was ich für die ja ohnehin tue."

Emil sagte ohne den Sprechstab zu holen: "Wenn Vertreter von Regierungen in einer offiziellen Sache zusammen kommen, gibt es immer ein Protokoll, das zuvor ausgehandelt wurde. Da werden nicht nur Regeln abgemacht, sondern sogar, wer was sagen darf und vor allem, was nicht. Mich erinnern diese Dialogregeln sehr an solche Diplomatenprotokolle, in welchen alles nach Vereinbarungen läuft. Vielleicht ist das nur ein Zufall, aber diese Gespräche zwischen Regierungen, speziell zwischen kriegsführenden Regierungen, werden ja sehr oft als Dialoge bezeichnet."

Andreas fügte, auch ohne den Stab zu holen, an: "Ja, und dann heisst es oft auch noch, Dialog ja, aber Verhandlung nein, was ja auch noch auf eine ganz andere Grenze dieses protokollisierten Dialoges verweist. Vielleicht ist es gerade so, dass Dialoge in auswegslosen Situationen gesucht oder eher gewünscht werden. Eben dort, wo Diskussionen zu nichts mehr führen, wie in Nachbarschaften, wenn es scheinbar um den Waschküchenschlüssel geht."

Renate nahm noch einen Anlauf: "Vielleicht könnten wir gemeinsam nach Dialogsituationen suchen. Dabei geht es mir weniger um gelungene Dialoge als darum, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie relevant der Dialog in der Praxis wäre. Unsere Nachbarschaft scheint mir ein praktischer Ort, wo ich mich für den Dialog einsetzen kann, gerade weil er noch nicht funktioniert. Es ist wohl klar, dass ich damit kein politisches Geplänkel meine, sondern ein Gespräch. Wir können hier Erfahrungen sammeln und austauschen darüber, wie wir Dialoge in Gang bringen. Ich glaube, es geht dabei nicht um Themen, sondern um Orte oder um Verhältnisse oder um Beziehungen."

Heiner sagte: "Also ich will einen konstruktiven Beitrag leisten. Ich habe das so verstanden, dass wir uns über unsere Erfahrungen erzählen und darüber, wie wir mit diesen Erfahrungen umgehen, und was wir dann dabei erfahren. Ich hatte schon als Kind sehr oft das Gefühl, dass die Wirklichkeit sehr oft recht seltsam ist, oft so wie bei Alice im Wunderland, obwohl ich das Buch damals noch nicht kannte. Wenn ich meiner Mutter aber etwas davon erzählen wollte, sagte sie immer, dass ich ein Träumer sei, ein Tagträumer mit Hirngespinsten. Das hat mich ihr ziemlich entfremdet, sie hat mich - ich fühlte mich in solchen Dingen nie ernst genommen. Heute nehme ich an, dass sie selbst ganz ähnliche Erfahrungen gemacht hatte wie ich, diese Erfahrungen aber verdrängen musste. Sie hatte Angst, weil sie sich das alles nicht erklären konnte. Als Kind wusste ich natürlich noch nicht, dass man in unserer Gesellschaft nicht über alles sprechen darf. Erst mit der Zeit dressierte mich meine Mutter, sie sagte mir jeweils, wann und wo und wie ich vernünftig sein ..."

Brigitte fragte: "Von was für Erfahrungen sprichst Du?"

Heiner antwortete: "Ich will das jetzt nicht weiter ausführen, obwohl ich es extrem interessant finde. Die meisten Menschen kennen das, wovon ich erzähle, als Träume. Es geht natürlich nicht darum, ob das Träume sind, oder darum, wie wirklich die Träume sind, sondern mehr darum, dass sich die meisten Menschen auch im Traum nicht getrauen, sich mit ihren Erfahrungen auseinanderzusetzen. Darüber sollten wir einmal sprechen. Also bei mir wurde die Sache immer komplizierter. Eines Tages brachte man mich in den schulpsychiatrischen Dienst und dann hat man mir Pharmaka verschrieben. Aber hauptsächlich hat man mir gedroht und mich gezwungen, normal zu sein. Meine Mutter hatte sich dazu Verbündete genommen. Meine Lehrer und der Psychiater wussten ohnehin ganz genau, wie die Welt wirklich ist und was normal ist. Und ich musste quasi wie ein Schauspieler ein normales Kind spielen. Das ist mir dann mehr oder weniger gut gelungen, es war aber immer ziemlich anstrengend und hat mir oft Kopf- oder Magenschmerzen gemacht. Ich erkannte aber immer mehr, dass ganz viele Menschen auch schauspielten, also sich gegenseitig vormachten, normal zu sein. Als ich dann an der Uni studierte, wurde es wieder schlimmer, weil ich nicht mehr so gut verdrängen konnte. Meine Kopfschmerzen wurden chronisch und ich konnte mich immer weniger konzentrieren. Oft blieb ich am Morgen einfach im Bett liegen. Ich wurde richtig depressiv, das Normalsein machte mich krank."

Brigitte fragte: "Bitte entschuldige, wenn ich Dich unterbreche. Aber wie hast Du denn gemerkt, dass Dich das Normalsein krank macht? Dieser Gedanke ist mir keineswegs fremd. Ich habe das nur noch nie so klar gehört."

