Focusing und Psychodynamik


Seminararbeit, 2009

12 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Focusing bei der Anwendung persönlicher Probleme

3. Focusing im therapeutischen Prozess
3.1. Phase 1
3.2. Phase 2
3.3. Phase 3
3.4. Phase 4
3.5. Zusammenfassung

4. Schluss

5. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Seminararbeit beschäftigt sich mit der Technik des Focusing im alltäglichen Leben wie auch im therapeutischen Prozess. Im ersten Teil wird es darum gehen, die Grundlagen des Focusing für die eigene Anwendung in kurzer Form darzustellen. Im zweiten Teil steht die Wirkungsweise von Focusing aus therapeutischer Perspektive im Zentrum. Zusätzlich wird eine psychodynamische Betrachtung des Focusingprozesses mit eingebracht.

2. Focusing bei der Anwendung persönlicher Probleme

Zunächst stellt sich die Frage, was Focusing überhaupt ist. Die Anwendung des Focusing lässt sich grob in sechs Schritte unterteilen, wobei beachtet werden sollte, dass es sich letztlich nur um künstlich erzeugte Teilschritte handelt, die bei der praktischen Anwendung nicht vollständig zu trennen sind und auch nicht zwingenderweise genauso angewendet werden müssen.

Die Basis des Focusing stellt die Konzentration auf ein unklares, aber dennoch wahrnehmbares Körpergefühl dar, dem felt-sense (Gendlin, 1984). Gendlin (Ebd.) nennt als mehr oder weniger alltägliches Beispiel für einen felt-sense das Gefühl etwas vergessen zu haben, was sicherlich jedem schon einmal passiert ist. Der Körper weiß genau, was vergessen wurde und meldet sich spürbar zu Wort. Sobald einem klar wurde was man vergessen hat, gibt es eine deutlich merkbare körperliche Reaktion. Der felt-sense ist nämlich eine Art des Körperbewusstseins, dass deutlich spürbar aber zunächst nicht leicht vom Verstand zu erfassen ist1.

Gendlin (1984) schreibt hierzu:

Ein felt-sense ist keine geistige, sondern eine physische Erfahrung, ein körperliches Wahrnehmen einer Situation, einer Person oder eines Ereignisses. Eine innere Aura, die alles umgibt, was Sie zu einem bestimmten Gegenstand zu einer bestimmten Zeit fühlen und wissen ± sie umgibt es und teilt es Ihnen mit, nicht eines nach dem anderen, sondern alles auf einmal [«]. Ein felt-sense tritt nicht in Form von Worten oder Gedanken oder andern getrennten Einheiten auf, sondern als umfassendes (wenn auch oft verwirrendes und komplexes) körperliches Gefühl. ( S. 41/42)

Ziel des Focusing ist es nun, die Aufmerksamkeit auf den unklaren felt-sense zu richten und daraus etwas Konkretes bzw. Fassbares entstehen zu lassen, sei es ein Bild, ein Symbol oder ein Satz. Man befindet sich also in einer passiven, fragenden Haltung gegenüber dieser unbestimmten Wahrnehmung im eigenen Körper. Wurde ein treffendes Symbol gefunden, dass den felt-sense in treffender Weise charakterisiert, dann kommt es laut Gendlin zu einem body-shift. Dieser ist Ämysteriös in seiner Wirkung. Er wird immer als positiv empfunden, selbst wenn das, was er zutage fördert, aus distanzierter, rationaler Sicht das Problem keineswegs als leichter erscheinen läßt" (Gendlin, 1984, S. 63). Der body-shift ist eine spürbare körperliche Erleichterung bzw. Entspannung, die als unmittelbare Folge eines geglückten bewussten Ausdrucks des felt-sense zu verstehen ist. Obwohl Gendlin mehrmals betont, dass Focusing in der Praxis ein einheitlicher Prozess ist, so lassen sich zu Lernzwecken einige grobe Schritte unterteilen:

1. Einen Raum schaffen: Hier geht es darum, sich erst einmal möglichst gut von all den aktuellen Problemen zu distanzieren, diese quasi von oben zu betrachten und sich nicht davon überwältigen zu lassen. So wird ein Raum geschaffen, der es ermöglicht sich vollkommen auf den kommenden felt-sense einzulassen.
2. Felt sense: Man wählt ein aktuelles Problem, auf dessen felt-sense man sich beginnt zu konzentrieren. All die vielen Aspekte des Problems sollen (und können) aber nicht logisch analysiert werden, sondern sich in einem einheitlichen, umfassenden Körpergefühl - dem felt-sense - abbilden. Dieser soll nun im Zentrum der eigenen Aufmerksamkeit stehen.
3. Finden eines Griffs: Nun beginnt man für den felt-sense ein möglichst passendes Bild, Symbol oder einen Begriff zu finden bzw. lässt den felt-sense sprechen. Es ist darauf zu achten, immer in Berührung mit dem felt-sense zu bleiben und zu versuchen nicht dem felt-sense intellektuell einen Griff aufzudrängen, sondern dies einfach von innen heraus geschehen zu lassen.
4. Vergleich: Nun wird versucht ein Symbol zu finden, welches am geeignetsten ist um dem felt-sense Ausdruck zu verleihen. Dafür springt man immer zwischen beidem hin und her und prüft, wie gut das gefundene Symbol und der felt-sense zusammenpassen. Dabei ist es wichtig auf den Körper zu achten, der eine Rückmeldung (body-shift) gibt, sobald man einen passenden Griff gefunden hat. Es kann aber auch vorkommen, dass sich der felt-sense ändert und es nötig wird einen anderen Griff zu finden.
5. Fragen: Hat man einen passenden Griff gefunden, wird begonnen den felt-sense etwas näher zu fragen warum man sich den gerade so fühlt. Man fragt zum Beispiel: „Was ist in diesem Gefühl, dass mich ... werden lässt?". Auch hierbei sollte man darauf achten, dass die Antwort von innen heraus kommt und von einem spürbaren body-shift begleitet wird.
6. Aufnahme: Im letzten Teil wird das, was kommt so wie es ist einfach hingenommen. Man lässt alles auf sich wirken, so wie es gerade kommt. Auch wenn irgendwelche Lösungen, die aufgetaucht sind nach Taten verlangen, verbleibt man zunächst passiv und nimmt die gelöste Energie aus dem body-shift auf.

[...]


1 Es ist hier noch wichtig zu erwähnen, dass Gendlin sorgfältig zwischen anderen Erlebenszuständen unterscheidet. So ist der felt-sense für ihn keine konkrete Emotion oder ein Gedanke mit spezifischen Inhalt oder dergleichen. Es ist die Summe aller Wahrnehmungen und Gefühle. So könne man, laut Gendlin, nie alle Aspekte einer Problemsituation bewusst erfassen. Der felt-sense ist eine Repräsentation dieser totalen Erfassung.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten

Details

Titel
Focusing und Psychodynamik
Hochschule
Universität Zürich  (Psychologisches Institut)
Note
1,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
12
Katalognummer
V144568
ISBN (eBook)
9783640548507
ISBN (Buch)
9783640551262
Dateigröße
492 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Focusing, Selbsthilfe, Psychotherapie, Psychodynamik, Psychoanalyse, Analytische Psychologie, Experiencing
Arbeit zitieren
David Hofmann (Autor), 2009, Focusing und Psychodynamik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144568

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Titel: Focusing und Psychodynamik



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