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Adverse Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt

Problemdarstellung, Lösungsansätze und empirische Evidenz zur Praxisgebühr

Title: Adverse Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt

Seminar Paper , 2009 , 21 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Thomas Bohm (Author)

Economy - Health Economics
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Summary Excerpt Details

Eine Krankenversicherung funktioniert dann optimal, wenn keine Informationsasymmetrien zwischen den Krankenversicherungen und den Versicherten bzw. den Individuen, die in Betracht ziehen sich zu versichern, (potentiell Versicherte) bestehen. Unter Informationsasymmetrien wird die Nichtbeobachtbarkeit von Charakteristika, Informationen, Handlungen und Intentionen einer Partei durch eine andere Partei verstanden (vgl. Amelung und Amelung (2007), S. 32). In der Realität bestehen aber Informationsasymmetrien zwischen Versicherungen einerseits und (potentiell) Versicherten andererseits. Die Beziehung zwischen diesen Parteien kann mit Hilfe der Prinzipal-Agenten-Theorie erläutert werden (vgl. Amelung und Amelung (2007), S. 33). Der Prinzipal (Versicherungen) möchte, dass der Agent (Versicherte bzw. potentiell Versicherte), der in der Regel andere Ziele als der Prinzipal verfolgt, sich im Sinne des Prinzipals verhält bzw. alle relevanten Charakteristika und Informationen preisgibt. Er kann dies aber nicht beobachten bzw. validieren (vgl. Amelung und Amelung (2007), S. 30f.). Der Krankenversicherung ist es nicht oder nicht vollständig möglich zu erkennen, welches Erkrankungsrisiko der potentiell Versicherte in sich birgt. Beispielsweise gibt das Individuum an, Nichtraucher zu sein, obwohl dem nicht so ist. Dieses Problem kann zu Adverser Selektion führen. Der Begriff „Adverse Selektion“ entstammt der Versicherungstheorie und bedeutet „negative Auslese“ (Alparslan (2006), S. 26). Ebenso kann eine Versicherung in der Regel das Verhalten des Versicherten nicht beobachten. Beispielsweise geht der Versicherte schon wegen eines kleinen Schnupfens zum Arzt, obwohl er dies ohne Kostenübernahme durch die Versicherung nicht getan, sondern sich selbst behandelt hätte. Dieses Problem wird als Moral Hazard bezeichnet. Der Begriff „Moral Hazard“ entstammt ebenfalls der Versicherungstheorie und bedeutet „moralisches Risiko“ (Alparslan (2006), S. 27). Sowohl Adverse Selektion als auch Moral Hazard können zu Marktversagen führen, weshalb deren Vermeidung bzw. Eindämmung von höchster Relevanz ist.
Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die Problematik der Adversen Selektion und des Moral Hazard grundlegend vorzustellen, eine Auswahl von Lösungsansätzen darzulegen und die Auswirkungen der Praxisgebühr als ein Beispiel aktueller Anstrengungen der Politik zur Eindämmung von Moral Hazard bei den gesetzlichen Krankenversicherungen in Deutschland zu diskutieren.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Theoretische Darstellung von Adverser Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt

2.1 Adverse Selektion im Krankenversicherungsmarkt

2.2 Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt

3. Lösungsansätze für Adverse Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt

3.1 Lösungsansätze für Adverse Selektion

3.1.1 Versicherungsverträge mit festen Preis-Mengen-Kombinationen

3.1.2 Staatliche Zwangsversicherung mit freiwilliger Ergänzungsversicherung

3.2 Lösungsansätze für Moral Hazard

3.2.1 Konzepte zur Kostenbeteiligung

3.2.2 Limitierung des Leistungskatalogs und des Anbieterkreises

4. Auswirkungen der Praxisgebühr auf die Problematik des Moral Hazard im deutschen Krankenversicherungmarkt

4.1 Notwendigkeit der Eindämmung von Moral Hazard

4.2 Empirische Befunde zur Auswirkung der Praxisgebühr auf Moral Hazard

4.2.1 Daten und Methoden von Schreyögg und Grabka

4.2.2 Ergebnisse von Schreyögg und Grabka

4.3 Schlussfolgerungen zu den Auswirkungen der Praxisgebühr

5. Zusammenfassung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit analysiert die ökonomischen Probleme der Adversen Selektion und des Moral Hazard auf dem Krankenversicherungsmarkt, untersucht theoretische Lösungsansätze und evaluiert empirisch die Wirksamkeit der in Deutschland eingeführten Praxisgebühr als Instrument zur Eindämmung von Moral Hazard.

