Diese Masterthesis taucht in die Welt des Shortsellings ein, indem sie zwei der prominentesten Fälle in der jüngsten Finanzgeschichte miteinander vergleicht: die Wirecard AG und die GameStop Corp. Durch eine umfassende Analyse dieser beiden Unternehmen und ihrer Konfrontationen mit Hedgefonds wird ein Einblick in die Mechanismen und Auswirkungen des Shortsellings gewonnen.
Die Arbeit legt besonderen Wert auf eine umfassende und fundierte Analyse der unterschiedlichen Perspektiven, einschließlich der Standpunkte der Hedgefonds, der Unternehmen selbst, der Regulierungsbehörden und der Anlegergemeinschaft. Durch die Zusammenführung von qualitativen und quantitativen Forschungsmethoden werden Erklärungen für die Ursachen, Entwicklungen und Folgen des Shortsellings in den beiden Fällen geliefert.
Diese Thesis analysiert die Rolle des Shortsellings um Wirecard und GameStop, um die Auswirkungen und Besonderheiten dieser Ereignisse zu vergleichen. Im Fall von Wirecard führte ein Betrugsskandal zu einer erhöhten Aufmerksamkeit von fundamentalen Leerverkäufern, die auf den Kursverfall spekulierten. Die Positionsschließungen wurden durch die Enthüllung des Betrugs und die damit verbundenen Konsequenzen beeinflusst. Im Gegensatz dazu erlebte GameStop eine beispiellose Situation, in der Kleinanleger über soziale Medien mobilisiert wurden, um gegen Leerverkäufer vorzugehen. Der Einfluss der Kleinanleger führte zu einem intensiven Short Squeeze und erheblichen Turbulenzen am Markt. Die Untersuchung umfasst eine detaillierte Analyse der Ereignisse, der beteiligten Akteure und ihrer Motivationen sowie der Auswirkungen auf die Unternehmen und den Aktienmarkt. Dabei werden sowohl quantitative als auch qualitative Forschungsmethoden angewandt, um ein umfassendes Verständnis für die Dynamiken des Short Sellings in diesen beiden bemerkenswerten Fallstudien zu erlangen. Die Ergebnisse tragen zum Verständnis der Bedeutung von Leerverkäufen für den Kapitalmarkt und der Geschehnisse des Wirecard-Skandals und dem GameStop Short Squeeze bei. Diese Thesis trägt somit dazu bei, das Verständnis des Shortsellings und seiner Auswirkungen auf Unternehmen und Märkte zu erweitern.
