I. Einleitung
„What is most important to the history of the world? […] Some stirred-up Moslems or the liberation of Central Europe and the end of the cold war?“ Mit diesen Worten überraschte Zbigniew Brzezinski, der ehemalige Berater des US-Präsidenten Jimmy Carters, im Jahr 1998 in einem Interview über die Unterstützung der afghanischen Mudschaheddin während der versuchten Invasion der Sowjetunion im Jahr 1979. [...]
Und auch die deutschen Medien – an erster Stelle ARD und ZDF, aber auch diverse Printmedien – zeichnen ein Bild des Islam, der durch Gewalttätigkeit und Rückschritt in seiner geistigen und kulturellen Entwicklung rückständig zu sein scheint. Ein Islam, der über nationale Grenzen hinweg existiert und dessen im Koran festgelegten Regeln über den weltlichen Gesetzen zu stehen scheinen. Ein Islam, der durch Gewalt, die im Koran legitimiert wird, zu einer weltweiten Bedrohung herangewachsen sein soll. [...]
Ziel dieser Ausarbeitung ist der Versuch die Motivation und die vermeintliche Legitimation der Fundamentalisten zu hinterleuchten, die einen islamistischen Gottesstaat zu etablieren versuchen – notfalls auch mit Waffengewalt. Außerdem wird versucht der Weg des Islams in Richtung Europa näher zu betrachten und Perspektiven einer gemeinsamen Entwicklung im Westen darzustellen.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Der Islam – Historie und die Entwicklung im Kontakt mit dem Westen
III. Der Islam und der Westen – Zwei Welten treffen aufeinander?
IV. Fazit
V. Stichworterklärung
VI. Quellenangabe:
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Spannungsfeld zwischen dem Islam und dem westlichen Weltbild, um die Ursachen für die negative mediale Berichterstattung sowie die vermeintliche Unvereinbarkeit beider Kulturen zu hinterleuchten. Ziel ist es, die ideologischen Hintergründe fundamentalistischer Strömungen von der tatsächlichen Lehre zu differenzieren und Perspektiven für eine zukunftsorientierte Koexistenz zu identifizieren.
- Kritische Analyse des medialen Islambildes und der westlichen Wahrnehmung.
- Historische Einordnung des Islam und Entstehung seiner Strömungen.
- Hinterleuchtung der Legitimationsgrundlagen islamistischer Fundamentalisten.
- Untersuchung von Integrationsproblemen und Subkultur-Bildung in Europa.
- Diskussion von Lösungsansätzen für eine gelungene gesellschaftliche Koexistenz.
Auszug aus dem Buch
II. Der Islam – Historie und die Entwicklung im Kontakt mit dem Westen
Der Islam ist eine junge Religion. Begründet wurde sie im Jahr 622 nach Christus von Muhammad, einem Propheten, der nach Auffassung der Muslime der historisch letzte war und durch dessen Erleuchtung die Offenbarung des Korans vollendet wurde. Muhammad verbreitete die Botschaft Allahs und begann mit der Schaffung einer islamischen Gesellschaft, der umma. Die Schaffung einer solchen Gesellschaft war sinnvoll, weil viele Anhänger des islamischen Glaubens Mitglieder unterschiedlicher Stämme waren. Die umma kann als arabisches Pendant zum sich in Europa entwickelten Nationalgefühl verstanden werden. So wurde eine Identifikation miteinander über den Glauben geschaffen, jedoch nicht über die Stammeszugehörigkeit. Den Ursprung der umma liegt in Sure 9:71, wo es heißt:
„Und die gläubigen Männer und Frauen sind untereinander Freunde. Sie beschützen einander. Sie gebieten, was recht ist, und verbieten, was verwerflich ist.“
Hier wird deutlich, dass die Verteidigung des Glaubensbruders bzw. der Glaubensschwester ein wichtiger und grundlegender Aspekt des islamischen Glaubens ist. Wichtig ist, dass in der Sure die Formulierung „beschützen“ verwendet wird. Diese Sure ermöglichte und legitimierte in den vergangenen Jahren den Widerstand der Muslime gegen ausländische Besatzer und Aggressoren, zum Beispiel während der versuchten Invasion der Sowjetunion in Afghanistan. Die umma verlangt, dass die Identität als Muslim höher zu stellen ist, als eine nationale Identität. Doch trotz dieser, im Koran verankerten, islamischen Gemeinschaft, gibt es verschiedene Interpretationsweisen und Auslegungen der islamischen Glaubensgrundsätze, wie es bei jeder Religion der Fall ist.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die verzerrte Wahrnehmung des Islam im Westen und hinterfragt die mediale Darstellung als „Terror-Religion“ anhand historischer Kontexte und aktueller Ereignisse.
