Der Diskursbegriff in Foucaults "Die Ordnung des Diskurses"


Hausarbeit (Hauptseminar), 2000
45 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

I. Die Geschichte des „Diskurses“

II. Die Ordnung des Diskurses

Fazit

Literaturverzeichnis

I. Die Geschichte des „Diskurses“

Der Begriff des Diskurses erlangte in letzter Zeit den Status eines Mode- oder auch Allerweltswortes. Er findet in den unterschiedlichsten Kontexten Anwendung, so daß eine Definition mittlerweile äußerst schwierig wenn nicht sogar unmöglich geworden ist.

Seine etymologischen Wurzeln besitzt der Terminus im Altlateinischen. „Discursus“ bedeutete „Hierhin- und Dorthinlaufen“, „richtungsloses Umherirren“ oder auch „ Sich zerstreuen“. Der Ausdruck, dem zu dieser Zeit noch nicht die Eigenschaft eines Fachterminus zukam, wurde sowohl in Rücksicht auf Lebewesen als auch Gegenstände gebraucht. Allerdings kann er hier noch nicht mit den Begriffsfeldern von Rede oder Gespräch in Beziehung gesetzt werden. Dem Stammbegriff lat. „curere“ laufen kommt keinerlei metaphorische oder konnotative Bedeutung zu:

Quibus visis perculsea barbarorum turmae ac perterritae acies hostium, perturbato impedimentorum agmine, magno clamore discursque passim fugae se mandant.[1]

Seneca, Quintilian oder auch Augustinus verwenden „discursus“ im Kontext der Rhetorik, Astronomie und Medizin. Allerdings ist dieser Gebrauch noch vollkommen unspezifisch. Zum einen bezeichnet der Terminus weiterhin eine ungeordnete, richtungslose Bewegung, zum zweiten referiert er aber auch auf den geordneten Lauf der Gestirne oder die Kreisbewegung des Blutes im Körper.

Die Scholastiker im Mittelalter gebrauchen „discursus“ dann im Sinne eines Fachterminus, dessen Ursprung vielleicht in gr. dianoia zu finden ist. Im Rahmen von Logik oder Erkenntnistheorie findet man den Diskursbegriff als Bezeichnung für das formale Denken, Urteilen und Schließen. Er kann also als Synonym zu gr. sullogismoV und somit als Ausdruck für allgemeine Verstandeshandlungen verstanden werden.

Duns Scotus unterscheidet den virtuellen oder logischen, d.h. deduktiven von einem formalen oder zeitlichen, also induktiven Diskurs. Bei Occham findet man formale Beschreibungen des Diskurses, die eindeutig dessen Gleichsetzung mit dem Syllogismus erlauben. So beschreibt er in diesem Zusammenhang z.B. die Abhängigkeit der Conclusio von der Form der ihr vorhergehenden Prämissen. Die Tätigkeit des menschlichen Verstandes, d.h. das diskursive Denken findet seine Anwendung in den verschiedenen syllogistischen Formen.

In einigen Quellen können zudem die Dichotomien „diskursiv – intuitiv“ und „diskursiv – rein“ gefunden werden. Die reine Intelligenz wird ausschließlich Göttern und Engeln zugesprochen. Im Gegensatz dazu stellt das diskursive Denken des Menschen ein zeitliches, kausales und bewirktes Erkennen dar. Nikolaus von Kues bestimmt es demzufolge als bloßes Vermutungswissen, welches niemals absolute Gewißheit erlangen kann.

M. Ficino wiederum bestimmt in seinem Kommentar zu Platons „Theaetetus“ die diskursive Methode des Verstandes als menschliches Vermögen, wahres Wissen über die Dinge erlangen zu können.

In vielen Schriften kann „discursus“ allerdings nebeneinander in der altlateinischen und der logischen Bedeutung der Scholastik gefunden werden.

Die Motivation für die seit der mittelalterlichen Scholastik verschobene Verwendung des Diskursbegriffs erkennt man z. B. in den Schriften Suarez´, der „discursus“ in Anlehnung an die ursprüngliche Wortbedeutung als „spiritualis motus“ oder „motus intellectus“ bezeichnet. Für ihn ist das diskursive Denken die conditio humana menschlichen Wissens und Erkennens. Dessen Wesen besteht in einer entweder zeitlichen oder kausalen Verknüpfungsbewegung des Geistes in Rücksicht auf verschiedene Erkenntnisakte.

