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Genuss medialer Gewalt. Einfluss der Gewaltdarstellung in Filmausschnitten auf das hedonische Unterhaltungserleben

Title: Genuss medialer Gewalt. Einfluss der Gewaltdarstellung in Filmausschnitten auf das hedonische Unterhaltungserleben

Bachelor Thesis , 2023 , 44 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Nicole Kraftsik (Author)

Communications - Movies and Television
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Summary Excerpt Details

Um zu untersuchen, ob Gewaltdarstellungen unabhängig von der Handlung des Films einen Einfluss auf das Rezeptionserleben haben, befasst sich diese Arbeit mit folgender forschungsleitenden Fragestellung: Inwieweit wirkt sich das Maß an Gewalt eines Filmausschnitts auf dessen hedonischen Unterhaltungswert und das Interesse am gesamten Film aus?

Im Jahr 2021 erschien die Serie "Squid Game" auf Netflix und knackte innerhalb weniger Wochen die Rekorde der Zuschauerzahlen mit über 100 Millionen Haushalten. Selbst fast zwei Jahre später zählt die südkoreanische Serie noch die größten Zuschauerzahlen. Squid Game zählt zu den brutalsten Serien auf Netflix und konnte trotz extremer Gewaltdarstellungen einen großen Erfolg im Mainstream erreichen. Die Charaktere der Serie müssen an verschiedenen Kinderspielen teilnehmen, um ein Preisgeld zu gewinnen. Sollten sie verlieren, werden sie nicht nur disqualifiziert, sondern brutal ermordet.

Gewaltserien und –filme werden immer populärer und das Maß an Gewaltdarstellungen nimmt zu. Da die Darstellung von Gewalt in den Medien heutzutage, jedoch auch schon in der Vergangenheit, allgegenwärtig ist, stellt die Wirkungsforschung zu Mediengewalt einen wichtigen Bereich der Kommunikationswissenschaft dar. Jedoch konzentriert sich diese stärker auf die Suche nach Zusammenhängen zwischen Mediengewalt und faktischer Gewalt statt auf die Klärung von Ursachen der Faszination und des Genusses gewalttätiger Inhalte in Film und Fernsehen. Aufgrund der Vielzahl möglicher Erscheinungsformen von Gewaltdarstellungen wird der Gewaltbegriff in dieser Arbeit auf personale physische Gewalt eingeschränkt. Personale Gewalt folgt einem Täter-Opfer-Prinzip. Das heißt, dass die Gewalt von einer Person gegen eine andere Person ausgeübt wird. Physische Gewalt wird dabei definiert als Gewalt, die man anderen Menschen körperlich antut und dadurch Verletzungen, körperliche Zerstörung etc. bei dem Opfer zur Folge haben. Gewalt- und Horrorfilme lösen unangenehme Gefühle aus, wie beispielsweise Angst, Furcht und Ekel, weshalb es die natürliche Reaktion des Menschen ist, sie tendenziell zu vermeiden. Trotzdem wird diese Art von Filmen rezipiert und auch genossen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Theorie

2.1 Enjoyment von Mediengewalt

2.2 Der Forbidden Fruit Effekt – Attraktivität gewalthaltiger Medieninhalte

2.3 Spannungserleben in Bedrohungssituationen der Protagonist*innen

2.4 Emotionen als wichtiger Bestandteil der Medienrezeption – Mixed Affect

2.5 Desensibilisierung durch Mediengewalt

3 Methode

3.1 Empirisches Design und Aufbau der Studie

3.2 Messinstrument und Operationalisierung

3.3 Vorgehensweise

3.4 Stichprobe

4. Ergebnisse und Interpretation

4.1 Manipulations- und Randomisierungscheck

4.2 Enjoyment der gewalthaltigen Filmausschnitte

4.3 Interesse am gesamten Film

4.4 Spannungserleben als Mediator

4.5 Mixed Affect als Mediator

4.6 Desensibilisierungseffekte

5 Diskussion

6 Limitationen und Ausblick

Zielsetzung und Forschungsfokus

Diese Arbeit untersucht mittels eines experimentellen Befragungsdesigns, inwieweit das Maß an physischer Gewalt in einem Filmausschnitt das hedonische Unterhaltungserleben (Enjoyment) sowie das Interesse an der Vollversion des Films beeinflusst, wobei individuelle Faktoren wie die persönliche Gewaltexposition und das Geschlecht als zentrale Einflussvariablen berücksichtigt werden.

