School Shootings. Ursache und Prävention


Diplomarbeit, 2009
169 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abstract

Abbildungsverzeichnis

Tabellenverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

1. Einleitung

2. Begriffsbestimmung
2.1. Der Begriff des School Shootings
2.2. Abgrenzung zum Begriff des Amoklaufs

3. Aspekte des Phänomens School Shooting
3.1. Darstellung ausgewählter School Shootings
3.1.1. Eric Harris und Dylan Klebold - Littleton (USA) 1999
3.1.2. Robert Steinhäuser - Erfurt 2002
3.1.3. Bastian Bosse - Emsdetten 2006
3.1.4. Seung-Hui Cho - Blacksburg (USA) 2007
3.1.5. Ausgewählte Aspekte des School Shootings in Jonsboro
3.2. Theoretische Phasenmodelle von School Shootings
3.3. Spezifische Erkenntnisse zu School Shootings in Deutschland

4. Betrachtung der möglichen Ursachen für School Shootings
4.1. Ausgewählte Aspekte der Ursachenbetrachtung
4.2. Psychologische Täterbetrachtung - Tätertypen nach Langman
4.2.1. Psychopathische Täter
4.2.2. Psychotische Täter
4.2.3. Traumatisierte Täter
4.3. Soziologisch-kriminologische Kontrolltheorien
4.4. Bedeutung der Täterphantasie
4.5. Ursachenhyothesen im System Schule
4.6. Aspekte der Mediendiskussion - Nachahmungstaten

5. Präventionsaspekte zur Vermeidung von School Shootings
5.1. Leaking - Täterkommunikation im Vorfeld der Tat
5.2. Bedrohungsanalyse - Threat Assessment
5.3. DyRiAS - System zur Früherkennung von möglichen Tätern
5.4. Schulische Aspekte der Prävention bei School Shootings
5.5. Gesellschaftliche Präventionsdiskussionen

6. Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

Beitrag in

Gesetze / Verordnung

Graue Literatur / Bericht / Report

Hochschulschrift

Internetdokument

Monographie

Pressemitteilungen

Sammelwerk

Spielfilm

Ton- oder Filmdokument

Zeitschriftenaufsatz

Zeitungsartikel

Anhang
Anhang 1 - Martialische Zeichnungen Eric Harris
Anhang 2 - Tatvorbereitende Zeichnungen von Eric Harris
Anhang 3 - Ausschnitte einer DyRiAS Beispiel-Auswertung

Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Phasen eines School Shootings (Quelle: Heubrock et al., 2005, S.22 letzte Ansicht: 01.11.2009)

Abbildung 2: Entwicklungsverlauf eines School Shooting (Quelle: Scheithauer, Bondü, 2008, S.84; erweitert nach Heubrock et al., 2005, S.22)

Abbildung 3: Beispiel einer DyRiAS Auswertung - Risikoeinstufung (Quelle: IPBm, 2009, letzte Ansicht: 02.12.2009)

Tabellenverzeichnis

Tabelle 1: deutsche School Shooting 09.09.1999 - 17.10.2009 (Quelle: vgl. Elstermann, Buchwald, 2009, letzte Ansicht: 25.10.2009; vgl. Hoffmann et al., 2009, S.198; vgl. DPA, 2009, letzte Ansicht:18.10.2009; vgl. Robertz, 2004, S.70-75)

Tabelle 2: Gegenüberstellung Aufzeichnung Harris vs. Bosse »gottgleich« (Quelle: JCSO, 2006, S.26005; Szumelda, Behling, 2007, S.107,72)

Tabelle 3: Gegenüberstellung Aufzeichnung Harris vs. Bosse »innere Schwäche« (Quelle: JCSO, 2006, S.26014; Szumelda, Behling, 2007, S.119,67,123,95)

Tabelle 4: Gegenüberstellung Aufzeichnung Harris vs. Bosse »letzte Tagbucheinträge« (Quelle: JCSO, 2006, S.26018; Szumelda, Behling, 2007, S.123-124)

Tabelle 5: Gegenüberstellung Aufzeichnung Harris vs. Bosse »Sadismusphantasien« (Quelle: JCSO, 2006, S.26016; Szumelda, Behling, 2007, S.112)

Tabelle 6: Beispiele für direktes & indirektes Leaking (Quelle: vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.68)

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abstract

Die vorliegende Arbeit widmet sich dem Phänomen zielgerichteter Gewalt in Form von School Shootings an Schulen. Dieses international bekannte Phänomen tritt seit ungefähr 30 Jahren auf, in Deutschland insbesondere in den vergangenen zehn Jahren. Einführend wird das Phänomen des School Shooting dargestellt und im Kontext amerikanischer und deutscher Studien bedeutende Faktoren beleuchtet. Dabei finden auch neuere deutsche Fälle aus dem Jahr 2009 Berücksichtigung.

Neben der ausführlichen Darstellung von ausgewählten School Shootings, mit Konzentration auf die Täterentwicklung, werden verschiedene Faktoren, die zur Genese einer zielgerichteten Gewalttat beitragen, aufgezeigt. Anhand eines theoretischen Phasenmodells werden die Entwicklung von der Tatidee hin zur Tatausführung erläutert und Rahmenbedingungen skizziert. Anschließend folgt die Betrachtung spezifischer deutscher Forschungsergebnisse zu School Shootings.

Im Rahmen der Ursachenbetrachtung erfolgt eine Darstellung möglicher Risikofakto- ren. Die von Peter Langman aufgestellten Täterkategorien aus psychologischer Betrach- tung werden anhand von ausgewählten Fallbeispielen dargestellt. Im Anschluss widmet sich die Arbeit der sozialen Kontrolltheorie nach Hirschi und der Kontrollbalancetheo- rie von Tittle im Kontext von School Shootings. Die Relevanz der Phantasie bei School Shootings, verschiedene schulische Aspekte, die eine solche Tat begünstigen und das Risiko von Nachahmungstaten durch Medieneinfluss leiten zur Prävention über.

Im letzen Komplex geht es um mögliche Ansätze der Prävention. Neben der Darstellung von Leaking, bei dem der Täter seine Tatabsicht vorab anderen mitteilt, widmet sich der Kern des Kapitels der Bedrohungs- bzw. Risikoanalyse. Fortführend werden einige Aspekte schulischer Prävention dargestellt und gesellschaftliche Präventionsdiskurse kurz aufgegriffen.

1. Einleitung

Freitag, der 26. April 2002, Erfurt: Der 19jährige Robert Steinhäuser betritt um etwa 10:46 Uhr sein ehemaliges Schulgebäude mit einem Rucksack und einer grünen Sport- tasche.1 Im Schulflur trifft er auf den Hausmeister der Schule. Robert ist auf der Suche nach der Schulleiterin, während in der Aula zeitgleich die schriftlichen Abiturprüfungen stattfinden.2 Nach dem kurzen Gespräch mit dem Hausmeister betritt er die Herrentoi- lette im Erdgeschoss des Gutenberg-Gymnasiums.3 In seiner Sporttasche befinden sich hunderte Schuss Munition für seine Glock17 Pistole und einige Patronen für die Pump- gun Mossberg 590, die er sich gleich auf den Rücken schnallen wird.4 Er streift die Jac- ke ab, zieht die Sturmmaske über, legt die schwarzen Handschuhe und das Oberschen- kelholster an, packt vier der gefüllten sieben Magazine, sowie zehn Patronen für die Pumpgun in seine Hosentaschen und verlässt die Herrentoilette.5

Etwa 20 - 25 Minuten später sind 17 Menschen tot. Die Schulsekretärin, 13 Lehrkräfte, zwei Schüler und ein Polizist wurden durch Robert Steinhäuser getötet, ehe er sich in einem Fachraum für Kunsterziehung selbst das Leben nahm.6

Mit dem 26. April 2002 ist das bis dahin allenfalls aus dem Fernsehen bekannte Phäno- men der School Shootings in unbegreiflicher Brutalität auch in Deutschland angekom- men. Robert Steinhäuser verübte in der letzten halben Stunde seines Lebens das bis da- hin blutigste School Shooting weltweit.7 Hilflos stand die Gesellschaft dem blutigen Handeln des jungen Täters gegenüber und niemand konnte sich zum damaligen Zeit- punkt die Ursachen einer derart grausamen Tat erklären - Fassungslosigkeit herrschte im ganzen Land.8

Am 03. Mai 2002 sagte Bundespräsident Johannes Rau auf der offiziellen Trauerfeier:

„Wir sind ratlos. Wir haben nicht für möglich gehalten, dass so etwas bei uns geschieht.“9 Auf die Frage nach den Ursachen der erschütternden Tat weiß auch das Staatsoberhaupt keine Antworten zu geben: „Gewiss, wir möchten verstehen, was den Täter angetrieben, was ihn verführt, was ihn jeden menschlichen Maßstab hat verlieren lassen. Wir suchen nach Ursachen und nach Verantwortung.“10

Seit Erfurt hat es weitere tödliche Attacken durch Schüler an deutschen Schulen gege- ben.11 Immer wieder fragte sich die geschockte Öffentlichkeit danach, was die Ursachen solcher Taten sind. Nachdem der 17jährige Tim Kretschmer im baden- württembergischen Winnenden am 11. März 2009 ein School Shooting mit anschlie- ßender Flucht quer durch die Region verübte, befragte das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid 1.000 Bundesbürger nach der größten Schuld an einer solchen Tat. Dabei wurden von den Befragten zu 34% gewaltverherrlichende Computerspiele, zu 30% die Eltern, zu 18% Filme, Medien und Internet und zu 4% die Schule verantwortlich ge- macht.12

Diese öffentliche Meinung ist bei tiefgreifender Betrachtung der Fakten nur eine vorei- lige und scheinbar emotionale Schuldzuweisung, blendet sie doch vorhandene wissen- schaftliche Erkenntnisse aus. Was treibt also insbesondere junge Männer zu solchen unfassbaren Gewalttaten. Wo liegen die möglichen Ursachen für so kaltblütig erschei- nende Massenmorde? Was sind die Risikofaktoren, die einen Jugendlichen zum School Shooter werden lassen?

In einer Untersuchung von Robertz, in der 99 internationale School Shootings analysiert wurden zeigte sich, dass nur vier der 99 bis zum Jahresende 2006 bekannten Taten von Mädchen begangen wurden. School Shootings sind also ein besonders männlich domi- niertes Phänomen schulischer Gewalt.13 Generell nahmen die vorher vorrangig in den USA aufgetretenen und daher auch als »Target School Violence« (d.h. zielgerichtete Gewalt an Schulen) bezeichneten Attacken an europäischen und hier insbesondere an deutschen Bildungseinrichtungen in den letzten 10 Jahren zu.14 In den Jahren 1964 und 1983 fanden in Deutschland zwei als Amoklauf bezeichnete Gewaltakte in Bildungsein richtungen statt, die jeweiligen Täter waren aber bereits dem Jugendalter entwachsen.15 Nach dem School Shooting an der Columbine Highschool am 20. April 1999 traten erstmals vergleichbare Vorfälle auch an deutschen Schulen auf. Bis zum Jahresende 2006 gab es sieben Fälle unterschiedlichen Ausmaßes wobei das Alter der Täter zwi- schen 15 und 22 Jahren variierte.16 Durch die aktuellen Fälle in Winnenden, Sankt Au- gustin und Ansbach führt die deutsche School Shooting Statistik nun mehr mindestens zehn Fälle mit insgesamt 41 Toten innerhalb der letzen zehn Jahre.17 Somit ist Deutsch- land nach den USA das Land mit den zweithäufigsten derartigen Vorkommnissen.18

Einführend soll der Begriff des School Shootings als zielgerichtete Gewalt an Schulen dargestellt und von dem des klassischen Amoklaufes im Spektrum der Mehrfachtötun- gen abgegrenzt werden. Zur späteren Betrachtung der Täter und Taten wird im An- schluss eine Auswahl an School Shootings in Deutschland und den USA mit besonde- rem Augenmerk auf die persönliche Entwicklung der Täter bis zum Tatzeitpunkt darge- stellt. Meines Erachtens verdeutlicht dieses Vorgehen - trotz des damit verbundenen Umfanges - im besonderen Maße mögliche Faktoren der Entwicklung hin zu einer sol- chen Tat. In Kapitel 4 sollen die möglichen Ursachen und Erkenntnisse zu Tätertypen dargestellt werden. Im Anschluss sollen verschiedene Instrumente der Prävention kurz vorgestellt werden.

