Grin logo
de en es fr
Shop
GRIN Website
Publicación mundial de textos académicos
Go to shop › Derecho - Derecho procesal penal, criminología, régimen penitenciario

Schuld und Willensfreiheit oder: Trennt das Schuldprinzip das Strafrecht von den Nachbardisziplinen?

Título: Schuld und Willensfreiheit oder: Trennt das Schuldprinzip das Strafrecht von den Nachbardisziplinen?

Trabajo de Seminario , 2000 , 29 Páginas

Autor:in: Angela Thams (Autor)

Derecho - Derecho procesal penal, criminología, régimen penitenciario
Extracto de texto & Detalles   Leer eBook
Resumen Extracto de texto Detalles

Gerade als Juristin macht sich für mich das in Jahren eingeübte normative und von Dogmatik geprägte Denken bemerkbar, das es manchmal allzu beschwerlich macht, sich einer sozialwissenschaftlichen Thematik zu nähern. Die Unterschiede und die Schwierigkeiten zwischen den Disziplinen finden auch und gerade in Kommunikationsproblemen ihren Ausdruck. Wo genau liegen die Gründe für derartige Konflikte, und sind sie zu lösen? Diese Gedanken beschäftigten mich vor Beginn der Arbeit, und so ist es Ziel dieser Arbeit, das schwierige Verhältnis zwischen dem Strafrecht und den benachbarten Disziplinen (der Kriminologie und der Psychologie bzw. der Psychiatrie) näher zu beleuchten. Als Anknüpfungspunkt bot sich die Willensfreiheitsproblematik innerhalb des Schuldprinzips an, da sich an diesem Punkt die Geister scheiden und Kommunikationsprobleme sowie systematische Probleme deutlich werden.
Dabei sollen zunächst das Schuldprinzip und die Bedeutung der Willensfreiheit im Strafrecht analysiert werden, um im Anschluss die damit einhergehenden Probleme bei der Umsetzung in die Praxis, namentlich bei der Feststellung der Schuld im Strafverfahren, darzustellen. In diesem Bereich kommen die Schwierigkeiten des Strafrechts im Umgang mit Psychologie bzw. Psychiatrie zum Tragen.
Wenn im vierten Teil die Bedeutung des Schuldprinzips für die Kriminologie und ihre verschiedenen Richtungen dargestellt wird, sollen anhand der kriminologischen Hauptrichtungen, bzw. der für diese Problematik bedeutsamen Ansätze, Gründe für die geringe Verwertung kriminologischer Erkenntnisse im Strafrecht gefunden werden.
Im fünften Teil der Arbeit werden Lösungsversuche lediglich nachgezeichnet, ohne dass eine Entscheidung für einen der Wege fällt.
Schließlich bleibt alles offen und vielleicht ist gerade das der Weg, um den Dialog zwischen den Disziplinen nicht zum Stillstand zu bringen, sondern ihn weiterhin zu suchen.

Extracto


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Das Schuldprinzip im Strafrecht

2.1. Begriff der Schuldfähigkeit

2.1.1. §§19, 20 StGB Schuldunfähigkeit

2.1.2. §21 StGB verminderte Schuldfähigkeit

2.1.3. Rechtsfolgen

2.2. Schuld und Verantwortung

2.2.1. Der strenge Indeterminismus

2.2.2. Der relative Indeterminismus

2.2.3. Die Lehre von der Lebensführungsschuld

3. Feststellung der Schuld im Strafverfahren

4. Die Bedeutung des Schuldprinzips für die Kriminologie

4.1. Ätiologische Ansätze

4.1.1. Täterorientierte Ansätze

4.1.2. Makrosoziologische Ansätze

4.2. Der Labeling-Approach

5. Wege aus dem Dilemma

5.1. Maßnahmerecht statt Schuldstrafrecht (défense sociale)

5.2. Die Neue Sozialverteidigung

5.3. Limitierung des Schuldprinzips durch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit

6. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht das komplexe und spannungsreiche Verhältnis zwischen dem strafrechtlichen Schuldprinzip, das auf der Prämisse der Willensfreiheit basiert, und den benachbarten empirischen Disziplinen wie der Kriminologie, Psychologie und Psychiatrie.