  • Analyse des Einflusses von Gewaltintensität auf das Enjoyment von Filmausschnitten.
  • Untersuchung des "Forbidden Fruit"-Effekts als Erklärungsmodell für das Interesse an gewalthaltigen Medien.
  • Evaluierung der Vermittlerrollen von Spannungserleben und Mixed Affect bei der Medienrezeption.
  • Betrachtung von Desensibilisierungseffekten durch häufige Gewaltexposition der Rezipient*innen.
  • Überprüfung geschlechtsspezifischer Unterschiede im Genuss medialer Gewalt basierend auf der Gender-Sozialisationstheorie.

Auszug aus dem Buch

2.1 Enjoyment von Mediengewalt

Das Konzept der Unterhaltung ist eines der ältesten Konstrukte der Kommunikationswissenschaft und besitzt daher eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen und Deutungen (Früh & Wünsch, 2007). Nach dem Uses-and-Gratifications-Ansatz dienen Medien als Befriedigung des Unterhaltungsbedürfnisses, weswegen sie von Rezipient*innen genutzt werden (Katz & Foulkes, 1962). Hierbei stehen Bedürfnisse, wie die Flucht aus dem Alltag oder die Selbstentwicklung im Vordergrund, die insgesamt mit der Empfindung positiver Emotionen gleichgesetzt werden (Früh & Wünsch, 2007; Vorderer, 1996). Im Gegensatz zu dieser hedonischen Perspektive, also der rein positiven Unterhaltung während des Medienkonsums, steht die eudaimonische Unterhaltung (Vorderer & Reinecke, 2012). Diese ernsthafte Auseinandersetzung mit bestimmten Medieninhalten und die daraus resultierende emotionale Bewegtheit und Sinnstiftung der Rezipient*innen wird jedoch in dieser Forschung nicht betrachtet, da der Schwerpunkt darauf liegen soll, ob Gewaltdarstellungen in Filmen, die sich nicht mit tiefergreifenden Themen beschäftigen, auch als unterhaltend wahrgenommen werden können (Bartsch et al., 2020; Haible, 2003). Zur Bewertung dessen, wird das Konstrukt des Enjoyments relevant. Um das Enjoyment als hedonisches Unterhaltungserleben zu definieren, bedient sich diese Forschungsarbeit der intensionalen Definition (Possler, 2021). Hierbei wird Enjoyment erstens als ein Erlebnis von positiven Affecten und zweitens als Folge der Mediennutzung beschrieben (Raney, 2004). Raney (2004) setzt Enjoyment mit der Empfindung von ‚Pleasure‘, also Vergnügen oder Genuss gleich, die als affective Reaktion auf die Medienrezeption entsteht. Für den zweiten Aspekt dieser Art des Unterhaltungserlebens ist relevant, dass das Enjoyment allein auf die Mediennutzung zurückzuführen ist und kein anderer Faktor, wie zum Beispiel die Rezeptionssituation, verantwortlich für die positive affective Wirkung ist (Possler, 2021; Raney, 2004).

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Einführung in die Thematik der zunehmenden Gewaltdarstellung in modernen Medienserien und Hinführung zur zentralen Forschungsfrage nach dem Einfluss des Gewaltmaßes auf das Unterhaltungserleben.

2 Theorie: Theoretische Fundierung durch Diskussion von Konstrukten wie Enjoyment, dem Forbidden Fruit Effekt, Spannungserleben, Mixed Affect und Desensibilisierungsprozessen sowie Ableitung der Hypothesen.

3 Methode: Detaillierte Beschreibung des experimentellen Online-Befragungsdesigns, der Operationalisierung der Variablen, der Stimulanauswahl mittels Pretest sowie der Stichprobenzusammensetzung.

4. Ergebnisse und Interpretation: Darstellung der statistischen Analysen und Moderationsmodelle zur Überprüfung der aufgestellten Hypothesen hinsichtlich Enjoyment, Interesse und Mediatoren.

5 Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse vor dem Hintergrund der theoretischen Erwartungen und Interpretation der geschlechtsspezifischen sowie erfahrungsabhängigen Diskrepanzen.