Im Interesse der Lesbarkeit wird im Allgemeinen auf geschlechtsspezifische Formulie- rungen verzichtet. Der ursprünglich englische Begriff School Shooting wird in dieser Arbeit als deutsches Nomen gemäß der neuen deutschen Rechtschreibung verwendet.

2. Begriffsbestimmung

Den meisten Menschen sind Taten zielgerichteter Gewalt an Schulen bisher vor allem unter dem Begriff »Amoklauf« oder dem martialischem Boulevardmedien-Synonym »Schulmassaker« bekannt. Dies liegt meines Erachtens vor allem an der häufigen Ver- wendung des Terminus »Amoklauf« in der Berichterstattung. Generell wird der Begriff Amoklauf dabei als Tat- bzw. Handlungsbeschreibung verwendet, wenn Jugendliche an Schulen unvermittelt blutige Gewaltakte mit Waffen verüben. Teilweise wird »Amok- lauf« sogar undifferenziert in verschiedenster Fachliteratur angewendet.19

Wozu braucht es einer begrifflichen Präzisierung der Taten auf den Begriff School Shootings? Grundsätzlich gehören alle bisher erwähnten Begrifflichkeiten wie Amok- lauf, Massenmord, Massaker oder School Shooting in den Bereich der Mehrfachtötun- gen. Insbesondere der Kriminologe und Sozialpädagoge Frank Robertz drängt im deutschsprachigen Raum auf die »richtige« Bezeichnung der von Jugendlichen an Schu- len begangenen multiplen Tötungshandlungen.20 Die korrekte Verwendung der Begriff- lichkeiten ist nötig für die Unterscheidung der unterschiedlichen Gewalttaten, denn nicht alle Fälle von Gewalt an Schule sind als School Shooting zu definieren.

Dazu empfiehlt sich beginnend die Betrachtung der Unterscheidungsmöglichkeiten von Tötungshandlungen. Anfangs wurden nur verschiedene Typen von Mördern die vorran- gig aus Lust heraus töteten unterschieden. Später führten Kriminologen mit der Klassi- fizierung nach Stil, Typus und Opferanzahl ein präzises Klassifikationsschema für di- vergente Tötungshandlungen ein.21 Nahezu alle bekannten Tötungsformen können so klassifiziert und durch spezifische Merkmale voneinander abgegrenzt werden. Ein klas- sischer Mord ist somit durch nur ein Opfer zu einem Tatzeitpunkt an nur einem Tatort klassifiziert. Doppelmord beinhaltet ausschließlich die Tötung von zwei Personen in- nerhalb einer Tathandlung an einem Tatort.22 Definitionen wurden so auch für verschie- dene Formen der Mehrfachtötungen aufgestellt.23

Aus diesen Erkenntnissen resultierend wurde eine mittlerweile weitgehend gebräuchliche Unterteilung von Mehrfachtötungen in drei spezifische Kategorien formuliert: den Serienmord, Spree killing und den Massenmord.24

Ein Serienmord ist nach Holmes und Holmes demnach die multiple Tötungshandlung mit drei oder mehr Opfern, die sich über einen Zeitraum von mehr als 30 Tagen erstreckt, an unterschiedlichen Tatorten stattfindet und in der eine emotionale Abkühlungsphase zwischen den Tötungen auftritt.25

Spree killing bezeichnet nach Holmes und Holmes jene Tötungshandlungen mit drei oder mehr Opfern die an unterschiedlichen Tatorten in einem Zeitraum von bis zu 30 Tagen und in der Regel durch andere Straftaten begleitet durchgeführt werden. Spree killer verüben jedoch trotz des möglichen Zeitraumes von bis zu 30 Tagen meistens ihre Tathandlungen innerhalb einer kurzen Zeit, in dem es generell keine Phasen der emo- tionalen Abkühlung gibt, es finden aber Ortswechsel während der Tat statt.26

Der Massenmord hingegen ist die Tötungshandlung an drei oder mehr Personen an ei- nem Ort in einem einzigen Zeitraum der meist wenige Minuten bis einige Stunden um- fasst.27 Abweichend davon finden sich in einigen (vorrangig älteren amerikanischen) Quellen auch Angaben von mindestens vier Tötungen um eine entsprechende Klassifi- zierung als Massenmord anwenden zu können. Dabei wird aber der Tötungsquantität unnötig Gewicht beigemessen, obwohl die Unterscheidungsmerkmale Tatzeitraum, Tat- orte und emotionale Abkühlungsphase eine Abgrenzung zueinander auch mit drei Op- fern zulässt.28

Der insbesondere von TV-Medien gern genutzte Begriff des »Schulmassakers« hinge- gen ist absolut ungeeignet zur Umschreibung der Taten. Weder ist der Begriff wissen- schaftlich hinreichend gestützt, noch trägt die martialische Aussagekraft zur notwendi- gen Sachlichkeit bei. Der Begriff Massaker ist eher durch Handlungen im Sinne von Kriegsverbrechen und Völkermord besetzt.29 Als Unterkategorie der Massenmorde sind zivile Massaker und Genozide nach Scheithauer und Bondü subsumiert zu betrachten.30

2.1. Der Begriff des School Shootings

Deduzierend aus der von Holmes und Holmes aufgestellten Klassifizierung ist eine Zu- ordnung der als School Shootings bezeichneten Taten zur Untergruppe der Serienmorde ausgeschlossen.31 Robertz schließt auch Spree killings als übergeordnete Begrifflichkeit aufgrund des dafür möglichen mehrtägigen Tatzeitraumes aus, denn nahezu alle Taten fanden bisher in einem einzigen zeitlichen Zusammenhang binnen weniger Minuten oder Stunden statt.32 Dem widerspräche jedoch die Klassifizierung von Douglas et al.: „A spree murder is defined as a single event with two or more locations and no emo- tional cooling-off period between murders. The single event in a spree murder can be of short or long duration.“33 Insbesondere bei den School Shootings in Blacksburg und Winnenden ist dieser Widerspruch deutlich belegbar, denn hier wechselte der Täter während der Tatausübung den Tatort. Dass dabei eine emotionale Abkühlung im Sinne der Klassifikationen eintrat darf aufgrund des unmittelbar fortgesetzten Tötens ausge- schlossen werden.

Als Hyperonym erscheint trotzdem einzig die Kategorie Massenmord diese Tötungs- handlungen von Jugendlichen an Schulen im Allgemeinen zu erfassen, geht es doch bei diesen Taten in der überwiegenden Zahl von Fällen um die Tötung von mehreren Per- sonen an einem Ort, innerhalb eines Zeitraumes und ohne emotionale Abkühlung zwi- schen den Tötungshandlungen. In zahlreichen Fällen kam es dabei zwar nicht zur Tö- tung von drei oder noch mehr Personen, aber dies lässt sich nicht zwingend auf die be- schränkten Absichten des Täters zurückführen. Vielmehr beeinflussten Handlungen Dritter (Lehrer, Polizei, etc.) oder tatrelevante Faktoren wie bspw. die nicht für eine derart schwere Tat ausreichende Bewaffnung die Opferzahl. Zudem darf davon ausge- gangen werden, dass in den meisten Fällen eine höhere Opferzahl vom Täter zumindest geplant war. Daher ist der Begriff des Massenmordes zwar der objektiv bestmögliche Oberbegriff, aber als unmittelbare Kategorie noch nicht ausreichend präzise.34 Scheit- hauer und Bondü ordnen School Shootings deshalb als Subkategorie von Amoktaten ein, wobei die Amoktat eine Subkategorie des Massenmordes ist.35

Um die hier als School Shooting bezeichneten Fälle von (schwerer) zielgerichteter Ge- walt an Schulen von den übrigen möglichen Gewalttaten an Schulen abzugrenzen, muss der Begriff School Shooting dahingehend genauer bestimmt werden, dass andere schuli- sche Gewaltereignisse ausgeschlossen werden. Allein die Übersetzung aus dem Engli- schen trägt nicht zur Präzisierung der Begrifflichkeit bei - wäre doch unter einer »Schulschießerei« auch jedwede Form von sonstigem Schusswaffengebrauch an Schu- len zu verstehen.36 Bei der Definition von School Shooting müssen demnach alle Taten, die von Personen nur zufällig an einer Schule begangen werden oder jene die aus wech- selseitigen Streitigkeiten zwischen zwei einzelnen Personen oder Gruppierungen im Sinne von Gang-related Incidents / Gang Shootings, gewaltsamem Drogenhandel, Be- ziehungskonflikten oder ähnlichen gewaltindizierten Handlungen resultieren, abge- grenzt werden.37

Bei einem School Shooting sucht sich der Täter die Bildungseinrichtung zielgerichtet als Tatort aus, es besteht ein unmittelbarer Bezug zum Tatort, den der Täter durch die Auswahl seiner Opfer noch zusätzlich verdeutlicht.38 Vossekuil et al. definierten School Shooting „...as any incident where (i) a current student or recent former student attacked so- meone at his or her school with lethal means (e.g., a gun or knife); and, (ii) where the student attacker purposefully chose his or her school as the location of the attack.“39 Ebenso führten Vossekuil et al. in dieser Studie den Begriff „Targeted School Violence“ ein, der in der deutschen Übersetzung als »zielgerichtete Gewalt an Schulen« verwendet wird.40 Der Begriff der »schweren zielgerichteten Gewalt an Schulen« ist eine nach Robertz und Wickenhäuser gängige Umschreibungen von School Shooting, gleiches formulieren die Autoren für »Amokläufe bzw. Massenmorde durch Jugendliche an Schulen«.41 Ich halte die Verwendung des Begriffes »Amoklauf« für diese Taten hingegen als nicht ausrei- chend trennscharf (siehe Pkt. 2.2).

Als explizites Merkmal von School Shootings hat der Täter in den meisten Fällen so- wohl den Tatort, die Tatzeit als auch die potenziellen Opfer bereits in der Phase der Tatvorbereitung unmittelbar bestimmt und eher zweitrangig kommt es bei der Tataus- führung zu zufälligen Opfern.42 School Shootings sind entgegen der direkten Überset- zung nicht nur Taten die mit Schusswaffen durchgeführt werden, sondern auch der Ein- satz von Hieb- und Stichwaffen, sowie (selbstgebaute) Bomben, Brandsätze oder als Waffe umfunktionierte Gegenstände können bei einem School Shooting in das Tatwaf- fenspektrum fallen.43 Am bisher präzisesten definieren Robertz und Wickenhäuser School Shootings als:

„Tötungen oder Tötungsversuche durch Jugendliche an Schulen, die mit einem direkten und zielgerichteten Bezug zu der jeweiligen Schule begangen werden. Dieser Bezug wird entweder in der Wahl mehrerer Opfer deutlich, oder in dem demonstrativen Tötungsversuch einer einzelnen Person, insofern sie aufgrund ihrer Funktion an der Schule als potenzielles Opfer ausgewählt wurde.“44

Robertz stellt als Definition von School Shooting zudem folgende Variablen auf:45

- Jugendliche(r) Täter
- Handlungen, die Tötungen zur Folge hatten oder nur zufällig nicht in solchen resultierten
- Nutzung von zur Tötung geeigneten Waffen
- Direkter Bezug der Tötung zur Schule in Abgrenzung von einfachen interperso nellen Konflikten zwischen zwei Schülern und gangbezogenen Tötungen.

