1934 erschien Josef Pfitzners Aufsatz: ,,Die Geschichte Osteuropas und die Geschichte des
Slawentums als Forschungsprobleme". In dieser Arbeit gab er einen Überblick über die ver-
schiedenen Standpunkte in der Forschung und wie diese sich aus seiner Sicht darstellen. Vor
allem bei den Tschechen waren in der vorangegangenen Zeit starke Tendenzen aufgetreten,
das Slawentum als Einheit zu betrachten. Es entwickelte sich die ,Wechselseitigkeitstheorie',
der sich Pfitzner energisch entgegen stellte. Diese Schrift soll seine Sicht der ,Geschichte des
Slawentums' und der Alternative, einer ,Geschichte Osteuropas' darstellen. Um Pfitzners
politische Prägung zu verstehen, wird im ersten Teil sein Lebensweg dargestellt.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Persönlichkeit
II. Pfitzner und die ‚Geschichte des Slawentums’
III. Pfitzner und die ‚Geschichte Osteuropas’
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die historische Sichtweise des sudetendeutschen Historikers Josef Pfitzner auf die Geschichte Osteuropas und das Konzept des Slawentums. Ziel ist es, Pfitzners Ablehnung der „Wechselseitigkeitstheorie“ sowie seinen methodischen Ansatz einer osteuropäischen Geschichtsschreibung vor dem Hintergrund seiner politischen Prägung und Biografie kritisch darzustellen.
- Biografische Einordnung und politische Prägung Josef Pfitzners
- Kritik an der „Wechselseitigkeitstheorie“ und dem Allslawismus
- Die Konzeption Osteuropas als kultureller und geographischer Raum
- Verhältnis zwischen abendländischer Kultur und osteuropäischer Entwicklung
Auszug aus dem Buch
II. Pfitzner und die ‚Geschichte des Slawentums’
Viele slawische Forscher bemühten sich zu zeigen, dass es ein ‚Slawentum’ tatsächlich gegeben hat. Ihre Hauptargumente waren immer wieder die gemeinsame Sprache und die Blutsverwandtschaft. Vor allem nach dem ersten Weltkrieg wurden große Bemühungen unternommen das seit dem Ende des 18. Jahrhunderts entstehende Streben nach dem Allslawentum auf eine theoretische Grundlage zu stellen. Man bemühte sich zu zeigen, dass das Slawentum auf einer hochentwickelten gemeinslawischen Basis ruht. Diese Wechselseitigkeitslehre wurde nach Pfitzner auf lockerem Boden gebaut. Die Slawen wurden zum Beweis der Lehre mit den Germanen verglichen, doch häufig stellte man in den entscheidenden Punkten die Slawen den Deutschen, Franzosen oder Engländern gegenüber. Solche ‚abwegigen’ Vergleiche lehnt Pfitzner rigoros ab. Er ist der Meinung die Deutschen hätten sich schon am frühesten, und zurecht, gegen diese allslawische Bewegung gerichtet. Das lag zum einen an der geographischen Nähe zu den Slawischen Völkern und zum anderen an der Deutschfeindlichkeit der besonders politisch gefärbten Bewegung. Der Allslawismus stellte sich als nationale Abwehrbewegung dar.
Wenn diese Bewegung im Laufe der Zeit auch an Bedeutung verloren hat, so waren es doch immer wieder vor allem Geisteswissenschaftler, die den ‚Allslawischen Funken’ am Leben erhielten. Aus diesem Grund bezieht Pfitzner hier eine eindeutige Position. Er lehnt die Idee einer slawischen Wechselseitigkeit ab und bemüht sich alle Argumente zu entkräften.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in Josef Pfitzners Aufsatz von 1934 und Darlegung des Vorhabens, seine Sicht auf die Geschichte Osteuropas und des Slawentums zu untersuchen.
I. Die Persönlichkeit: Skizze des Lebenswegs und der intellektuellen sowie politischen Entwicklung Josef Pfitzners vom sudetendeutschen Studenten zum Historiker und politischen Akteur.
II. Pfitzner und die ‚Geschichte des Slawentums’: Analyse von Pfitzners energischer Ablehnung der Wechselseitigkeitstheorie und seiner Argumentation, dass keine einheitliche slawische Geschichte existiere.
III. Pfitzner und die ‚Geschichte Osteuropas’: Diskussion von Pfitzners Verständnis Osteuropas als Kultur- und Anthropogeographie, geprägt durch den Einfluss der abendländischen Kultur.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung von Pfitzners historischem Ansatz, der ethnische Einheiten zugunsten einer durch den Westen beeinflussten osteuropäischen Entwicklungsgeschichte zurückweist.
Schlüsselwörter
Josef Pfitzner, Osteuropa, Slawentum, Wechselseitigkeitstheorie, Allslawismus, Geschichtsschreibung, Sudetendeutsche, Kulturkreislehre, Historische Forschung, Kulturgeographie, Westeuropa, Osteuropäische Geschichte, Nationalismus, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die geschichtswissenschaftliche Perspektive von Josef Pfitzner auf die Konzepte des Slawentums und die Definition von Osteuropa.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Kritik am Allslawismus, die Ablehnung einer slawischen Wechselseitigkeitstheorie und die Modellierung von Osteuropa als durch westliche Einflüsse geprägte Kulturlandschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Analyse von Pfitzners wissenschaftlicher Argumentation und seiner Ablehnung der Idee einer gemeinsamen slawischen Geschichte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor führt eine quellenbasierte Analyse der publizierten Aufsätze und Monographien Pfitzners durch und bettet diese in den biographischen Kontext ein.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Biografie Pfitzners, seine Kritik an der slawischen Wechselseitigkeit und seine Neudefinition von Osteuropa als Gegenentwurf.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Osteuropa, Slawentum, Wechselseitigkeitstheorie und Kulturkreislehre charakterisiert.
Wie bewertet Pfitzner den Einfluss der Kirche auf das Kulturgefälle?
Pfitzner misst dem religiösen Gegensatz zwischen Ost- und Westkirche eine deutlich geringere Bedeutung bei, als dies viele zeitgenössische Forscher taten.
Warum hält Pfitzner den Begriff einer „slawischen Geschichte“ für unmöglich?
Er argumentiert, dass die slawischen Völker zu stark voneinander abweichen und keine politische oder kulturelle Einheit bilden, weshalb nur „Geschichten“ einzelner Nationen existieren.
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- Frank Schleicher (Author), 2004, Josef Pfitzners Sicht auf die Geschichte Osteuropas und der Rolle des ‚Slawentums’, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144532