In zahlreichen Internet-Foren wird über die grammatische oder semantische Richtigkeit von Formulierungen diskutiert und „sprachpflegerische“ Bücher wie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Bastian Sick erscheinen auf Bestsellerlisten. Der Titel aus dem Jahr 2004 war so erfolgreich, dass 2006 schon die 3. Folge des „Wegweisers durch den Irrgarten der deutschen Sprache“ erschien. Nicht nur Bastian Sick feiert mit seiner publizistischen Sprachkritik große Erfolge, auch andere Autoren, wie z.B. Eike Christian Hirsch, liefern ihren Lesern Antworten auf die Frage, was „gutes“ Deutsch ist oder welche Ausdrücke man lieber vermeiden sollte.
Doch was ist ein sprachlicher Fehler? Und welche Kriterien liegen einer solchen „Sprachpflege“ zugrunde? Die vorliegende Arbeit soll Antworten auf diese Fragen finden und sich kritisch mit der publizistischen Sprachkritik auseinandersetzen. Dabei soll zuerst auf die lange Geschichte der publizistischen Sprachkritik eingegangen und die verschiedenen Autoren vorgestellt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Der Streit um die Deutsche Sprache
1.2 Geschichte der publizistischen Sprachkritik
2. Hauptteil
2.1 Vom Zauber der „Sprachretter“ – Bastian Sick und Co
2.2 „Unwörter“ und „Denglisch“ – Öffentlich-kollektive Sprachkritik
2.3 Sprachwissenschaftliche Antworten
3. Schlussbemerkungen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit der publizistischen Sprachkritik auseinander und untersucht die Diskrepanz zwischen populären, oft dogmatischen Sprachratgebern und der linguistischen Perspektive auf Sprachwandel. Ziel ist es, die Entstehungsgeschichte dieser Form der Sprachkritik aufzuzeigen und Ansätze für eine wissenschaftlich fundierte und differenziertere Sprachbetrachtung zu liefern.
- Historische Entwicklung der publizistischen Sprachkritik
- Rolle populärer „Sprachretter“ wie Bastian Sick
- Einfluss der öffentlich-kollektiven Sprachkritik (z. B. „Unwort des Jahres“)
- Linguistische Analyse von Sprachwandel und Fremdwortkritik
- Förderung kommunikativer Kompetenz statt starrer Regelvorgaben
Auszug aus dem Buch
1.1 Der Streit um die Deutsche Sprache
In den Medien tauchen regelmäßig Äußerungen über die Qualität der Deutschen Sprache auf. „Rettet den Dativ!“ oder „Bewahrt den Konjunktiv!“ sind dabei häufige Schlagwörter. In zahlreichen Internet-Foren wird über die grammatische oder semantische Richtigkeit von Formulierungen diskutiert und „sprachpflegerische“ Bücher wie „Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“ von Bastian Sick erscheinen auf Bestsellerlisten. Der Titel aus dem Jahr 2004 war so erfolgreich, dass 2006 schon die 3. Folge des „Wegweisers durch den Irrgarten der deutschen Sprache“ erschien. Nicht nur Bastian Sick feiert mit seiner publizistischen Sprachkritik große Erfolge, auch andere Autoren, wie z.B. Eike Christian Hirsch, liefern ihren Lesern Antworten auf die Frage, was „gutes“ Deutsch ist oder welche Ausdrücke man lieber vermeiden sollte.
Doch woher kommt das große Interesse an „Sprachratgebern“? Eine These besagt, dass eine Ursache hierfür die Rechtschreibreform ist, die von einem Teil der Sprachgemeinschaft nach wie vor nicht angenommen wird und immer noch für große Verunsicherung sorgt. Eine weitere Ursache für die großen Erfolge von solchen Ratgebern könnte die Sehnsucht nach Eindeutigkeit, nach Klarheit, nach einem stets gültigen „richtig“ oder „falsch“ sein. Viele Sprecher und Schreiber des Deutschen kommen nur schlecht mit der Tatsache zurecht, dass eine natürliche Sprache nicht durchgängig logisch und frei von Sonderfällen ist. Während „Sprachpfleger“ wie Bastian Sick sich eher dogmatisch dazu äußern, sehen Linguisten dieses Thema differenzierter und nehmen in den letzten Jahren auch vermehrt Stellung zu den „laienlinguistischen“ Publikationen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einführung thematisiert die wachsende Popularität von Sprachratgebern und stellt die Forschungsfrage, wie die publizistische Sprachkritik wissenschaftlich zu bewerten ist.