Heiner antwortete: "Ich erzähle Euch lieber, wie ich wieder gesund wurde. Ein Zufall brachte mich zur buddhistischen Meditation und diese brachte mich auch zur buddhistischen Lehre. Dabei erkannte ich, dass ich nicht verrückt bin, dass ganz viele Menschen Visionen und Erscheinungen haben, und dass es vielleicht eher verrückt ist, an einer gegebenen stabilen Welt festzuhalten. Schliesslich bin ich auch auf die konstruktivistische Literatur gestossen und habe erkannt, dass auch bei uns im Westen über die Wirklichkeit nachgedacht werden darf. Bei mir lief eine Zeitlang alles etwas zweigleisig, sozusagen östlich und westlich. Dann war ich ein paar Wochen in einem Kloster und der Meister dort sagte mir, dass es diese beiden Geleise nur in meiner Verwirrung gebe. Jetzt kann ich immer besser sehen, dass wir verschiedene Sprachen haben, um derselben Erfahrung Ausdruck zu geben. In unserer westlichen Welt bietet mir der Konstruktivismus eine passende Sprache. Ihr seht ja, dass es mir mittlerweile wieder viel besser geht. Für mich war die Vorstellung, dass es keine Wirklichkeit gibt, eine richtige Befreiung". Er machte eine Pause, aber niemand ergriff das Wort. Dann fuhr er weiter: "Ich würde gerne mehr darüber erzählen, aber ich weiss nicht, ob Euch das interessiert. Hier habe ich nur damit angefangen, damit Ihr sehen könnt, dass ich nicht abstrakt über den Konstruktivismus spreche, sondern über für mich sehr wichtige Erfahrungen. Ich finde, es passt sehr gut zum Dialog, davon auszugehen, dass es keine Wirklichkeit gibt. Dann müssen wir nämlich nicht darüber streiten, wer Recht hat. Unser Problem war ja die Frage, wer was hört. Und da ich davon ausgehe, dass jeder selbst bestimmt, was er hört, gefällt mir die Idee mit dem Büfett eben sehr gut. Ich finde, dass diese Regeln eigentlich nur sagen, was der Konstruktivismus auch sagt." Er machte wieder eine Pause. Dann legte er den Stab zurück und sagte dabei: "Ich verstehe aber auch, dass diese Regeln Mühe machen, denn der Konstruktivismus macht ja auch vielen Menschen Mühe. Wohl all jenen, die die Wirklichkeit nicht loslassen können."

Ich habe nicht verstanden, warum Renate daraufhin sagte: "Vielleicht war das alles etwas viel für das erste Mal. Ich schlage vor, dass wir nach einer kurzen Pause noch eine Feedbackrunde machen, in welcher wir unsere Dialogerfahrungen reflektieren. Ich glaube das ist sinnvoll, obwohl oder gerade weil wir heute nicht sehr weit gekommen sind."

Renate selbst eröffnete dann auch diese Reflexionsrunde. Sie sagte: "Ich habe unseren Dialog etwas zwiespältig erlebt, das hat vielleicht etwas damit zu tun, dass diese Form des Dialoges für die meisten von uns neu und etwas unüblich ist. Wir sind, ich meine, ich bin einfach noch nicht so gewöhnt, dialogisch zu sprechen. Das braucht etwas Übung, wenn man aus unserer Alltagswelt der Diskussionen kommt. Aber ich hatte in dieser Runde ein sehr gutes Gefühl, ich habe wahrgenommen, dass der Unterschied, also das Spezielle des Dialoges von allen erkannt worden ist. Ich habe gelesen und teilweise auch selbst erfahren, nicht nur hier, dass es am Anfang manchmal etwas harzig und teilweise etwas frustrierend ist. Aber das ist ja beim Skifahren auch so, die guten Schwünge im Tiefschnee gelingen nicht auf Anhieb, oder? Ich möchte Euch jedenfalls herzlich danken dafür, dass Ihr die Einladung angenommen habt und dafür, dass Ihr mit mir zusammen durchgehalten habt."

Lisa sagte, ohne den Stab zu holen: "Ich finde, wir sind sehr weit gekommen. Ich habe jedenfalls viel über den Dialog gelernt, oder sagen wir, gehört. Ich muss wohl noch etwas nachdenken, bevor das Gelerntes wird. Aber mir hat gefallen, wie Du uns zum Dialog geführt hast, also dass wir vieles selbst erarbeiten mussten."

Peter sagte: "Ich gehe jetzt davon aus, dass ich jetzt ohne diesen Stab sprechen darf und keine Ich-Sätze machen muss." Renate nickte kaum sichtbar. Peter sagte: "Also dann, ich weiss echt nicht, wozu diese Regeln gut sein könnten. Bis jetzt habe ich nur gesehen, dass sie jedes vernünftige Gespräch verhindert haben. Da Du uns aber zu diesem Spiel eingeladen hast, wirst Du andere Erfahrungen haben. Bitte erzähle uns doch einmal, wie so ein Dialog denn verlaufen sollte - wenn die harzige Anfangsphase einmal vorüber ist!"

Renate antwortete: "Ich hätte lieber, wir würden jetzt über unsere Erfahrungen sprechen, die wir hier jetzt zusammen gemacht haben. Jetzt gelten keine Dialogregeln, aber ich beobachte natürlich trotzdem mit einer Dialog-Brille, was hier gesprochen wird. Du, Peter, hast jetzt beispielsweise ganz deutlich nur mich angesprochen und mich zu etwas aufgefordert. Ist Dir bewusst, dass Du mich damit verhörst und bedrängst?"

Peter entgegnete: "Ach komm, ich bitte Dich um Verzeihung, aber jetzt lieferst Du doch genau diesen Psychologensch.., der jedes Gespräch kaputt macht, indem solange noch eine Metaebene thematisiert wird, bis niemand mehr weiss, worüber man sprechen wollte. Genau so habe ich eben den Dialog mit Deinen Regeln erlebt. Wenn mich jemand fragen würde, worüber wir den gesprochen haben, könnte ich keine rechte Antwort geben."

Mehrere Leute ergriffen gleichzeitig das Wort. Nach einem kurzen Wirrwarr sagte dann Lisa: "Also ich will jetzt nicht harmonisieren, ich will nur sagen, dass ich es auch etwas kompliziert finde, aber wir haben ja erst gerade angefangen. Mir gefallen der Sprechstab und die Idee mit der Klangschale, ich finde, wir sollten das noch etwasweiter machen, wir könnten uns doch noch einige Male treffen."

Ich sagte: "Mir ist vor allem aufgefallen, wie diese paar Regeln, die, wie ich dachte, kaum der Rede wert sind, uns total in Beschlag genommen haben. Ich bin immer noch ganz konfus, irgendwie erschüttert. Die Bezeichnung Kindergarten passt irgendwie, ausser dass es wohl in keinem Kindergarten so zu und her geht. Ich komme mir jedenfalls etwas kindisch vor; ich, nicht die Regeln." Und an Renate gerichtet fuhr ich weiter: "Ich verstehe auch nicht, warum wir den Dialog unterbrechen müssen, wenn wir über unserer Erfahrungen mit dem Dialog sprechen wollen. Das können wir doch auch im Dialog tun - oder wir haben es doch jetzt in gewisser Weise immer getan."

