Schwerpunkt dieser Arbeit wird es sein, Brinkers Textanalysemodell unter Zuhilfenahme des Spiegelartikels „Muster im Krebsatlas“ (Dworschak 2007) als Untersuchungsgegenstand zur Anwendung zu bringen, um herauszuarbeiten, welche Relationen den Text konstituieren bzw. welche spezifischen Merkmale gerade diesen Text bestimmen. Dabei soll eine erste Annährung mittels einer allgemeinen Kontextanalyse erfolgen, um dann den kommunikativ-funktionalen und strukturellen Aspekt zu beleuchten; nicht zuletzt soll auch der Versuch einer Textsortenbestimmung durchgeführt werden. Die Untersuchung mündet in einer resümierenden Schlussbetrachtung, die die herausgehobenen und beschriebenen Regularitäten in einer zusammenfassenden Bewertung darstellt.
In Hinsicht auf das generelle Textverständnis soll Brinkers integrativer Textbegriff als Grundlage dienen, der die Verbindung einer systemorientierten und kommunikativ orientierten Herangehensweise ermöglicht und so den Text als „eine begrenzte Folge von sprachlichen Zeichen, die in sich kohärent ist und die als Ganzes eine erkennbare kommunikative Funktion signalisiert“ (Brinker 2001) versteht.
Die linguistische Textanalyse als grundlegende Methode sprachwissenschaftlichen Arbeitens der Textlinguistik ermöglicht über das bloße subjektive Leseempfinden hinaus einen komplexen, umfassenderen Zugang zum jeweiligen Textvorkommen hinsichtlich seiner kommunikativen Funktion, aber auch in Bezug auf strukturelle Aspekte. Auf dieser methodologischen Trennung von Textfunktion und Textstruktur beruht Klaus Brinkers Modell textanalytischen Vorgehens, das auch für diese Arbeit maßgebend sein soll.
Inhaltsverzeichnis
1. Zur Begründung der Thematik
2. Anwendung textanalytischer Kategorien und Kriterien am Beispiel des Artikels „Muster im Krebsatlas“
2.1 Kontextanalyse
2.2 Kommunikativ-funktionaler Aspekt
2.3 Textsortenbestimmung
2.4 Struktureller Aspekt
2.4.1 Thematische Ebene
2.4.2 Grammatische Ebene
3. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, das von Klaus Brinker entwickelte Modell der linguistischen Textanalyse auf einen konkreten, realen Gegenstand anzuwenden. Dabei wird untersucht, welche sprachlichen und strukturellen Merkmale den Artikel „Muster im Krebsatlas“ aus dem Nachrichtenmagazin „DER SPIEGEL“ konstituieren und wie durch diese eine kohärente kommunikative Funktion erzeugt wird.
- Anwendung des Textanalysemodells nach Klaus Brinker
- Durchführung einer Kontextanalyse zur Bestimmung von Handlungsbereichen
- Untersuchung von Textsortenmerkmalen in populärwissenschaftlichen Nachrichtenartikeln
- Analyse der thematischen und grammatischen Kohärenz zur Textstrukturierung
- Evaluierung der kommunikativen Funktion im Spannungsfeld von Sachinformation und Meinungsdarstellung
Auszug aus dem Buch
2.1 Kontextanalyse
Die Kontextanalyse geht der funktionalen Untersuchung voraus, da sie nach Brinker für die Bestimmung des Funktionsbereiches des Textes ergänzend hilfreich, aber auch maßgebend sein kann, sollten spezifische „sprachliche Indikatoren“ fehlen (vgl. Brinker 2001, 101) und sie ermöglicht darüberhinaus eine erste Annährung an den Untersuchungsgegenstand. So lässt sich bei dem Gebrauchstext „Muster im Krebsatlas“ zuallererst feststellen, dass es sich um eine monologische, zeitlich und räumlich getrennte, geschriebene Kommunikationsform handelt, nämlich um die eines Artikels in einem Nachrichtenmagazin. Das heißt, dass die Kommunikationsrichtung einseitig bestimmt ist, dass die Kommunikationspartner, der Rezipient und der Emittent (Manfred Dworschak) des schriftlichen Mediums, zeitlich wie räumlich voneinander getrennt sind. Mit dieser grundlegenden Feststellung bestehen erste Hinweise für die Bestimmung der Textsorte, die aber nicht hinreichend eine Kategorisierung ermöglichen. Eine Textsortenzuordnung bedarf demnach weiterer Hinweise, wenngleich „die Unterscheidung von Textsorten im Rahmen von Kommunikationsformen [sinnvoll erscheint]“ (Brinker 2001, 139).
