Formen der Sprachkritik und Sprachpflege

Geschichte der Sprachkritik und Sprachpflege sowie heutige Ansätze zur Sprachberatung außerhalb der Schule


Hausarbeit (Hauptseminar), 2007

17 Seiten, Note: 2,0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Geschichte der germanistischen Sprachpflege
2.1 Sprachpflege im 17. Jahrhundert
2.2 Sprachpflege bis 1832
2.3 Sprachpflege von 1832 bis 1918
2.4 Sprachpflege von 1919 bis 1945
2.5 Sprachpflege von 1946 bis 1970

3. Sprachkritische Reflexionen über das Naziregime
3.1 Victor Klemperers „LTI. Notizbuch eines Philologen”
3.2 Dolf Sternbergers, Gerhard Storz und W.E. Süskinds „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“

4. Sprachpflege und Sprachkritik in der deutschen Sprachgemeinschaft der Gegenwart

5. Sprachberatung außerhalb der Schule

6. Resümee

7. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

In dieser Hausarbeit sollen Formen der Sprachkritik und der Sprachpflege sowie Möglichkeiten der Sprachberatung außerhalb der Schule vorgestellt werden. Greule und Ahlvers-Liebel nannten in diesem Zusammenhang in ihrer Abhandlung der „Germanistischen Sprachpflege“ eine begriffliche Definition des Wortes Sprachpflege. So verstehen sie Sprachpflege als eine Form der Sprachkritik, da sie auf „jede beratende Bemühung um den Sprachgebrauch einzelner Individuen, die auf eine verbesserte sprachliche Kompetenz und auf einen reflektierten, d.h. kritischen und selbstkritischen Sprachgebrauch abzielt.“[1] Sprachpflege setzt insofern Sprachkritik voraus, als dass ein reflektierter und selbstkritischer Sprachgebrauch vorhanden sein muss, um Sprachpflege überhaupt betreiben zu können. Glaubt man nun Linke und Voigt, so sehen sie Sprachkritik zuerst einmal in dem Sinne von (Unter-)Scheidung, Untersuchung und Prüfung an. Sprachkritik ist somit eine Äußerungsform von Sprachbewusstsein und unterstreicht daher den engen Zusammenhang zwischen Sprachpflege und Sprachkritik.[2]

Dass die Grenzen zwischen Sprachpflege und Sprachkritik in der Tat fließend sind, soll schon der in dieser Arbeit präsentierte Überblick über die Geschichte der germanistischen Sprachpflege aufzeigen. Sprachkritische Reflexionen über das Naziregime sollen dann anschließend anhand Victor Klemperes „LTI. Notizbuch eines Philologen“ sowie Dolf Sternbergers, Gerhard Storz und W.E. Süskinds „Aus dem Wörterbuch des Unmenschen“ erörtert werden. Es folgt nun die Vorstellung einer möglichen Form der Sprachpflege und der Sprachkritik durch die Aktion der Wörter bzw. Unwörter des Jahres, durchgeführt durch die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Als ein exemplarisches Beispiel für Sprachberatung außerhalb der Schule soll das Sprachtelefon der Universität Essen abschließend herausgegriffen werden.

2. Geschichte der germanistischen Sprachpflege

2.1 Sprachpflege im 17. Jahrhundert

Die deutsche Sprachpflege und die Geschichte der deutschen Sprachreinigung, d.h. die Entwicklung und Bemühungen des Purismus, der Fremdwortbekämpfung beginnt im 17. Jahrhundert.

Generell stellt die Sprachpflege im 17. Jahrhundert eine starke Hinwendung zur Muttersprache und Betonung des sprachlichen Eigenwertes des Deutschen dar.[3] Denn die deutsche Sprache wurde in dieser Zeit zur Kirchensprache des Protestantismus und zur ebenbürtigen Literatursprache neben anderen europäischen Nationalsprachen. Dennoch ist zu bemerken, dass die deutsche Sprache in dieser Zeit keinesfalls einer Nationalsprache glich. Denn es gab noch keine über allen Mundarten stehende Einheitssprache.[4] Nach wie vor war Latein immer noch das bevorzugte Kommunikationsmittel. Durch den Absolutismus war zudem eine Gesellschaft entstanden, die sich an Frankreich orientierte und somit französischen Fremdwörtern Eingang in die deutsche Sprache ermöglichte. Der 30jährige Krieg begünstigte diese Situation zudem, da durch ihn fremde Truppen und somit auch fremde Sprachen ins Land gebracht wurden.[5]

Durch den Zeitgenossen Georg Philipp Harsdörffer wurde nun erstmals Spracharbeit in dem Sinne betrieben, als dass er als Ziele seiner Bemühungen Sprachreinheit, Sprachschönheit und Sprachrichtigkeit forderte.[6] In diesem Zusammenhang seines Strebens ist der „Palmenorden“ als die erste und bedeutendste Sprachgesellschaft im 17. Jahrhundert zu nennen. Der „Palmenorden“ entstand nach italienischem Vorbild durch den Fürsten Ludwig von Anhalt-Köthen in Weimar. Unter anderem regte er zu den ersten vollständigen deutschen Sprachlehren in deutscher Sprache an. Hier ist insbesondere das Werk „Deutsche Sprachlehre“ von Christian Gueintz zu nennen.

In Anlehnung an Harsdörffers Ziel der Sprachreinheit sollten nun Fremdwörter vermieden werden, weswegen die Fremdwortbekämpfung zu Verdeutschungen führten. Besonders aktiv zeigten sich hier Harsdörffer, Schottel und Zesen. So ersetzte Harsdörffer das Wort Chronographicon durch Zeitschrift, Schottel Semikolon durch Strichpunkt und Zesen wollte das vermeintliche Fremdwort Nase durch Gesichtserker bzw. Löschhorn ersetzt wissen.[7]

Zudem sind als weitere Neuerungen im 17. Jahrhundert die berufsspezifischen Sprachhilfen zu nennen. So schrieb Harsdörffer in „Der Teutsche Secretarius“ eine Anleitung für Sekretäre, Advokaten und Notare.