Auch bei Leibniz z.B. wird der Ausdruck im Sinn des syllogistischen Schließens, d.h. des Überganges vom Bekannten zum Unbekannten verwendet. In diesem Zusammenhang wird „discursus“ stets in Abgrenzung zu bloßen Wahrnehmungen und Urteilen verwendet. Ebenso gebraucht Wolff die Begriffe „Ratiocinatio“, „Schlußfolgerung“ und „discursus“ synonym. Auch Hutcheson nennt den dritten Teil seiner Logik, nachdem die Apprehensiones und Judicia bereits betrachtet worden sind, „Dianoetica“ oder „De Discursu“. Hier findet sich z.B. die Definition:

Discursus est actio mentis, ubi ex duobus aut pluribus judiciis infertur tertium[2].

Als logischen oder erkenntnistheoretischen Fachterminus findet man den Diskursbegriff im folgenden jedoch nicht nur in der lateinischen Gelehrtensprache, sondern auch den übrigen europäischen Nationalsprachen:

No discours, whatsoever, can end in absolute knowledge.[3]

Den Überlegungen Nikolaus von Kues entsprechend betrachtet also auch Thomas Hobbes das spezifisch menschliche diskursive Denken als bloße “conditional knowledge“, das seinen Ausdruck in einer mentalen oder verbalen Conclusio findet.

David Hume hingegen gebraucht “discours“ im Sinne der allgemeinen Verknüpfung von Gedanken in Rücksicht auf die eigenen Verstandesoperationen oder auch das gemeinsame Gespräch. Diese diskursive Einheit der Gedanken basiert nach Hume auf den Assoziationsprinzipien „Ähnlichkeit“, „raum-zeitliche Nähe“ und „Kausalität“.

Im Rahmen der Philosophie J. Benthams findet dann eine Annäherung der Disziplinen Logik und Sprachphilosophie statt. Da die Worte Zeichen der Gedanken sind und sich diese auch nur in jenen relativ dauerhaft manifestieren können, versteht Bentham “discours“ als Mittel zum Zwecke des Gedankenausdrucks und der Kommunikation. Die Sprache ist das Medium der Diskurse und die Sprachtheorie betrachtet “the aggregate of the matter of discours“(S.79). Die beschriebene Verwendung des Begriffs „Diskurs“ im Bereich der Logik setzt sich allerdings nicht bis in die Gegenwart fort. Obwohl diese Feststellung nicht für das Adjektiv „diskursiv“ zutrifft, ist die Rechtmäßigkeit der Ableitung von dem entsprechenden Substantiv problematisch.

Im Italienischen und Französischen ist ein Transfer des Terminus aus dem Bereich des Denkens in jenen des Gesprächs und der Abhandlung belegt. Der „Diskurs“ gehört nicht mehr in das Begriffsfeld der Logik, sondern in jenes der Sprache. Die Schriften Machiavellis oder Montaignes erlauben allerdings noch keine eindeutige Bestimmung der Bedeutung des Begriffes. Er wird zur Bezeichnung literarischer oder wissenschaftlicher Gattungsformen, als Synonym oder auch als Gegenbegriff zu „Gespräch“ und weiterhin in logischen und rhetorischen Kontexten verwendet. Diderot unterscheidet in seiner „Encyclopedie“ zwischen einem Diskursbegriff, der in seinem Gebrauch auf die Antike und einen, der auf die scholastische Tradition zurückgeführt werden kann.[4]

Für F. Bacon ist der “discours“ ein Element der Klasse “speech“ oder “talk“ und somit Gegenstand rhetorischer Überlegungen. Berkeley begreift ihn als Form einer begründeten und öffentlichen Meinungsäußerung. Descartes verwendet den Begriff bereits im Titel seiner Abhandlung „Discours de la methode“.

Im deutschen Sprachraum wurden „Diskurs“ und „Syllogismus“ als zwei Arten mündlicher Äußerungen derart unterschieden, daß dieser als bloß formale Verknüpfung von Urteilen, jener aber als längere und anspruchsvollere Abhandlung verstanden wurde. Den Diskursbegriff findet man allerdings zu dieser Zeit auch mit negativer und abwertender Konnotation. Im Gegensatz zum Disputieren bedarf es innerhalb eines Diskurses weder klarer und deutlicher Vorstellungen der verwendeten Begriffe noch Kenntnisse der logischen Schlußformen. Desweiteren muß der Diskurs in Abgrenzung von formal strengen und wissenschaftlichen Abhandlungen als eher unterhaltende Literaturform betrachtet werden. Neben der alten lateinischen Form „discursus“ findet man in jener Zeit auch französisch „discours“ und lateinisch „discurs“.

