Bereits seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts steigt die Dynamik und die Tragweite der weltweiten Öffnung von Güter-, Arbeits- und Informationsmärkten erheblich.
Die daraus resultierende hohe Komplexität der Wirtschaft führt zu massiven Veränderungen des Marktumfeldes sowie der internen und externen Rahmenbedingungen. Dies erfordert von Unternehmen den systematischen Aufbau erfolgsrelevanter Fähigkeiten und eine schnelle und gezielte Anpassung an Veränderungen, um weiterhin konkurrenzfähig zu bleiben. Die dadurch rapide steigenden Anforderungen an den Produktionsfaktor Information und die extreme Ausweitung der Datenbasis haben eine immer höher werdende Erwartung an die Transparenz und Fundierung von Entscheidungen zur Folge.
Kurzfristiges, situationsbedingtes Reagieren auf Veränderungen im Unternehmensumfeld, welches nicht in eine langfristig ausgerichtete strategische Planung eingebunden ist, scheint nicht geeignet, die Wettbewerbsfähigkeit eines Unternehmens dauerhaft zu sichern. Gleichzeitig bereitet die Übersetzung vager strategischer Aussagen des Managements in konkrete, messbare Zielformulierungen und Maßnahmen vielen Unternehmen große Probleme. Deshalb sollten Ziele und Strategien zur nachhaltigen Steigerung des Unternehmenswertes identifiziert und operationalisiert sowie geeignete Führungsinstrumente gefunden werden, damit diese anschließend erfolgreich im operativen Tagesgeschäft umgesetzt werden können. Systeme zur Managementunterstützung, die nur isoliert oder punktuell Lösungsansätze darstellen, können diesen Anforderungen, da sie nur einzelne Aspekte behandeln, nicht ausreichend gerecht werden.
Das in dieser Arbeit verwendete ganzheitliche Tool der Balanced Scorecard (BSC) dient dazu, strategische Vorgaben der Unternehmensführung in praktisches, messbares Handeln zu überführen. Es bedient sich dabei mehrerer Perspektiven, welche durch ein ausbalanciertes gleichberechtigtes Verhältnis zueinander eine ausgeglichene Steuerung der Organisation gewährleisten sollen.
Um die konti-nuierliche und nachhaltige Anwendung des Konzeptes sicherzustellen und die BSC dauerhaft in ein Unternehmen zu verankern, ist, wie die betriebliche Praxis zeigt, die Einbindung der BSC in das informationstechnisch gestützte Management- und Steuerungssystem notwendig.
Ob es mit Hilfe einer BI-Applikation realisierbar ist, das Tool der BSC in das operative und strategische Controlling zu integrieren und so den kontinuierlichen Ein-satz dieses zu gewährleisten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Aufbau der Arbeit
2 BSC
2.1 Empirische Erhebungen
2.2 Einführungsgründe
2.2.1 Strategie darstellen
2.2.2 Strategie messbar machen
2.2.3 Strategie kommunizieren
2.2.4 Strategie verankern
2.2.5 Strategie anpassen
2.3 Perspektiven
2.3.1 Finanzperspektive
2.3.2 Kundenperspektive
2.3.3 Prozessperspektive
2.3.4 Lern- und Entwicklungsperspektive
2.4 Ursache-Wirkungsdiagramm
2.5 Implementierungs-Konzept der BSC
2.5.1 Phase 1: Organisatorischen Rahmen schaffen
2.5.2 Phase 2: Strategische Grundlagen klären
2.5.3 Phase 3: Balanced Scorecard entwickeln
2.5.4 Phase 4: Organisation strategieorientiert ausrichten
2.5.5 Phase 5: Kontinuierlichen Einsatz der BSC sicherstellen
2.5.5.1 Integration in das Management- und Steuerungssystem
2.5.5.2 Integration in das Planungssystem
2.5.5.3 Integration in das Berichtssystem
3 Integration in Business Intelligence
3.1 Business Intelligence
3.2 Input
3.2.1 Messgrößen
3.2.2 Datenbeschaffung
3.3 Output
3.3.1 Datendarstellung
3.3.2 Datenaufbereitung
3.4 Integration der Ursache-Wirkungsbeziehungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Integration der Balanced Scorecard (BSC) in Business Intelligence (BI)-Applikationen, um die strategische Unternehmensführung durch technologische Unterstützung nachhaltiger und messbarer zu gestalten. Ziel ist es, den Implementierungsprozess zu analysieren und Lösungswege aufzuzeigen, wie strategische Ziele mit operativen Datenquellen verknüpft werden können.