Damit hat Robertz zugleich einige Bedingungen von School Shootings definiert um zahlreiche Merkmale der Taten auswerten zu können. So fand Robertz heraus, dass bei 75 Taten diese zu 88 Prozent mit Schusswaffen begangen wurden, trotzdem nutzten die Täter aber auch in Einzelfällen Hieb- und Stichwaffen oder setzten zusätzlich Spreng/Brandsätze ein.46 Auch ein kurzer Blick auf die deutschen Taten bestätigt diese Tendenz. Hoffmann et al. wiesen bei 85,7 Prozent der sieben untersuchten Fälle die Benutzung von Schusswaffen nach.47 Berücksichtigt man die drei neueren in der Studie noch nicht berücksichtigten deutschen Fälle, so lässt sich feststellen, dass sieben Täter Schusswaffen verwendeten, drei Täter Hieb- und Stichwaffen und drei Täter zudem Spreng- und/oder Brandsätze verwendeten.48

2.2. Abgrenzung zum Begriff des Amoklaufs

Besonders inflationär wird der Begriff »Amoklauf« für die Beschreibung von School Shooting benutzt. Der Terminus Amoklauf wird zugleich für die unterschiedlichsten Situationen im Alltag verwendet und bezieht sich dabei nicht immer ausschließlich auf Tötungshandlungen. Damit eine Tat jedoch als Amoklauf, für den es weder eine gesetz- liche, noch eine soziologisch oder kriminologisch eindeutige Definition gibt, bezeichnet werden kann, muss diese von hoher Impulsivität, dem plötzlichen Kontrollverlust, irra- tionaler Interaktion und enormen Stress seitens des Täters geprägt sein.49 Scheithauer und Bondü bestimmten als Definitionskriterien für einen Amoklauf den Versuch bzw. die Durchführung der mehrfachen direkten Tötung von zufällig ausgewählten und un- bekannten Personen durch einen einzelnen körperlich präsenten Täter am zumindest teilweise öffentlichen Tatort, wobei die einzelnen Tötungshandlung nacheinander und innerhalb eines in sich abgeschlossenen Zeitraumes (Tatzeit) und unter Verwendung objektiv tödlicher Waffen geschehen muss.50 Somit sind Selbstmordattentäter, Terroran- schlage und Kriegshandlungen vom klassischen Amoklauf abzugrenzen.51

Hoffmann definiert einen Amoklauf hingegen etwas unspezifischer als „... intentionale und nach außen hin überraschende Tötung und/oder Verletzung mehrerer Personen bei einem Tatereignis ohne Abkühlungsperiode, wobei einzelne Tatsequenzen im öffentli- chen Raum stattfinden.“52 Damit ist Hoffmann bei der Berücksichtigung von Taten mit mehr als einem Täter oder einem tateinheitlichen Wechsel von Tatorten flexibler, als Scheithauer und Bondü.53

Da Amok nach allgemeiner Auffassung seinen Ursprung im malaiischen Kulturraum in der Zeit um das 14./15. Jahrhundert hat, soll dieser Hintergrund kurz betrachtet werden. Der kriegerische Ausruf »amuck« leitete demnach einen Angriff der malaiischen Krie- ger ein, bei dem die Aussicht auf das eigene Überleben nachrangig war. Im heutigen Verständnis würde man diese Taten insbesondere mit den Kamikaze-Angriffen im zweiten Weltkrieg vergleichen, obgleich man hier eben nicht den Begriff Amok ver- wendete, sondern einen eigenen definierte. Diese Form des kriegerischen Amoklaufs von Gruppen als Kriegswaffe im Einsatz gegen teilweise deutlich überlegende Heere oder die zielgerichtete Attacke von prominenten Kolonialherren im 15 Jahrhundert war teilweise im malaiischen Kulturraum institutionalisiert.54 Amok stellte dort lange Zeit auch ein sozial akzeptiertes Verhalten dar, mit dem neben den kriegerischen, später auch Handlungen einzelner Personen zur Wiederherstellung von familiärem Status und gesellschaftlicher Reputation akzeptiert wurden. Als eine Art des »Gesichtswahren« konnte somit ein heldenhafter Status erlangt werden, der mit einem Suizid nicht er- reichbar gewesen wäre.

Adler unterscheidet dabei 4 Phasen des Ablaufs: 1. Nach einer Kränkung oder einem Objektverlust folgte eine Zeit des Grübelns mit sozialem und depressivem Rückzug. 2. folgte unvermittelt eine Gewalthandlung mit rücksichtloser Tötung, wobei nicht selten Familie, Angehörige, Bekannte oder die gegnerische Partei attackiert wurden, bevor im »Rausch« auch unbeteiligte Dritte getötet wurden. 3. folgte eine unkontrollierbare Handlungsperiode in der wahllos getötet wurde bis der Amoktäter selbst getötet oder überwältigt wurde und als letzte bzw. 4. Phase beschreibt Adler dann eine Art Dämmerzustand in dem ein Täter stunden- bis tagelang verweilen konnte und danach weder Erinnerungen noch Motive der Tat benennen konnte.55

Noch heute wird Amok im diagnostischen und statistischen Manual psychischer Stö- rungen (DSM IV) und der Internationalen Klassifikation von Krankheiten (ICD-10) als kulturabhängiges Syndrom und als Störung geführt.56 Nach Huber und Gross wird Amok im DSM IV als dissoziative Störung und intermittierende explosive Störung und unter den kulturabhängigen Syndromen geführt, in der ICD-10 ist eine Einordnung un- ter F68.8 als »sonstige näher bezeichnete Persönlichkeits- oder Verhaltensstörung« vor- gesehen.57 Dabei wird Amok in ICD-10 „als willkürliche, anscheinend nicht provozier- te, häufig in Suizid gipfelnde Episode mörderischen oder erheblich destruktiven Verhal- tens, gefolgt von Amnesie oder Erschöpfung“58 beschrieben, im DSM IV ist Amok „als eine dissoziative, durch eine Periode des Grübelns charakterisierte Periode, auf die ein Ausbruch gewalttätigen, aggressiven und/oder Menschen gefährdenden Verhaltens folgt, die durch eine wahrgenommene Herabsetzung [...] ausgelöst zu werden scheine und nur bei Männern vorkomme“59 definiert. Damit wird Amok nicht nur als kulturspe- zifisches Phänomen betrachtet, sondern auch den psychischen Störungen zugeordnet.

Wie lässt sich also die Unterscheidung von Amoklauf und School Shooting darstellen? Zum einen unterscheiden einzelne Autoren bereits verschiedene Unterformen von Amoktaten. Scheithauer und Bondü stellen neben den School Shootings auch den klas- sischen Amoklauf und »workplace violence« als eigene Subkategorien von Amoktaten dar. Der klassische Amoklauf ist demnach durch den überwiegend erwachsenen Täter, der unvermittelt unbeteiligte Dritte, an einem zumindest teilweise öffentlichen Ort at- tackiert, gekennzeichnet. Die Amoktat der »workplace violence« hingegen ähnelt dem School Shooting insofern dass abweichend lediglich als Tatort der Arbeitsplatz statt die Schule definiert wird und der Täter durch seine Berufstätigkeit deutlich älter als der School Shooter ist. School Shootings separieren sich demnach durch die Besonderheiten des Täteralters und des fixierten Tatortes Schule bzw. mit Schule verbundener Plätze und Einrichtungen.60

Mir erscheint die Subkategorisierung als Amoktat insofern nicht optimal, als dass sich Amokläufe und School Shootings in einzelnen Aspekten zunehmend deutlicher unterscheiden und somit School Shootings den Anspruch als eigenständige Subkategorie des Massenmordes, sozusagen gleichrangig neben den Amoktaten erfüllen könnten. Verschiedene Aspekte diesbezüglich sollen hier kurz dargestellt werden.

So hat Adler in seiner Studie mit 196 ausgewerteten klassischen Amoktaten im Grund- satz festgestellt dass 113 der 196 Taten ausschließlich dem Täter fremde Personen zum Opfer hatten.61 Bei den School Shootern ist dies vorherrschend nicht so, die Jugendli- chen attackieren nahezu immer ihre eigene bzw. ehemalige Schule, wählen fast immer ihnen zumindest augenscheinlich bekannte Mitschüler, Lehrer und Schulpersonal als Ziel ihrer Gewalthandlung. Wie Scheithauer und Bondü feststellten sind die Opfer nur zum Teil zufällig und meistens schon vor der Tat explizit ausgewählt worden.62

Ein weiteres problematisches Faktum im Vergleich zu klassischen Amokläufen ist die zunehmende Selbsttötung im Zusammenhang mit der Tatbegehung in den letzten Jah- ren. Überdurchschnittlich viele der Täter töten sich zum Ende ihrer Tathandlung oder unternehmen zumindest den entsprechenden Versuch dazu. Adler stellte in seiner Studie klassischer Amokläufe für 167 diesbezüglich auswertbare Fälle eine Suizidquote von 33,5 Prozent fest, 6,6 Prozent der Täter starben durch Fremdeinwirkung.63 Robertz fi- xierte in der Analyse von 75 international begangenen School Shootings zwischen 1974 bis 2002 eine Suizidrate von 15 Fällen, also 20 Prozent.64 Basierend auf der Studie von Hoffmann et al. deutscher School Shootings ergibt sich eine Selbsttötung in vier von sieben Taten, also 57,1 Prozent, in einem weiteren Fall überlebte der Täter den Suizid- versuch schwer verletzt und in einem anderen Fall konnte der unmittelbare Versuch verhindert werden.65 Berücksichtigt man die nach der Studie stattgefundenen deutschen Taten in Winnenden, Sankt Augustin und Ansbach noch, so ergibt sich ein weiterer Sui- zid (Winnenden) und mindestens ein weiterer Versuch der Selbsttötung durch Dritte Hand.66 In letzterem Fall wurde der Täter durch die Polizei unter Anwendung von Waf- fengewalt gestoppt und dabei schwer verletzt, ein bereits vorab von ihm angefertigtes Testament und die unmittelbar gesuchte Konfrontation mit der Polizei kann aber als Beleg gewertet werden, dass der Täter die Tötung durch Dritte als Finale seiner Tat er- zwingen wollte.67 Robertz fasst diese Entwicklung wie folgt zusammen: „Es gehört mittlerweile, zynisch gesagt, zum guten Ton, dem eigenen Leben ein Ende zu setzen und sich nicht der Strafverfolgung auszusetzen. Denn dadurch würde die finale Symbolik geschwächt.“68

Ein weiterer bedeutender Unterschied zwischen Amoklauf und School Shooting ist die Alterstruktur der Täter. Als Schüler sind die Täter per se jünger als die von Adler unter- suchten 196 Fälle in deren Mittel ein Alter von 34,8 Jahren festgestellt werden konnte.69 Hoffmann et al gab bei den sieben untersuchten School Shootings an deutschen Schulen eine Alterspanne von 14 bis 22 Jahren an, was einem Mittel von 17 Jahren entspricht.70

Robertz gibt das international durchschnittliche Alter von School Shootern bei 99 Taten mit 16 Jahren71 an, in einer früheren Studie von 75 Fällen lag das Durchschnittsalter noch bei 15,5 Jahren, wobei hier auch der bisher jüngste Täter mit elf Jahren berücksichtig wurde.72 Zwei Drittel aller Täter sind jedoch Jungen zwischen 14 und 17 Jahren, während nur vier Prozent der Taten insgesamt von Mädchen begangen wurden.73 Adler spricht von „Geschlechterrelationen bis 1:20“.74

Es gibt also bedeutende Unterschiede zwischen klassischen Amokläufen und School Shootings, in deren Konsequenz bereits Scheithauer und Bondü eine Subkategorie der Amoktaten dafür einrichteten.75 Durch die Subkategorisierung der Amoktaten werden diese insgesamt zunehmend komplexer und teilweise auch sehr unscharf. Denn nicht jede als School Shooting eingestufte Tat erfüllt die Grundbedingungen einer Amoktat. In einigen Beiträgen über Forschungsarbeiten gibt es deshalb immer wieder Diskussio- nen, welche der angeführten Taten denn tatsächlich School Shootings, Amokläufe oder zielgerichtete Gewalt an Schulen seien. So bemängelt Adler mit Blick auf die Ergebnis- se von Hoffmann et al. „[so] sind beispielsweise zwei bis drei [der Taten] nicht dem Amok zuzurechnen, weil es um Angriffe auf Einzelpersonen ging, bei einem weiteren kam niemand - auch nicht der Täter - zu Schaden.“76 Adler betont also, dass einige der Taten einer definierten Amoktat nicht entsprechen und regt trotzdem eine gleichlauten- de Definition von Amokläufern und School Shootern an um zu verhindert, dass ge- wöhnliche Tötungshandlungen oder -versuche fälschlich als School Shootings erfasst werden.77 Damit würden dann jene Taten wie die in Meißen, (als der 15jährige Andreas S. mit zwei Küchenmessern auf seine Lehrerin einstach und danach flüchtete)78, nicht mehr zu den School Shootings gezählt werden können. Genau diesem Ansatz würde ich jedoch unbedingt widersprechen wollen, handelt es sich doch bei dieser Form von Gewalt an Schulen um ein besonderes und spezielles Phänomen von jugendlicher Gewalt, das besonderer Aufmerksamkeit und intensiver Forschung bedarf.