II. Der Islam – Historie und die Entwicklung im Kontakt mit dem Westen: Dieses Kapitel beschreibt die Ursprünge der islamischen Gemeinschaft (Umma), ihre zentralen Strömungen wie Sunniten und Schiiten sowie die problematische, kontextlose Auslegung der sogenannten „Schwertverse“.
III. Der Islam und der Westen – Zwei Welten treffen aufeinander?: Hier wird die Integrationsthematik in Europa sowie das Phänomen der „Retraditionalisierung“ untersucht und diskutiert, wie ein konstruktives Zusammenleben zwischen muslimischen und westlichen Gesellschaften gelingen kann.
IV. Fazit: Das Fazit resümiert, dass ein gesellschaftlicher Konflikt nur durch den gegenseitigen Abbau von Vorurteilen und eine partielle Modernisierung beider Seiten vermieden werden kann.
V. Stichworterklärung: Dieser Abschnitt bietet hilfreiche Definitionen zentraler islamischer Fachbegriffe wie Dschihad, Scharia, Dhimmi und Zakat.
VI. Quellenangabe:: Eine Auflistung der verwendeten Printmedien und Internetquellen zur wissenschaftlichen Fundierung der Arbeit.
Schlüsselwörter
Islam, Fundamentalismus, Westen, Umma, Koran, Dschihad, Scharia, Integration, Koexistenz, Religion, Schwertverse, Gesellschaft, Moderne, Aufklärung, Vorurteile.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das komplexe Spannungsverhältnis zwischen der islamischen Glaubensgemeinschaft und den westlichen Gesellschaften, mit einem besonderen Fokus auf die mediale Berichterstattung und die Herausforderungen der Integration.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Hauptthemen zählen die Entstehung islamischer Strömungen, die Differenzierung zwischen Glaube und Fundamentalismus, die Rolle des Korans in der Politik sowie die Bedingungen für ein friedliches Miteinander in Europa.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die ideologischen Hintergründe extremistischer Gruppen zu hinterleuchten und aufzuzeigen, warum das verbreitete Bild des Islam als globale Bedrohung der Realität nicht gerecht wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse, die den historischen Kontext der Religionsgeschichte mit aktuellen soziologischen Debatten über Integration und Kulturkonflikte verknüpft.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Historie des Islam, der Entstehung der Umma, den internen Differenzen wie dem Konflikt zwischen Sunniten und Schiiten sowie der problematischen Instrumentalisierung religiöser Texte durch Fundamentalisten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind unter anderem Islam, Fundamentalismus, Koexistenz, Dschihad, Integration, Umma und Gesellschaft.
Wie interpretieren Fundamentalisten die sogenannten „Schwertverse“?
Fundamentalisten reißen diese Verse gezielt aus dem historischen Kontext der Verteidigung, um Gewalt gegen Andersgläubige zu legitimieren, wobei sie die ursprüngliche Intention der Friedfertigkeit und Gnade ignorieren.
Welche drei Ebenen der Entwicklung sind laut dem Autor für ein Zusammenleben nötig?
Der Autor fordert eine innere Bereitschaft zur Eingliederung in lokale Organisationen, eine äußere Bereitschaft, für muslimische Belange einzutreten, sowie eine Debattenkultur innerhalb der muslimischen Gemeinschaft selbst.
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- Tim Conrads (Author), 2008, Der Islam und der Westen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144507