Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit der Geschichtsschreibung im Mittelalter. Insbesondere die Frage danach wieviel Objektivität, Realität und Fiktion in den schriftlichen Überlieferungen enthalten ist, sowie die Frage ob und wie sie die Forschungen beeinflusst, soll im Mittelpunkt dieser Arbeit stehen. Als Beispiel für eine Quelle wurde die „Res gestae Saxonicae – Die Sachsengeschichte“ von Widukind von Corvey aus dem 10. Jahrhundert ausgewählt.
Zunächst wird sowohl ein kurzer Überblick über die Geschichtsschreibung im Allgemeinen geboten als auch die Entwicklung der Geschichtsschreibung zur Sprache gebracht. Im Fokus des dritten Kapitel steht der Verfasser der Sachsengeschichte, Widukind von Corvey, um den Hintergrund und die Motivation Widukinds näher zu betrachten. Darauf aufbauend wird im letzten Teil die Sachsengeschichte selbst ins Zentrum gerückt und dahingehend befragt, welche Bedeutung die Sachsengeschichte als Quelle innehält und welche Kritik zu ihr geäußert werden kann. Ein Fazit beschließt die Arbeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Geschichtsschreibung im Mittelalter
2.1 Allgemeines zur Geschichtsschreibung
2.2 Entwicklung der Geschichtsschreibung
3. Widukind von Corvey
3.1 Wer war Widukind von Corvey?
3.2 Welche Motivation steckte hinter dem Verfassen der Sachsengeschichte?
4. Die Sachsengeschichte
4.1 Inhalt
4.2 Bedeutung der Sachsengeschichte als Quelle und Kritik
4.2.1 Die Perspektive
4.2.2 Widukinds Quellen
4.2.3 Einfluss durch Widukind
5. Fazit
6. Anhang
6.1 Stammtafel der Ottonen nach Widukind
6.2 Quellen
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die mittelalterliche Geschichtsschreibung anhand von Widukind von Corveys Werk „Res gestae Saxonicae“. Ziel ist es, unter der Leitfrage nach Objektivität, Realität und Fiktion zu analysieren, wie Widukind als Zeitzeuge und Chronist historische Ereignisse darstellte und inwieweit seine subjektive Perspektive sowie eine enge Bindung an das sächsische Kaiserhaus die Berichterstattung prägten.
- Methoden der mittelalterlichen Geschichtsschreibung und Überlieferungsformen.
- Biografischer Hintergrund und Motivation von Widukind von Corvey.
- Struktur und Inhalt der Sachsengeschichte in ihren drei Büchern.
- Quellenkritische Einordnung der Sachsengeschichte als historische Quelle.
- Einfluss von Subjektivität und familiärer Nähe auf die Darstellung von Herrscherfiguren.
Auszug aus dem Buch
Die Perspektive
Widukind von Corvey entstammt, wie vormals erwähnt, selbst den Sachsen und gehörte vermutlich entfernt dem königlichen Adel an. Somit kann gesagt werden, dass er aus der Sicht der führenden sächsischen Familie schreibt. Bereits in der Vorrede des ersten Buches weist Widukind selbst darauf hin, dass er bei der Aufzeichnung nicht alle Begebenheiten wiedergebe, sondern selbst eine Auswahl getroffen habe um der Erzählung eine bessere Verständlichkeit zu geben.
Auch zu beachten ist, dass er für die Aufzeichnungen zu Heinrich I. selbst auf Erinnerungen und Erzählungen von den Älteren oder aus mündlichen Überlieferungen zurückgreifen musste und mit diesen oftmals nicht kritisch mit dem Gehörten umgegangen ist. Teilweise vertritt er rückblickend Ansichten und verfasst verschiedene Fassungen gleicher Ereignisse, was besonders deutlich bei der Lektüre des ersten Buches wird. Ein weiterer Hinweis auf die subjektive Perspektive Widukinds bei der Verfassung der Sachsengeschichte findet sich bei der nicht erwähnten, offiziellen Kaiserkrönung Ottos I., was auf die Ablehnung der von Rom übertragenen Würde hindeutet. Die Ernennung Ottos zum Kaiser fand in Widukinds Augen bereits auf dem Lechfeld nach seinem Sieg statt, indem er zu einer Art Heerkaiser erhoben wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Arbeit führt in die Bedeutung von Quellen für die historische Rekonstruktion ein und definiert die Sachsengeschichte als zentralen Untersuchungsgegenstand zur Frage nach Objektivität und Fiktion.
