In dieser Arbeit wird überprüft, ob die Definition des Sozialkapitals nach Bourdieu in der Netzwerktheorie sinnvoll angewendet werden kann. Methodisch wird zunächst das soziale Kapital nach Bourdieu definiert und in Relation zur Verwendung des Begriffs in der Netzwerktheorie analysiert. Im zweiten Teil wird eine handlungstheoretische Analyse durchgeführt. Dieser Schritt ergibt sich aus den definitorischen Fragen zum sozialen Kapital. Welche Handlungen sind nötig, um soziales Kapital zu erweitern? Dementsprechend werden die Handlungskonzepte der Netzwerk- und Feldtheorie gegenüber gestellt, um eine theoretische Grundlegung auf mikro- und makrosoziologischer Ebene zu ermöglichen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Soziales Kapital
2.1. Definition des sozialen Kapitals nach Piere Bourdieu
2.2. Soziales Kapital in der Netzwerktheorie
2.3 Die Sozialkapitaldefinitionen im Vergleich
3. Handlungskonzepte
4. Motivation individuellen Handelns in Netzwerktheorien und die Einbindung des bourdieuschen Konzepts
5. Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Anwendbarkeit des Konzepts des sozialen Kapitals von Pierre Bourdieu innerhalb der Netzwerktheorie. Ziel ist es, die Unterschiede zwischen Bourdieu und klassischen Netzwerktheoretikern wie Coleman und Lin aufzuzeigen und zu prüfen, ob die Integration von Bourdieus Feldtheorie und seinem Habitus-Begriff die Netzwerkforschung um eine handlungstheoretische Dimension erweitern kann.
- Vergleich der Sozialkapitaldefinitionen von Bourdieu, Coleman und Lin
- Analyse der Rolle von Habitus und Feld in der sozialen Praxis
- Kritische Betrachtung der Motivation individuellen Handelns
- Möglichkeiten der theoretischen Integration in die Netzwerkanalyse
Auszug aus dem Buch
2.1. Definition des sozialen Kapitals nach Piere Bourdieu
„Das Sozialkapital ist die Gesamtheit der aktuellen und potentiellen Ressourcen, die mit dem Besitz eines dauerhaften Netzes von mehr oder weniger institutionalisierten Beziehungen gegenseitigen Kennens oder Anerkennens verbunden sind; oder, anders ausgedrückt, es handelt sich dabei um Ressourcen, die auf der Zugehörigkeit zu einer Gruppe beruhen.“ Das soziale Kapital lässt sich in Form von Adelstiteln besonders gut institutionalisieren. Zum Einen ergibt sich aus der Definition, dass der Wert des sozialen Kapitals aus Beziehungen resultiert. Weiterhin verweist sie auf die aktuellen und potentiellen Ressourcen, welche aufgrund einer dauerhaften Zugehörigkeit in einem Netz vorhanden sind. Implizit ergibt sich daraus, dass soziales Kapital sowohl erweitert als auch verringert werden kann, dementsprechend eine individuelle oder kollektive Tätigkeit voraussetzt, die Beziehungen erhält, ausbaut oder durch Vernachlässigung auflöst.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik ein, ob Bourdieu-Konzepte in der Netzwerktheorie sinnvoll Anwendung finden können, um mikro- und makrosoziologische Zusammenhänge besser zu erklären.
2. Soziales Kapital: Dieses Kapitel definiert soziales Kapital nach Bourdieu, setzt es in Bezug zur Kapitaltheorie von Marx und kontrastiert es mit den Ansätzen von Coleman und Lin.
2.1. Definition des sozialen Kapitals nach Piere Bourdieu: Eine detaillierte Analyse der Bourdieuschen Definition, die Soziales Kapital als Resultat aus Gruppenzugehörigkeit und institutionalisierten Beziehungen beschreibt.
2.2. Soziales Kapital in der Netzwerktheorie: Vorstellung der Ansätze von Coleman und Lin, die soziales Kapital stärker über individuellen Nutzen und Netzwerkstrukturen definieren.
2.3 Die Sozialkapitaldefinitionen im Vergleich: Ein direkter Vergleich der Definitionen, der verdeutlicht, dass Bourdieu den Wert im Beziehungsgefüge verortet, während Netzwerktheoretiker oft den individuellen Nutzen betonen.
3. Handlungskonzepte: Einführung des Habituskonzepts als theoretische Grundlage für praktisches Handeln im sozialen Raum, welches über rein rationale Entscheidungsmodelle hinausgeht.
4. Motivation individuellen Handelns in Netzwerktheorien und die Einbindung des bourdieuschen Konzepts: Untersuchung, wie die Einbettung von Akteuren durch Bourdieus Ansatz die methodologische Einseitigkeit der Netzwerktheorie aufbrechen kann.
5. Schlussfolgerung: Das Fazit bestätigt die prinzipielle Anwendbarkeit von Bourdieus Theorie, warnt aber vor den methodischen Herausforderungen bei der quantitativen Operationalisierung.
Schlüsselwörter
Soziales Kapital, Pierre Bourdieu, Netzwerktheorie, Habitus, Feldtheorie, Institution, Kollektive, Handlungsstrategien, Akkumulation, Machtgefüge, Rational-Choice, Netzwerkanalyse, soziale Praxis, Distinktion, Ressourcen.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der theoretischen Verbindung zwischen Bourdieus Verständnis von sozialem Kapital und der klassischen Netzwerktheorie.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Hauptthemen sind die Definitionen von sozialem Kapital, das Konzept des Habitus, Handlungsstrategien und die Frage der Motivation hinter individuellem Handeln in sozialen Netzwerken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu überprüfen, ob Bourdieus Theorie in die Netzwerkforschung integriert werden kann, um dort bestehende Lücken in der Analyse sozialer Einbettung zu schließen.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, bei der Konzepte unterschiedlicher Soziologen einander gegenübergestellt und auf ihre theoretische Konsistenz hin geprüft werden.
Was steht im inhaltlichen Mittelpunkt des Hauptteils?
Der Fokus liegt auf dem Vergleich der Kapitalbegriffe bei Bourdieu, Coleman und Lin sowie der Einführung des Habituskonzepts zur Erklärung von Handlungsweisen.
Wie lässt sich die Arbeit anhand ihrer Schlüsselwörter charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich als Beitrag zur theoretischen Soziologie und Netzwerkforschung mit dem Schwerpunkt auf Bourdieus Feld- und Habitustheorie einordnen.
Warum ist laut Autor eine bloße quantitative Messung von Beziehungen problematisch?
Da soziales Kapital nach Bourdieu von der Qualität und Institutionalisierung der Beziehungen sowie der sozialen Position abhängt, greift eine rein zahlenmäßige Erfassung zu kurz.
Inwiefern unterscheidet sich Bourdieus Habitus-Konzept von einer rein rationalen Handlungstheorie?
Der Habitus generiert Handlungen quasi traumwandlerisch und habituell, während die rationale Handlungstheorie von einem bewussten Nutzen-Kosten-Kalkül ausgeht.
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- Christian Walter (Author), 2009, Soziales Kapital bei Pierre Bourdieu und seine Verwendbarkeit in der Netzwerktheorie, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144810