Inhaltsverzeichnis
I. Einführung
II. Leerverkäufe am Kapitalmarkt
1. Definition des Leerverkaufs
2. Typus des Leerverkaufs
2.1 Gedeckter Leerverkauf
2.2 Ungedeckter Leerverkauf
3. Rechtsdogmatische Einordnung des Leerverkaufs
3.1 Kaufvertrag
3.2 Aktienleihe
3.3 Kriterium des Leerverkaufs
4. Leerverkäufe mittels Put-Optionen
5. Hedgefonds als Akteure des Leerverkaufs
6. Positiver Einfluss von Leerverkäufen auf den Kapitalmarkt
6.1. Erhöhung der Liquidität am Kapitalmarkt
6.2 Auswirkung auf die Preisbildung
7. Negativer Einfluss von Leerverkäufen auf dem Kapitalmarkt
7.1 Short Squeeze
7.2 Missbrauch des Marktes
8. Handelsstrategien von Leerverkäufen und deren Analysemethoden
8.1 Fundamentale Leerverkäufer
8.2 Taktische Leerverkäufer
III. Die Anatomie eines Leerverkaufs
1. Identifizierung überbewerteter Unternehmen
2. Eingehen der Short-Position
3. Schließen der Short-Position
IV. Wirecard und GameStop: Eine Historie
1. Wirecard AG
2. GameStop Corp.
V. Wirecard und GameStop: Im Visier der Hedgefonds
1. Identifizierung der Überbewertung: Wirecard und GameStop
1.1 Außenwirkung
1.2 Fundamentale Unternehmenskennzahlen
1.3 Branchenvergleich
1.4 Gegenüberstellung
2. Eingehen der Short-Positionen
2.1 Zeitpunkt der Eröffnung
2.2 Gegenüberstellung
3. Schließen der Short-Position
3.1 Entwicklung im Verlauf bis zur Schließung
3.2 Zeitpunkt der Schließung
3.3 Gegenüberstellung
VI. Vorwürfe der Marktmanipulation
1. Wirecard
2. GameStop
VII. Maßnahmen der nationalen Aufsichtsbehörden
1. BaFin
2. SEC
VIII. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, eine vergleichende Analyse der Leerverkaufspraktiken der Hedgefonds bei den Unternehmen Wirecard AG und GameStop Corp. durchzuführen. Dabei werden Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den jeweiligen Fallbeispielen untersucht, um die Auswirkungen von Short-Positionen auf Unternehmen und Kapitalmarkt besser zu verstehen sowie Vorwürfe der Marktmanipulation und die Reaktionen der Aufsichtsbehörden kritisch zu beleuchten.
- Theoretische Grundlagen des Leerverkaufs und dessen rechtliche Einordnung.
- Anatomie fundamentaler und taktischer Handelsstrategien bei Short-Positionen.
- Detaillierte Analyse der Unternehmenshistorien von Wirecard und GameStop.
- Vergleich der Vorgehensweise von Hedgefonds (Coatue Management vs. Melvin Capital).
- Bewertung von Marktmanipulationsvorwürfen und regulatorische Aufarbeitung (BaFin, SEC).
Auszug aus dem Buch
3.2 Aktienleihe
Zur Erfüllung seines Verpflichtungsgeschäfts kann sich der Leerverkäufer durch eine Leihe mit den Aktien eindecken. Der Begriff „Leihe“ ist hier jedoch irreführend.
Nach § 598 BGB wird bei einer Leihe die unentgeltliche Überlassung einer Sache verstanden, wobei die Rückgabe der identischen Sache geschuldet wird. Charakteristisch für die Leihe nach § 598 BGB ist ein unentgeltlicher Vorgang in Form einer Gebrauchsüberlassung. Dies liegt bei einer Aktienleihe eben nicht vor, da der Verleiher vom Leerverkäufer eine Sicherheitseinlage erhält, und somit von der Leihgabe selbst Gewinn erzielt. Ferner erfolgt die Leihgabe ohne Eigentumsübertragung und der Entleiher verpflichtet sich, die Sache nicht zu verbrauchen und dem Verleiher die identische Sache nach Ende der Leihgabe zurückzuübertragen.
Eine Aktienleihe ist schuldrechtlich nicht, entgegen der Bezeichnung des § 598 BGB als Leihvertrag zu verstehen, sondern als Sachdarlehen bzw. Aktiendarlehen worauf die Vorschriften der §§ 607 ff. BGB Anwendung finden. Bei einem Aktiendarlehen gem. §§ 607 ff. BGB wird nicht die Rückgabe der identischen Sache, sondern einer Sache gleicher Art, Güte und Menge geschuldet. Entgegen § 598 BGB erfolgt bei einem Aktiendarlehen auch die Verfügung der Aktie durch eine Eigentumsübertragung gegen Zahlung einer Sicherheitseinlage an den Aktienverleiher gem. § 607 i.V.m § 929 BGB. Ursprung des Begriffs ist der amerikanische Begriff „securities lending“. Da sich in Literatur und Praxis jedoch der Begriff Aktienleihe (oder auch Wertpapierleihe) etabliert hat, wird der Begriff im Rahmen der Thesis auch weiterhin Verwendung finden.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einführung: Diese Einleitung stellt die zentralen Fallbeispiele Wirecard und GameStop vor und erläutert die Relevanz des Themas Short-Selling in der aktuellen Finanzwelt.