Als unbestreitbare Merkmale der Taten kann festgehalten werden, dass diese Jugendli- chen zielgerichtet (zurück) in die Schule kommen um zu töten, sie haben sich Tatort und Opfer(-gruppe) aufgrund der symbolischen Bedeutung für ihre Tat ausgesucht. Die- ser Auffassung folgen auch andere Autoren, Pollmann plädiert für die Verwendung des Begriffes School Shootings als Bezeichnung „amokartiger Handlungen Jugendlicher“79 und betont die präzise Vorbereitung und die in der Phantasie vorbereiteten Tatabläufe solcher Taten als Unterschied zu klassischen Amokläufen.80 Es ist ein aufgrund der feh- lenden Einheitlichkeit im Umgang mit den verschiedenen Begrifflichkeiten ein gravie- rendes Problem der aktuellen Forschung, dass Studien sich teilweise nur bedingt ver- gleichen lassen, weil es keine explizite Definition und darauf basierend statistische Er- fassungen der Taten bspw. seitens der ermittelnden Behörden gibt.81

In der Studie von Hoffmann et al. stellen die Autoren folglich fest, dass nur „.zwei der sieben Vorfälle als schulischer Amoklauf klassifiziert werden [können], da neben dem Täter mindestens drei weitere Menschen starben“, zugleich aber alle sieben Taten als School Shooting innerhalb der Studie ausgewertet wurden.82 Damit verdeutlichen Hoffmann et al., dass es die von mir dargestellten Probleme in der Bewertung gibt und dies nicht nur zur Verwirrung, sondern auch zur Unvergleichbarkeit von wissenschaftli- chen Ergebnissen beitragen kann. Würde man unter einer möglichst präzisen Definition von School Shootings alle entsprechenden Taten klassifizieren, wären (internationale) Vergleiche zukünftig transparent nachzuvollziehen und trotz der punktuell möglichen Ähnlichkeit zu klassischen Amokläufen eine formale Abgrenzung zu diesen und zur übrigen Tötungsdelinquenz durch Jugendliche möglich.

3. Aspekte des Phänomens School Shooting

Bisher sind weder School Shootings als jugendliche Gewalthandlung noch deren Ursa- chen abschließend erforscht. Ein Großteil der bisherigen Forschung stammt bisher aus dem amerikanischen Forschungsraum.83 Erst mit Auftreten und zunehmender Häufung der Taten in den letzten Jahren in Deutschland, wurden auch hier Forschungsbemühun- gen mit der Zielstellung der Präventionsentwicklung betrieben.84 Dabei wurde der von Vossekuil et al. aufgezeigte Paradigmenwechsel bestätigt, wonach die Taten eher ein von Warnsignalen begleitetes Prozessergebnis sind und es kein typisches Täterprofil als Mittel der Prävention gibt.85

Die Untersuchungsergebnisse aus den USA lassen sich darauf konzentrieren, dass sich ein Täterschema abbildet das die Täter als „introvertierte junge Männer mit sehr schwachen sozialen Beziehungen“86 darstellt, von Hoffmann et al. als Einzelgänger87 bezeichnet, „die oftmals eine depressive Symptomatik zeigen“88. Die Täter erleben sich selbst als hoffnungslos und machen in zeitlicher Nähe zur Tat eine subjektiv negativ empfundene persönliche Erfahrung.89 Die Taten sind sorgsam und langfristig geplant und die im Schnitt 15,5 Jahre alten Täter verfügen in der Regel über Erfahrung im Umgang mit Schusswaffen, die sie meistens auch zur Tat verwenden.90

Als besonders gewagtes, aber im Ergebnis für einige Fälle durchaus beeindruckend prä- zises Täterprofil erweist sich die Studie von McGee und DeBernardo zum »classroom avanger«. Der von den Autoren festgestellte Typus ist demnach männlich, im Schnitt 16 Jahre alt, psychisch gesund und unauffällig, er lebt in ländlicher oder kleinstädtischer Umgebung, hat gute bis sehr gute schulische Leistungen, neigt aber zu depressivem und suizidalen Verhalten. Er verfügt über äußerlich normal erscheinende soziale Beziehun- gen die aber eher disfunktionaler Qualität sind. Er verfügt selten über enge Freundschaf- ten, er wird als introvertiert, unreif und wenig einfühlsam wahrgenommen. Wennerüber enge Freundschaften verfügt, gehören seine Freunde ebenfalls zu einem von ande- ren als Außenseiter wahrgenommenen Typus. Sich selbst hält der Täter für unattraktiv, fühlt sich von anderen gehänselt und schikaniert, ihn langweilen »normale« Gleichaltri- ge und deren Interessen, er beschäftigt sich statt dessen lieber mit gewalthaltigen Medi- eninhalten. In seiner Phantasie hat der Täter die Tat bereits mehrfach durchlebt und sich reproduzierbarer Handlungsmuster früherer Täter bedient. Die Tat selbst ist detailliert und umfassend geplant, er benutzt zur Tatausführung vorrangig ihm bereits bekannte Schusswaffen die er aus dem eigenen Elternhaus entwendet.91 Primär geht es dem Täter bei seiner Attacke um Rache. Aber auch der sekundäre Wunsch nach Berühmtheit ist handlungsmotivierend.92

Viele der in der Studie von McGee und DeBernardo charakterisierten Merkmale sind, wie sich später zeigen wird, auch bei einigen deutschen Tätern zu finden. Als Blaupause für die Erkennung eines gefährlichen Schülertypus sind die auf Basis von zwölf Tätern gewonnen Erkenntnisse aber nicht anwendbar, viele der aufgeführten Kriterien gelten auf eine Vielzahl an Schülern von denen keine Gefahr ausgeht. Das Risiko einer Stig- matisierung von Unschuldigen ist bei so allgemeingültigen Profilen sehr hoch.

Auch die von Meloy et al. durchgeführte Studie welche sich mit jugendlichen Massenmördern in fünf verschiedenen Kategorien, darunter auch »classroom avengers«, befasste, konnte einzelne Annahmen der vorausgegangenen Studien bestätigen. Insbesondere konnten Meloy et al. die langfristig angelegten Planungen der Taten belegen.93 Meloy et al. stellten ebenfalls depressive Symptome der School Shooter (»classroom avengers«) fest.94 Ebenso konnten in zwei Dritteln der Fälle destabilisierende bzw. negative Erlebnisse in der Schule oder Partnerschaft im unmittelbaren Vorfeld der Tat festgestellt werden.95 Meloy et al. stellten zudem fest, dass die Täter sich vor der Tat fast immer anderen Personen bezüglich der Tatabsicht mitteilten.96

3.1. Darstellung ausgewählter School Shootings

Um sich dem Phänomen des School Shooting weiter zu nähern, sollen einige Fälle von School Shootings ausführlicher dargestellt werden. Dabei wurden umfangreich unter- suchte Taten mit hoher öffentlicher Aufmerksamkeit wie das School Shooting an der Columbine High School vom 20. April 1999 und am Erfurter Gutenberg-Gymnasium am 26. April 2002 berücksichtigt. Zur Betrachtung von Nachahmungsverhalten bietet sich hingegen die Tat von Bastian Bosse in Emsdetten an. Seung-Hui Chos Tat an der Virginia Tech in Blacksburg gibt Einblick in eine möglicherweise pathologische Psyche eines Täters.

Die Tatvorzeit und Tatentwicklung des Columbine School Shootings werden weitestge- hend umfänglich dargestellt. Dies ist anhand des umfangreichen Untersuchungsberich- tes inkl. tausender öffentlich zugänglicher Unterlagen des Jefferson County Sheriffs Office (JCSO)97 und zahlreicher Bücher zu diesem School Shooting möglich. Insgesamt kann dieses School Shooting als eines der am besten dokumentierten bewertet werden. Dadurch sind in diesem Fall bereits sehr zuverlässige Prognosen über Ursachenentwick- lung und Risikomarker möglich. Basis der Darstellung des Erfurter School Shootings ist der Untersuchungsbericht des Landes Thüringen, der sogenannte „Bericht der Kommis- sion Gutenberg-Gymnasium“98. Die übrigen Fälle sind insbesondere aufgrund wieder- kehrender Verhaltensweisen und Handlungsabläufe von Bedeutung und durch eine Vielzahl unterschiedlicher Quellen recherchiert, wobei insbesondere Pressequellen kri- tisch geprüft wurden, ehe sie in die Darstellungen einflossen. Sprachliche und orthogra- fische Fehler in Zitaten der Täter wurden übernommen.

3.1.1. Eric Harris und Dylan Klebold - Littleton (USA) 1999

„NBK. I love it! sometime in april me and V will get revenge and will kick natural selection up a few notches[...]We will be in all black. […] We will have knifes and blades and backup weaponry all over our bodies, I will have a tattoo of REB on my right arm. [...] Then I open fire and V starts lobin more crickets. Then if we can we go upstairs and go to each classroom we can and pick off fuckers at our will. If we still can we will hijack some awesome car, … and start torching houses with molotov cocktails. by that time cops will be alI over us and we start to kill them to! […] if we have figured out the art of time bombs before hand, we will set hundreds of them around houses, roads, bridges, buildings and gas stations. any- thing that will cause damage and chaos. […] itll be like the LA riots, the Okla- homa bombing, WWII, vietnam, duke and doom all mixed together. maybe we will even start a little rebelion or revolution to fuck things up as much as we can. i want to leave a lasting impression on the world. […]then we will hijack a hell of a lot of bombs and crash a plane into NYC with us inside iring away as we go down. just something to cause more devistation.”99

geschrieben von Eric Harris, 1999

Das bis dahin blutigste School Shooting weltweit ereignete sich am 20. April 1999 an der Columbine Highschool in Columbine im US-Bundesstaat Colorado. Columbine ist eine gebietskörperschaftsfreie Siedlung, die teilweise auf den verwaltungsrechtlich übergeordneten Countys Jefferson und Arapahoe liegt. Im Osten grenzt Columbine an die Stadt Littleton weshalb auch vom School Shooting in Littleton gesprochen wird. Bevor der 18jährige Eric Harris und sein Freund der 17jährige Dylan Klebold 24 Men- schen teils schwer verletzten, insgesamt 12 Schüler, einen Lehrer und zuletzt sich selbst töteten, ging nach heutigem Kenntnistand eine mindestens einjährige Planungsphase voraus. Die nach dem Ereignis durchgeführten Ermittlungen geben umfangreiche Ein- blicke in die Lebenswelt der beiden Täter, zeigen aber auch dass es bis heute keine all- umfassende Antwort auf das »Warum?« gibt.

