Der französische Schauspieler, Regisseur, Dramatiker, Zeichner und vor allem Theater-Theoretiker Antonin Artaud brachte in die Welt des Theaters einige Veränderungen. Oft wird er als der Erfinder der Performance-Kunst bezeichnet, auch als einer der Gründer des „Modernen-Theaters“. Unzählige namhafte Persönlichkeiten zogen aus seinem Schaffen ihre Inspiration, viele bewegte dieses zu heftiger Kritik. Es stellt sich beim Lesen von Artauds Texten allerdings als sehr verlockend heraus, seine lebenslange Krankheit als alles erläuterndes Argument heranzuziehen, seine Formulierungen und wirren Zusammenhänge schreibt man gerne und erleichtert aufatmend seiner Schizophrenie zu; Eugène Ionesco beispielsweise findet nicht dass Artaud ein Philosoph sei, er bezeichnet ihn als temperamentvollen Rebell, bleibt aber nicht länger bei derart harmlosen Vergleichen, sondern meint weiters gnadenlos: „Außer einigen technischen Beobachtungen, die gültig geblieben sind, ist der Rest ein Wind, der einen leicht Übelkeit erregenden, unkonsequenten, infizierten Gestank mit sich trägt“.1 Artauds starke Betonung der Wichtigkeit der Körpersprache und seine grotesken Theaterstücke hatten starke Auswirkungen auf spätere Theater-Entwicklungen, wie das „absurde Theater“. Jean Genet, Samuel Beckett oder Heiner Müller, beispielsweise, nahmen Artauds Dramatik zum Vorbild. Jerzy Grotowski und Peter Brook ließen sich überaus stark von Artauds Publikum und Künstler verbindenden Metaphysik beeinflussen (seihe weiter: „Artauds Einflüsse auf Jerzy Grotowski und Peter Brook“). In den sechziger Jahren verwandelte sich Artauds Mischung aus Theater und bildender Kunst und der Zufalls-betonte Charakter seiner Aufführungen zu neuen Kunst-Formen, wie denen des Happenings, der Aktions-Kunst und der Performance. Ihnen bleibt unter anderem die fließende Grenze zwischen Künstler und Publikum als wichtiges Prinzip gemeinsam, ebenso das Bemühen um einen Einfluss auf die Psyche des Zuschauers.
Folgende Arbeit aber soll vorrangig Artauds Raumkonzept behandeln. Um dieses jedoch beschreiben zu können, ist eine allgemeine Erläuterung seiner Theater bezogenen Philosophien notwendig, aus denen heraus sich Artauds Idee des Theaterraums erst richtig schließen lässt.
Inhaltsverzeichnis
- Einleitung
- Biographie
- Theater und seine Funktion
- Die Kulturrevolution
- Theater und sein Double
- Theater der Grausamkeit
- Der Theaterraum
- Artauds Einflüsse auf Jerzy Grotowski und Peter Brook
- Nachwort
Zielsetzung und Themenschwerpunkte
Die Arbeit befasst sich mit dem Raumkonzept von Antonin Artaud und untersucht dessen Einfluss auf das Theater. Artauds Theaterphilosophien, insbesondere seine Idee des „Theaters der Grausamkeit“, werden erläutert, um das Raumkonzept besser zu verstehen.
- Artauds Kritik an der Kultur und Zivilisation
- Die Bedeutung der Körpersprache und des Instinkts
- Das Verhältnis von Künstler und Publikum
- Das Konzept des „Theaters der Grausamkeit“
- Artauds Einfluss auf spätere Theaterentwicklungen
Zusammenfassung der Kapitel
Die Einleitung stellt Antonin Artaud als Theater-Theoretiker vor und beleuchtet seine Bedeutung für die Entwicklung des „Modernen-Theaters“. Die Biographie zeichnet den Lebensweg Artauds nach und beleuchtet seine künstlerischen Anfänge, seine Auseinandersetzung mit den Surrealisten und seine Zeit in psychiatrischen Anstalten. Im Kapitel „Theater und seine Funktion“ wird Artauds Kritik an der Kultur und Zivilisation sowie seine Idee der „Kulturrevolution“ erläutert. Weiterhin werden die zentralen Elemente seiner Theaterphilosophie, wie die Bedeutung der Körpersprache und der Instinkt, sowie das Konzept des „Theaters der Grausamkeit“ vorgestellt. Das Kapitel „Der Theaterraum“ befasst sich mit Artauds Raumkonzept und dessen Bedeutung für die Inszenierung seiner Theaterstücke.
Schlüsselwörter
Antonin Artaud, Theater, Theater der Grausamkeit, Kulturrevolution, Körpersprache, Instinkt, Raumkonzept, Performance-Kunst, Modernes Theater, Surrealismus, Schizophrenie, Jerzy Grotowski, Peter Brook.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das "Theater der Grausamkeit" nach Antonin Artaud?
Es ist ein Konzept, das den Zuschauer durch schockierende, physische Erlebnisse aus seiner bürgerlichen Apathie reißen will. "Grausamkeit" meint hier nicht Sadismus, sondern die unerbittliche Konfrontation mit der Realität.
Welche Rolle spielt die Körpersprache in Artauds Theater?
Artaud lehnte das rein textbasierte Theater ab. Die Körpersprache, Gestik und der Instinkt des Schauspielers sollten direkt auf die Psyche des Zuschauers wirken, ohne den Umweg über den Intellekt.
Wie definierte Artaud den Theaterraum neu?
Er wollte die Trennung zwischen Bühne und Zuschauerraum aufheben. Das Publikum sollte mitten im Geschehen sitzen, um die metaphysische Wirkung der Performance unmittelbar zu spüren.
Welchen Einfluss hatte Artaud auf das moderne Theater?
Artaud gilt als Wegbereiter der Performance-Kunst, des Happenings und des "Absurden Theaters". Künstler wie Samuel Beckett, Jerzy Grotowski und Peter Brook ließen sich stark von ihm beeinflussen.
Warum wurde Artaud oft kritisiert?
Seine wirren Formulierungen und extremen Ansichten wurden oft seiner Schizophrenie zugeschrieben. Kritiker wie Ionesco bezeichneten seine Theorien teils als unkonsequent und "infiziert".
- Citation du texte
- Kaja Dymnicki (Auteur), 2008, Antonin Artauds Theater, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144665