Im Gegensatz zu marktwirtschaftlich orientierten Betrieben, die ausschließlich auf Gewinnerzielung ausgerichtet sind, wird bei öffentlichen Theatern der künstlerische Erfolg als Hauptziel angesehen. Jedoch unterliegt der Sektor der öffentlichen Theaterbetriebe seit Jahrzehnten ganz offensichtlich einer chronischen Finanzierungsproblematik.1 Es wird daher untersucht, ob und inwieweit das Risikocontrolling, das inzwischen ein unverzichtbarer Bestandteil der Führung moderner Wirtschaftsunternehmen ist, auch in Kulturbetrieben als Steuerungsinstrument für die Wirtschaftlichkeit eingesetzt werden kann. Mit der Vorgabe, dass Risikocontrolling für Theater einen Beitrag zur Bewältigung der aktuellen Probleme leisten kann, sollen im Rahmen dieser Arbeit Aufgaben und dafür geeignete Instrumente aufgezeigt werden. Ausgangspunkt und zentrales Thema dieser Arbeit ist das Risikocontrolling, deshalb wird es zuerst erläutert und dann versucht Ansätze, Prozesse und Instrumente des Risikocontrolling in privatwirtschaftlichen Unternehmen auf die im folgenden erläuterten Besonderheiten der wirtschaftlichen Situation der öffentlichen Theater zu übertragen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Darstellung des Risikocontrolling
2.1 Einordnung des Risikocontrolling in das Controlling
2.2 Einführung des Risikocontrolling
2.3 Anwendung des Risikocontrolling
3. Besonderheiten öffentlicher Unternehmen
3.1 Theater als öffentliche Unternehmen
3.2 Gründe für die Finanzierungskrise Öffentlicher Theater
4. Identifikation und Erfassung von Risiken
4.1 Das Finanzierungssystem und die sich daraus ergebenen Risiken
4.2 Weitere Chancen und Risiken in Theatern
5. Übertragbarkeit des Risikocontrolling in die Theaterpraxis
5.1 Rechnungswesen als Vorraussetzung für Risikocontrolling
5.2 Gesetzliche Notwendigkeit des Risikocontrolling in Theatern
5.3 Eingliederung des Risikocontrolling in den Risiko-Management-Prozess
6. Instrumente des Risikocontrolling
6.1 Erfassungsinstrumente des Risikocontrolling
6.2 Value at Risk als Bewertungsinstrument
7. Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit Risikocontrolling als Steuerungsinstrument zur Bewältigung der chronischen Finanzierungsproblematik in öffentlichen Theatern eingesetzt werden kann, um deren Wirtschaftlichkeit zu verbessern und gleichzeitig den künstlerischen Anspruch zu wahren.
- Grundlagen des Risikocontrolling im betriebswirtschaftlichen Kontext
- Strukturelle Besonderheiten und Finanzierungskrisen bei öffentlichen Theatern
- Identifikation und methodische Erfassung von Risiken im Kulturbetrieb
- Übertragbarkeit von Risikomanagement-Instrumenten (z. B. Value at Risk, Kennzahlensysteme)
- Notwendigkeit von Strukturreformen und verbessertem Rechnungswesen
Auszug aus dem Buch
4. Identifikation und Erfassung von Risiken
Um die tatsächliche Risikoposition des Unternehmens zu erfassen müssen alle relevanten Risiken im Zusammenhang mit der Unternehmenstätigkeit erhoben werden. Dabei sollten sämtliche Informationspotenziale des Unternehmens genutzt werden. Um rechtzeitig reagieren zu können, sind neben den bestehenden auch potenzielle Risiken zu identifizieren.
Das Risikocontrolling hat hier die Aufgabe die Risiken permanent, rechtzeitig, schnell, vollständig und wirtschaftlich zu erfassen. Die Risikoerfassung erfolgt in einer Art Gegenstromverfahren. Dabei wird ein Analyseraster top down – von der strategischen zur operative Ebene – vorgegebenen. Und bottom up – von der operativen zur strategischen Ebene - Einzelrisiken erfasst, klassifiziert und selektiert. Die Mitarbeiter in der operativen Ebene füllen demnach das von der strategischen Ebene vorgegebene Raster inhaltlich aus.