Eric David Harris wurde als zweites Kind der Eheleute Katherine Ann und Wayne Har- ris am 09. April 19981 in Wichita, Kansas geboren.100 Der Vater war Beschäftigter der US Air Force, weshalb Eric und sein drei Jahre älterer Bruder Kevin bis zu Erics zwölf- ten Lebensjahr insgesamt fünfmal umzogen. Fünfmal inkl. der Vorschule hieß es für Eric in den ersten Jahren seiner Schullaufbahn neue Mitschüler, neue Peergroup, neue Lehrer, neue Nachbarn, neues Lebensumfeld.101 Nachbarn beschrieben die beiden Harris-Brüder als besonders hervorragende Jungs, die höflich, gut erzogen und respektvoll auffielen.102 Erics Bruder galt als besonders sportlich, während Eric sich neben Fußball insbesondere für Computer interessierte. Baseball hingegen spielte er nur auf Wunsch seines Vaters.103 Im Grundsatz war Familie Harris eine intakte Familie mit guten Jobs sowie sicherem Einkommen und einem eigenen Haus in Vorortlage. Eine ganz normale Familie in der amerikanischen Mittelschicht.104

Innerhalb der Familie lagen zudem weder Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit, keine häusliche Gewalt, noch Kindesmissbrauch oder psychische Erkrankungen vor.105 Eric wurde aber mit zwei körperlichen Missbildungen geboren. Wegen Problemen mit seinen Beinen musste er im Kleinkindalter mehrfach in ärztliche Behandlung und zudem wurde er mit einer »Trichterbrust« (Pectus excavatum sive infundibulum) geboren, wegen der er sich im Dezember 1993 und September 1994 zweier operativer Eingriffe unterziehen musste.106 Die Trichterbrust sollte später auch zur Ablehnung der Aufnahme in das US Marine Corps der Armee beitragen.107

Im Herbst 1993 wurde Eric Harris in die Ken Caryl Middle School in Columbi- ne/Littleton eingeschult auf der er seinen späteren Mittäter Dylan Klebold kennenlern- te.108 Eric ist innerhalb der Schule als guter Schüler mit guten bis sehr guten Leistungen in Erscheinung getreten. Eric verfügt über mehrere Freundschaften in unterschiedlichen Cliquen innerhalb und außerhalb der Schule. Er hat das alterstypische Interesse am an- deren Geschlecht und mit Hilfe seines damaligen Freundes Brooks Brown »rächte« er sich an einem Mädchen das kurz zuvor eine Beziehung mit Eric beendet hatte. Von ei- nem Adoleszenten in der 9. Klasse erwartet man vielleicht den sogenannten »Liebes- kummer« und gelegentlich auch mal situativ unangemessenes Verhalten, wenn dieser seinen Gefühlen Ausdruck verleihen möchte. Eric hingegen stellte mit Kunstblut und einem blutbeschmierten Stein, den er sich vermeintlich gegen seinen Kopf geschlagen habe, einen Selbstmord dar, der nach Aussage von Brooks Brown zwar nur ein Spaß gewesen sei, das Mädchen aber gehörig irritierte.109

Langman geht bei der Beschreibung des Verhältnisses zu Mitschülern und Peergroup, entgegen des öffentlichen Mythos, nicht davon aus, dass Eric Harris innerhalb der Schu- le Opfer ständigen Bullyings110 - also andauernden Mobbings in der Schule - gewesen ist, hierfür findet er auch nur einen einzigen Beleg in den offiziellen Vernehmungspro- tokollen.111 Vielmehr glaubt Langman, dass es sich um das übliche Maß an Hänselei unter Teenager handelte.112 Brooks Brown hingegen berichtet von zahlreichen Fällen des Bullying, wobei allerdings nicht nur Eric (und Dylan) Ziel dieser Attacken gewesen seien.113

Eric erschien insgesamt bis auf die körperlichen Einschränkungen seiner »Trichter- brust« bis Anfang1996 als normaler Jugendlicher aufzuwachsen. Er hatte sein eigenes Zimmer und einen Computer auf dem er insbesondere sein Lieblingsspiel »Doom« spielte. Dabei handelt es sich um einen sogenannten First-Person-Shooter, allerdings gilt es hierbei nicht Personen sondern Monster zu bekämpfen. Eric verfügte auch über einen eigenen Internetzugang und betrieb eine Internetseite auf der er zahlreiche seiner späteren Hasstiraden und ein Logbuch über Anschläge, sogenannte »Rebell Missions«, veröffentlichte.114 Im Internet trat er unter dem Namen »REB« - für Rebell mit anderen in Kontakt.

Dylan Bennet Klebold wurde am 11. September 1981 in Lakewood/Denver geboren und wuchs als zweitgeborener Sohn der Eheleute Susan Klebold und Thomas Klebold auf.115 Auch hier lag eine typische amerikanische Mittelklassefamilie vor, der Vater war Berater in Geophysik, die Mutter als Tutorin an einer Art staatlichem Schulamt tätig, die Familie wohnte gemeinsam in einem neu errichtetem modernen Haus, der Vater sammelte alte BMW-Modelle.116 Da die Mutter jüdischen Glaubens war, gehörte dieser Glaube mit zum Familienalltag. Noch wenige Tage vor der Tat nahm Dylan gemeinsam mit der Familie an einem Sederabend zum Auftakt es Pessachfestes teil. Die Familie lehnte jegliche Form von Gewalt in ihrem Haus ab und unterstützte strengere Waffengesetze.117 Mit 10 oder 11 Jahren bekam Dylan eine Luftdruckwaffe geschenkt und er besaß als Kind einige Wurfsterne, sowie ein Jagdmesser.118 Direkt nach der Tat bestätigte die Mutter Dylans Faszination für Waffen und explosive Stoffe, später dagegen verneinten die Eltern eine Waffenfaszination ihres Sohnes.119

Dylan spielte wie auch Eric das Computerspiel »Doom« sowie einige andere Spiele über das Internet und konsumierte nach Auffassung der Eltern teenagertypische Filme des Action- und Comedygenres. Nach der Tat sagte der langjährige Freund Brooks Brown: „As we got older, his mom worried about the level of violence in the video ga- mes we were playing“.120 Der ältere Bruder Dylans - Byron - war ein guter Footballspie- ler und spielte im Schulteam der Columbine Highschool.121 Auch in Dylans Familie gab es keinen Missbrauch. Er wurde als schüchtern und unsicher, aber friedliebend und still beschrieben.122 Mit seinem Vater spielte er gemeinsam Schach oder baute später mit diesem Lautsprecher für sein Auto.123 Innerhalb der gemeinsamen Schulzeit beschreibt der damalige Schulfreund Brooks Brown einen schüchternen Jungen der unter Bullying zu leiden hatte.124 Der Mythos des einsamen und gemobbten Einzelgängers muss bei Dylan jedoch kritisch betrachtet werden, war er doch in zahlreichen Cliquen, hatte Freunde, ging regelmäßig mit diesen zum Bowling oder engagierte sich vielfältig in der Schule.125

Beschreibungen von Bullying tauchen weder in Dylans Tagebüchern auf, noch gibt es abgesehen von Brooks Browns Aussagen - eindeutige Belege für derartige Handlungen von Mitschülern gegenüber Dylan.126 Dylans schulische Leistungen waren gut, in der Junior-High (vergleichbar mit deutscher Grundschule) nahm er am CHIPS-Programm teil, einer speziellen Form der Begabtenförderung.127 Für die Zeit nach der Highschool hatte Dylan bereits eine Zusage der University of Arizona, wo er sich wenige Tage vor der Tat mit seinem Eltern schon nach einem Zimmer umgesehen hatte, Dylan wollte nach eigener Aussage immer Computerspezialist werden.128

Im Herbst 1995 kamen Eric und Dylan gemeinsam mit 500 anderen Schülern auf die Columbine High School. Hier zeigte sich bald ihre gemeinsame Leidenschaft für Computer, zusammen mit Freunden nutzten sie öfter die Computer der Schule um im Internet zu surfen. Im zweiten Jahr beteiligte sich Dylan an der Theatergruppe als Techniker und engagierte sich in der Videogruppe der Schule. Außerdem betreute er den Schulserver und gab Hilfestellung bei technischen Problemen.129

Zu dieser Zeit legte er sich auch den Spitznamen »VoDKa« zu, der einerseits sein alkoholisches Lieblingsgetränk und seine Initialen miteinander verbinden sollte.130

Ebenfalls in diese Zeit fällt Dylans Bekanntschaft zu Robyn Anderson, die später eine seiner engsten Freundinnen werden sollte und noch drei Tage vor dem School Shooting gemeinsam mit ihm zum Abschlussball ging.131 Ganz anders hingegen verlief der Start an der High School für Eric. Er beteiligte sich nicht sonderlich an den außerschulischen Aktivitäten. Neben dem Computer interessierte er sich vor allem für die Zeit des deut- schen Nationalsozialismus, sowie die beiden Philosophen Nietzsche und Hobbes.132 Eric besuchte einen Deutschkurs und verwendete auch in seinen Aufzeichnungen immer wieder deutsche Begriffe. Beim Bowling rief er nach jedem Strike »Heil Hitler« und trotz des jüdischen Familienglaubens beteiligte sich Dylan immer wieder an diesem Ritual.133

Zahlreiche Mitglieder der Schulgemeinschaft und Freunde bemerkten in den Monaten vor der Tat einen Rückzug der beiden, einigen erschienen die beiden seltsam, auf andere wirkten sie aggressiv.134 Die beiden trugen häufig wie einige ihrer Freunde schwarze Trenchcoats, was andere Mitschüler veranlasste die beiden irrtümlich als Mitglieder einer Außenseitergruppe namens Trenchcoat-Mafia zu bezeichnen.135

Neben der Schule gingen beide einem Job in einer Pizzeria nach, bei dem sie auch mit anderen Freunden zusammenarbeiteten.136 Im Winter 1997 beschrieb Eric auf seiner Internetseite sechs nächtliche gemeinsame Vandalismusaktionen mit Dylan und seinen Freunden als »Rebel Missions«.137 Dabei waren Nachbarn und insbesondere den Jungen unliebsame Mitschüler und deren Familien immer wieder das Ziel perfider Streiche, ohne dabei jedoch ernsthaft Menschenleben zu gefährden. Erste Erfahrungen im Bau kleiner Sprengsätze aus Feuerwerkskörpern begeisterten die beiden Jungen. Eric wie auch Dylan begannen ab etwa Frühjahr 1997 Tagebücher zu schreiben, bzw. machten allgemeine Aufzeichnungen in Schulheften, Notizblöcken und Planern. Diese Auf- zeichnungen ergeben heute ein ungefähres Bild, wie der Entschluss zur Tat gereift ist und wie die Tat von beiden akribisch vorbereitet wurde.

Es fällt vor allem auf, dass die Aufzeichnungen von Eric sehr von Hass auf seine Mitmenschen und die Menschheit insgesamt, sowie der Begeisterung für Waffen, Nazis und von gewalthaltiger Phantasie geprägt sind, während Dylan in seinen persönlichen Tagebuchaufzeichnungen sich eher mit sich selbst beschäftigt.138 Dylan malt in seinem Tagbuch Herzen während Eric vor allem Krieger, Waffen und Symbole von Gewalt und Tod skizziert.139 Langman beschreibt den Unterschied:

„Während Erics Aufzeichnungen voller narzisstischer Herablassung und blutrünstiger Wut sind, schreibt Dylan von Einsamkeit, Depression, Grübeleien und Verliebtheit. [...] Erik artikuliert Wut, Hass, Verachtung, Fanatismus und den Wunsch, die Menschheit zu zerstören. [...] Der Unterschied zwischen beiden liegt darin, was Eric denkt und wie Dylan denkt.“140

Im Oktober 1997 hackten sich die beiden Jungs in das Computersystem der Schule und stahlen eine Kopie der Nummern für die Schülerschließfächer. Daraufhin wurden sie drei Tage von der Schule suspendiert.141

Am 10. Dezember 1997, also knapp 16 Monate vor der Tat, verfasste Eric Harris einen Schulaufsatz zum Thema School Shootings.142

Kurz darauf kam es zu einem Streit zwischen Eric Harris und Brooks Brown, weil die- ser Eric nicht pünktlich von zu Hause abgeholt hatte. Im Verlauf dieses Konfliktes prü- gelte Eric auf Brooks ein, woraufhin Brooks sich von Eric abwandte. Wenige Tage spä- ter erfuhren Brooks Eltern über die Eltern eines anderen Schülers, dass Eric behauptet hatte Brooks wäre der Unruhestifter der Nachbarschaftsstreiche gewesen. Ein paar Tage später warf Eric dann einen Eisklumpen auf die Windschutzscheibe von Brooks Wagen so dass diese zerbrach - daraufhin wandte sich Brooks an Erics Mutter und offenbarte die nächtlichen Aktionen, den Vandalismus und verriet auch dass Eric Alkohol und Spraydosen in seinem Zimmer versteckte.143 Zur gleichen Zeit hatte ein anderer Schüler, dessen Auto ebenfalls mit einem Eisklumpen beworfen worden war, im Gegenzug den Rucksack von Eric entwendet. Brooks Mutter entschied deswegen, dass es an der Zeit wäre Eric mit seinem Verhalten zu konfrontieren. Doch der Wutausbruch den Eric bei dieser Konfrontation präsentierte verschlimmerte die Situation noch mehr. Auch Vater Harris erkannte die Situation nicht richtig und nahm seinen Sohn Eric gegenüber der Familie Brown in Schutz. Nachdem Brooks am nächsten Tag in der Schule erfuhr dass Eric sich immer noch rächen wolle informierten Brooks Eltern die Polizei. Am Abend musste Eric sich auf Drängen seines Vaters bei der Familie Brown entschuldigen was er dann auf seine eigene unehrliche Art auch tat.144