  • Prinzipien der Prinzipal-Agenten-Theorie in Versicherungsmärkten
  • Mechanismen zur Vermeidung von Adverser Selektion
  • Konzepte zur Kostenbeteiligung bei Moral Hazard
  • Empirische Evidenz zur Praxisgebühr anhand von SOEP-Daten
  • Diskussion über Wirksamkeit und politische Implikationen von Steuerungsmechanismen

Auszug aus dem Buch

2.2 Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt

Informationsasymmetrien bestehen auch nach Vertragsabschluss. Dies ist insofern problematisch, da der Versicherungsfall (Erkrankung) nicht unabhängig vom Verhalten des Individuums ist und dadurch negative Verhaltensanreize entstehen können (vgl. Arrow (1963), S. 961). Negative Verhaltensanreize resultieren im Fall einer Versicherung aus der (teilweisen) Eliminierung des finanziellen Risikos der Versicherten (vgl. Breyer et al. (2005), S. 221f.). Wird medizinische Versorgung als ein homogenes Gut angenommen (vgl. Wellisch und Hange (2000), S. 230f.), so kann im Fall ohne Versicherung und bei genügend hoher Nachfrage bzw. Zahlungsbereitschaft ein positiver Preis für dieses Gut ermittelt werden. Schließt das Individuum hingegen eine Vollversicherung ab, reduziert sich der Preis faktisch auf Null (vgl. Santerre und Neun (2000), S. 400).

Zum einen kann dies zur Folge haben, dass sich die versicherten Individuen nicht mehr oder reduziert präventiv verhalten. Dadurch erhöht sich ihr ursprüngliches Erkrankungsrisiko, was zu einer höheren Beanspruchung von medizinischen Leistungen führt als im Fall ohne Versicherung (vgl. Anlauf (2001), S. 17f.). Dies beschreibt den Fall des ex ante Moral Hazard.

Zum anderen verursacht die Preisreduktion, dass der Versicherte bei Eintreten einer Krankheit sich nicht ressourcenschonend verhält, er also medizinische Leistungen häufiger, in größerem Umfang und / oder teurere Behandlungen nachfragt als im Fall ohne Versicherung (vgl. Wigger (2006), S. 80). Dies beschreibt den Fall des ex post Moral Hazard.

Ursächlich für Moral Hazard ist die faktische Senkung der Grenzkosten des Versicherten für medizinische Leistungen durch die Versicherung. Unter der Annahme eines fortwährend positiven aber abnehmenden Grenznutzens aus dem Konsum medizinischer Versorgung weitet der Versicherte die Nachfrage bis zu dem Punkt aus, wo der Grenznutzen den durch die Versicherung „gesenkten“ Grenzkosten entspricht (vgl. Feldstein (2005), S. 130). Im Fall der Vollversicherung entspricht dieser Punkt der Sättigungsmenge des Individuums für medizinische Leistungen (vgl. Breyer et al. (2005), S. 224).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die Problematik von Informationsasymmetrien, Adverser Selektion und Moral Hazard in Krankenversicherungsmärkten sowie Skizzierung der Zielsetzung der Arbeit.

2. Theoretische Darstellung von Adverser Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt: Theoretische Herleitung der Informationsprobleme vor und nach Vertragsabschluss unter Nutzung der Prinzipal-Agenten-Theorie.

3. Lösungsansätze für Adverse Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt: Erläuterung theoretischer Mechanismen zur Risikoseparierung und zur Reduktion von Anreizen zu ineffizientem Konsum durch Kostenbeteiligung.