1.1 Der Streit um die Deutsche Sprache: Es wird die gesellschaftliche Sehnsucht nach sprachlicher Eindeutigkeit beleuchtet, die den Erfolg populistischer Sprachpflege erklärt.
1.2 Geschichte der publizistischen Sprachkritik: Das Kapitel zeichnet die Tradition der Sprachkritik von der „Sprachreinigung“ bis zur heutigen populären Glossen-Kultur nach.
2. Hauptteil: Der Hauptteil analysiert zentrale Phänomene der Sprachkritik, insbesondere die Werke von Bastian Sick und die öffentlich-kollektiven Diskurse.
2.1 Vom Zauber der „Sprachretter“ – Bastian Sick und Co: Hier wird der Stil der „Sprachretter“ untersucht, der oft Humor mit einer dogmatischen, oberlehrerhaften Haltung verbindet.
2.2 „Unwörter“ und „Denglisch“ – Öffentlich-kollektive Sprachkritik: Es werden kollektive Formen der Sprachkritik wie Vereinsarbeit und die Aktion „Unwort des Jahres“ hinsichtlich ihrer Wirkung und Methodik betrachtet.
2.3 Sprachwissenschaftliche Antworten: Das Kapitel stellt die linguistische Sichtweise gegenüber der Laien-Sprachkritik dar und kritisiert die oft defizitäre Behandlung von Sprachwandel.
3. Schlussbemerkungen: Die Arbeit plädiert für eine Sprachbetrachtung, die statt auf Nörgelei auf situativer kommunikativer Kompetenz basiert.
Schlüsselwörter
Sprachkritik, Publizistik, Sprachwandel, Bastian Sick, Linguistik, Sprachpflege, Denglisch, Anglizismen, Sprachwissenschaft, Kommunikation, Sprachkompetenz, Rechtschreibreform, Sprachbewertung, Sprachpessimismus, Unwort des Jahres.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert kritisch das Phänomen der populären Sprachkritik in Deutschland, insbesondere den Erfolg von Sprachratgebern und die öffentliche Debatte um den angeblichen Sprachverfall.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der Geschichte der Sprachkritik, der Rolle populärer Autoren wie Bastian Sick sowie der Auseinandersetzung zwischen laienlinguistischer Sprachpflege und der modernen Sprachwissenschaft.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Methoden und die zugrunde liegenden Motive publizistischer Sprachkritik zu hinterfragen und Wege aufzuzeigen, wie Sprachwissenschaftler diesen populären Diskursen begegnen können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine kritische Analyse von Textbeispielen und vergleicht diese mit sprachwissenschaftlichen Erkenntnissen, um methodische Inkonsequenzen in der populären Sprachkritik aufzudecken.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden sowohl die individuellen Ansätze von „Sprachrettern“ als auch die öffentlich-kollektive Sprachkritik (z.B. Fremdwortkritik und „Unwörter“) detailliert untersucht und linguistisch eingeordnet.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Sprachkritik, Sprachwandel, Sprachpflege, linguistische Sprachkompetenz, „Sprachretter“ und das Spannungsfeld zwischen Normen und tatsächlicher Sprachverwendung.
Wie bewertet die Autorin die Rolle von Bastian Sick?
Bastian Sick wird als typischer Vertreter einer populären, humoristisch-dogmatischen Sprachkritik gesehen, dessen Erfolg zwar Interesse an Sprache weckt, dessen inhaltliche Behauptungen aber oft wissenschaftlich nicht haltbar sind.
Was ist das Problem mit der „Organismus-Metaphorik“ in der Sprachkritik?
Die Metaphorik, Sprache als „kranken Organismus“ zu sehen, ist laut Autorin wissenschaftlich falsch, da sie Sprache als ein eigenständiges Wesen mit Geburt und Tod darstellt, statt sie als soziales, wandelbares System zu begreifen.
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- Julia Weltersbach (Author), 2009, Sprachliche Bereicherungen oder Sprachdummheiten?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144946