Im 20. Jh. tritt im angelsächsischen Sprachraum der Ausdruck “universe of discours“ auf. Nach de Morgan und Boole muß der Referent einer bestimmten Äußerung aus dem dieser vorangegangenen Menge von Diskursen, welche die (De-)Kodierung der Ausdrücke regelt, erschlossen werden. Die Bedeutung eines Diskurses kann also nur anhand des zugrundeliegenden “universe of discours“ bestimmt werden. Der Gegenstand des Diskurses ist entweder das Denken oder das Gespräch. Unter “discours“ verstehen also de Morgan und Boole, aber auch Pierce eine Aussage oder einen mentalen Gedanken im allgemeinen Feld der Sprache.

Bei Mead und Habermas wird die Synthese von Sprache bzw. Individuum und Gesellschaft versucht, die in einem allgemeinen Diskurs resultieren soll, der jedem einzelnen offensteht. Nationale Sprachbarrieren sollen auf der Grundlage der universellen Struktur der Logik aufgehoben werden. Jenseits dieser utopischen Vorstellung wird v.a. für Mead ein allgemeiner Diskurs von einer Gruppe von Individuen konstituiert, die an einem gemeinsamen sozialen Erfahrungshorizont partizipieren und für die somit bestimmte Symbole dieselbe Bedeutung haben.

Morris unterscheidet schließlich mit Rücksicht auf den Gebrauch der Zeichen und den Signifikationsmodus insgesamt sechzehn verschiedene Diskurstypen.

Im Poststrukturalismus z.B. bei Lyotard kann der Diskursbegriff im Sinne des wittgensteinschen Sprachspiels verstanden werden. Sätze können nur innerhalb und durch den Diskurs, in welchem sie enthalten sind, Bedeutung erlangen. Ein „Außen“ gibt es nicht.

Zusammenfassend kann also gesagt werden, daß der altlateinische Ausdruck „discursus“ seine erste metaphorische Umdeutung zur Zeit der Scholastik erfährt. Die ursprünglich unbestimmte Bewegung des Belebten und Unbelebten bezeichnet nun die Bewegung der Gedanken im Verstand. In einem zweiten Schritt wird der bis jetzt spezifisch logische Terminus im Rahmen der Rhetorik und Sprachtheorie für jede Form der Rede als Ausdruck der Gedanken gebraucht. Und schließlich betrachtet man mit Hilfe des Diskurses nicht mehr die Struktur der Sprache, sondern z.T. auch außersprachliche Begrenzungen oder Bedingungen für bedeutungsvolles Sprechen im allgemeinen.

Mit Foucault werden im folgenden eine Reihe repressiver Mechanismen betrachtet, die auf den Diskurs, so wie er ihn versteht, einwirken.

II. „Die Ordnung des Diskurses“

In seiner Antrittsvorlesung am College de France 1970 betrachtet Michel Foucault

(15/10/1926 - 25/06/1984) Ausschluß- und Verknappungsmechanismen, die regulierend auf unsere Diskurse einwirken. Er untersucht hier nicht mehr die faktische Existenz eines konkreten historischen Aprioris, d.h. dem Auftreten wirklicher Äußerungen vorhergehende Bedingungen, sondern allgemeine Prinzipien der Regelung und Ordnung von Diskursen und er fragt nach dem Zusammenhang zwischen diesen und sozialen Praktiken.

Der Ausdruck „Diskurs“ ist ein Schlüsselbegriff in Foucaults Arbeiten, doch wird er in keinem seiner früheren Bücher („Wahnsinn und Gesellschaft“ / „Die Geburt der Klinik“ oder „Die Ordnung der Dinge“) auch nur zu definieren versucht. Foucault spricht gleichzeitig von dem „allgemeinen Gebiet der Aussagen“, einer „individualisierbaren Gruppe von Aussagen“ und einer „regulierten Praxis“, in der Wörter und Dinge miteinander verschränkt sind. Auch der Begriff der „Aussage“ (enonce) wird dort nicht näher bestimmt.