4. Auswirkungen der Praxisgebühr auf die Problematik des Moral Hazard im deutschen Krankenversicherungmarkt: Analyse der empirischen Wirksamkeit der Praxisgebühr anhand von Studien sowie Diskussion der Ergebnisse im Kontext des deutschen Gesundheitssystems.

5. Zusammenfassung: Synthese der Erkenntnisse über die Begrenztheit von Marktmechanismen und regulatorischen Maßnahmen zur Lösung der behandelten Informationsprobleme.

Schlüsselwörter

Gesundheitsökonomik, Adverse Selektion, Moral Hazard, Krankenversicherung, Prinzipal-Agenten-Theorie, Praxisgebühr, Kostenbeteiligung, Selbstbehalt, Versicherungsverträge, Informationsasymmetrie, Marktversagen, SOEP, Arztkontakte, Risikoseparierung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit untersucht, wie Informationsasymmetrien auf dem Krankenversicherungsmarkt zu Marktversagen führen und welche Möglichkeiten bestehen, diese durch regulatorische und vertragliche Instrumente, wie beispielsweise die Praxisgebühr, zu minimieren.

Welche zwei zentralen Konzepte stehen im Mittelpunkt der Untersuchung?

Die zentralen Themenfelder sind die Adverse Selektion (negative Auslese vor Vertragsabschluss) und das Moral Hazard (moralisches Risiko nach Vertragsabschluss durch unzureichende Anreize zum sparsamen Verbrauch).

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Das Ziel ist eine grundlegende theoretische Darstellung der genannten Problematiken, die Präsentation von Lösungsansätzen und die kritische empirische Überprüfung, ob die Praxisgebühr in Deutschland effektiv dazu beigetragen hat, Moral Hazard zu reduzieren.

Welche methodische Vorgehensweise wird für den empirischen Teil gewählt?

Die Arbeit greift auf empirische Befunde zurück, insbesondere auf einen "Difference-in-Difference"-Ansatz basierend auf Daten des Sozio-ökonomischen Panels (SOEP), um die Auswirkungen der Praxisgebühr auf die Anzahl der Arztbesuche zu evaluieren.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Darstellung der Probleme und Lösungsansätze (wie Selbstbehalte oder Leistungslimitierungen) sowie eine spezifische Fallstudie zur Wirksamkeit der Praxisgebühr in Deutschland.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit wird durch Begriffe wie Gesundheitsökonomik, Informationsasymmetrie, Prinzipal-Agenten-Theorie und empirische Steuerungswirkung von Praxisgebühren charakterisiert.

Was versteht man in diesem Kontext unter "ex ante" und "ex post" Moral Hazard?

Ex ante Moral Hazard beschreibt die Verringerung präventiver Bemühungen durch das Vorhandensein eines Versicherungsschutzes, während ex post Moral Hazard die erhöhte Inanspruchnahme medizinischer Leistungen bei Eintritt eines Krankheitsfalls aufgrund der Kostenübernahme bezeichnet.

Wie lautet das Fazit der Arbeit bezüglich der Wirksamkeit der Praxisgebühr?

Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Praxisgebühr keinen langfristig signifikanten Beitrag zur Eindämmung von Moral Hazard geleistet hat, da sie bestenfalls kurzfristige Effekte erzielte und durch Anpassungsverhalten sowie eine zu geringe Gebührenhöhe ihre Lenkungswirkung verfehlte.

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Details

Title
Adverse Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt
Subtitle
Problemdarstellung, Lösungsansätze und empirische Evidenz zur Praxisgebühr
College
University of Bayreuth  (Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre III - insbesondere Finanzwissenschaft)
Course
Gesundheitsökonomik
Grade
1,3
Author
Thomas Bohm (Author)
Publication Year
2009
Pages
21
Catalog Number
V145134
ISBN (eBook)
9783640557240
ISBN (Book)
9783640557950
Language
German
Tags
Adverse Selektion Moral Hazard Krankenversicherungsmarkt Problemdarstellung Lösungsansätze Evidenz Praxisgebühr
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Thomas Bohm (Author), 2009, Adverse Selektion und Moral Hazard im Krankenversicherungsmarkt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145134
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