Diese Diplomarbeit hat die Analyse von sechs Folgen der ARD/ORF-Reihe Lilly Schönauer im Hinblick auf ihren Werte- und Konfliktgehalt zum Thema.
Der erste Teil der Arbeit widmet sich dem Themenkomplex der Werte, dem sich unter Zuhilfenahme von erweiterten klassischen Sozialtheorien zunächst auf eine theoretische Art und Weise genähert wird. Ebenso theoretisch ist die Beschäftigung mit dem Teilbereich der Konflikte. Es galt zu beweisen, wie untrennbar beide Begriffe mit dem menschlichen Dasein verquickt sind, so dass ein Leben ohne Werte und Konflikte nicht existent sein kann. Folglich stand fest, dass auch das Fernsehen in seiner Rolle als Sinnstifter und Speichermedium menschlicher Erfahrung, Ideen und menschlichen Wissens Werte und Konflikte thematisieren muss. Auf welche Art und Weise dies der Fall ist, wird im zweiten Teil der Arbeit gezeigt. Darin werden zunächst der Österreichische Rundfunk als öffentlich-rechtliche Institution sowie die vom ORF mitproduzierten TV-Romanzen Lilly Schönauer vorgestellt. Ziel dabei ist es, dem Leser einen detaillierten Einblick in Inhalt und Rahmenbedingungen der TV-Produktion zu geben. Der Analy-semethode nach Bilandzic, Sukalla und Kinnebrock ist es zu verdanken, dass in der anschließenden Filmanalyse gleichzeitig Konflikte und Werte aus der Filmdiegese herausgefiltert werden können und man so zu einer klaren Aussage kommen kann. Demnach vermitteln die Filme eine Vielzahl von Werten, allen voran die Werte Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Objektivität und Verantwortungsbewusstsein. Konflikte treten stets in nicht eskalierender Form auf und werden von allen Beteiligten bewältigt. Es handelt sich in erster Linie um Lebensabschnittskonflikte, Handlungskonflikte, Rollenkonflikte sowie Informationskonflikte, lediglich wenige Antagonisten nehmen nicht an der Bewältigung teil. Über ihr Schicksal bleibt der Zuschauer unaufgeklärt.
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
I. EINLEITUNG
II. THEORETISCHER TEIL
II.1 Werte
II.1.1 Definition des Begriffs Wert
II.1.1.1 Begriffsabgrenzung Wert – Norm - Moral
II.1.2 Theoretische Ausgangspunkte
II.1.2.1 Das Wertstufenmodell
II.1.2.2 Wertlevel
II.1.2.3 Wertebenen
II.1.2.4 Zusammenfassende Überlegungen
II.1.3 Gesellschaftlicher Wertewandel
II.1.3.1 Gründe
II.1.3.2 Aktuelle Studie
II.1.4 Orte der Wertevermittlung
II.1.4.1 Familie
II.1.4.2 Kindergarten
II.1.4.3 Schule
II.1.5 Fernsehen als Ort der Werteübertragung oder Wertevermittlung ?