Renate antwortete: "Ich habe gelernt, dass bewusste Schlussrunden nach dem Dialog sinnvoll sind, es geht auch darum, wieder bewusst in den Alltag zurückzufinden." Peter sagte sofort: "Ich glaube, jetzt noch mehr als vorher, ein Dialog muss nicht Regeln, sondern ein Thema haben." Renate antwortete ziemlich laut: "Hör mal Peter, ich habe Dich zu diesem Dialog eingeladen. Deine relativ skeptische Haltung und Dein Vorwissen, darüber, was ein Dialog wirklich ist, haben viel zum Verlauf des heutigen Abends beigetragen. Ich bitte Dich zu bedenken, dass das ein Wagnis für mich war und natürlich auch für Euch. Vielleicht könnten wir diese Runde einfach damit beschliessen, dass alle sagen, was sie erlebt haben."

Die meisten schauten vor sich auf den Boden. Schliesslich sagte ich: "Mir ist noch nie so bewusst geworden wie in dieser Stunde, wie oft wir aneinander vorbei sprechen." Peter lachte laut. Deshalb fügte ich an: "Peter, ich glaube, das ist ein Stück weit Dein Verdienst, allerdings ist mir Dein Verhalten vor allem wegen diesen Dialogregeln so aufgefallen. Das tönt vielleicht etwas blöd, aber ich meine es ernst, ohne Deine ziemlich penetranten Störungen hätte ich den Sinn des Dialoges vermutlich viel weniger gut begriffen. Mein Instinkt drängt mich, das habe ich realisiert, ich kann sogar sagen, er zwingt mich, jedes Sprechen auf ein Verstehen auszurichten. Ich will fast zwanghaft verstehen und verstanden werden. Heute habe ich gemerkt, dass das zwanghaft ist. Ich könnte jetzt wohl eine Psychotherapie brauchen."

Heiner sagte: "Wenn ich etwas Blödes sagen darf, ich habe heute beobachten können, dass dieser Dialog genau auf dieser Ebene eine riesige Chance bietet. Mir ist bei Euch aufgefallen, was mich fast mein ganzes Leben lang plagte, nämlich diese unsinnige Vorstellung, man müsse die andern verstehen." An Renate gewendet fügte er an: "Ich danke Dir, dass Du das mit uns riskiert hast. Ich überlege die ganze Zeit, ob es nicht einen etwas sanfteren Weg geben könnte, als einfach ins kalte Wasser zu springen. Vielleicht hätten wir vorgängig das Buch lesen sollen, von dem Du am Anfang gesprochen hast? Vielleicht wären wir dann besser vorbereitet gewesen?"

Renate antwortete: "Ich glaube, dass das nicht ... Nein, eigentlich möchte ich jetzt keine Diskussion darüber, wie es besser gewesen wäre. Ich würde einfach gerne hören, was Ihr über die letzten zwei Stunden denkt und vor allem, was Ihr gespürt oder erlebt habt."

Elmar, der so weit ich mich erinnern konnte die ganze Zeit kein einziges Wort gesagt hatte, sagte: "Mir hat es ausserordentlich gut gefallen, wenn Du so etwas wieder anbieten würdest, würde ich sehr gerne wieder kommen." Lisa sagte sofort: "Wie ich schon sagte, ich wäre auch gerne wieder dabei."

Nachdem Brigitte gesagt hatte, dass sie darüber erleichtert sei, dass nicht nur sie Mühe mit diesen Spiel hatte, zog Renate schliesslich Bilanz: "Ich freue mich, dass Ihr - oder jedenfalls einige von Euch - gerne weitermachen würdet. Daraus lese ich, dass Ihr einen Sinn im Dialog sehen könnt. Wir haben heute natürlich noch nicht sehr viel über den Dialog nachdenken können, weil wir ja zuerst mit der Neuheit dieser Idee überhaupt oder mit den vielen Regeln klarkommen mussten." Sie zeigte uns nochmals das Buch von David Bohm, auf welches sie sich bezogen hatte, und fuhr weiter: "Also ich habe dieses Buch erst gelesen, als ich schon einige Erfahrungen gesammelt habe. Ich glaube, es ist eine Frage des Typs, manche Leute lesen gerne, andere sind mehr an der Praxis orientiert. Ich weiss nicht, wie es bei Euch ist. Deshalb zeige ich Euch das Buch noch einmal. Aber ich setze in Dialogen natürlich nie voraus, dass jemand dieses oder irgendein Buch gelesen hat. Sowieso, weil ich ja auch anders zum Dialog gekommen bin. Es gibt immer verschiedene Wege." Sie gab das Buch Brigitte, die neben ihr sass und sagte: "Ihr könnt ja noch schnell reinschauen, wenn es Euch interessiert. Ich will noch kurz etwas anderes sagen. Der Dialog macht ja eigentlich keine Voraussetzungen, aber natürlich müssen Menschen zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort zusammenkommen. Ich war einfach so beeindruckt von der Idee, dass ich ohne grosse Pläne und Zielsetzungen einfach einmal anfangen wollte. Ich habe also nicht viel überlegt oder gar organisiert, sondern einfach alle Leute, die ich kenne, angesprochen und für heute eingeladen. Ich wusste natürlich auch nicht, wer dann wirklich kommt und was passieren würde. Wenn wir jetzt irgendwie weitermachen wollen, müssen wir das organisieren. Ich schlage vor, wir gehen noch etwas trinken und sprechen dort darüber, wie man das organisieren könnte. Wer jetzt nicht mehr mitkommen kann oder will, bekommt dann von mir eine Nachricht. Wir sollten jetzt hier ohnehin raus, weil der Raum nur bis halb zehn Uhr reserviert ist. Wenn niemand einen anderen Vorschlag hat, könnten wir in den Vorbahnhof gehen, der ist nahe beim Bahnhof."