Ein weiterer zu untersuchender Aspekt ist der des Handlungsbereiches, der den gesellschaftlichen Rahmen des Textes näher bezeichnet. Hier lässt sich der Artikel als Teil der „Medien der Massenkommunikation“ (Brinker 2001, 140) als öffentlich bestimmen, da er einer größeren Masse von Personen frei zugänglich ist und ohnehin von Vornherein für den öffentlichen Bereich konzipiert wurde. Dabei wäre anzumerken, dass der Artikel einen gewissen Grad an Hintergrundwissen über den Textinhalt beim Rezipienten voraussetzt, da bereits einige Tage vor Erscheinen die Diskussion bezüglich einer Korrelation von Krebsvorkommen und Atomkraftwerksstandorten aufgekommen war.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zur Begründung der Thematik: Einführung in das linguistische Analysemodell nach Klaus Brinker und Erläuterung der Auswahl des Spiegelartikels als Untersuchungsgegenstand.
2. Anwendung textanalytischer Kategorien und Kriterien am Beispiel des Artikels „Muster im Krebsatlas“: Praktische Anwendung der Kriterien auf den Artikel, gegliedert in Kontextanalyse, funktionale Betrachtung, Textsortenbestimmung sowie strukturelle Analysen.
2.1 Kontextanalyse: Bestimmung der kommunikativen Rahmenbedingungen, der Zielgruppe und des gesellschaftlichen Einbettungskontexts des Artikels.
2.2 Kommunikativ-funktionaler Aspekt: Untersuchung der dominierenden Informationsfunktion sowie der indirekt wirkenden evaluativen Haltung des Autors.
2.3 Textsortenbestimmung: Einordnung des Artikels als populärwissenschaftlicher Nachrichtentext, der sich durch eine Mischung aus Sachinformation und unterhaltenden Elementen auszeichnet.
2.4 Struktureller Aspekt: Methodologische Untersuchung der internen Textorganisation unterteilt in thematische und grammatische Kohärenzmerkmale.
2.4.1 Thematische Ebene: Analyse des Kernthemas, der Themenentfaltung und der Referenzträger, die den inhaltlichen Zusammenhang des Textes konstituieren.
2.4.2 Grammatische Ebene: Untersuchung syntaktischer Verknüpfungsmechanismen wie Wiederaufnahmen, Ellipsen und Konjunktionen, die die Textkohärenz stützen.
3. Schlussbetrachtung: Zusammenfassung der Ergebnisse und Bestätigung des Nutzens einer systematischen, textlinguistischen Analyse zur Offenlegung der Textkonstitution.
Schlüsselwörter
Textlinguistik, Klaus Brinker, Textanalyse, Kontextanalyse, Textsorte, Informationsfunktion, Textualität, Kohärenz, grammatische Kohärenz, thematische Kohärenz, Spiegelartikel, Massenkommunikation, Nachrichtenmagazin, Textstruktur, Sprache.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Anwendung des linguistischen Analyserahmens von Klaus Brinker auf eine reale Textprobe, um dessen theoretische Konzepte in der Praxis zu erproben.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Felder sind die Kontextanalyse, die kommunikative Funktionalität von Medientexten, die Bestimmung von Textsorten sowie die Analyse von Kohärenzmitteln.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die detaillierte wissenschaftliche Untersuchung des Artikels „Muster im Krebsatlas“, um herauszuarbeiten, durch welche sprachlichen Mittel der Text als in sich geschlossenes, kohärentes Ganzes fungiert.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird das textlinguistische Modell nach Klaus Brinker verwendet, welches methodisch zwischen Kontext-, Funktions-, und Strukturanalyse unterscheidet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die konkrete Anwendung der Analysevariablen auf den Spiegelartikel sowie die Untersuchung der thematischen und grammatischen Kohärenz.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Textlinguistik, Kohärenz, Textsorte, Kontextanalyse und die spezifischen Analysekategorien nach Klaus Brinker.
Warum wurde genau der Spiegel-Artikel „Muster im Krebsatlas“ gewählt?
Die Wahl fiel auf diesen Artikel, da er als ein typisches, realistisches Textvorkommen mit einem breiten Leserspektrum dient, das ideal geeignet ist, um die Mechanismen der Textkonstitution aufzuzeigen.
Inwiefern beeinflusst die „Informationsfunktion“ die Textgestaltung laut der Autorin?
Die Autorin stellt fest, dass die reine Informationsvermittlung zwar dominiert, aber subtil durch evaluative Elemente und wertende Sprachwahl ergänzt wird, um dem Rezipienten eine spezifische Einordnung zu ermöglichen.
Welche Rolle spielen Ellipsen für die Kohärenz laut der Analyse?
Ellipsen dienen laut der Arbeit als wichtige satzübergreifende Bezugsmittel, die durch den Kontext ergänzbar sind und so die Textkohärenz verdichten, ohne Wiederholungszwänge zu generieren.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der Einordnung von Texten in Muster?
Die Schlussbetrachtung konstatiert, dass starre Einordnungsmuster oft unzureichend sind, da Analysekriterien flexibel an den individuellen Charakter eines jeden Textes angepasst werden müssen.
- Citation du texte
- Susanne von Pappritz (Auteur), 2008, Die linguistische Textanalyse nach Brinker, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1453719