II.1.5.1 Technik als Voraussetzung
II.1.5.2 Charakteristika eines Mediums
II.1.5.3 Fernsehen als Sinnstifter
II.2 Konflikte
II.2.1 Definition des Begriffs Konflikt
II.2.2 Sozialwissenschaftliche Konflikttheorien
II.2.2.1 Die Konflikttheorie der Anerkennungstheorie Axel Honneths
II.2.2.2 Kritik
II.2.2.3 Zusammenfassende Überlegungen
II.2.3 Konfliktmerkmale
II.2.4 Konfliktursachen und -typen
II.2.5 Konfliktbewältigung
II.2.5.1 Mediation als Instrument der Konfliktregelung
II.2.5.2 Konflikt als Chance
II.2.6 Rolle der Medien
III. EMPIRISCHER TEIL
III.1 Die ARD/ORF-Erfolgsproduktion Lilly Schönauer
III.1.1 Öffentlich-rechtliches Fernsehen in Österreich
III.1.2 ORF-Gesetz (ORF-G)
III.1.2.1 Programmauftrag
III.1.2.2 Programmrichtlinien (P-RL)
III.1.3 Die Filme – der Untersuchungsgegenstand
III.1.3.1 Die Stimme des Herzens
III.1.3.2 Liebe hat Flügel
III.1.3.3 Umweg ins Glück
III.1.3.4 Liebe gut eingefädelt
III.1.3.5 Für immer und einen Tag
III.1.3.6 Und dann war es Liebe
III.1.4 Produktion
III.1.4.1 Kosten und Budget
III.1.4.2 Einschaltquoten und Marktanteile
III.1.5 Wohlfühlfernsehen
III.2 Analysemethode
III.3 Werte und Konflikte bei Lilly Schönauer
III.3.1 Die Stimme des Herzens
III.3.2 Liebe hat Flügel
III.3.3 Umweg ins Glück
III.3.4 Liebe gut eingefädelt
III.3.5 Für immer und einen Tag
III.3.6 Und dann war es Liebe
III.4 Ergebnis der empirischen Untersuchung
III.4.1 Werte
III.4.2 Konflikte
IV. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die fiktionale Liebesfilmreihe „Lilly Schönauer“ im Hinblick auf den darin vermittelten Werte- und Konfliktgehalt. Ziel ist es, durch eine strukturierte Filmanalyse zu bestimmen, welche moralischen Botschaften und Konfliktmuster in dieser Fernsehproduktion dominieren und wie diese in den gesellschaftlichen Kontext eingebettet sind.
- Soziologische Theoretisierung von Werten und Konflikten
- Strukturanalyse der „Lilly Schönauer“-Filmreihe
- Konflikttypologie und -bewältigung im Fernsehen
- Rolle des öffentlich-rechtlichen Rundfunks bei der Wertevermittlung
- Empirische Untersuchung moralischer Maximen in den ausgewählten Episoden
Auszug aus dem Buch
II.1.5.3 Fernsehen als Sinnstifter
Es bleibt schlussendlich noch offen, was vom Medium Fernsehen vermittelt werden soll, welchen Wert wir kommunizieren wollen. Dafür lohnt sich ein Blick in die Vergangenheit.
Das Fernsehen gilt im Allgemeinen als das Medium der Nachkriegszeit, als Fenster zur Welt, das den Menschen ganz neue Möglichkeiten bot, die Möglichkeit der Kommunikation. „Der gewichtigste Anlass für die Einführung von Massenmedien bestand zunächst in der Vergrößerung des Adressatenkreises aktueller Mitteilungen“, schreibt Klaus Merten in seiner Evolution der Kommunikation und geht damit in der Entwicklungsgeschichte der Massenmedien einige Stufen zurück. Bei Merten gelten seit der Erfindung der Druckkunst im Jahr 1455 durch den Buchdrucker Johannes Gutenberg die einzelnen Flugblätter und Flugschriften als erstes klassisches Massenkommunikationsmedium. Sie erfüllten dessen ursprünglichen Sinn und dienten zur Befriedigung der Neugierde, die ein grundlegendes Bedürfnis des Menschen darstellt. Die schnelle und regelmäßige Übermittlung von aktuellen Informationen stand also zunächst im Mittelpunkt des Interesses, sowohl bei den Rezipienten, als auch bei den Produzenten.