Im darauf folgenden Schuljahr gab es für Eric und Dylan jede Menge Ärger. Beide bra- chen gemeinsam in einen Van ein und stahlen Computerzubehör. Die beiden wurden unmittelbar verhaftet und zu gemeinnütziger Arbeit, einer Geldstrafe sowie zur Teil- nahme am »Diversion Juvenile Program« verurteilt.145 An diesem Programm, vergleich bar mit einer Mischung aus Jugendgerichtshilfe und Täter-Opfer-Ausgleich, nahmen die beiden auch erfolgreich teil und konnten sogar vorzeitig entlassen werden. Durch die kriminelle Entwicklung Erics und die zunehmenden Verhaltensprobleme gewarnt konsultierte Erics Mutter einen Psychologen. Demgegenüber offenbarte Eric die innere Wut, seine depressiven und suizidalen Gedanken und bekam dagegen das Antidepressivum Zoloft verschrieben. Später wechselte er das Medikament, er nahm fortan bis zu seinem Tod das Antidepressivum Luvox.146 Dylans Eltern hingegen versuchten ihren Sohn für eine Weile von Eric fernzuhalten.147

Im März 1998 bekam Brooks Brown dann von Dylan einen Zettel mit der Adresse von Erics Webseite zugesteckt. Auf dieser konnte Brooks dann lesen, dass Eric Bomben baute und beabsichtigte Brooks Brown zu töten. Brooks Eltern informierten daraufhin die Polizei und regten eine Ermittlung an, aus bis heute ungeklärten Gründen ist die Anzeige der Familie Brown damals abhanden gekommen und der Fall seitens der Behörden nie weiter verfolgt wurden.148

Wenige Monate vor dem School Shooting produzieren die beiden mit einem weiteren Mitglied des Videokurses der Schule das Video »Hitmen for Hire«. In dem Film geht es um zwei Auftragskiller die von Außenseitern und Bullyingopfern engagiert werden um diese zu beschützen. In schwarzen Trenchcoats treten Dylan und Eric dabei als Be- schützer und Killer für kleine Leute auf. Dabei töten sie mit Spielzeugwaffen sportliche Mitschüler - sogenannte Jocks.149 In den »Basement-Tapes« welche die Täter in den letzten Wochen vor dem School Shooting vorrangig in den Kellerräumen der Familie Harris aufzeichneten, sinnieren die beiden über ihre Hoffnungen dass zukünftig viele Fans dieses Video als Vorlage für ihre eigenen Interpretationen nutzen könnten.150

Insbesondere in den letzten Monaten wurde das Bild, dass die beiden in ihrer Phantasie für die Tat detailliert zusammengebaut hatten, immer deutlicher in ihren Aufzeichnun- gen erkennbar. Die Tat erhielt von den beiden das Synonym »NBK« - die Abkürzung für den Oliver Stone Film »Natural Born Killers«, in dem die zwei Massenmörder Mi- ckey und Mallory Knox zahlreiche Menschen hinrichten und dabei zu Medienhelden werden.151 Es ging nicht mehr nur um die Tötung von ein paar ausgewählten Schülern, nicht um das Abarbeiten der erstellten „(S)Hitlist“152 sondern um die Tötung Hunderter. So planten die beiden mit selbstgebauten Sprengsätzen die ganze Schule zu zerstören und dann auf die Flüchtenden zu schießen.153 In akribischer Vorbereitung ermittelten die beiden beispielsweise den optimalen Zeitpunkt für die Explosion der Propangasbomben indem sie die anwesenden Schüler in der Cafeteria zählten um festzustellen wann die meisten Schüler sich gleichzeitig in diesem Bereich aufhalten würden.

Mit Hilfe der besten Freundin von Dylan, Robyn Anderson, kauften die beiden zu diesem Zeitpunkt noch 17jährigen Jungen illegal Waffen auf einer Waffenmesse. Von einem Kollegen in der Pizzeria erstanden die beiden später ebenfalls illegal eine weitere halbautomatische Waffe.154

Am Tattag selbst verlief das so präzise vorbereitete155 und von den beiden mit Hoch- spannung erwartete Ereignis jedoch ganz anders als geplant. Die beiden in der Cafeteria deponierten Bomben zündeten aufgrund kleinerer handwerklicher Fehler nicht, die Er- mittler schätzten später ein, dass die Bomben ausgereicht hätten um den Gebäudeteil einstürzen zu lassen und potenziell Hunderte zu töten.156 Nachdem die Zündung der Bomben ausblieb, improvisierten die beiden und wollten in das Gebäude eindringen. Bereits außerhalb des Gebäudes richteten sie eine erste Mitschülerin hin und verletzten einen weiteren der Schüler schwer. Ein aus der Cafeteria flüchtenden Schüler wurde kaltblütig hingerichtet und lag dann im Außenbereich der Schule unmittelbar im Fluchtweg hunderter anderer Schüler. Zeugen berichteten später dass einer der beiden Täter rief: „This is what we always wanted to do. This is awesome!“157 Im Gebäude selbst schossen die Täter wahllos auf Schüler und Lehrkräfte. Dabei trafen sie einen Lehrer so schwer dass dieser später auf dem Weg ins Krankenhaus verstarb. Den blutig sten Teil ihres School Shootings richteten die beiden jedoch in nur siebeneinhalb Minu- ten in der Bibliothek der Schule direkt über der Cafeteria an. Hier töteten sie weitere zehn Schüler, die sie zuvor auf unterschiedlichste Weise demütigten oder verspotteten. Einen befreundeten Mitschüler hingegen ließen die beiden unverletzt laufen und einen der verhassten Sportler tötete Dylan nicht, obwohl er ihm eine Waffe direkt ins Gesicht gehalten hatte. Aufgrund eines Notrufes einer Lehrerin, die den Hörer während des ge- samten Ereignisses nicht auflegte, ist das Morden in der Bibliothek akustisch aufge- zeichnet worden und somit weitestgehend lückenlos rekonstruierbar.158 Als vorletzte rekonstruierbare Handlung innerhalb des knapp 47minütigen School Shootings versuch- ten die beiden die Propangasbomben in der Cafeteria durch Schüsse und kleinere Rohr- bomben zur Explosion zu bringen. In scheinbar aller Seelenruhe tranken sie aus den Bechern der geflüchteten Schüler, ehe sie dann zurück in die Bibliothek gingen.159 Nach mehreren Schüssen durch die Fenster der Bibliothek in Richtung der Rettungs- und Si- cherheitskräfte, töteten sich die beiden Täter in unmittelbarer Nähe zu ihren Opfern durch Kopfschüsse selbst.160

Insbesondere die Rolle der Polizei vor und während des School Shootings führte im Anschluss zu erheblichen öffentlichen Diskussionen. Diese sollen hier aber vernachläs- sigt werden.

Aufgrund des Umfanges der veröffentlichten Ermittlungsunterlagen, kann das vorstehende zudem nur als ein für diese Arbeit relevanter Ausschnitt des gesamten derzeitigen Erkenntnisstandes über diese Tat verstanden werden.

3.1.2. Robert Steinhäuser - Erfurt 2002

"Ich komm noch mal ganz groß raus … Alle werden über mich reden … Ich werde mal Politiker"161

Robert Steinhäuser

Das School Shooting am Erfurter Gutenberg-Gymnasium - formal als Staatliches Gym- nasium 3 »Johann Gutenberg« bezeichnet - wurde am 26. April 2002 mit 17 Toten der traurige Nachfolger des bis dahin blutigsten School Shootings an der Columbine High- school von 1999.162

Der damals 19jährige Täter und Ex-Schüler des Gymnasiums Robert Steinhäuser wurde als zweites Kind der Eheleute Steinhäuser am 22. Januar 1983 in Erfurt geboren. Über seine Kindheit gibt es kaum offizielle Aussagen, so dass einzig eine Reportage des Ma- gazins »Der Spiegel« Aufschluss über die Kindheit des Robert Steinhäuser geben kann.163

Roberts Mutter beschreibt ihn in der frühkindlichen Phase als „ein ganz anhängliches Kind“164, welches sich gegen den sechs Jahre älteren Bruder kaum durchsetzen konnte. Robert begeisterte sich als Kind nicht für jungentypische Ballsportarten wie sein Bruder, sondern baute Modelle der Fernsehserie Raumschiff Enterprise nach. Die Nacht schlief er öfters bei den Eltern mit im Ehebett. Erst mit 12 Jahren überredete ihn die Mutter mit dem Bruder zum Handball zu gehen. Im Alter von 14 Jahren bekam Robert eine Katze als eigenes Haustier um die er sich fortan sorgsam kümmerte. Mit 16 Jahren begann sich Robert der Mutter zufolge auffallend zurückzuziehen, sie vermutete jedoch pubertäre Normalität und ließ Robert in Ruhe.165

Das Familienleben ist ein äußerlich gesehen absolut intaktes, beide Eltern sind seit vie- len Jahren glücklich verheiratet. Beide sind berufstätig, die Mutter als Krankenschwe- ster, der Vater als Ingenieur. Die Eltern interessierten sich für die Aktivitäten der Söhne in der Schule, begleiten diese auf Klassenfahrten, der Vater engagierte sich als Elternsprecher. Roberts Bruder war der schulisch erfolgreichere der beiden Jungen, zum Tatzeitpunkt hat er bereits an einer Fachhochschule studiert während Robert vor den Trümmern seiner schulischen Karriere stand.166

Nach der Grundschule besuchte Robert eine Regelschule, als die Eltern jedoch merkten dass sie ihren Sohn offensichtlich an einer Schule mit Gewaltproblemen angemeldet hatten entschieden sie ihn aufgrund der eigentlich guten Leistungen am GutenbergGymnasium anzumelden. Doch Robert war dem Leistungsdruck dort jedoch nicht gewachsen „Robert darf die Freude an der Schule nicht verlieren. Er muss eine richtige Arbeitstechnik finden“167 lautete der Hinweis nach zahlreichen schlechten Noten im Zeugnis der neunten Klasse. Robert, nach heutiger Ansicht offenbar völlig überfordert, kapitulierte vor dem Leistungsdruck und konzentrierte sich auf außerschulische Unternehmungen. Von seinem Jugendweihegeld kaufte er sich einen eigenen Computer - der bald zu seiner allabendlichen Hauptbeschäftigung wurde.168

Entgegen der aus meiner Sicht voreingenommen Pressedarstellung in diesem Punkt, will ich hier anmerken, dass die überwiegende Zahl Jugendlicher am Abend den eige- nen Computer benutzt und mir zumindest dies im grundsätzlich als völlig normales Verhalten erscheint. Robert spielte mehrere gewalthaltige First-Person-Shooter. Einige der bei Robert gefundenen Spiele waren zwar indiziert, es ist jedoch kaum belegbar nachzuvollziehen in welchem Alter Robert die indizierten Spiele anfing zu konsumie- ren. Insgesamt war sein Medienbestand sehr vielschichtig, neben jenen gewalthaltigen Computerspielen besaß er auch reine Strategiespiele, er hatte Aufzeichnungen der Lin- denstraße, ebenso wie im Fernsehen ausgestrahlte gewalthaltige Filme.169 Auch die bei ihm gefundene Musikauswahl, die von Charts, Pop und Rock bis hin zu einzelnen »dü- steren« Hardrock- und Metalbands reichte, findet sich nach meiner Auffassung in vielen Kinderzimmern Jugendlicher die zwischen dem Mainstream und der sich langsam aus- prägenden Persönlichkeit ihre eigene musikalische Identität suchen.