* * *

Im Restaurant Vorbahnhof waren wir dann noch sieben. Renate sagte ins Sprechwirrwarr hinein: "Also ich habe mir wirklich noch nichts überlegt. Ich glaube, wir müssten eine gewisse Regelmässigkeit hineinbringen, damit es funktionieren könnte." Peter sagte: "Klar, die Organisation des Dialoges braucht Regeln. Da würde sogar ich zustimmen. Wir könnten uns beispielsweise wöchentlich treffen, immer donnerstags, heute ging es ja allen." Ich war ziemlich erstaunt, dass ausgerechnet Peter so viel Dialog suchte. Elmar sagte: "Ich dachte eher an einmal im Monat, oder vielleicht auch jeden zweiten Monat, dafür sollten wir uns dann wirklich den ganzen Abend reservieren." Renate sagte: "Wir müssen vor allem auch einen Raum haben. Den Raum heute an der Uni habe ich ja nur bekommen, weil eine andere Veranstaltung ausgefallen ist. Und wir wissen noch nicht, wie viele Leute dann wie oft kommen. Die Organisation gibt schon etwas zu tun und zu überlegen. Der Dialog ist ganz einfach, aber die Organisation der Veranstaltung nicht unbedingt - oder eigentlich doch auch, aber man muss es eben tun."

Lisa fragte Renate: "Was ich eigentlich schon lange fragen wollte, wo bist denn Du im Dialog gewesen? Wie bist Du dazu gekommen und war das eine einmalige Geschichte wie heute, wenn wir nicht weiter machen würden?"

Renate antwortete: "Das war in München. Ich ging zu einer Konferenz über lernende Organisationen, weil wir ja eine solche Veranstaltungsreihe organisieren wollten. Also da waren ein paar berühmte Leute aus dem Umkreis von Peter Senge, die allerhand neue Methoden vorstellten, open space und solche Sachen und einer sprach eben über den Dialog. Das heisst, er sprach eben nicht darüber, sondern machte einen Workshop und das lief dann eigentlich ziemlich ähnlich wie heute bei uns. Damals erklärte ich mir den etwas umständlichen Anfang damit, dass die Leute ja an eine Konferenz gekommen waren und vielleicht etwas anderes erwartet hatten. Aber mittlerweile weiss ich, dass die Leute immer etwas anderes erwarten, egal wohin sie kommen. Der Workshop in München war dreiteilig. Den ersten Teil, wohl eine Einführung habe ich verpasst. Der zweite Teil war eine praktische Übung, um das Dialogprinzip kennenzulernen, und am Nachmittag gab es dann einen Dialog zum Thema „Kommunikation in Lernenden Organisationen“. Es ging darum, Kommunikationsmodelle zusammenzutragen, wobei eben keine fertigen Modelle präsentiert, sondern kollektiv Modelle entwickelt wurden. Wenn Ihr das Buch von David Bohm lest, seht Ihr schnell, dass die wesentliche Funktion des Dialoges in einem kollektiven Denkprozess besteht, der weit über die individuellen Möglichkeiten der Beteiligten hinausgeht. Mich interessierte aber der Dialogprozess plötzlich viel mehr als das, worüber wir sprachen. Und das ging nicht nur mir so. Am Schluss dieses Seminarblockes sagten einige der Teilnehmenden, dass sie gerne noch einen weiteren Dialogteil machen möchten. Das war für die Organisatoren etwas kompliziert, weil sie schon die ganze Zeit mit Referaten verplant hatten. Schliesslich trafen wir uns am späten Abend nochmals zu einer Dialogrunde. Dort wurden dann aber vor allem die Hintergründe erklärt, es war eigentlich kein Dialog mehr, eher eine Vorlesung, die auf viele Fragen einging. Aber interessant war es schon. Jedenfalls habe ich danach das Buch gekauft, nur gelesen habe ich es dann immer noch nicht."

Ich fragte Renate: "Und wie bist Du denn auf die Idee gekommen, mit uns einen Dialog zu versuchen? Ich weiss ja noch nicht, was in dem Buch steht, aber ich finde wunderbar, dass Du das mit uns so informell einfach gemacht hast. Wird das im Buch so vorgeschlagen oder haben die in München das so vorgeschlagen?"

Renate antwortete: "Ich weiss jetzt nicht mehr, wer was gesagt hat. Das gehört wohl mit zum Dialog. Ich weiss nur noch, was ich behalten habe, und dass ich eben motiviert war und bin, den Dialog selber weiter zu erforschen. Vor München habe ich nie etwas von solchen Dialogen gehört, aber seit ich weiss, dass es diesen Dialog gibt, scheint es ihn überall zu geben. Ich besuchte jedenfalls noch weitere Dialogveranstaltungen, die aber ziemlich verschieden waren, obwohl sie sich auch auf das Buch von David Bohm bezogen. Erst dann habe ich angefangen, im Buch herumzulesen weil mich überraschte, wie verschieden das Buch gelesen wird, obwohl das nach dem Dialog ja gerade nicht überraschen sollte."

Peter sagte: "Ein bestimmtes Potential sehe ich in diesem Verfahren schon. Aber mir scheint, wir müssen das nicht erforschen, wenn es andere schon getan haben. Ich schlage vor, dass Du nächstes Mal einen kleinen Vortrag über das machst, was Du schon weisst, aus dem Buch und von den Veranstaltungen. Das wäre vermutlich ziemlich viel effizienter, als was wir heute gemacht haben."

Elmar sagte: "Effizienter schon, aber wohl nicht so effektiv. Vorträge haben mich jedenfalls noch nie so reingenommen, wie jetzt dieses kleine und nicht einmal sehr geglückte Experiment."

Renate sagte: "Also mir ist es eben auch so gegangen, damals im München. Von den Vorträgen weiss ich praktisch nichts mehr, obwohl es gute Vorträge waren. Aber dieser Workshop hat mich verändert und das ist immer noch sehr deutlich in meinem Gedächtnis. Es hat etwas gemacht mit mir. Danach konnte ich sogar den Vortrag über den Dialog halbwegs so anhören, dass ich noch einiges davon weiss."

Peter sagte: "Also ich glaube bei ganz vielen Menschen ist das anders. Für uns ist es effizient und effektiv, wenn wir zuerst eine Einführung bekommen und dann vielleicht etwas probieren können. Sonst müsste man ja gar keine Vorträge machen."

