Unternehmen sind mit den Herausforderungen einer dynamischen Umwelt sowie sich kontinuierlich verändernden Rahmenparametern (u. a. Globali-sierung, Wettbewerb) konfrontiert . Sie haben sich daher diesen Umweltbedingungen anzupassen, um die Unternehmensfortführung zu sichern . Ein Beispiel für solche Umweltbedingung ist die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise. So zeigen aktuelle Insolvenzzahlen, dass sich Unternehmen verstärkt in der Krise befinden und von Januar bis August 2009 15,5% mehr Insolvenzen als im Vorjahreszeitraum 2008 verzeichnen wurden .
Mittels eines Risikomanagementsystems können Unternehmen einen Teil der für das Unternehmen bedrohlichen Entwicklungen vorab identifizieren, aber nicht alle, so dass zur Bewältigung der Unternehmenskrise ein reaktives Sanierungsmanagement erforderlich ist . Sanierungsmaßnahmen bedürfen der Vorbereitung, indem die Restrukturierungssituation analysiert wird. Dies erfordert ein effizientes Controlling, das (1) Restrukturierungssituationen identifiziert , (2) diese auf ihre Sanierungsfähigkeit als auch (3) ihre Ursachen analysiert und (4) die Wirkung der Maßnahmen kontrolliert .
Zur Bewältigung der oben genannten Aufgaben existiert eine Vielzahl an Controllinginstrumenten . Vor dem Ziel der Arbeit, die Einsatzmöglichkeiten ausgewählter quantitativer Controllinginstrumente zur Analyse von Restrukturierungssituationen zu evaluieren, erfolgt im Rahmen der vorliegenden Seminararbeit die Beurteilung exemplarisch am Beispiel der Kennzahlensysteme und Prozesskostenrechnung.
Die Betrachtung beider Instrumente hat gezeigt, dass beide Instrumente im Rahmen des Restrukuturierungsprozess eingesetzt werden können. Mittels eines speziellen Sanierungskennzahlensystems lassen sich die wichtigsten Informationen, schnell und in aggregierter Form, zur Identifizierung von Unternehmenskrisen bereitstellen. Wohingegen mittels einer Prozesskostenrechnung Oursourcingentscheidungen, als eine mögliche Gegenmaßnahme zur Reduzierung der Kosten, vorbereitet werden können. Es wurde aber auch deutlich, dass quantitative Controllinginstrumente alleine nicht aussagefähig genug sind.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Systematische Aufbereitung des Themenfeldes
2.1. Restrukturierung von Unternehmen
2.2. Controlling in Restrukturierungssituationen
3. Quantitative Controllinginstrumente
3.1. Kennzahlensysteme
3.1.1. Überblick
3.1.2. Arten von Kennzahlensysteme
3.1.3. Ausgestaltung von Kennzahlensysteme zur Analyse von Restrukturierungssituationen
3.2. Prozesskostenrechnung
3.2.1. Überblick und Zielsetzung
3.2.2. Systematik der Prozesskostenrechnung
3.2.3. Ausgestaltung der Prozesskostenrechnung zur Analyse von Restrukturierungssituationen
3.3. Einsatzmöglichkeiten und -grenzen quantitativer Controllinginstrumente
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Einsatzmöglichkeiten quantitativer Controllinginstrumente, speziell Kennzahlensysteme und die Prozesskostenrechnung, zur Analyse von Unternehmenskrisen und Restrukturierungsprozessen, um die Sanierungsfähigkeit zu beurteilen und fundierte Gegenmaßnahmen zu unterstützen.
- Grundlagen der Unternehmensrestrukturierung und Krisenidentifikation
- Einsatz und Gestaltung von Kennzahlensystemen im Sanierungskontext
- Analysepotenziale der Prozesskostenrechnung zur Gemeinkostentransparenz
- Grenzen quantitativer Instrumente bei der Berücksichtigung qualitativer Faktoren
- Ableitung von Empfehlungen für ein modifiziertes Sanierungskontrolling
Auszug aus dem Buch
3.1.3. Ausgestaltung von Kennzahlensysteme zur Analyse von Restrukturierungssituationen
Wie erläutert, erfordern Restrukturierungssituationen, dass Unternehmen schnell und kostengünstig die relevanten Informationen über ihre wirtschaftliche Lage zur Verfügung stehen. Kennzahlensysteme eignen sich hierfür, da sie in gebündelter Form die relevanten Informationen zur Beurteilung der wirtschaftlichen Situation und Sanierungsfähigkeit bereitstellen.
Das DuPont-Kennzahlensystem ist z. B. durch die Verknüpfung der Umsatzrendite mit dem Kapitalumschlag schnell in der Lage den Grund für einen Rückgang der Gesamtrentabilität, in Folge einer Unternehmenskrise, zu identifizieren. So führt eine Reduzierung der Material- und Lohnkosten zu einer höheren Umsatzrentabilität. Die Analyse des Kapitalumschlags führt zu den Bilanzgrößen Anlage- und Umlaufvermögen. Eine Reduzierung des Umlaufvermögens, durch eine Erhöhung der Bestände, führt zu einem schlechteren Kapitalumschlag. Wohingegen mittels des ZVEI-Systems Unternehmensrisiken aufgedeckt werden können. So kann eine steigende Verschuldung durch die steigenden Zinszahlungen meine Gewinne schmälern und zudem die Bonität des Unternehmens verschlechtern, was wiederum die Kreditvergabe an das Unternehmen und somit die Sanierung des Unternehmens beeinträchtigen würde.