II. Leerverkäufe am Kapitalmarkt: Kapitaleinordnung der Anlagestrategie, Definitionen, rechtliche Grundlagen sowie eine Differenzierung zwischen gedeckten und ungedeckten Leergeschäften.
III. Die Anatomie eines Leerverkaufs: Erläuterung der praktischen Vorgehensweise, von der Identifikation überbewerteter Unternehmen bis hin zur Eröffnung und Schließung von Short-Positionen.
IV. Wirecard und GameStop: Eine Historie: Detaillierte Darstellung der Unternehmensentwicklungen, die zu den jeweiligen Spekulationen bzw. Skandalen führten.
V. Wirecard und GameStop: Im Visier der Hedgefonds: Eine direkte vergleichende Analyse der Aktionen von Hedgefonds bei beiden Unternehmen, basierend auf realen Transaktionsdaten.
VI. Vorwürfe der Marktmanipulation: Untersuchung der bei beiden Fällen erhobenen Vorwürfe bezüglich unzulässiger Marktbeeinflussung durch Leerverkäufer und Journalisten.
VII. Maßnahmen der nationalen Aufsichtsbehörden: Darstellung der Rolle und Reaktionen der BaFin in Deutschland sowie der SEC in den USA als regulatorische Instanzen.
VIII. Fazit: Zusammenfassende Würdigung der Analyseergebnisse und Ausblick auf die Ambivalenz von Leerverkäufen auf den Finanzmärkten.
Schlüsselwörter
Leerverkauf, Short-Selling, Short Squeeze, Hedgefonds, Wirecard AG, GameStop Corp., Marktmanipulation, BaFin, SEC, Kapitalmarkt, Aktienleihe, Put-Optionen, Finanzmarktregulierung, Börse, Wertpapierleihe.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Master-Thesis grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Rolle des Leerverkaufs am Kapitalmarkt, analysiert an den prominenten und gegensätzlichen Beispielen der Wirecard AG und der GameStop Corp.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Thematisiert werden die Funktionsweise von Leerverkäufen, die angewandten Handelsstrategien von Hedgefonds, die regulatorischen Aspekte sowie Vorwürfe der Marktmanipulation.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist eine vergleichende Analyse der Strategien, die von Hedgefonds bei der Leerverkaufung der genannten Unternehmen angewendet wurden, sowie die Aufarbeitung unterschiedlicher Krisenszenarien.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Thesis nutzt einen methodischen Ansatz, der sowohl theoretische Grundlagen aus der Literatur als auch eine empirisch orientierte Analyse realer Marktdaten und Transaktionshistorien kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Anatomie des Leerverkaufs, die historische Aufarbeitung der Fallbeispiele und eine detaillierte, datengestützte Analyse der Positionseingänge und -ausgänge der involvierten Fonds.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Leerverkauf, Short Squeeze, Hedgefonds, Wirecard, GameStop, Marktmanipulation, Finanzmarktregulierung und Kapitalmarkteffizienz.
Warum war der Fall GameStop ein Ausnahmeereignis?
Im Gegensatz zu Wirecard, wo fundamentale Zweifel an der Bilanz die Hauptrolle spielten, wurde GameStop durch eine kollektive Mobilisierung von Kleinanlegern via Social Media in einen extremen Short Squeeze getrieben.
Welche Rolle spielten die Aufsichtsbehörden wie die BaFin und SEC?
Die Arbeit analysiert, wie diese Behörden auf die Marktverwerfungen reagierten, ihre Kompetenzen anpassten und welche regulatorischen Maßnahmen zur Überwachung von Short-Positionen diskutiert wurden.
- Citation du texte
- Sarah Thamm (Auteur), 2023, Im Visier der Hedgefonds. Eine vergleichende Analyse von Shortselling bei der Wirecard AG und GameStop, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1448698