Nach Aussage der Eltern habe es jedoch immer wieder Diskussionen in der Familie über das disharmonische Verhältnis von Schule und Medienkonsum gegeben.170 Robert hatte nach Aussage des Vaters ein sehr inniges Verhältnis zur Mutter, nur ihr und seiner Katze gestattete er körperliche Nähe.171

Robert hatte aber auch außerhalb der Familie soziale Bindungen, er hatte einige Freun- de, war Torwart in einem Erfurter Handballverein zu dem ihn sein Bruder mitgenom- men hatte. Er fuhr gemeinsam mit den Eltern in den Urlaub. Zum 18. Geburtstag bekam er das Geld für einen Autoführerschein geschenkt. Er verpasste jedoch fristgerecht die Teilnahme am Erste-Hilfe-Kurs nachzuweisen und wurde daher von der Fahrschule abgewiesen.172

Robert wurde zunehmend phlegmatisch und antriebslos. Bezüglich weiblicher Freund- schaften oder gar Beziehungen gibt es keinerlei Hinweise. Die Charakterisierungen sei- ner Freunde und Lehrer skizzieren ihn als still, unsicher, höflich und freundlich, manchmal verlegen.173 Schulisch lag er „deutlich unterm Schnitt“174. Mit Freunden traf er sich gelegentlich auf dem Erfurter Domplatz oder er hat seine Freunde nach Hause eingeladen - auch hier bestätigt sich der Mythos eines introvertierten Außenseiter ohne soziale Kontakte nicht, wenngleich seine Clique nicht zu den »Coolsten« gehörte.175

Roberts Zukunftspläne sahen eine Ausbildung im Informatikbereich vor. In der elften Klasse waren die Noten jedoch so schlecht, dass Robert auf Drängen der Eltern die Klasse wiederholte.176 Schon in der zehnten Klasse hatte er versucht durch eine externe Prüfung den Realschulabschluss zu machen. Wegen mangelhafter Leistungen gelang ihm das nicht weshalb er die letzte der notwendigen Prüfungen gar nicht mehr ableg- te.177 Der Bericht von Gasser et al. vermutet zu diesem Zeitpunkt auch den Beginn des Interesses für Waffen. Einen weiteren Tiefpunkt markierte im Juni 2000 die Note 6 im Fach Informatik auf dem Zeugnis. Damit waren seine Aussichten auf ein Studium der Informatik nahezu aussichtslos geworden.178 Erstmals erfolgte zu dieser Zeit eine Mel- dung von Fehlstunden an die Eltern. Durch das Wiederholen der elften Klasse war Ro- bert aber zugleich aus seinem alten Klassenverband herausgelöst. Robert bemühte sich den Sommer über außerschulisch intensiv um den Erwerb einer Waffenbesitzkarte und trat am 17. Oktober 2000 dem Schützenverein Domblick bei in dem er vorher bereits einige Mal zum Schiesstraining war. Die dafür notwendige Unterschrift erhielt er von den Eltern, waren diese doch der Meinung Roberts Mitgliedschaft aufgrund des bevor- stehenden 18. Geburtstages nur hinauszögern, aber nicht verhindern zu können.179 Im Februar 2001 folgt einer weiteres Zeugnis welches dreimal die Note 5 enthält und nur wenige Wochen später eine schriftliche Ermahnung wegen unentschuldigtem Fehlen, die der volljährige Robert seinen Eltern jedoch vorenthält.180 Robert und ein Schul- freund betätigen sich fortan für einige Wochen in einem Videoprojekt, dabei soll ein blutiger Gewaltfilm entstehen, bei dem der Hauptdarsteller sich zum Ende selbst tötet. Das gewalthaltige Drehbuch wird von den Jugendlichen aber derart spielerisch umge- setzt dass die Kommission um Gasser et al. später kein gewaltgeladenes Verhalten in dem Videomaterial feststellen kann.181

Am 10. Juni 2001 hatte Steinhäuser dann den, von ihm ersehnten und für die Ausstel- lung einer Waffenbesitzkarte nötigen, Sachkundenachweis seines Schützenvereins er- halten. Mit der Waffenbesitzkarte wäre er dann endlich zum legalen Erwerb von Waffen berechtigt. Das Jahreszeugnis der 11. Klasse fällt wiederum mit fünfmal Note 5 sehr schlecht aus. Im September 2001 gibt Robert seine Mitgliedschaft im Handballverein auf. Am 12. September 2001 stellt Robert dann den Antrag zur Ausstellung der Waf- fenbesitzkarte.182

Am 26. und 27. September 2001 fehlt Robert unentschuldigt in der Schule und legt der Schule ein gefälschtes ärztliches Attest vor. Nachdem dies die Schulleitung erkannt hat, kommt es am 04. Oktober 2009 zu einer Anhörung Roberts vor der Schulleiterin, vier weiteren Lehrern und einem Schülervertreter. Im Verlauf der Anhörung, in der Robert die Fälschung eingesteht und mit Versagensängsten begründet, entlässt die Schulleiterin Robert vom Gutenberg-Gymnasium. Robert sollte sein Abitur an einem anderen Gym- nasium ablegen und sich diesbezüglich an das Schulamt wenden. Nach Aussage der Schulleiterin gegenüber Gasser et al. beabsichtige Robert seinerzeit aber die sofortige Aushändigung eines Abgangszeugnisses und damit die Beendigung der Schullauf- bahn.183

Diese Aussage darf insoweit in Zweifel gezogen werden, als dass sie erstens nach dem Tatereignis gemacht wurde als bereits bekannt war, dass das Verfahren des Schulausschlusses rechtwidrig und ggf. tatauslösend war und weil es in Anbetracht der auf die Anhörung folgenden Ereignisse eher unglaublich erscheint, dass Robert die Schullaufbahn zu diesem Zeitpunkt tatsächlich schon beenden wollte.184

Noch am Abend des 04. Oktober 2001 hob Robert einen größeren Bargeldbetrag ab. Nachdem er am Folgetag den Schulausschluß auch schriftlich mitgeteilt und sein Schulabgangszeugnis bekommen hatte, holte er wenige Tage später weitere 800,- DM von seinem Konto. Am 16. Oktober 2009 wurde er im Schulamt vorstellig und bemühte sich um eine neue Schule, am gleichen Tag bekam er auch die Waffenbesitzkarte erteilt. Zwei Tage später holte er diese im Erfurter Ordnungsamt ab. Noch am selben Tag erwarb Robert die spätere Tatwaffe (Glock 17) über einen Erfurter Waffenhändler legal vermittelt von einem Privatmann. Am nächsten Tag den 19. Oktober 2001 kaufte er 1000 Schuss Munition für die Glock 17 Pistole.185

Am 24. Oktober 2001 unternahm Robert den letzten dokumentierten Versuch seine Schullaufbahn zu retten. Nachdem ihm der Schulleiter des von ihm als Ersatzschule gewählten Gymnasiums aufgrund eines an dieser Schule fehlenden Physik-Kurs nicht beschulen konnte, kontaktierte Robert ein letztes Mal das Schulamt und erhielt den Hinweis er könne sich auch an jedem anderen Erfurter Gymnasium bewerben.186

Danach gelang es Robert Steinhäuser sechs Monate lang sowohl seine Familie, als auch Freunde und Bekannte in dem Glauben zu lassen, er gehe ganz normal zur Schule und stehe kurz vor dem Abitur. Am 30. Oktober 2001 erwarb er die Pumpgun der Marke Mossberg in einem Erfurter Waffengeschäft. In den folgenden sechs Wochen erweiterte er seine Ausrüstung durch den Erwerb von Magazinen, und 300 Schuss für die Pump- gun. Im Schützenverein trainierte er jedoch kaum noch. Im Dezember legte Robert den Eltern dann ein gefälschtes Halbjahreszeugnis vor indem er deutlich besser Noten als in der 11. Klasse angab.187

Robert beschäftigte sich ab Jahresbeginn zunehmend mit dem Thema Amok und hatte verschiedene Dateien auf den Computer seines Vaters heruntergeladen (sein PC hatte kein Internetanschluss). Knapp acht Wochen vor der Tat komplettierte er seine Ausrü- stung durch zwei Holster für die Waffen. Anfang April wurde zudem seine Mitglied- schaft im Schützenverein aufgrund säumiger Beiträge gelöscht. Am 23. oder 24. April 2002 brachte Robert einem ehemaligen Schulkameraden aus dem Gutenberg- Gymnasium noch 50,- Euro vorbei die er sich von diesem vor einer Weile geborgt hat- te.188 Am Vorabend der Tat empfing Robert noch einen Kumpel. Gemeinsam schauten die beiden Freunde Serien wie »Die Simpsons« und lachten gemeinsam, nichts deutete auf die folgende Tat hin.189

Am folgenden Tattag, den 26. April 2002, spielte Robert am morgen noch etwa eine Stunde lang den Ego-Shooter »Quake«.190 Um cirka 10 Uhr verließ er die elterliche Wohnung. Etwa 10:45 traf er vor der Toilette der Schule auf den Hausmeister und be- fragt diesen zur Anwesenheit der Schulleiterin. Danach legte er auf der Toilette seine Ausrüstung an, maskiert sich und steuerte um ca. 10:59 das Sekretariat der Schule an.191

Robert Steinhäuser tötete im Sekretariat die stellvertretende Direktorin und die Sekretä- rin. Ins Zimmer der Direktorin drang der Täter nicht vor. Danach verließ er das Sekreta- riat und ging die südliche Treppe des Flures nach oben. Im 1. Obergeschoss tötete Ro- bert Steinhäuser einen Lehrer und kurz danach zwei weitere Lehrer. Nach den Schüssen begab er sich in das 2. Obergeschoss wo er einen Schuss auf die Schließfächer abgab.192

Er durchquerte den Flur und traf in einem Durchgangsklassenzimmer auf eine Lehrerin die er gezielt tötete, als diese vor dem Täter flüchtend den Klassenraum durch die gege- nüberliegende Tür verlassen wollte.193 Vom Nordflur aus betrat Steinhäuser ein weiteres Klassenzimmer. Die durch eine aufgeklappte Tafel verdeckte Lehrerin tötete er nach dem Aufklappen der Tafel vor den Augen der anwesenden Schüler einer 8. Klasse.194 Dann sah der Täter in einen Klassenraum in dem zahlreiche Schüler um eine Lehrerin standen, die sehr jugendlich wirkte und vermutlich vom Täter deswegen nicht als solche erkannt wurde.195 Steinhäuser schaute in einen weiteren Raum, da aber auch dort nur Schüler waren begab er sich über die Nordtreppe in das 3. Obergeschoss. Hier betrat und durchquerte er einen Klassenraum und tötet aus kurzer Entfernung eine weitere Lehrerin.196

Beim Durchqueren des Flures lief der Täter an einer Lehrerin - die vorrangig die Klassen 5 bis 8 unterrichtete vorbei, vermutlich (er)kannte er sie nicht. Im Durchgangsklassenzimmer dieser Etage tötete er eine weitere Lehrerin direkt vor den anwesenden Schülern einer 5. Klasse.197 Im Südflur des 3. Obergeschosses trat eine aufsichtführende Lehrerin auf den Flur und verkannte offenbar den Ernst der Lage, mit einer Scheibenwischergeste signalisierte sie dem Täter ihr Unverständnis und wurde daraufhin mit nur einem Schuss in Gesicht hingerichtet.198

Der Täter bewegte sich den Gang weiter in Richtung Südtreppe, schubste einen in der Tür zum Klassenraum stehenden Schüler beiseite und tötete einen weiteren Lehrer. Danach verließ der Täter das 3. Obergeschoss in Richtung 2. Obergeschoss.199 In dieser Etage tötete Robert Steinhäuser eine vor ihm flüchtende Lehrerin.200 Robert Steinhäuser ereichte kurz darauf wieder das Klassenzimmer in dem er vorher die Lehrerin vermutlich innerhalb der Schülergruppe stehend nicht als solche erkannt hatte. Er rüttelte kurz an der Türklinke und gab dann mehrere Schüsse auf die verschlossene Tür ab, dabei tötete er einen Schüler und eine Schülerin.201

[...]


