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Ziviler Protest im mexikanischen Drogenkrieg. Widerstand gegen Korruption und autoritäre Praktiken im heutigen Mexiko

Título: Ziviler Protest im mexikanischen Drogenkrieg. Widerstand gegen Korruption und autoritäre Praktiken im heutigen Mexiko

Tesis , 2013 , 159 Páginas , Calificación: 1

Autor:in: Hanna Silbermayr (Autor)

Romanística - Estudios españoles
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Die vorliegende Arbeit behandelt das Phänomen zivilen Protests während des "mexikanischen Drogenkriegs".

Einführend werden zuerst die historischen Hintergründe beleuchtet, die dazu beigetragen haben, eine soziokulturelle und politische Situation im Land zu schaffen, welche es den Drogenkartellen ermöglicht, ihre gewalttätigen Sphären auf weite Teile des Staatsgebiets auszubreiten. In weiterer Folge wird das Phänomen des Staatszerfalls genauer betrachtet, da ein funktionierendes Staatssystem einen wichtigen Faktor in der Formierung zivilen Protests darstellt.

Der letzte Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den zwei größeren sozialen Bewegungen, dem Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad und dem Studierendenprotest #YoSoy132, die während der letzten zwei Jahre in Mexiko entstanden sind. Als Analysewerkzeug wird dabei auf den Framing-Ansatz nach Snow und Benford zurückgegriffen, welcher eine tiefgreifendere Analyse der Entstehung und Mobilisierungsstrategien ziviler Protestbewegungen zulässt. In dieser Hinsicht kann die vorliegende Arbeit als Ausgangspunkt für weitere Analysen betrachtet werden.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

2. Historische Hintergründe

2.1 Klintelismus und Legitimationskrise

2.2 Mexikos Guerra Sucia

2.3 Lange Transition und schleichende Demokratisierung

2.4 Paradigmenwechsel: Vicente Fox

3. Der Aufstieg der Drogenkartelle

3.1 Drogen, Wirtschaft und Politik

3.2 Das Phänomen Salinas

3.3 Paradoxon der Demokratisierung

4. Mexikos Guerra contra el narcotráfico

4.1 Schicksalsjahr 2006: Knapper Wahlausgang

4.2 Kriegserklärung und Gewalteskalation

4.3 Menschenrechtsverletzungen und "Kollateralschäden"

5. Mexiko auf dem Weg zu einem "failed state"?

5.1 Konzeptualisierung: Weak vs. failing state

5.2 Mexiko zwischen weak und failing

5.2.1 Die Sicherheitsfunktion

5.2.2 Die Wohlfahrtsfunktion

5.2.3 Die Rechtsstaatsfunktion

5.3 Einordnung nach Rotberg

6. Ziviler Protest

6.1 Konzeptualisierung: Framing als Analysewerkzeug

6.2 Erscheinungsformen zivilen Protests in Mexiko

6.2.1 Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad

6.2.2 #YoSoy132

6.2.3 Vergleich: Movimiento por la Paz und #YoSoy132

7. Schlusswort

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht im Kontext des mexikanischen "Drogenkriegs" das Phänomen zivilen Protests und reflektiert, wie soziale Bewegungen auf staatliche Strukturen in einem zerfallenden Staatsgefüge reagieren und sich organisieren.

  • Analyse der historischen Bedingtheit des mexikanischen politischen Systems und des Aufstiegs der Drogenkartelle.
  • Untersuchung des mexikanischen Staates auf Basis der "Failed State"-Indikatoren.
  • Anwendung des Framing-Ansatzes nach Snow und Benford zur Analyse von Protestbewegungen.
  • Detaillierte Betrachtung des "Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad" und der Studierendenbewegung "#YoSoy132".
  • Evaluation von Mobilisierungsstrategien und der Rolle der Medien.

Auszug aus dem Buch

3.2 Das Phänomen Salinas

Verbindungen hoher Autoritäten zum Drogenhandel sowie Korruption waren unter der Regierung Salinas (1988-1994) vermutlich besonders stark ausgeprägt.7 Grundsätzlich galt Carlos Salinas de Gortari während seiner Regierungszeit als popularer Präsident. So ermittelte etwa das mexikanische Meinungsforschungsinstitut Consulta Mitofsky, dass seine Beliebtheitswerte in der Bevölkerung höher lagen als jener seiner Nachfolger Zedillo, Fox und Calderón (vgl. Consulta Mitofsky 2011:4). Nach 1994 sollten aber unzählige Verstrickungen ans Tageslicht kommen, die bis zur Familie des Präsidenten reichten.

Die letzten Monate der Legislaturperiode von Carlos Salinas waren von einem dubiosen Mord überschattet. Am 23. März 1994 hielt Luis Donaldo Colosio – der von Salinas ernannte Nachfolger für das Amt des Präsidenten – während seiner Wahlkampf-Tour eine Rede in Tijuana, der im Bundesstaat Baja California gelegenen Grenzstadt zu den USA. Der Bundesstaat im Norden Mexikos war zu jener Zeit der einzige, der von dem oppositionellen PAN regiert wurde und Tijuana daher eine strategisch wichtige Station während der Wahlkampagne des Präsidentschaftskandidaten. Nachdem er seine Rede in Lomas Taurinas, einem sozial und infrastrukturell benachteiligten Viertel der Stadt, gehalten hatte, wurde er, während er sich in der Menschenmasse von AnhängerInnen feiern ließ, mit einem gezielten Kopfschuss ermordet.8