Renate sagte: "Ja, vielleicht ist es für verschiedene Menschen sehr verschieden. Ich kann nur über mich sprechen. Und ich habe es vorgezogen, mit Euch einen Dialog anzufangen, statt Euch zu erzählen, was ein Dialog ist. Wir sind ja in der glücklichen Lage, dass es ein Buch gibt, in welchem alle, die das effizient finden, nachlesen können. Wir haben beide und noch weitere Wege. Ich musste für Euch nicht den richtigen Weg finden, weil Ihr selber am besten wisst, was Ihr braucht. Ich musste mich nur für den heutigen Anlass entscheiden. Und dabei habe ich ganz auf mich gehört, also nicht auf statistische Vorstellungen darüber, was für die Menschen gut ist. Wenn Du weiter mitmachen willst, kannst Du", sagte sie an Peter gerichtet, "ja mal schauen, wie sich das Buch zusammenfassen liesse, oder was wir allenfalls falsch oder nicht so effizient machen. Ich kann Dir das Buch gerne ausleihen". Sie kramte in ihrer Tasche und legte dann das Buch auf den Tisch, wie wenn sie nicht sehr daran hängen würde.

Peter griff nach dem Buch und sagte: "So habe ich es eigentlich nicht gemeint. Aber ich kann ja mal anfangen zu lesen und wenn es mich dann packt, erzähle ich Euch gerne etwas davon. Aber versprechen will ich nichts."

Lisa sagte: "Ich will gar keine Vorträge hören. Wenn Du gesagt hättest, dass Du heute Abend einen Vortrag gibst, wäre ich nicht, oder nur Dir zuliebe gekommen. Aber ich würde gerne noch etwas über München hören und wie es dort gelaufen ist. Vielleicht können wir ja davon Nutzen ziehen für unseren Dialog. Wir machen doch weiter?"

Renate antwortet: "Von München erzähle ich Dir später oder wenn es sich ergibt, in einem Dialog. Für unseren Dialog bräuchten wir einen Termin und einen Raum. Ich glaube, beides ist nicht ganz einfach, aber wir fangen wohl besser mit dem Raum an. Ihr habt ja gesehen, wir brauchen ein paar Stühle und weiter nichts. Wo könnten wir uns treffen? Hat jemand eine Idee?"

Es gab viele Ideen und Vorschläge und wir einigten uns darauf, zunächst monatlich eine Dialogveranstaltung durchzuführen. Elmar sagte, er würde einen Raum besorgen. Zur Not könnten wir uns im Sitzungszimmer seiner Firma treffen, er werde aber sicher noch etwas Geeigneteres finden. Jeder von uns sollte etwas Reklame machen. Peter sagt: "Also ich komme gerne, aber wie ich dafür Reklame machen könnte, ist mir noch schleierhaft. Soll ich den Leuten erzählen, dass wir einen Dialog über Dialogregeln machen?" Renate sagte: "Also ich mache es so wie bei Euch. Ich lade einfach alle ein, die ich kenne, wenn ich ihnen begegne. Wenn sie fragen, worum es geht, sage ich, das würden sie eben sehen, wenn sie kommen. Ich sage einfach, dass es mir gefällt, eben wie ich es bei Euch gemacht habe. Das habe übrigens nicht ich erfunden. Es passt meiner Meinung nach perfekt zum Dialog, da man ja nicht voraus festlegen kann, wie der Dialog sein wird. Das ist eben das Risiko einer Begegnung. Oder das Vertrauen, das wir geben und bekommen im Dialog."

Ich sagte: "Ich kann einen e-mail-Versand machen, wenn Ihr mir passende Adressen schickt, die Ihr habt. Ich mache dann einfach eine Art Rundschreiben mit dem Ort und Termin und schreibe, dass alle eingeladen sind". Lisa sagte: "Dann sind wir plötzlich hundert Leute." Renate sagte: "Das Optimum soll bei etwa vierzig Teilnehmenden liegen, aber ich befürchte eher, dass niemand kommt, als dass so viele Leute kommen. Ich finde die Idee mit den e-mails gut." Wir verblieben eigentlich recht unverbindlich. Aber in der darauf folgenden Zeit bekam ich hin und wieder mail-Adressen und dann eine Ankündigung von Elmar, der einen Bibliotheksraum an einem Institut einer Fachhochschule reservieren konnte, weil er dort zeitweise unterrichtete, und mit Renate einen monatlichen Termin abgesprochen hatte.

4 Fragen im Dialog

Wir trafen uns etwa einen Monat nach der ersten Dialogveranstaltung in dieser Bibliothek, die offenbar auch sonst als Arbeitsraum genutzt wurde. Elmar hatte etwa zwanzig Stühle in einen Kreis gestellt und Renate brachte ihre Dialogutensilien wieder mit und legte sie in die Mitte des Kreises. Elmar sagte laut, weil die meisten noch in kleineren Gruppen standen: "Lasst uns anfangen." Wir setzten uns. Viele Stühle blieben leer, es waren nur wenige mehr gekommen als das erste Mal, aber ein paar Gesichter waren neu. Renate sagte: "Komm wir stellen die leeren Stühle weg". Als wir im Kreis sassen, sagte Elmar: "Wie Ihr seht, haben wir einen Ort und eine Zeit für einen Dialog gefunden. Ich freue mich, dass es geklappt hat und offenbar den meisten im Prinzip so geht."

Renate holte den Sprechstab aus der Mitte, setzte sich wieder und sagte: "Auch ich begrüsse Euch herzlich zum Dialog. Wie ich sehe, sind ein paar neue Leute da, das freut mich sehr. Ich habe noch ein paar Leute, die auch interessiert sind, aber den Termin nicht frei hatten. Aber das wäre wohl bei jedem Termin so. Ich sage zuerst noch einmal ganz kurz, worum es in diesem Dialog geht, aber ich will keine eigentliche Einführung machen. Ich schlage eher vor, dass Ihr alle gerade anfügt, was Ihr für wichtig hält. Also. Zuerst das, was uns letztes Mal und vielleicht auch heute viel zu schaffen gegeben hat: Wir haben Dialogregeln, wir haben drei, später gibt es noch mehr. Erstens sprechen wir in die Mitte des Kreises, also nicht zu einzelnen Personen, die hier sind. Zweitens spreche ich in der Ich-Form, ich spreche über mich und über meine Wahrnehmungen und nicht über andere Personen und nicht über die Wirklichkeit. Und drittens darf nur sprechen, wer diesen Sprechstab in den Händen hat." Dabei hielt sie den Stab hoch. "Ich will jetzt diese Regeln nicht genauer erläutern." Sie schaute die Neuen an und sagte: "Vielleicht habt Ihr ja schon etwas mehr darüber gehört und wenn nicht, macht das auch nichts, Ihr merkt dann schon, wie es geht. Eigentlich ist es für alle noch neu. Ich finde auch wunderbar, dass wir diesen Raum benutzen können. Ach, das noch. Ich habe mit Elmar abgemacht, dass wir uns vorerst einmal pro Monat treffen, immer am zweiten Dienstag im Monat. Wir haben das mal so festgelegt, aber wir können das jederzeit ändern, Raum, Zeit und Häufigkeit, alles - wenn es uns und zusammenpasst. Und Rolf verschickt jeweils Einladungsmails. Und bringt Leute mit, je mehr desto besser."