Doch sowohl Foucaults späteren Werke als auch die Arbeit einiger Kommentatoren haben zu vielfältigen Definitionsversuchen geführt.

Der „Diskurs“-Begriff kann auf der einen Seite seinem Wesen nach erst auf dem Hintergrund der allgemeinen Theorie Foucaults verstanden werden. Diese nennt er (in dem entsprechenden Buch noch) „Archäologie“. Auf der anderen Seite hat eine Verschiebung in dem Werk Foucaults stattgefunden. So betrachtet er in seinen früheren Arbeiten (60er Jahre) bloß die internen Regelmechanismen von Aussagen und Diskursen. In Rückbezug z.B. auf „Wahnsinn und Gesellschaft“ akzentuiert er später (70er Jahre) die Verzahnung der Diskurse mit gesellschaftlichen Praxen und Institutionen und deren Herkunft aus denselben.

Unter der Methode der „Archäologie“ begreift Foucault die immanente Beschreibung des Monuments anstelle einer, wie sie zuvor von den Historikern unternommen worden ist, Interpretation der geschichtlichen Dokumente. Die Geschichte ist uns in Form von Dokumenten gegeben, doch Foucault untersucht diese nicht in Rücksicht auf die Intention eines dahinterstehenden Subjekts, sondern er betrachtet die diskursive Praxis selbst. Das Dokument wird zum Monument, indem man in demselben liest, nicht durch dieses hindurch auf eine „tiefere“ Wahrheit stoßen will. Monumente besitzen entgegen den Dokumenten keine signifikante Funktion. Das Dokument ist wie die übrigen sozialen Praktiken das Ergebnis bestimmter „Machtspiele“. Foucault liest also die historischen Dokumente, um über die sie und die sozialen Praktiken erzeugenden Kräfte etwas zu erfahren.

Er untersucht Diskursformationen, d.h. Regelmäßigkeiten der Beziehungen von Aussagen untereinander und deren Transformationen. Die Gesamtheit diskursiver Regelmäßigkeiten, die eine Epoche charakterisieren, nennt Foucault „Archiv“. Der Diskurs, dies wird im folgenden noch deutlich werden, stellt eine Gesamtheit von Aussagen dar, das Archiv eine Menge von Diskursen. Foucault klammert allerdings sowohl die Bedeutung als auch einen möglichen Wahrheitsanspruch der Aussagen aus seinen Betrachtungen aus. Es ist die Sichtung einer heterogenen Oberfläche theoretischer Äußerungen gestreut in Raum und Zeit.

Die in Rücksicht auf die Historiker von Foucault vorgenommene methodische Verschiebung führt im Rahmen der Geschichtsbetrachtung zu einer Vervielfältigung der Brüche, zur Freilegung langer Perioden, der Konstitution von Serien und schließlich von Tableaus. Im Mittelpunkt der Untersuchungen stehen nicht länger nur die großen und bedeutenden Geschehnisse, sondern verschiedene Typen von Ereignissen unterschiedlichen Niveaus.

Gerade indem man sich auch den geringsten Ereignissen zugewendet hat, indem man die Erhellungskraft der historischen Analyse bis in die Marktberichte hinein, in die notariellen Urkunden, in die Pfarregister, in die Hafenarchive vorangetrieben hat, die Jahr für Jahr, Woche für Woche verfolgt werden, hat man jenseits der Schlachten, der Dekrete, der Dynastien oder der Versammlungen massive Phänomene von jahrhundertelanger Tragweite in den Blick bekommen. Die Historie, wie sie heute betrieben wird kehrt sich nicht von den Ereignissen ab; sie erweitert vielmehr ständig deren Feld.[5]

Der Gedanke einer Teleologie, einer kontinuierlichen Chronologie der Vernunft“[6] wird abgelöst von dem der individuellen Serien, die nicht auf ein einziges zugrundeliegendes Gesetz reduziert werden können. Die Diskontinuität des Zufalls, der Entscheinungen etc., die zuvor zugunsten einer kontinuierlichen Geschichte aufgelöst und gelöscht wurden, stellt nun ein Grundmoment in Form einer Hypothese, des Ergebnisses und auch des leitenden Begriffs dar. An die Stelle einer globalen Geschichte und deren geistiges Prinzip tritt nun das heterogene Gebilde einer allgemeinen Geschichte, in welcher die Praktiken eine relative Eigenständigkeit und Autonomie gegenüber dem Logos, souveränen Subjekten und einem möglichen Telos behalten. Hier findet man Serien, Ausschnitte, Grenzen, Spezifitäten, die den Raum einer Streuung entfalten.[7]

