„Türkendeutsch“, „Kiezdeutsch“, „Türkenslang“, „Kanak-Sprak“ – all diese Begriffe werden synonym für jene Varietät verwendet, welche von Deutschen türkischer Herkunft – aber auch von Deutschen nichttürkischer Herkunft gesprochen wird. In meinen Ausführungen habe ich mich für die Bezeichnung „Türkendeutsch“ entschieden und werde lediglich diese verwenden, um Missverständnisse zu vermeiden.
In dieser Arbeit möchte ich diese Varietät genauer untersuchen. Dabei werde ich zunächst die theoretischen Grundlagen schaffen und den varietätenlinguistischen Status sowie die sprachlichen Besonderheiten klären.
Anschließend stelle ich die gesprochene Sprache der Komiker „Erkan und Stefan“ mit Hilfe eines beigefügten Tonbeispiels dar und werde diese auf die zuvor dargestellten Eigenschaften des Türkendeutsch hin untersuchen.
Inhaltsverzeichnis
1. Zielstellung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Türkendeutsch – Begriff und varietätenlinguistischer Status
2.1.1 Einordnung in die Varietätenlinguistik
2.1.2 Türkendeutsch als Soziolekt
2.1.3 Türkendeutsch als Regiolekt
2.1.4 Türkendeutsch als Ethnolekt
2.2 Sprachliche Besonderheiten des Türkendeutsch
2.2.1 Phonetisch-phonologische Charakteristika
2.2.2 Lexikalische Charakteristika
2.2.3 Morphologische Charakteristika
2.2.4 Syntaktische Charakteristika
3. Untersuchungen und Ergebnisse
3.1 Zu den Personen Erkan und Stefan
3.2 Charakterisierung des verwendeten Materials
3.3 Typische Merkmale des Türkendeutsch bei Erkan und Stefan
3.3.1 Sprechen Erkan und Stefan Türkendeutsch?
4. Fazit
5. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Sprachvarietät "Türkendeutsch" und analysiert, inwieweit das Komikerduo "Erkan und Stefan" reale Merkmale dieser Varietät verwendet oder lediglich durch Stilisierung Klischees reproduziert.
- Definition und varietätenlinguistische Einordnung des Türkendeutsch (Soziolekt, Regiolekt, Ethnolekt)
- Phonetische, lexikalische, morphologische und syntaktische Charakteristika
- Kritische Analyse des Komikerduos Erkan und Stefan als Beispiel für sekundären Ethnolekt
- Untersuchung der Wechselwirkung zwischen Medien und Sprachgebrauch
- Abgrenzung von primärem Ethnolekt und stilisierter Comedy-Sprache
Auszug aus dem Buch
2.1.4 Türkendeutsch als Ethnolekt
Als Ethnolekt bezeichnet Peter Auer die Variation „Türkenslang“ (Häcki Buhofer, Seite 255). Seine Ansätze und Begründungen möchte ich an dieser Stelle einfügen, um die vorigen Einordnungen in die Varietätenlinguistik zu vervollständigen.
Auer definiert den Ethnolekt als Stil, der „von den Sprechern selbst und/oder von anderen mit einer oder mehreren nicht-deutschen ethnischen Gruppen assoziiert wird“ (Häcki Buhofer, Seite 256).
Eine Unterscheidung zwischen primärem, sekundärem und tertiärem Ethnolekt ist laut Auer von Nöten. Diese Formen werden im Folgenden näher erläutert.
Der primäre Ethnolekt ist die Form der Varietät, die als die ursprüngliche Form bezeichnet werden kann. So wird diese vorwiegend von Jugendlichen türkischer Herkunft oder solchen, die mit diesen in engem Kontakt stehen, verwendet.
Im Unterschied dazu steht der sekundäre Ethnolekt. Dies ist die Form der Verwendung der Varietät durch Medien, in welchen diese versuchen, die primäre Form zu imitieren und diese auch verschärfen. Dieser Form gehört auch das Komikerpaar „Erkan und Stefan“, welches im dritten großen Teil meiner Ausführungen näher besprochen wird, an.
Der tertiäre Ethnolekt entsteht laut Auer daraufhin dadurch, dass durch die mediale Verwendung und Verstärkung der Variation auf primärer Ebene auch Jugendliche das Türkendeutsch sprechen, die keinen Migrationshintergrund haben und auch nicht mit solchen Jugendlichen in Kontakt stehen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Zielstellung: Einleitung in das Thema, Vorstellung des Untersuchungsgegenstandes und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
2. Theoretische Grundlagen: Fundierte Herleitung der soziolinguistischen Einordnung sowie detaillierte Auflistung der sprachlichen Besonderheiten des Türkendeutsch auf verschiedenen linguistischen Ebenen.
3. Untersuchungen und Ergebnisse: Anwendung der theoretischen Kriterien auf das Audiomaterial von Erkan und Stefan sowie Prüfung des Stilisierungsgrades.
4. Fazit: Reflexion über die erreichten Ziele, Einordnung der Ergebnisse und kritische Auseinandersetzung mit der Literaturverfügbarkeit.
5. Literatur: Verzeichnis der verwendeten fachwissenschaftlichen Quellen und Internetrecherche-Grundlagen.
Schlüsselwörter
Türkendeutsch, Kiezdeutsch, Ethnolekt, Soziolekt, Regiolekt, Erkan und Stefan, Varietätenlinguistik, Sprachwandel, sekundärer Ethnolekt, Jugendsprache, Migration, Mediensprache, Stilisierung, Grammatik, Syntax
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Hausarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die sprachlichen Besonderheiten des "Türkendeutsch" und beleuchtet die Rolle der Medien bei deren Verbreitung und Stilisierung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Neben der theoretischen Definition als Sozio-, Regio- oder Ethnolekt stehen die grammatikalischen und lexikalischen Merkmale sowie deren mediale Repräsentation im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es herauszufinden, ob die Sprache des Komikerduos "Erkan und Stefan" authentische Merkmale des Türkendeutsch aufweist oder ob es sich um eine künstliche Übersteigerung handelt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autorin nutzt einen varietätenlinguistischen Theorieansatz und führt eine qualitative Analyse von Transkripten eines Audio-Beispiels durch.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Erarbeitung der Sprachmerkmale und eine empirische Analyse der "Erkan und Stefan"-Texte anhand dieser Kriterien.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Türkendeutsch, Ethnolekt, Stilisierung, Soziolinguistik und Jugendsprache.
Warum wird Erkan und Stefan als "sekundärer Ethnolekt" bezeichnet?
Weil sie den Ethnolekt nicht primär erworben haben, sondern ihn in den Medien imitieren, verschärfen und somit zur öffentlichen Wahrnehmung einer (teils klischeehaften) Varietät beitragen.
Was ist das Fazit der Autorin zur Qualität des untersuchten Materials?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass die Sprache der Komiker eine stilisierte Form des Türkendeutsch darstellt, die stark übertriebene Klischees enthält und wenig mit dem primär erworbenen Ethnolekt zu tun hat.
- Quote paper
- Anne Lachmann (Author), 2009, Besonderheiten der Varietät „Türkendeutsch“ – am Beispiel der gesprochenen Sprache der Komiker Erkan und Stefan, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145471