1 vgl. Gasser et al., 2004, S.57

2 vgl. Gasser et al., 2004, S.59

3 vgl. Gasser et al., 2004, S.55, S.59

4 vgl. Gasser et al., 2004, S.59-60

5 vgl. Gasser et al., 2004, S.60

6 vgl. Gasser et al., 2004, S.50

7 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.196

8 vgl. Robertz, 2004, S.11

9 Rau, 2004, S.260

10 Rau, 2004, S.260

11 vgl. Lutteroth, 2009, letzte Ansicht 12.10.2009

12 vgl. TNS Emnid, 2009, letzte Ansicht 20.10.2009

13 vgl. Robertz, 2007, S.20

14 vgl. Pawlik, 2008, S.27; vgl. Robertz, 2007, S.22

15 vgl. Lutteroth, 2009, letzte Ansicht: 12.10.2009

16 DPA, 2009, letzte Ansicht: 18.10.2009.

17 vgl. N24, 2009, letzte Ansicht: 10.11.2009; vgl. Mitic, 2009, letzte Ansicht: 10.11.2009

18 vgl. Hoffman et al., 2009, S.196

19 vgl. Robertz, 2004, S.19; vgl. Dossow, 2008, S. 7-8

20 vgl. Robertz, 2004. S.17

21 vgl. Holmes, Holmes, 1998, S.114

22 vgl. Fox, Levin, 2005, S.17

23 vgl. Douglas et al., 2006, S.95-96

24 vgl. Robertz, 2004, S.17; vgl. Holmes, Holmes, 2009, S.15; vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.21

25 vgl. Holmes, Holmes, 2009, S.39

26 vgl. Holmes, Holmes, 2009, S.35; vgl. Brookman, 2004, S.211

27 vgl. Holmes, Holmes, 2009, S.17

28 vgl. Fox, Levin, 2005, S.17

29 vgl. Robertz, 2004, S.19

30 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.21

31 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.21

32 vgl. Robertz, 2004, S.18

33 Douglas et al., 2006, S.96

34 vgl. Robertz, 2004, S.18; vgl. Robertz, Wickenhäuser, 2007, S.10

35 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.21

36 vgl. Robertz, 2004. S.18

37 vgl. Vossekuil et al., 2002, S.7; vgl. Robertz, Wickenhäuser, 2007, S.9-10

38 vgl. Robertz, Wickenhäuser, 2007, S.10; vgl. Pollmann, 2008, S.56

39 Vossekuil et al., 2002, S.7

40 vgl. Vossekuil et al. 2002, S.15

41 vgl. Robertz, Wickenhäuser 2007, S.10

42 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.22

43 vgl. Scheithauer et al. 2008, zitiert nach Scheithauer, Bondü, 2008, S.21-22

44 Robertz, Wickenhäuser, 2007, S.10; vgl. McGee, DeBernardo, 2002, S.235-236

45 Robertz, 2004, S.61

46 vgl. Robertz, 2004, S.76

47 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.201

48 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.201

49 vgl. Scheithauer, Bondü 2008, S.8

50 vgl. Scheithauer, Bondü, S.9-12

51 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.8-12

52 Hoffmann, 2003, S.399

53 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.12

54 vgl. Adler, 2000, S.11-13

55 vgl. Adler, 2000, S. 13-14

56 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.16

57 vgl. Huber, Gross, 2005, S,509

58 Huber, Gross, 2005, S.509

59 Huber, Gross, 2005, S.509; vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.49

60 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S,20-21

61 vgl. Adler, 2000, S.70

62 vgl. Scheithauer, Bondü, 2008, S.22

63 vgl. Adler, 2000, S.81

64 vgl. Robertz, 2004, S.77

65 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.198,

66 vgl. Dreyer, 2009, letzte Ansicht: 08.11.2009

67 vgl. ZEIT ONLINE, 2009, letzte Ansicht: 02.11.2009

68 Robertz, 2009, letzte Ansicht: 02.10.2009

69 vgl. Adler, 2000, S.94

70 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.198

71 vgl. Robertz, 2009, letzte Ansicht: 02.10.2009

72 vgl. Robertz, 2004, S.81

73 vgl. Robertz, 2007, S.13;

74 Adler, 2009, S.20

75 vgl. Scheihauer, Bondü, 2008, S.21

76 Adler, 2009, S.18

77 vgl. Adler, 2009, S.22

78 vgl. Robertz 2004, S.70

79 Pollmann, 2008, S.57

80 vgl. Pollmann, 2008, S.56

81 vgl. Adler, 2000, S. 50; Robertz, 2004, S. 59

82 Hoffmann et al. 2009, S.197

83 vgl. Robertz, 2004, S. 89-103

84 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.196-197

85 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.197

86 Robertz, 2004, S.119

87 vgl. Hoffmann et al., 2009, S.197

88 Robertz, 2004, S.119

89 vgl. Robertz, 2004, S. 119

90 vgl. Robertz, 2004, S. 119-120

91 vgl. McGee, DeBernardo, 2002, S.230-249; vgl. Robertz, 2004, S.92-93

92 vgl. McGee, DeBernardo, 2002, S.240; vgl. Robertz, 2004, S.93

93 vgl. Robertz, 2004, S.94

94 vgl. Meloy et al., 2001, S.725-726

95 vgl. Meloy et al., 2001, S.726

96 vgl. Meloy et al., 2001, S.722

97 vgl. JCSO, 2000

98 vgl. Gasser et al., 2004

99 JCSO, 2006, S.427-428 (Rechtschreibfehler entsprechen dem Original)

100 vgl. Fast, 2008, S.178

101 vgl. Fast, 2008, S.178-180

102 vgl. Fast, 2008. S.180

103 vgl. Johnson, Wilgoren, 1999,

104 vgl. Langman, 2009, S.64

105 vgl. Langman, 2009, S.64

106 vgl. JCSO, 2000, S.10094-10095

107 vgl. Erickson, 2001, S.18

108 vgl. Erickson, 2001, S.17

109 vgl. Brown, Merritt, 2002, S.56-57; vgl. JCSO, S. 19.017; vgl. Gaertner, 2009, S.109

110 vgl. Elliott, 2002 S.1-2

111 vgl. Langman, 2009, S.68; vgl. JCSO, 2000, S.1290

112 vgl. Langman, 2009, S.68;

113 vgl. Brown, Merritt, 2002, S.50; vgl. Fast, 2008, S.814

114 vgl. Fast, 2008, S.188

115 vgl. JCSO, 2000, S. 10507-10515

116 vgl. JCSO, 2000, S.10507-10525; vgl. Erickson, 2001, S.17; vgl. Fast, 2008, S.172-173

117 vgl. Brown, Merritt, 2000, S.29; vgl. Fast, 2008, S.173-175; vgl. Langman, 2009, S.98-99

118 vgl. JCSO, 2000, S.10512

119 vgl. JCSO, 2000, S. 10512, 10523

120 Brown, Merritt, 2000, S.29

121 vgl. Fast, 2008, S.173

122 vgl. Langman, 2009, S.98-99

123 vg. Klebold, 2009, S.166

124 vgl. Fast, 2008, S.177;

125 vgl. JCSO, 2000, S.10507

126 vgl. Langman, 2009, S.103

127 vgl. JCSO, 2000, S. 10529

128 vgl. JCSO, 2000, S.10511

129 vgl. JCSO, 2000, S.10508

130 vgl. Fast, 2008, 183-188

131 vgl. Bartels, Crowder, 1999, letzte Ansicht: 30.09.2009

132 vgl. JCSO, 2000, S.420, 10827; vgl. JCSO, 2006, S.349, 26265

133 vgl. Bartels, Crowder, 1999, letzte Ansicht: 30.09.2009; vgl. JCSO, 2000, S. 988, 2150, 5404, 5946

134 vgl. JCSO, 2000, S.10039, 10835, 6281, 1450

135 vgl. Cullen, 2009, S. 147-148

136 vgl. Erickson, 2001, S.19;

137 vgl. Fast, 2008, S. 188-189

138 vgl. JCSO, 2006, S.582, 26496, 492, 26407, 496-510, 26411-26425

139 vgl. JCSO, 2006; vgl. Langman, 2009, S.100-101

140 Langman, 2009, S.101

141 vgl. JCSO, 2006, S.420

142 vgl. JCSO, 2006, S.232-236

143 vgl. Brown, Merritt, 2002, S.78

144 vgl. Fast, 2008, S.189-190

145 vgl. Erickson, 2001, S.20

146 vgl. Fast, 2008, S. 192

147 vgl. Klebold, 2009

148 vgl. Fast, 2008, S. 193

149 vgl. Fast, 2008, S.191

150 vgl. Fast, 2008, S.191

151 vgl. JCSO, 2006, S.26343, vgl. Stone, 1994

152 vgl. JCSO, 2006, S.26341, 26370

153 vgl. Erickson 2001, S. -i-

154 vgl. Fast, 2008, S.198;

155 vgl. JCSO, 2006; S. 25994, 26023, 26307, 26309, 26313, 26339156 vgl. Robertz, Wickenhäuser, 2007, S.73

157 Robertz, Wickenhäuser, 2007, S.73; Larkin, 2007, S.3

158 vgl. JCSO, 2000, S. 15912-15916, vgl. Jefferson County 911, 1999, letzte Ansicht: 30.09.2009

159 vgl. JCSO, 2000a, letzte Ansicht: 30.09.2009

160 vgl. Erickson, 2001, S. IV; vgl. Robertz, Wickenhäuser 2007, S.73

161 Gasser et al., 2004, S.297

162 vgl. Hoffmann et al. 2009, S.196;

163 vgl. Brinkbäumer et al., 2002 S.118-144

164 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.121

165 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.121

166 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.122

167 Brinkbäumer et al., 2002, S.122

168 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.122

169 vgl. Robertz, Wickenhäuser, 2007, S.51

170 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.133

171 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.118, 133

172 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.133

173 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.134

174 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.136

175 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.137

176 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.137, vgl. Gasser, et al. 2004, S.298

177 vgl. Gasser et al., 2004, S.13, 297-298

178 vgl. Gasser et al., 2004, S.13, 298

179 vgl. Brinkbäumer et al., 2002, S.141, vgl. Gasser et al., 2004, S.14

180 vgl. Gasser et al., 2004, S.15

181 vgl. Gasser et al., 2004, S.15

182 vgl. Gasser et al., 2004, S.16

183 vgl. Gasser et al., 2004, S.17-19

184 vgl. Gasser et al., 2004, S.17-19

185 vgl. Gasser et al., 2004, S.20-23

186 vgl. Gasser et al., 2004, S.23

187 vgl. Gasser et al., 2004, S.24-26

188 vgl. Gasser et al., 2004, S.27-33

189 vgl. Gasser et al., 2004, S.34-35

190 vgl. Gasser et al., 2004, S.36

191 vgl. Gasser et al., 2004, S.40-60

192 vgl. Gasser et al., 2004, S.65-80

193 vgl. Gasser et al., 2004, S.81

194 vgl. Gasser et al., 2004, S.82

195 vgl. Gasser et al., 2004, S.83

196 vgl. Gasser et al., 2004, S.85

197 vgl. Gasser et al., 2004, S.87

198 vgl. Gasser et al., 2004, S.88-89

199 vgl. Gasser et al., 2004, S.89-90

200 vgl. Gasser et al., 2004, S.92-94

201 vgl. Gasser et al., 2004, S.95-96

Ende der Leseprobe aus 169 Seiten

Details

Titel
School Shootings. Ursache und Prävention
Hochschule
Fachhochschule Lausitz in Cottbus  (Sozialwesen)
Note
2,0
Autor
Jahr
2009
Seiten
169
Katalognummer
V144731
ISBN (eBook)
9783640548798
ISBN (Buch)
9783640552009
Dateigröße
2935 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
School Shooting, Amok, Schule, Gewalt, Emsdetten, Erfurt, Columbine, Winnenden, Blacksburg, Steinhäuser, Bosse, Harris, Klebold, Ursachen, Prävention, Bedrohungsanalyse, Bedrohungsmanagement, Krisenteams, Phantasie, Amoklauf, amok laufen, Schulgewalt, Gewalt an Schulen, Untersuchungsbericht, Untersuchung, Verhinderung, vorbeugen, verhindern, Mobbing, Bullying, Amokläufer, Threat Assessment, Threat Managment, DyRiAS System, School Shootings, Littleton, Jonesboro, Kontrolltheorie
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Benny Blatz (Autor), 2009, School Shootings. Ursache und Prävention, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144731

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