Sie hielt den Sprechstab noch etwas in den Händen ohne etwas zu sagen. Als sie ihn zurücklegte, schoss Peter förmlich nach vorne. Er packte den Stab und sagte noch im Stehen: "Renate hat mir ja letztes Mal aufgetragen, das Buch von Bohm zu lesen und hier dann eine kurze Zusammenfassung zu geben. Ich glaube, es ist sinnvoll, wenn ich das gleich zu Beginn mache, dann sind auch die Neuzuzüger auf dem Stand der Dinge." Er schaute in die Runde und schien auf Zustimmung zu warten. Lisa ging in die Mitte und schlug ziemlich kräftig auf die Klangschale und setzte sich wieder. Peter stand immer noch und schien ziemlich verwirrt. Er schaute Renate an und wartete. Ich konnte nicht erkennen, ob er auf das Ausklingen der Klangschale wartete oder darauf, dass Renate etwas sagen würde. Der Klang der Schale verschwand, ohne dass ich erkennen konnte, wann er nicht mehr da war. Ich glaube, wir alle schauten auf Renate, sie sagte aber nichts. Schliesslich sagte Peter: "Ich verstehe jetzt wieder nicht, was hier läuft. Soll ich nun meine kurze Einführung in das Buch geben oder nicht?" Lisa sagte: "Lieber Peter, ich verletze jetzt wieder einmal alle Regeln, ich spreche zu Dir und ich habe den Sprechstab nicht und ich spreche nicht über mich: Du musst den Sprechstab in die Mitte legen, wenn die Klangschale angeschlagen wird. Und absitzen solltest Du ohnehin. Dann könnte jemand von uns ..." Peter zuckte die Achseln, legte den Stab zurück und setzte sich. Niemand holte den Stab. Wir sassen im Kreis und schwiegen.

Nach wirklich langer Zeit, es muss mehr als eine Minute vergangen sein, nahm Elmar den Stab und sagte ohne sich zu setzen: "Ich finde, wer die Schale anschlägt, sollte nachher auch sagen, warum er das getan hat. Vielleicht habe ich das mit der Schale auch noch nicht richtig verstanden, dann sollte Renate uns noch etwas über diese vierte Spielregel aufklären." Er legte den Stab zurück und setzte sich. Lisa holte den Stab ohne Eile und setzte sich bevor sie sagte: "Ich habe das mit der Klangschale so verstanden: Wenn mich etwas ernsthaft stört, kann ich die Schale klingen lassen. Das ergibt dann eine Art time-out, in welchem ich darüber nachdenken kann, was mich stört und weshalb. Und unbescheiden wie ich nun einmal bin, glaube ich, dass die andern dann auch darüber nachdenken können, was gerade läuft." Sie legte den Stab zurück.

Peter holte den Stab und betrachtete ihn ganz demonstrativ. Dann sagte er: "Erstens habe ich von einem solchen Stab im Buch von Bohm gar nichts gelesen und von der Klangschale auch nichts. Ich glaube, das Buch richtet sich mehr an Erwachsene als an Kindergartenschüler. Ich weiss gar nicht, woher Du die Idee mit diesem schlauen Sprechstab hast, aber vielleicht hat er ja am Anfang einen bestimmten Sinn. Das will ich nicht beurteilen. Ich wollte eigentlich nur erzählen, dass mir das Buch ziemlich anders vorgekommen ist als unsere Dialogveranstaltung, eben erwachsener. Jetzt geht es aber um etwas anderes. Wenn mich jemand beim Sprechen unterbricht und sei es mit einem Gong, dann wüsste ich schon gerne warum. Im Anschlagen einer Klangschale kann ich gar nichts von einem Dialog erkennen, nicht das kleinste bisschen. Dafür sehe ich ein paar ganz praktische Probleme in Bezug auf die Organisation unserer Veranstaltung. Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir hier weiterkommen wollen, wenn wir uns weiterhin an unsere Dialogregeln halten." Vielleicht bekam er wieder keine Antwort, weil er den Stab nicht freigab, aber ich weiss nicht, ob jemand geantwortet hätte, wenn er den Stab hingelegt hätte. Nach einer kleinen Pause fuhr er selbst weiter: "Vielleicht sollten wir jeweils vor dem Dialog in einer, wie soll ich sagen, normalen Sprache abmachen, wie wir den Abend gestalten wollen. Also ich bin davon ausgegangen, dass ich heute zuerst ein kurzes Referat über das Buch halte. Ich gehe eigentlich immer noch davon aus, weil wir das so abgemacht haben." Er schaute in die Runde. "Also, soll ich jetzt anfangen?"

Lisa ging wieder zur Klangschale. Bevor sie den Schlagstock aufheben konnte, drückte ihr Peter den Sprechstab in die Hand und sagte: "Also bitte, sag jetzt, was Du willst." Lisa nickte leise und setzte sich. Sie sagte: "Ich bin hier, weil ich an einem Dialog teilnehmen will, nicht weil ich einen Vortrag über einen Dialog hören will. Ich habe mir das Buch von Bohm auch gekauft, aber ich bin beim Lesen rasch stecken geblieben. Das ist offenbar nicht mein Weg. Über dieses Buch wäre ich niemals zum Dialog gekommen. Vielleicht muss ich jetzt sagen, zu einem Dialog, wie ich ihn mir jetzt vorstelle, aufgrund unserer ersten Veranstaltung vor vier Wochen. Ich sage nochmals, was ich mir vorstelle. Ich stelle mir vor, dass wir hier zusammen sprechen und uns dabei an die Regeln halten, die wir abgemacht haben. Seit meiner Erfahrung letztes Mal habe ich mir fast in allen Gesprächssituationen überlegt, wie es gehen würde, wenn wir uns an diese Regeln halten würden. Ich weiss noch nicht, wo das hinführen würde, aber alleine schon die Beobachtungen, die ich mit meiner neuen Sensibilisierung mache, sind ungemein spannend. Irgendwie ist es verrückt, wie wir sprechen. Das erinnerte mich an Heiners Bericht." Sie stand auf um den Stab wieder hinzulegen. Dann sagte sie zu Peter: "Ich kann es natürlich auch zu Dir direkt sagen. Ich will keinen Vortrag hören und ich kann mich überhaupt nicht erinnern, dass wir so etwas abgemacht haben." Sie setzte sich wieder und sagte: "Es kann ja sein, dass Ihr etwas abgemacht habt, wovon ich nichts weiss. Wenn es heute einen Vortrag gibt, gut, dann gehe ich einfach wieder nach Hause. Das ist kein Problem, dann komme ich einfach nächstes Mal wieder. Ich hätte nur gerne, wenn Du im mail schreiben würdest, ob wir einen Dialog machen oder ob es einen Vortrag gibt." Sie schaute dabei mich an.