Nach offiziellen Angaben war Colosio von einem einzelnen Täter umgebracht worden. Dieser Erklärung will aber ein Großteil der mexikanischen Bevölkerung bis heute keinen Glauben schenken. Es wird darüber spekuliert, dass der Mord politisch motiviert und von höchster Stelle in Auftrag gegeben worden war (vgl. Aznarez 2004). Im Vorfeld hatte es innerhalb des PRI Unstimmigkeiten über die Nachfolge Salinas' gegeben. Dennoch hielt der amtierende Präsident an Colosio als Nachfolger fest, da dieser als parteikonform galt. Kurz vor seiner Ermordung kamen aber Gerüchte auf, dass Colosio mit der Parteilinie gebrochen hätte und hart gegen Korruption innerhalb der Politik gehen wollte. Hieraus wurden später Schlüsse gezogen, dass ihn die regierende Elite, die mit den Drogenkartellen zusammenarbeitete, aus dem Weg räumen wollte (vgl. Watt/Zepeda 2012:108).

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet den Kontext des "Drogenkriegs" in Mexiko und führt in die Fragestellung zur Rolle ziviler Proteste als Reaktion auf staatliche Zerfallsprozesse ein.

2. Historische Hintergründe: Dieses Kapitel arbeitet die Entwicklung des Einparteiensystems unter dem PRI und die Phase der schleichenden Demokratisierung bis zum Regierungswechsel um das Jahr 2000 auf.

3. Der Aufstieg der Drogenkartelle: Hier wird analysiert, wie politische Strukturen, Korruption und wirtschaftliche Transformationen den Drogenkartellen den Aufstieg und die Ausweitung ihrer Macht ermöglichten.

4. Mexikos Guerra contra el narcotráfico: Es wird die Eskalation der Gewalt unter der Regierung Calderón und die Auswirkungen des "Kriegs gegen den Drogenhandel" auf die Zivilgesellschaft untersucht.

5. Mexiko auf dem Weg zu einem "failed state"?: Dieses Kapitel prüft den mexikanischen Staat anhand von Sicherheits-, Wohlfahrts- und Rechtsstaatsfunktionen und ordnet den Status nach Rotberg ein.

6. Ziviler Protest: Der Hauptteil erläutert den Framing-Ansatz und analysiert die Mobilisierungsstrategien des "Movimiento por la Paz con Justicia y Dignidad" sowie der Bewegung "#YoSoy132".

7. Schlusswort: Das Fazit fasst die Rolle der zivilen Protestbewegungen bei der Thematisierung gesellschaftlicher Missstände sowie deren Wirksamkeit und Herausforderung in einem korruptionsgeprägten Kontext zusammen.

Schlüsselwörter

Mexiko, Drogenkrieg, ziviler Protest, Movimiento por la Paz, #YoSoy132, Framing, failed state, Korruption, organisierte Kriminalität, Demokratisierung, politische Transition, Gewalteskalation, Menschenrechte, Eliten, Zivilgesellschaft

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit?

Die Diplomarbeit analysiert die Formierung und Strategien ziviler Protestbewegungen in Mexiko vor dem Hintergrund des eskalierenden Drogenkriegs und staatlicher Legitimationskrisen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Zentrale Themen sind die historische Genese des mexikanischen politischen Systems, die Auswirkungen des Drogenkartell-Aufstiegs, die Staatsfragilität und die moderne Protestkultur unter Anwendung der Framing-Theorie.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es zu verstehen, wie soziale Bewegungen wie "Movimiento por la Paz" und "#YoSoy132" ihre Anliegen artikulieren und ob sie angesichts staatlicher Defizite als Akteure in einem zerfallenden System wirksam werden können.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit basiert auf einer politikwissenschaftlichen Analyse sowie der Anwendung des Framing-Ansatzes (nach Snow und Benford) zur Deutung kollektiver Aktionsmuster sozialer Bewegungen.

Womit befasst sich der Hauptteil?

Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse der politischen Entwicklung Mexikos, eine Untersuchung des Staates auf seine Funktionalität hin sowie die detaillierte empirische Framing-Analyse der zwei untersuchten Protestbewegungen.

Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind "Drogenkrieg", "Framing", "Staatszerfall", "Korruption", "partizipative Demokratie" und "ziviler Widerstand".

Wie bewertet die Autorin die Rolle des Staates?

Die Autorin charakterisiert den mexikanischen Staat als schwach und von tiefer Korruption durchdrungen, wobei er in seinen zentralen Funktionen (Sicherheit, Rechtsstaat) erhebliche Defizite aufweist.

Inwiefern beeinflussten soziale Medien die Proteste?

Besonders bei "#YoSoy132" waren digitale Netzwerke wie Twitter und YouTube entscheidend für die Mobilisierung, die Sichtbarkeit der Anliegen und die Umgehung der von großen TV-Konzernen dominierten Medienöffentlichkeit.

Final del extracto de 159 páginas  - subir

Detalles

Título
Ziviler Protest im mexikanischen Drogenkrieg. Widerstand gegen Korruption und autoritäre Praktiken im heutigen Mexiko
Universidad
University of Vienna  (Romanistik)
Calificación
1
Autor
Hanna Silbermayr (Autor)
Año de publicación
2013
Páginas
159
No. de catálogo
V1453143
ISBN (PDF)
9783389000373
ISBN (Libro)
9783389000380
Idioma
Alemán
Etiqueta
mexikanischer Drogenkrieg Drogenhandel Mexiko Zivilgesellschaft #yosoy132 failed state framing Protest Gesellschaft
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Hanna Silbermayr (Autor), 2013, Ziviler Protest im mexikanischen Drogenkrieg. Widerstand gegen Korruption und autoritäre Praktiken im heutigen Mexiko, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453143
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