Um das Thema Zweitspracherwerb für diese Arbeit fassbar zu machen, ist der Schwerpunkt auf die drei sogenannten „großen“ Hypothesen gesetzt (Bausch/Kasper 1979, S. 4). Zunächst folgt ein Überblick über das Thema Zweitspracherwerb. Anschließend werden die drei
Theorien dargestellt und kritisch untersucht. Der Arbeit geht die These voran, dass die drei großen Theorien, die die Erforschung des Zweitspracherwerbs seit den 1950er Jahren dominieren, hilfreiche Beiträge zum Verständnis des Zweitspracherwerbs liefern. Dennoch
können sie keine ultimative Erklärung dieses komplexen Prozesses bieten. Die aus ihnen gewonnen Erkenntnisse sind Grundlage zahlreicher Studien und weiterführender Theorien.
Somit stellen die großen Hypothesen einen wichtigen Baustein in der
Zweitspracherwerbsforschung dar. Aus ihnen können pädagogische Ansätze abgeleitet werden, die mit der anhaltenden Forschung immer auf dem neusten Stand gehalten werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Das Problem
1.2 Ziel der Arbeit
2 Zweitspracherwerb
2.1 Überblick
2.2 Kontrastivhypothese
2.3 Identitätshypothese
2.4 Interlanguage-Hypothese
3 Fazit
3.1 Zusammenfassung
3.2 Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Verhältnis von Erst- und Zweitsprache im Kontext des Zweitspracherwerbs, wobei die zentrale Forschungsfrage darauf abzielt, inwieweit die drei klassischen Hypothesen – Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese – den Spracherwerbsprozess erklären und welche Bedeutung der Muttersprache dabei zukommt.
- Vergleichende Analyse der drei grundlegenden Hypothesen zum Zweitspracherwerb
- Untersuchung des Einflusses der Muttersprache auf den Erwerb der Zweitsprache
- Diskussion der Bedeutung von Fehleranalyse und Zwischensprache (Interlanguage)
- Reflexion pädagogischer Konzepte zur Förderung von Migrantenkindern
Auszug aus dem Buch
2.2 Kontrastivhypothese
Die Kontrastivhypothese ist zeitlich gesehen die erste Hypothese und wurde vor allem von Lado Ende der 1950er Jahre vertreten (Mitchell/Myles 1998, S. 23). Angelehnt an behavioristische Theorien, die besonders in den 1950er Jahren in der Naturwissenschaft durch den Einfluss von Frederic Skinner einen großen Stellenwert hatten, gingen die Vertreter der Kontrastivhypothese davon aus, dass das Erwerben von Sprachen mit dem Erwerb jeder anderen Gewohnheit gleichgesetzt werden kann. Die Grundannahme ist also, dass beim Spracherwerb die Reaktionen auf Stimuli aus der Umwelt durch Aufnahme und Verarbeitung zu Gewohnheiten werden, wie etwa bei einer Begrüßung. (Mitchell/Myles 1998, S. 23).
Für den Erwerb der Zweitsprache heißt dies im Rahmen der Kontrastivhypothese, dass die Erstsprache einen gewichtigen Einfluss auf den Zweitspracherwerb hat:
Die Grundsprache des Lerners beeinflusst seinen Erwerb einer Zweitsprache in der Weise, dass in Grund- und Zweitsprache identische Elemente und Regeln leicht und fehlerfrei zu erlernen sind, unterschiedliche Elemente und Regeln dagegen Lernschwierigkeiten bereiten und zu Fehlern führen. (Bausch/Kasper 1979, S. 5).
Der Kern der Kontrastivhypothese ist die Annahme, dass der Sprecher Strukturen, die ihm aus der Muttersprache geläufig sind, auf die Zweitsprache überträgt, wie etwa syntaktische Abfolgen, Pluralkennzeichnungen oder die Kennzeichnung grammatischer Kategorien. Durch diese Übertragungen kann es sowohl zu grammatisch richtigen, wie auch falschen Äußerungen kommen. Fachlich wird hierbei zwischen positivem und negativem Transfer unterschieden (Merten 1997, S. 74). Diese Annahme kann anhand des folgenden Beispiels verdeutlicht werden, in dem die syntaktischen Strukturen des Deutschen ins Englische übernommen wurden:
1a Sie schließt das Fenster – She closes the window
1b Sie wird das Fenster schließen – *She will the window close
Hierbei ist augenfällig, dass der positive Transfer (1a) größtenteils auf eine zufällige strukturelle Übereinstimmung zwischen den Sprachen zurückgeführt werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Beleuchtung des Problemfeldes des Zweitspracherwerbs bei Kindern mit Migrationshintergrund und Darstellung der Zielsetzung der Arbeit.
2 Zweitspracherwerb: Detaillierte theoretische Auseinandersetzung mit der Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese sowie deren kritische Einordnung.
3 Fazit: Zusammenfassende Betrachtung der Hypothesen und Ausblick auf die Relevanz für pädagogische Ansätze in der Schule.
Schlüsselwörter
Zweitspracherwerb, Erstsprache, Kontrastivhypothese, Identitätshypothese, Interlanguage-Hypothese, Spracherwerbsforschung, Migration, Fehleranalyse, Transfer, Muttersprache, Sprachpraxis, Pädagogik, Sprachwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die theoretischen Grundlagen des Zweitspracherwerbs und setzt sich mit dem Einfluss der Erstsprache auf den Erwerb einer Zweitsprache auseinander.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die drei großen Hypothesen (Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothese), die Rolle der Muttersprache und die Bedeutung von Fehlern im Lernprozess.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Zweitspracherwerb durch die Analyse der drei genannten Hypothesen fassbar zu machen und ihre Bedeutung für die Forschung und pädagogische Praxis zu bewerten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die eine Literaturanalyse und einen kritischen Vergleich bestehender wissenschaftlicher Theorien vornimmt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil widmet sich dem Überblick über den Zweitspracherwerb und der detaillierten sowie kritischen Vorstellung der Kontrastiv-, Identitäts- und Interlanguage-Hypothesen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Zweitspracherwerb, Erstsprache, Spracherwerbsmechanismen, Fehleranalyse und Interlanguage kennzeichnen.
Wie unterscheidet sich die Interlanguage-Hypothese von den anderen?
Die Interlanguage-Hypothese stellt den Lerner ins Zentrum und betrachtet Fehler nicht als reines Scheitern, sondern als notwendigen Bestandteil einer sich entwickelnden Zwischensprache.
Welche Bedeutung hat die Erstsprache in der Kontrastivhypothese?
In der Kontrastivhypothese gilt die Erstsprache als maßgeblicher Faktor, der durch Transfer entweder zu fehlerfreiem Erwerb oder zu Lernschwierigkeiten führen kann.
- Citation du texte
- Anonym (Auteur), 2008, Das Verhältnis von Erst- und Zweitsprache in drei grundlegenden Theorien des Zweitspracherwerbs, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144790