6 Limitationen und Ausblick: Diskussion der methodischen Grenzen der Untersuchung, wie der kurzen Stimulidauer und der Stichprobenhomogenität, sowie Empfehlungen für zukünftige Forschungsansätze.

Schlüsselwörter

Mediengewalt, Enjoyment, Hedonisches Unterhaltungserleben, Forbidden Fruit Effekt, Spannungserleben, Mixed Affect, Desensibilisierung, Gewaltexposition, Gender-Sozialisation, Filmanalyse, Empirische Medienforschung, Online-Befragung, Rezeptionsforschung, Medienpsychologie, Unterhaltungsbedürfnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?

Die Arbeit untersucht, ob und wie unterschiedliche Mengen an Gewalt in Filmausschnitten das Unterhaltungserleben und das Interesse der Zuschauer an einer Filmvollversion beeinflussen.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Im Zentrum stehen die psychologischen Wirkungsmechanismen bei der Wahrnehmung von Mediengewalt, insbesondere im Hinblick auf Enjoyment, Spannung, Emotionen und die Habitualisierung durch langfristigen Medienkonsum.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, kausale Zusammenhänge zwischen Gewaltintensität im Stimulus und dem hedonischen Erleben zu finden, um zu klären, ob Gewalt per se als unterhaltend wahrgenommen wird oder von anderen Faktoren abhängt.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Es wurde eine quantitative Online-Befragung mit einem experimentellen, einfaktoriellen Between-Subject Design durchgeführt, wobei die Versuchspersonen randomisiert ein stark oder weniger stark gewalthaltiges Videomaterial sahen.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte des Hauptteils?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung von Hypothesen zu Enjoyment, Spannung, Mixed Affect und Desensibilisierung sowie deren anschließende empirische Prüfung mittels statistischer Analysen am erhobenen Datensatz.

Welche Eigenschaften charakterisieren diese Studie?

Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung von Medieneffekten mit individuellen Rezipienteneigenschaften wie dem Geschlecht und der persönlichen Gewalthaltigkeitserfahrung im Alltag aus.

Wie beeinflusst das Geschlecht das Unterhaltungserleben bei Gewaltfilmen?

Die Studie zeigt signifikante Unterschiede: Frauen empfinden bei sehr gewalthaltigen Inhalten im Vergleich zu Männern ein geringeres Unterhaltungserlebnis, was durch die Gender-Sozialisations-Theorie erklärt wird.

Spielt die Gewöhnung an Mediengewalt eine Rolle für das Enjoyment?

Ja, Personen mit einer hohen Gewöhnung an Gewaltmedien zeigen ein signifikant höheres Enjoyment und Interesse bei der Rezeption gewalthaltiger Szenen, was die Desensibilisierungsthese stützt.

Warum konnte kein allgemeiner "Forbidden Fruit"-Effekt nachgewiesen werden?

Das Ausbleiben dieses Effekts wird darauf zurückgeführt, dass durch forschungsethische Rahmenbedingungen wie notwendige Trigger-Warnungen beide Studiengruppen eine Form der Einschränkung wahrnahmen, was den Effekt überlagerte.

Welche Rolle spielen Spannung und Mixed Affect als Mediatoren?

Obwohl Spannung einen direkten positiven Zusammenhang mit dem Enjoyment zeigt, fungierten weder Spannung noch der Mixed Affect als signifikante Mediatoren für den spezifischen Effekt der Gewaltdarstellung im Stimulus.

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Details

Title
Genuss medialer Gewalt. Einfluss der Gewaltdarstellung in Filmausschnitten auf das hedonische Unterhaltungserleben
College
LMU Munich  (Institut für Kommunikationswissenschaft und Medienforschung)
Grade
1,0
Author
Nicole Kraftsik (Author)
Publication Year
2023
Pages
44
Catalog Number
V1453313
ISBN (PDF)
9783963566462
ISBN (Book)
9783963566479
Language
German
Tags
Medien Gewalt Unterhaltung Enjoyment Film mediale Gewalt Desensibilisierung Forbidden Fruit Effekt Spannung
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Nicole Kraftsik (Author), 2023, Genuss medialer Gewalt. Einfluss der Gewaltdarstellung in Filmausschnitten auf das hedonische Unterhaltungserleben, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453313
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