Im Hinblick auf die spezifischen Anforderungen bei der Unternehmenssanierung wird die Einführung eines speziellen Sanierungskennzahlensystems empfohlen, was die wirtschaftliche Situation des Unternehmens analysieren und zudem auch den Fortschritt der Sanierungsmaßnahmen zu überwachen kann. Während des gesamten Sanierungsprozesses ist es wichtig die Ertragsseite als auch die Liquiditätsseite des Unternehmens zu analysieren, um die Überlebensfähigkeit des Unternehmens abschätzen zu können. Unternehmenskrisen äußern sich vor allem in einer Verschlechterung finanzieller Kennzahlen, welche aus einer Kausalkette von unzureichend bearbeiteten Problemen der Unternehmensstrategie, der Marktperformance oder des Ressourcenmanagements resultiert. Aus diesem Grund empfiehlt sich bei der Ausgestaltung eines Kennzahlensystems für die Restrukturierung die Verwendung von zwei Spitzenkennzahlen, nämlich die Liquidität und die Ertragskraft.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Notwendigkeit von Sanierungsmaßnahmen in krisengefährdeten Unternehmen und definiert das Ziel der Arbeit, quantitative Controllinginstrumente auf ihre Eignung zur Analyse dieser Situationen zu prüfen.
2. Systematische Aufbereitung des Themenfeldes: In diesem Kapitel werden grundlegende Begriffe wie Unternehmenskrise und Restrukturierung definiert und der Kontext des Controllings in Krisensituationen näher erläutert.
3. Quantitative Controllinginstrumente: Der Hauptteil analysiert detailliert Kennzahlensysteme sowie die Prozesskostenrechnung und diskutiert deren spezifische Ausgestaltungsmöglichkeiten und Grenzen für die Restrukturierungsanalyse.
4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass quantitative Instrumente zwar Transparenz schaffen, für fundierte Sanierungsentscheidungen jedoch um qualitative Aspekte erweitert werden müssen.
Schlüsselwörter
Controlling, Restrukturierung, Unternehmenskrise, Sanierungsmanagement, Kennzahlensysteme, DuPont-Kennzahlensystem, ZVEI-Kennzahlensystem, Prozesskostenrechnung, Gemeinkostenmanagement, Liquidität, Ertragskraft, Ursachenanalyse, Sanierungsfähigkeit, Kostentreiber, Unternehmensstrategie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie quantitative Controllinginstrumente dazu beitragen können, Unternehmenssituationen während einer Restrukturierung zu analysieren und Sanierungsentscheidungen vorzubereiten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die theoretische Einordnung von Restrukturierung und Krisen, die Anwendung von Kennzahlensystemen sowie die Nutzung der Prozesskostenrechnung zur Analyse und Kostensteuerung.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist die Evaluierung der Einsatzmöglichkeiten und -grenzen von Kennzahlensystemen und der Prozesskostenrechnung bei der Bewältigung von Unternehmenskrisen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit verfolgt einen deskriptiven und analytischen Ansatz, bei dem bestehende Controllinginstrumente anhand theoretischer Grundlagen kritisch auf ihren Nutzen in Restrukturierungssituationen geprüft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung und Bewertung von Kennzahlensystemen (DuPont, ZVEI) sowie der Prozesskostenrechnung als Instrumente für die Ursachenanalyse und Transparenzerhöhung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die wichtigsten Schlagworte umfassen Restrukturierung, Sanierungscontrolling, Kennzahlensysteme, Prozesskostenrechnung, Unternehmenskrisen sowie Liquiditäts- und Ertragskennzahlen.
Warum wird ein spezielles "Sanierungskennzahlensystem" empfohlen?
Ein dediziertes Sanierungskennzahlensystem ist flexibler als Standardinstrumente und kann sowohl monetäre als auch nicht-monetäre Faktoren kombinieren, um den Fortschritt der Sanierung zielgerichtet zu überwachen.
Welches Hauptproblem haben Kennzahlensysteme laut der Analyse?
Kennzahlensysteme leiden häufig unter Monokausalität, basieren stark auf vergangenheitsorientierten internen Daten und vernachlässigen oft qualitative Aspekte, die für eine ganzheitliche Sanierung wichtig sind.
Warum ist die Prozesskostenrechnung in der Krise nur bedingt einsetzbar?
Obwohl sie wertvolle Einblicke in Gemeinkosten und Kostentreiber bietet, ist ihr hoher Zeitaufwand für die Datenerfassung und Implementierung in akuten Krisensituationen oft ein hinderlicher Faktor.
- Citation du texte
- Florian Röhr (Auteur), 2009, Einsatzmöglichkeiten quantitativer Controllinginstrumente zur Analyse von Restrukturierungssituationen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144742