Ich sagte: "Ich weiss auch nichts von einem Vortrag" und merkte, dass ich den Sprechstab nicht hatte und überdies mit einer Antwort zu einer Person sprach. Das war mir peinlich, aber ich sagte nichts mehr, auch keine Entschuldigung.

Renate sagte: "Hört mal, wir sind kein Kindergarten, das sieht man auch daran, dass wir nicht einmal die einfachsten Kindergartenregeln einhalten können. Aber uns zwingt ja niemand, irgendwelche Regeln einzuhalten. Ich will das noch einmal ganz klar sagen: Wir geben uns die Regeln und wir können die Regeln jederzeit wieder abschaffen. Wir können das gemeinsam tun, oder ich kann es für mich selbst tun. So wie jetzt gerade. Ich habe keinen Sprechstab, aber ich spreche, weil ich es jetzt gerade wichtiger finde, als Regeln einzuhalten. Ich werde später genau darüber nachdenken, was ich so wichtig finde, dass ich die Regeln über Bord werfe. Es muss wohl sehr wichtig sein oder mir sehr wichtig scheinen. Lasst mich nochmals sagen, worum es mir in diesem Dialog hauptsächlich geht. Ich will hier erfahren, ob wir wie Menschen miteinander sprechen können oder ob das unmöglich ist, sobald es um ein noch so kleines Problemchen geht. Die Regeln sind gar keine richtige Regeln oder seht Ihr etwa einen Schiedsrichter oder gar einen Polizisten? Wir geben uns nur ein paar Regeln, damit wir uns im Gespräch bewusst bleiben, dass wir wie Menschen miteinander sprechen wollen." Sie wurde ziemlich laut, und als sie aufhörte, war es plötzlich ganz still.

Peter räusperte sich und sagte dann leise: "Ok, ich weiss einfach nicht, was wir jetzt machen, respektive wie wir klären, was wir machen. Ich habe jetzt verstanden, dass nicht alle am Buch von Bohm interessiert sind, obwohl das die Grundlage unseres Dialoges bildet. Ich finde, wenn es um ganz praktische Fragen geht, sind die Regeln, die wir jetzt gerade haben, einfach ganz unpraktisch, weil man nicht schnell fragen und antworten kann."

Heinz, der das erste Mal dabei war, sagte: "Ich verstehe überhaupt nicht, worum es hier geht, ich verstehe gar nichts. Was hat das alles mit einem Dialog zu tun? Warum kann man in einem Dialog nicht einfach fragen und Antwort bekommen? Und was willst Du denn überhaupt fragen? Für mich ist das hier wie in einem ..." Dabei verdrehte er seine offene Hand vor seinem Gesicht.

Peter klärte ihn auf: "Gemäss unseren Dialogregeln, die ja schon genannt wurden, sprechen wir immer in die Mitte, nicht zu einer Person. Ich kann dich deshalb nicht fragen, wie Du die Sache siehst oder was Du denkst. Das wäre ein Gespräch zwischen uns statt ein Gespräch mit allen. Und ausserdem dürfte ich nur sprechen, wenn ich diesen Sprechstab hätte." Er zeigte auf den Stab in Lisas Hand, worauf ihn Lisa in die Mitte legte. Peter sagte: "Ich könnte Dir also aus mehreren Gründen nicht antworten." Heinz schüttelte den Kopf und sagte: "Ich glaube, das ist mir eine Nummer zu hoch".

Elmar holte den Stab und sagte: "Wir sprechen jetzt ja ohne unsere Regeln und das geht ja auch, wenn es uns nötig scheint. Mir scheint, es gab ein Missverständnis. Peter hat einen kleinen Vortrag vorbereitet, und Lisa wusste nichts davon. Ich übrigens auch nicht, aber das ist jetzt ja egal. Die Frage ist für mich, wie man in einem Dialog mit solchen Missverständnissen umgehen kann. Das Problem ist tatsächlich, dass man mit unseren Regeln nicht einfach fragen kann, was der andere verstanden oder nicht verstanden hat. Und selbst wenn man das noch fragen könnte, dauert es eben extrem lange, bis das kleinste Missverständnis geklärt ist, weil wir ja mit dem Sprechstab das Gespräch absichtlich extrem verlangsamen. Mir scheint, wir müssten noch zwei oder drei Regeln hinzunehmen, um in solchen Situationen Ausnahmen machen zu können."

Lisa und Renate riefen gleichzeitig: "Nein!" Sie schauten sich an und lachten. Renate machte eine Geste, um Lisa das Wort zu geben. Lisa stand auf und holte den Stab. Sie hielt ihn gebieterisch in die Höhe, wohl um uns an die Regeln zu erinnern. Als sie wieder sass, sagte sie: "Wenn wir uns wegen diesen drei Regeln nicht verständigen können, dann steht es ziemlich schlimm um uns. Und ich befürchte fast, es steht wirklich ziemlich schlimm. Für mich war der Dialog schon letztes Mal eine riesige Entdeckung, über unsere Fähigkeiten zu kommunizieren. Oder auch über unsere, ich meine, über meine Unfähigkeit. Was so ein kleiner Sprechstab mit uns anstellen kann. Das finde ich ungeheuer. Ich dachte, dass es uns ganz leicht fallen würde, einander nicht ins Wort zu fallen. Ich verstand zuerst nicht, wozu dieser Sprechstab gut sein könnte. Aber jetzt sehen wir, ich meine ich, dass wir diesen Sprechstab brauchen. Ich schlage Euch vor, dass wir jetzt wieder mit dem Dialog weitermachen und herausfinden, ob wir dialogfähig sind, und zwar auch dann, wenn diese Kindergartenregeln gelten." Sie hielt den Stab immer noch relativ hoch und schaute alle der Reihe nach an. Dann fügte sie an: "Und vor allem, wie Renate sagte, auch dann, wenn wir ein Problem oder ein Missverständnis haben. Dialogfähigkeit zeigt sich ja eigentlich nur dann. Wenn alles gut läuft, braucht man ja keine speziellen Fähigkeiten." Dann legte sie den Stab mit einem gewissen Nachdruck wieder in die Mitte.