- Methodische Grundlagen und Implementierungsphasen der Balanced Scorecard
- Herausforderungen der Datenbeschaffung und Operationalisierung von Kennzahlen
- Rolle von BI-Systemen für die strategische Unternehmenssteuerung
- Integration von Ursache-Wirkungsbeziehungen in IT-Applikationen
- Vor- und Nachteile technologischer Ansätze (z.B. DW-Konzepte, OLAP)
Auszug aus dem Buch
2.2.1 Strategie darstellen
Obwohl ein Unternehmen ein komplexes Gebilde in einem komplexen Umfeld darstellt, werden viele, hauptsächlich weil im Rechnungs- und Berichtswesen die einseitige Orientierung auf die traditionellen finanzwirtschaftlichen Kennzahlen und deren Basisdaten dominiert, mit nur einem monetär ausgerichteten Instrument gesteuert. Ein Strategiemodell kann aber nur vollständig sein, wenn es zu den wesentlichen Handlungsfeldern des Unternehmens Aussagen macht, alle wesentlichen Betrachtungsebenen mit einbezieht und nicht nur finanzielle oder unterschiedliche Ziele isoliert voneinander definiert sowie deren Wechselwirkung und gegenseitige Implikation nicht mit einbezieht. Lediglich Managementmethoden wie Total Quality oder Reengineering versuchen vielschichtige Zusammenhänge darzustellen.
Die BSC bietet ein ausgewogenes Verhältnis von finanziellen und nichtfinanziellen Steuerungsgrößen und leitet nach Findung der Mission und Vision diese in finanzielle und nicht finanzielle Perspektiven ab. Es werden in der Unternehmerpraxis vier bis fünf davon verwendet, wobei die Bedeutung der verschiedenen Perspektiven für jedes Unternehmen unterschiedlich sein kann. Kaplan und Norton, die Entwickler der BSC, schlagen folgende vier Perspektiven vor, welche in Kapitel 2.3 jeweils noch näher beschrieben werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung erläutert die zunehmende wirtschaftliche Dynamik und die Notwendigkeit, strategische Ziele mithilfe der BSC messbar zu machen sowie die Problemstellung der Integration in informationstechnische Systeme.
2 BSC: Dieses Kapitel behandelt die theoretischen Grundlagen der BSC, ihre Implementierungsphasen und die Bedeutung der vier klassischen Perspektiven für eine ausgewogene Unternehmenssteuerung.
3 Integration in Business Intelligence: Das Kapitel analysiert die technologischen Anforderungen zur Anbindung der BSC an BI-Systeme, insbesondere hinsichtlich Datenbeschaffung, Aufbereitung und der Abbildung von Ursache-Wirkungsbeziehungen.
Schlüsselwörter
Balanced Scorecard, Business Intelligence, Strategieumsetzung, Managementunterstützung, Kennzahlensysteme, Data Warehouse, OLAP, Ursache-Wirkungsbeziehungen, Strategische Planung, Controlling, Prozessperspektive, Finanzperspektive, Kundenperspektive, Lern- und Entwicklungsperspektive, Implementierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit primär?
Die Arbeit untersucht, wie das Instrument der Balanced Scorecard (BSC) technisch in Business-Intelligence-Applikationen eingebunden werden kann, um eine nachhaltige strategische Unternehmenssteuerung zu ermöglichen.
Welche zentralen Themenfelder behandelt der Autor?
Im Zentrum stehen die Konzeption der BSC, die methodischen Herausforderungen bei der Datenbeschaffung, die datentechnische Aufbereitung sowie die Abbildung strategischer Zusammenhänge in IT-Systemen.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, in welchen Phasen eine BSC implementiert wird und welche Anforderungen an eine BI-Applikation gestellt werden müssen, um die strategische und operative Planung effizient miteinander zu koppeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse bestehender Konzepte und Studien sowie der Auswertung empirischer Erhebungen zur Relevanz und Wirkung der BSC in der Unternehmenspraxis.
Was umfasst der inhaltliche Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der BSC-Grundlagen (Perspektiven, Implementierung) und die detaillierte Analyse der IT-Integration (Input-Anforderungen, Output-Modellierung, Ursache-Wirkungs-Analyse).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Balanced Scorecard, Business Intelligence, Kennzahlensysteme, Datenbeschaffung und strategische Unternehmenssteuerung.
Welchen Stellenwert haben qualitative Daten in der BSC?
Der Autor stellt fest, dass qualitative Ziele oft schwer messbar sind und die manuelle Integration dieser Daten in IT-Systeme eine Herausforderung darstellt, da sie häufig nicht direkt aus operativen Datenbanken stammen.
Ist eine „perfekte“ Integration von BSC und BI möglich?
Nein, der Autor schlussfolgert, dass die perfekte Verbindung von BSC und Informationssystemen eine Idealvorstellung bleibt, da in der Praxis immer ein gewisser manueller Aufwand, beispielsweise bei Kundenumfragen, bestehen bleibt.
- Arbeit zitieren
- Thorben Plaumann (Autor:in), 2008, Integration der Balanced Scorecard in BI-Applikationen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145464