Weiterhin ist es notwendig, Einflussparameter für die Einzelrisiken zu bestimmen. Nachdem die einzelnen Risiken erfasst sind müssen sie nach den für das Controlling relevanten Kriterien und ihrer Eintrittswahrscheinlichkeit gegliedert werden. Danach erfolgt eine Selektion der Einzelrisiken nach ihrer Bedeutung bzw. ihrem Gefährdungspotenzial. Schlussendlich werden sie aus Gesamtunternehmenssicht auf Basis des Grobrasters betrachtet. Die Qualität der Identifikation und Erfassung von Risiken ist von entscheidender Bedeutung für die weiteren Schritte des Risikocontrolling.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die prekäre wirtschaftliche Lage öffentlicher Theater und stellt die Forschungsfrage, ob Risikocontrolling als Steuerungsinstrument zur Existenzsicherung dienen kann.
2. Darstellung des Risikocontrolling: Dieses Kapitel definiert die Grundlagen des Risikocontrolling, ordnet es in das Controlling ein und beschreibt die Anforderungen an dessen erfolgreiche Einführung.
3. Besonderheiten öffentlicher Unternehmen: Hier werden Theater als Nonprofit-Organisationen charakterisiert und die Ursachen für ihre chronische Finanzierungskrise erläutert.
4. Identifikation und Erfassung von Risiken: Es wird das Gegenstromverfahren zur Risikoerfassung dargelegt sowie die spezifischen finanziellen Abhängigkeiten und operativen Risiken von Theatern analysiert.
5. Übertragbarkeit des Risikocontrolling in die Theaterpraxis: Dieses Kapitel prüft die Voraussetzungen (Rechnungswesen), die rechtliche Notwendigkeit durch das KonTraG und die Prozessintegration in Theaterbetrieben.
6. Instrumente des Risikocontrolling: Es werden Methoden wie Brainstorming, Checklisten, Kennzahlen und der Value at Risk auf ihre praktische Anwendbarkeit in Theatern hin bewertet.
7. Ausblick: Das Fazit fasst zusammen, dass Risikocontrolling zur Zukunftsfähigkeit der Theater beitragen kann, sofern das interne Rechnungswesen verbessert und ggf. eine Umstrukturierung (GmbH) erfolgt.
Schlüsselwörter
Risikocontrolling, Öffentliche Theater, Finanzierungskrise, Risikomanagement, Nonprofit-Organisationen, Controlling, Rechnungswesen, KonTraG, Value at Risk, Kennzahlensysteme, Existenzsicherung, Kostenproblematik, Risikoposition, Theaterbetrieb, Wirtschaftlichkeit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Implementierung von Risikocontrolling in öffentlichen Theatern, um deren finanzielle Stabilität trotz chronischer Unterfinanzierung zu sichern.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind das Risikomanagement, die besonderen wirtschaftlichen Strukturen von Nonprofit-Theatern sowie die Methoden der Identifikation und Bewertung von unternehmerischen Risiken.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu untersuchen, ob Risikocontrolling als Steuerungsinstrument in Kulturbetrieben eingesetzt werden kann, um künftige Chancen und Risiken besser handhabbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und den Transfer betriebswirtschaftlicher Methoden und Risikomanagement-Ansätze auf den spezifischen Kontext der Theaterpraxis.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Grundlagen des Risikocontrolling, die Spezifika öffentlicher Theater, die Risikoerfassungsmethoden sowie die Prüfung der Übertragbarkeit dieser Ansätze unter Berücksichtigung von Rechnungswesen und Gesetzgebung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Risikocontrolling, Öffentliche Theater, Finanzierungskrise, Nonprofit-Management und Kennzahlen geprägt.
Inwiefern beeinflusst die Rechtsform eines Theaters die Risikosteuerung?
Die Rechtsform entscheidet über das Rechnungslegungssystem (Kameralistik vs. Doppik), wobei die doppelte Buchführung eine deutlich bessere Grundlage für ein professionelles Risikocontrolling bietet als die Kameralistik.
Warum ist die Anwendung von "Value at Risk" im Theater konzeptionell problematisch?
Die Methode ist stark auf historische, quantifizierbare Finanzdaten ausgelegt, während Theater mit qualitativen, künstlerischen Risiken kämpfen und oft über keine ausreichend vollständigen Datensätze verfügen.
- Quote paper
- Matthias Kage (Author), 2002, Risikocontrolling in Öffentlichen Theatern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14484