2. Geschichtsschreibung im Mittelalter: Dieses Kapitel erläutert den Stellenwert der Geschichte im mittelalterlichen Wissenschaftsbetrieb sowie die verschiedenen Überlieferungsformen wie Chroniken, Legenden und Dichtungen.
3. Widukind von Corvey: Es wird die Biografie des Verfassers dargestellt und untersucht, welche persönlichen und gesellschaftlichen Beweggründe ihn dazu veranlassten, die Sachsengeschichte für Äbtissin Mathilde zu verfassen.
4. Die Sachsengeschichte: Dieser Hauptteil analysiert Inhalt, Struktur und die kritische Bedeutung des Werkes, wobei insbesondere die subjektive Perspektive Widukinds und seine Quellenbasis detailliert beleuchtet werden.
5. Fazit: Die Arbeit resümiert, dass trotz der erkennbaren Subjektivität und Verehrung des Kaiserhauses die Sachsengeschichte ein wertvolles Dokument für das Verständnis der sozialen und politischen Strukturen des 10. Jahrhunderts bleibt.
6. Anhang: Der Anhang bietet ergänzendes Material, konkret eine Stammtafel der Ottonen sowie eine Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärquellen.
Schlüsselwörter
Widukind von Corvey, Sachsengeschichte, Mittelalter, Geschichtsschreibung, Objektivität, Fiktion, Otto I., Heinrich I., Quellenkritik, Res gestae Saxonicae, Ottonen, Mittelalterliche Überlieferung, Chronistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit untersucht die mittelalterliche Geschichtsschreibung am Beispiel der Sachsengeschichte von Widukind von Corvey hinsichtlich der Frage, wie objektiv die damaligen Berichterstattungen im Spannungsfeld zwischen Realität und Fiktion waren.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Arbeit behandelt die mittelalterlichen Methoden der Geschichtsschreibung, das Leben von Widukind von Corvey, die inhaltliche Struktur seines Werkes und die methodische Quellenkritik im Kontext des 10. Jahrhunderts.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ergründen, ob und wie Widukinds eigene Perspektive, seine soziale Herkunft und seine Verehrung des sächsischen Kaiserhauses die Glaubwürdigkeit und Objektivität seiner historischen Aufzeichnungen beeinflusst haben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische Untersuchung, bei der das Primärwerk „Res gestae Saxonicae“ vor dem Hintergrund aktueller historischer Sekundärliteratur analysiert und interpretativ eingeordnet wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung Widukinds, eine Inhaltsanalyse seiner drei Bücher und eine tiefgehende kritische Auseinandersetzung mit der Perspektive und den Quellenbasis des Verfassers.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Widukind von Corvey, Sachsengeschichte, Geschichtsschreibung, Quellenkritik, Objektivität, Otto I. und das Zeitalter der Ottonen.
Warum spielt die Widmung an Äbtissin Mathilde eine wichtige Rolle?
Die Widmung verdeutlicht, dass das Werk nicht für ein allgemeines Publikum gedacht war, sondern als erzieherischer Leitfaden sowie als Ausdruck tiefer Verehrung für das sächsische Kaiserhaus diente.
Wie geht Widukind mit der offiziellen Kaiserkrönung Ottos I. um?
Widukind übergeht die offizielle Kaiserkrönung in Rom in seinem Werk, was als bewusste Entscheidung interpretiert werden kann, da er die Legitimation Ottos bereits in dessen Erhebung zum Heerkaiser auf dem Lechfeld sah.
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- Katrin Deike (Autor), 2020, Die Sachsengeschichte von Widukind von Corvey als Beispiel für Geschichtsschreibung im Mittelalter, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1450413