Diese Wende wird an der durch Foucault geforderten Verlagerung des Begriffsrepertoirs deutlich. Begriffe, wie „Tradition“, „Einfluß“ oder „Entwicklung“, die auf die Souveränität eines Ursprungs verweisen, oder „Wissenschaft“, „Religion“ und „Fiktion“, die eine Gliederung des diskursiven Raumes ermöglichen, werden durch „Diskontinuität“, „Bruch“, „Schwelle“, „Grenze“, „Serie“ oder „Transformation“ ersetzt. Der Gedanke einer kontinuierlichen Geschichte, die ihr Korrelat in der Stifterposition eines autonomen Subjekts findet, verliert seinen Status der Selbstverständlichkeit und Evidenz. Foucault lehnt geschichtsphilosophische Konzepte, die um eine subjektzentrierte Teleologie, einen präexistenten Sinn und eine evolutionistische Zeitmetaphorik, kurz um einen Logozentrismus organisiert sind, ab:

Man muß auf all jene Themen verzichten, die die Funktion haben, die unendliche Kontinuität des Diskurses und sein geheimes Sichgegenwärtigsein in dem Spiel einer stets verlängerten Abwesenheit zu garantieren. Sich bereithalten, jeden Augenblick des Diskurses in seinem ereignishaften Hereinbrechen aufzunehmen; in der Punktualität, in der er erscheint, und in jener zeitlichen Verstreuung, die ihm gestattet, wiederholt, gewußt, vergessen, transformiert [...] zu werden. Man muß den Diskurs nicht auf die ferne Präsenz des Ursprungs verwiesen; man muß ihn im Mechanismus seines Drängens behandeln.[8]

Das Gebiet der Geschichte und insbesondere der Geschichte des Wissens findet eine für Foucaults Untersuchungen geeignete Manifestation in den Diskursen. Verzichtet man auf die Gedanken, die eine Kontinuität und Einheit des Diskurses vortäuschen, so erhält man eine Fülle von Ereignissen im Raum des Diskurses. Sein Ziel definierte Foucault in der Freilegung dieses Raumes, um die Aussagen losgelöst von den traditionellen Gliederungen erscheinen zu lassen und das freie Spiel ihrer Beziehungen betrachten zu können.

Die Geschichte des Wissens darf nach Foucault allerdings nicht mit einer Rezeptionsgeschichte identifiziert werden, da auch eine von der Intention der Subjekte unanhängige Kommunikation der Texte untereinander angenommen werden muß. Die Wissensproduktion ist nicht von den Subjekten, sondern dem, was Foucault diskursive Formationen nennt, in denen die Aussagen existieren, abhängig.

[...]


[1] Caesar, G. I.: De bello gallico, VIII, 29.

[2] Hutcheson, F.: Logicae Compendium. In: Collected Works of Francis Hutcheson. Facsimile Editiones. Bd. 7. Hildesheim 1971, S. 355.

[3] Hobbes, Th.: Leviathan. Hrsg.: Waller, A.R. Cambridge 1904, Kap. VII.

[4] Diderot, D./ D´ Alembert, J.: Encyclopedie, ou Dictionnaire Raisonne´des sciences, des artes et des metiers. Paris 1754, S. 1033.

[5] Foucault, Michel: Die Ordnung der Dinge. Frankfurt a. M. 1977, S. 38.

[6] Foucault, Michel: Archäologie des Wissens. Frankfurt a.M. 1969, S.17.

[7] vgl. ebda.: S.20.

[8] ebda.: S.39.

Ende der Leseprobe aus 45 Seiten

Details

Titel
Der Diskursbegriff in Foucaults "Die Ordnung des Diskurses"
Hochschule
Universität Siegen  (Fachbereich Germanistik)
Veranstaltung
Literaturtheorie (HS)
Note
1
Autor
Jahr
2000
Seiten
45
Katalognummer
V14465
ISBN (eBook)
9783638198622
Dateigröße
617 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Diskursbegriff, Foucaults, Ordnung, Diskurses, Literaturtheorie
Arbeit zitieren
Violetta Stolz (Autor), 2000, Der Diskursbegriff in Foucaults "Die Ordnung des Diskurses", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14465

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