Prokopius von Caesarea war einer der wichtigsten spätantiken Historiker des 6. Jahrhunderts . Er versuchte, die Geschehnisse seiner Umwelt in der umbruchsreichen Zeit der Herrschaft Justinians I. „dem Großen“ (527–565) literarisch festzuhalten. In der heutigen historiographischen Debatte herrscht selbstverständlich Konsens darüber, dass Prokop und andere spätantike Geschichtsschreiber kein objektives Bild ihrer zeitgenössischen Welt zeichnen konnten. Dass es also gewisse Einflüsse gegeben haben muss, welche die antike Historiografie beeinflussten, kann somit vorausgesetzt werden.
Aufzuweisen, welche Faktoren die Geschichtsschreibung des Prokop beeinflusst haben, soll das Ziel dieser Arbeit sein, wobei die Herausarbeitung an dem Beispiel der prokopischen Beschreibung des römisch-griechischen Rivalen, dem Sassanidenreich erfolgt. Um dieses Fremdenbild richtig einordnen, und somit die gesuchten Faktoren finden zu können, wird neben einer selektiven, gleichwohl aber repräsentativen Betrachtung römischer Sachkenntnis über das Perserreich, auch der Autor selbst Gegenstand der Untersuchung werden.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung: 3
I Faktoren für Prokops Perserbild 4
I.1 Historizität 4
I.2 Griechische Tradition 5
I.3 Rolle des Christentums 7
II Notio über „den Perser“ 10
II.1 Volk und Individuum 10
II.2 Herrscher 12
III Fazit 14
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Ziel dieser Arbeit ist die Untersuchung der Faktoren, die das Perserbild des spätantiken Historikers Prokop von Caesarea beeinflussten, um dieses Fremdenbild historisch einzuordnen und die historiografischen Gründe für dessen Darstellung zu ergründen.
- Analyse der Einflüsse durch klassische griechische Topoi und das Barbarenbild.
- Untersuchung der Rolle der christlichen Weltauffassung auf die Geschichtsschreibung Prokops.
- Darstellung der Unterscheidung zwischen dem persischen Volk und dem persischen Herrscherbild.
- Reflexion über die Subjektivität des Historikers im Kontext des absoluten Kaisertums der Spätantike.
- Gegenüberstellung von traditionellen Stereotypen und einer differenzierteren Wahrnehmung des Rivalen.
Auszug aus dem Buch
II.2 Herrscher
An dieser Stelle ist vor Allem ein Aspekt zu beachten, auf den in dieser Arbeit noch kaum hingewiesen wurde: Auch Prokop nutzte seine Beschreibungen für eine Art indirekte „self-definition“, wie sie Hall schon für die Griechen erkannte. Denn er war ein großer Kritiker des Kaisers Justinian, sowie seiner Gattin Theodora. Bei der Beschreibung der persischen Herrscher wird also ganz besonders darauf zu achten sein, ob und in wie weit sich eine indirekte innenpolitische Kritik auf die Darstellung auswirkt.
Prokop stellt den persischen Herrscher nicht als einen absolutistischen dar. Er verfügt in seinen Darstellungen natürlich über große Macht, aber diese ist durch ein System beschränkt, welches, wie in Rom, zum Beispiel aus dem Adel und Gesetzgebung besteht. Somit scheint es zunächst so, als ob Prokop den griechischen Despotie- und Tyrannentopos nicht übernommen hat. Vielmehr stellt er die persischen Herrscher als Hüter dieser Gerechtigkeit dar. Dazu kommt, und das ist in der antiken Historiographie eine bis dato unerwähnte Tatsache, dass dem persischen König auch eine religiöse Aufgabe zukam. Prokop erwähnt diese allerdings meist nicht explizit. Vielleicht tat er dies ja aufgrund der Tatsache, dass auch Justinian ein zunehmend religiöses Amt ausübte?
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung stellt den Historiker Prokop von Caesarea vor und definiert das Ziel der Arbeit, die Faktoren für sein Perserbild anhand des Sassanidenreiches herauszuarbeiten.
I Faktoren für Prokops Perserbild: Dieses Kapitel untersucht die grundlegenden Einflüsse auf Prokops Werk, insbesondere die Historizität, die griechische Tradition und die Rolle des Christentums.
II Notio über „den Perser“: Hier wird analysiert, wie Prokop das persische Volk sowie den persischen Herrscher darstellt und welche indirekten Absichten hinter diesen Beschreibungen stehen.
III Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Prokop als wohlinformierter Autor zwar klassischen Mustern folgte, aber durch den historiografischen Zwiespalt seiner Zeit zu einer differenzierten Darstellung neigte.
Schlüsselwörter
Prokop von Caesarea, Perserbild, Sassanidenreich, Historiografie, Spätantike, Barbarentopos, Tyrannentopos, Justinian I., Orientalismus, Antike, Geschichtsschreibung, Wahrheitsanspruch, Religionssoziologie, Selbstdefinition, Herrscherideale.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Perserbild des spätantiken Historikers Prokop von Caesarea und analysiert, welche Faktoren seine Geschichtsschreibung über das Sassanidenreich beeinflusst haben.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die Einflüsse griechischer Traditionen, den Einfluss des zeitgenössischen Christentums, das Bild des „Barbaren“ sowie die indirekte politische Kritik Prokops am Kaiser Justinian.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Perserbild Prokops in einen historischen Kontext einzuordnen und zu verstehen, warum Prokop von einer objektiven Darstellung abwich und stattdessen ideologisch geprägte Stereotype oder persönliche Ansichten einfließen ließ.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Es handelt sich um eine historiografische Untersuchung, die sich auf die Analyse der Primärquellen Prokops stützt, ergänzt durch einen Vergleich mit dem modernen Forschungsstand und theoretischen Debatten wie der Orientalismusdebatte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Faktoren für das Perserbild (Historizität, Tradition, Religion) und die Analyse der Notio über den Perser, unterteilt in Volk/Individuum und die Darstellung der Herrscher.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Prokop von Caesarea, Perserbild, Spätantike, Barbarentopos, Historiografie und Antike charakterisieren.
Wie unterscheidet Prokop die Darstellung des persischen Volkes von der anderer „barbarischer“ Völker?
Prokop nutzt zwar klassische Schablonen für alle Barbaren, lässt jedoch bei den Persern in bestimmten Kontexten auch positive Attribute zu, da er das persische Reich als dem römischen ebenbürtig empfand.
Warum spielt die Kritik am Kaiser Justinian eine Rolle für das Perserbild?
Prokop nutzte die Beschreibung der persischen Herrscher, um durch den Kontrast zum „idealen“ persischen König eine indirekte Kritik an der Politik und den Charakterzügen Justinians und Theodoras zu üben.
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- Patrick Jost (Author), 2009, Prokop und die Perser, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144570