Renate nahm ihn ohne Eile auf: "Ich wollte das Gleiche vorschlagen. Wir haben zwei Möglichkeiten, wir können diskutieren oder dialogisieren. Mich interessiert, wie wir im Dialog miteinander umgehen. Ich würde sehr gerne im Dialog verweilen und schauen, was uns das bringt. Diese Veranstaltung hat für mich den Sinn, praktische Erfahrungen mit dem Dialog zu machen, Diskussionen und auch Vorträge kenne ich schon ziemlich gut. Mir scheint, dass die Verlangsamung, die wir mit diesem Stab üben, kein Grund von Problemen sein kann, ausser natürlich von Zeitproblemen. Langsam kommen wir nicht so schnell vorwärts, aber dafür vielleicht sogar weiter, wer weiss. Ich merke durch die Verlangsamung immer besser, was ich in der sogenannt normalen Hektik des Alltages alles unter den Teppich kehre, hunderte von kleinen Missverständnissen, so dass ich am Schluss rein gar nichts verstanden habe. Die Verlangsamung macht mir allenfalls das grosse Problem, dass ich Missverständnisse viel leichter erkenne und deshalb nicht so tun kann, als ob alles klar wäre. Ich will jetzt nochmals langsam und laut überlegen, was uns hier bisher so sehr beschäftigt hat. Offenbar hat Peter eine Abmachung im Kopf, wonach er das Buch von David Bohm zusammenfassen soll. Ich weiss natürlich nicht mehr genau, was ich vor einem Monat gesagt habe, aber ich weiss ganz sicher, was ich auf keinen Fall sagen wollte. Ich wollte nie einen Vortrag über das Buch hören, zumal ich es schon gelesen habe. Ich wollte Euch das Buch nicht einmal empfehlen, ich wollte nur sagen, dass David Bohm solche Dialogveranstaltungen gemacht und in seinem Buch seine Hintergründe beschrieben hat. Ihr erinnert Euch vielleicht, dass ich Euch von dem Buch erst im Nachhinein erzählt habe. Ich glaube auch, dass das im Sinne des Buches ist. Wir haben unsere Dialogideen selbst entwickelt. Ich will die grosse Bedeutung von David Bohm kein bisschen schmälern, aber weder er noch sein Buch ist für unseren Dialog verantwortlich. Wir machen unseren Dialog." Sie wandte sich an Peter und fuhr weiter: "Ich wollte nicht, dass Du das Buch liest, geschweige denn, dass Du es für uns zusammenfasst. Aber ich wollte natürlich auch nicht, dass Du das nicht tust. Ich wollte weder das eine noch das andere. Denn dazu habe ich doch eigentlich gar nichts zu wollen. Was ich dagegen sehr gerne hätte, wäre, wenn Du, und ich meine jetzt natürlich uns alle, also wenn Du im Dialog einfach erzählst, was für Dich wichtig ist. Und das könnte ohne weiteres ein Buch sein, das Du gelesen hast. Und natürlich könnte es auch das Dialog-Buch sein. Der Punkt ist, mich interessiert im Dialog, was Dich interessiert. Aber ohne Abmachung und ohne Auftrag. Hier gibt es keine Pflichten, aber auch keinerlei Fahrpläne und gesetzte Programme, also insbesondere keine abgemachten Vorträge. Alle sagen, was sie im Moment sagen wollen." Sie drehte sich zu Lisa und fuhr weiter: "Ich war sehr glücklich darüber, wie Du unsere Klangschale benutzt hast, anstatt einfach zu reklamieren. Das hat mir grossen Eindruck gemacht, weil genau dazu ist diese Schale ja da. Sie hat eine Funktion in unserer Veranstaltung. Das war prima umgesetzt, ein sehr schönes Beispiel, also für mich, in meinen Augen, weil ich es gerne so gemacht hätte. Ich habe nämlich schon studiert, wie ich Peter unterbrechen soll und dabei das Naheliegendste, eben unsere Klangschale nicht gesehen, obwohl sie nicht nur vor meinen Augen stand, sondern sogar von mir mitgebracht und aufgestellt wurde." Sie stiess einen Seufzer aus und ihr Körper entspannte sich sichtbar. Erst nach einiger Zeit schien sie zu realisieren, dass sie den Stab noch in den Händen hatte. Sie legte ihn zurück.

Heinz nahm den Stab: "Ich glaube, ich habe jetzt wenigstens ein bisschen verstanden, worum es geht. Ich hätte aber noch ein paar Fragen. Wen oder wie soll ich jetzt fragen? Einfach in die Mitte?"

Ich hatte mir schon nach dem ersten Dialog ziemlich lange überlegt, was Fragen sind. Und jetzt hätte ich Heinz sehr gerne geantwortet. Ich realisierte, dass ich dabei einen kleinen Vortrag halten würde. Renate hatte ja ausdrücklich gesagt, dass im Dialog Vorträge ohne weiteres Platz hätten, aber jetzt war ich hin und her gerissen. Wäre mein Beitrag nicht ein kleiner Monolog?

[...]

Ende der Leseprobe aus 209 Seiten

Details

Titel
Der Dialog im Dialog
Veranstaltung
-
Autor
Jahr
2010
Seiten
209
Katalognummer
V144502
ISBN (eBook)
9783640545575
ISBN (Buch)
9783640545346
Dateigröße
990 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
dialog, bohm, konstruktivismus, systemtheorie, kunst, ethik, buber, sokrates
Arbeit zitieren
Rolf Todesco (Autor), 2010, Der Dialog im Dialog, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144502

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