Wolfgang Ratke strebte eine Verbesserung des Unterrichtes in der Muttersprache an, in dem er anstelle des Lateins die deutsche Sprache als Grundlage der Bildung sehen wollte. Mit ihm begann zugleich die Entwicklung der deutschen Schulgrammatik.[8]

2.2 Sprachpflege bis 1832

Diese Zeit wurde vornehmlich bis zu seinem Tode 1832 geprägt durch Johann Wolfgang Goethe. Die deutsche Sprache stieg nun zur Hochsprache auf und Sprachpflege wurde zunächst in dem Sinne verstanden welches das richtige Hochdeutsch sei. Im Geiste der Aufklärung wurde hierbei jedem Interessierten Sprachförderung und Sprachberatung zuteil.[9]

Der Philosoph Gottfried Wilhelm Leibniz gab Anregungen zu einer Deutschgesinnten Gesellschaft, woraufhin Friedrich I. von Preußen die „Societät der Wissenschaften“, die so genannte Berliner Akademie gründete. Diese Einrichtung sollte eine Institution der Sprachpflege sein. In Wahrheit trug sie aber nur wenig zur Pflege der deutschen Sprache bei, da sie später unter Friedrich II. unter französischen Einfluss geriet.[10]

Andere Sprachpflegeinstitutionen siedelten sich an mehreren Universitäten an, wobei hier insbesondere die „Deutsche Gesellschaften“ zu nennen sind. Diese machten es sich zum Ziel die deutsche Sprache, Dichtung und Redekunst zu pflegen. Eine der berühmtesten Deutschen Gesellschaften war die „Deutsch übende Poetische Gesellschaft“ in Leipzig unter Johann Christoph Gottsched.[11] Gottsched war zudem ein wichtiger Zeitgenosse, da es ihm gelang die Schriftsprache zu standarsieren. So wurde das Obersächsische als die beste Mundart durchgesetzt. Spätestens nach seiner Veröffentlichung der „Grundlegung einer deutschen Sprachkunst, nach dem Muster der besten Schriftsteller des vorigen und jetzigen Jahrhunderts“ wurde er nun von Menschen um Rat in sprachlichen Dingen gebeten und somit zum Sprachberater der Nation.[12]

Zudem wurden nun allmählich Zeitungen als Medium der Sprachpflege genutzt. Denn literarische Zeitschriften behandelten nun auch unter anderem sprachliche Probleme. Es entstand auch ein Magazin für die deutsche Sprache, das vor allem für die Richtigkeit und Reinheit der deutschen Sprache sowie deren Orthographie zuständig war.[13]

Als weitere wichtige Neuerung entstand die süddeutsche Grammatikographie, eine Unterrichtsreform, durch die der grammatische Unterricht und Schulgrammatiken eingeführt wurden. Wobei auch hier zu bemerken ist, dass alle damaligen Grammatiken unter dem Eindruck der Gottschedschen Sprachkunst standen.

Auch wurde nun durch die Einführung von Redelehrbüchern Dichtkunst lernbar. Redelehrbücher waren hierbei Zusammenfassungen von poetischen Wendungen der anerkannt besten Schriftsteller.

[...]


[1] Vgl.: Greule, Albrecht, Ahlvers-Liebel, Elisabeth: Germanistische Sprachpflege. Geschichte, Praxis und Zielsetzung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1986. (Germanistische Einführungen in Gegenstand, Methoden und Ergebnisse der Disziplin und Teilgebiete), S. 3.

[2] Vgl.: Linke, Angelika, Voigt, Gerhard: Sprache kritisieren – Sprachkritik. In: Praxis Deutsch: Sprachkritik. Heft 132/1995, S. 18.

[3] Vgl.: Greule, Albrecht, Ahlvers-Liebel, Elisabeth: Germanistische Sprachpflege. Geschichte, Praxis und Zielsetzung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1986. (Germanistische Einführungen in Gegenstand, Methoden und Ergebnisse der Disziplin und Teilgebiete), S. 8.

[4] Ebd., S. 8.

[5] Ebd., S. 9.

[6] Ebd., S. 9.

[7] Ebd., S. 11.

[8] Vgl.: Greule, Albrecht, Ahlvers-Liebel, Elisabeth: Germanistische Sprachpflege. Geschichte, Praxis und Zielsetzung. Darmstadt: Wissenschaftliche Buchgesellschaft, 1986. (Germanistische Einführungen in Gegenstand, Methoden und Ergebnisse der Disziplin und Teilgebiete), S. 13.

[9] Ebd., S. 14.

[10] Ebd., S. 15.

[11] Ebd., S. 16.

[12] Ebd., S. 17.

[13] Ebd., S. 16.

Ende der Leseprobe aus 17 Seiten

Details

Titel
Formen der Sprachkritik und Sprachpflege
Untertitel
Geschichte der Sprachkritik und Sprachpflege sowie heutige Ansätze zur Sprachberatung außerhalb der Schule
Hochschule
Bergische Universität Wuppertal
Note
2,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
17
Katalognummer
V144569
ISBN (eBook)
9783640555093
ISBN (Buch)
9783640554959
Dateigröße
572 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Formen, Sprachkritik, Sprachpflege, Geschichte, Sprachkritik, Sprachpflege, Ansätze, Sprachberatung, Schule
Arbeit zitieren
Jessica Horn (Autor), 2007, Formen der Sprachkritik und Sprachpflege, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144569

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