Doch schon von Beginn an lässt sich eine Abhängigkeit des Einzelnen von der Berichterstattung erkennen. Darin werden nämlich Nachrichten von Ereignissen gesammelt, gesichtet und veröffentlicht, ein Prozedere, das niemand kontrollieren kann. Diese Abhängigkeit verstärkt sich natürlich mit dem Aufkommen weiterer Medien immens. Verfolgt man Mertens Faden der Medienevolution weiter, so geschieht parallel zur Entwicklung immer neuer Medien auch eine Differenzierung der Inhalte. Anfangs unterschied man zwischen Nachricht und Kommentar, nach und nach kamen Formen wie zum Beispiel das Interview, fiktionale Elemente oder Unterhaltungsformate hinzu. Springt man in die Gegenwart zurück so sieht sich der Mediennutzer heutzutage einer Flut von Medienangeboten gegenüber gestellt, regelrechten Informations- und Unterhaltungsindustrien, die alle dem Prozess des Selektierens sowie Strukturierens von Inhalten bzw. von beliebiger Realität unterworfen sind, was letztendlich damals wie heute bewirkt, dass Medien Wirklichkeiten konstruieren, sowohl unter sachlichen, als auch unter zeitlichen Aspekten.
Zusammenfassung der Kapitel
I. EINLEITUNG: Hinführung zum Thema Werte und Konflikte sowie Darlegung des Untersuchungsgegenstandes der Liebesfilmreihe „Lilly Schönauer“.
II. THEORETISCHER TEIL: Theoretische Auseinandersetzung mit soziologischen Konzepten zu Werten, Konflikten und der Rolle der Medien bei deren Vermittlung.
III. EMPIRISCHER TEIL: Anwendung der Analysemethode auf die Filmreihe, inklusive detaillierter Darstellung der Handlungsstrukturen und der daraus abgeleiteten moralischen Maximen.
IV. ZUSAMMENFASSUNG: Synthese der theoretischen Erkenntnisse und der empirischen Ergebnisse zur moralischen Botschaft der untersuchten TV-Reihe.
Schlüsselwörter
Werte, Konflikte, Lilly Schönauer, Fernsehen, Wertevermittlung, Sozialisation, Medienwirkungsforschung, Moral, Anerkennungstheorie, Konfliktbewältigung, Spielfilm, Gesellschaftswandel, Kommunikation, Ethik, Inhaltsanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit im Kern?
Die Diplomarbeit untersucht die ARD/ORF-Liebesfilmreihe „Lilly Schönauer“ auf ihren Gehalt an Werten und Konflikten und analysiert, wie das Fernsehen diese Themen für das Publikum aufbereitet.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Arbeit verknüpft soziologische Theorien über Werte und Konflikte mit der Filmanalyse von fiktionalen Unterhaltungsformaten im Fernsehen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Es soll geklärt werden, welche moralischen Maximen und Konfliktmuster in den untersuchten Filmen dominieren und inwieweit diese die gesellschaftliche Realität widerspiegeln oder als Orientierungshilfe dienen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine Kombination aus einer strukturalistischen Plotanalyse aus der Narratologie und Kategorien aus der Grounded Theory angewandt, um filmische Inhalte systematisch zu reduzieren und moralische Botschaften freizulegen.
Was steht im Hauptteil der Untersuchung im Fokus?
Der Fokus liegt auf der Analyse von sechs ausgewählten Folgen von „Lilly Schönauer“, wobei insbesondere das Verhalten der Charaktere, Normverletzungen und deren Folgen für die Entwicklung der Personen betrachtet werden.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Werte, Konflikt, Mediensoziologie, Moral, Sozialisation und Inhaltsanalyse sind die zentralen Begriffe.
Wie bewerten die untersuchten Filme das Thema Lüge?
In allen untersuchten Episoden wird das Lügen bzw. das Verschweigen von Informationen als moralisch verwerflich dargestellt, das stets Konsequenzen nach sich zieht und meist zu Konflikten führt, die erst nach der Aufdeckung der Wahrheit gelöst werden.
Welche Rolle spielt die „wahre Liebe“ in der Filmreihe?
Die „wahre Liebe“ nimmt den obersten Stellenwert ein und fungiert als zentraler Anker; sie ist der Grund, warum Charaktere ihr bisheriges Verhalten hinterfragen und sich letztlich moralisch korrekt entscheiden.
- Quote paper
- Marion Grädler (Author), 2009, Lilly Schönauer - Werte und Konflikte im Wohlfühlfernsehen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145017