  • Die philosophische und dogmatische Verankerung des Schuldprinzips im Strafrecht.
  • Die Problematik der Feststellung von Schuld und Willensfreiheit im Strafverfahren.
  • Die Unvereinbarkeit des Indeterminismus-Postulats mit kriminologischen Forschungsansätzen.
  • Alternative Konzepte zum klassischen Schuldstrafrecht, wie das Maßnahmerecht.
  • Die Herausforderung interdisziplinärer Zusammenarbeit zwischen Rechtswissenschaft und Sozialwissenschaften.

Auszug aus dem Buch

3. Feststellung der Schuld im Strafverfahren

Für das Gericht muss die Schuld, also die Fähigkeit und konkrete Möglichkeit, sich für das Recht und gegen das Unrecht zu entscheiden, feststehen. „Damit unterliegt auch die Schuldfeststellung dem rechtlichen Erfordernis von Rationalität und Objektivität.“21 Mithin wird das Dilemma deutlich: Die Strafjustiz hält an einem in der Metaphysik verankerten Schuldstrafrecht fest, verlangt aber gleichzeitig wissenschaftlich begründete Gutachten.22

Lagnaro und Aengenheister23 beschreiben Schuld als ein „eher diffuses Konzept“, dessen Begriff zwar im Strafgesetzbuch erwähnt, aber nicht weiter definiert sei. Daraus entstehe ein Spannungsfeld, denn jede Gerichtsverhandlung unterliege dem Entscheidungszwang, individuell Schuld zuzuschreiben, und in jeder Gerichtsverhandlung müsse Schuld in ihrer Begrifflichkeit von neuem bestimmt werden.

Gerade die praktische Anwendbarkeit des Indeterminismus-Postulats wird in Zweifel gezogen. Die Frage nach der Einsichts- und Steuerungsfähigkeit sei lebensfern und lasse sich nach Ansicht der Agnostiker mit der heutigen psychologischen Auffassung nicht vereinbaren. Positive Aussagen über den Freiheitsgrad des einzelnen in der konkreten Tatsituation und die Frage, ob der Täter hätte anders handeln können, würden den psychiatrischen Sachverständigen prinzipiell überfordern.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Arbeit beleuchtet das schwierige Verhältnis zwischen dem Strafrecht und Nachbardisziplinen unter Fokus auf die Willensfreiheitsproblematik.

2. Das Schuldprinzip im Strafrecht: Dieses Kapitel analysiert die gesetzlichen Grundlagen der Schuldfähigkeit, Rechtsfolgen und die Rolle der Willensfreiheit als Paradigma des Strafrechts.

3. Feststellung der Schuld im Strafverfahren: Hier wird das Dilemma erörtert, dass die Justiz auf einer metaphysischen Schuldvorstellung beharrt, während sie gleichzeitig empirisch begründete Gutachten von Sachverständigen fordert.

4. Die Bedeutung des Schuldprinzips für die Kriminologie: Es wird dargestellt, warum kriminologische Erkenntnisse aufgrund deterministischer Menschenbilder oft nicht mit dem strafrechtlichen Schuldprinzip vereinbar sind.

5. Wege aus dem Dilemma: Das Kapitel untersucht alternative Ansätze wie das Maßnahmerecht oder die Limitierung durch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

6. Fazit: Die Zusammenfassung unterstreicht die Beharrungstendenzen des Strafrechts und die anhaltende Schwierigkeit, Interdisziplinarität in der Praxis umzusetzen.

Schlüsselwörter

Schuldprinzip, Willensfreiheit, Strafrecht, Schuldfähigkeit, Kriminologie, Indeterminismus, Strafverfahren, Rechtspsychologie, Psychiatrie, Schuldvorwurf, Maßnahmerecht, Interdisziplinarität, Sozialwissenschaften, Defensé Sociale, Strafrechtsdogmatik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht den Konflikt zwischen dem dogmatischen, auf Willensfreiheit basierenden Schuldprinzip des Strafrechts und den empirischen Erkenntnissen der Kriminologie und Psychologie.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Zentrale Themen sind die dogmatische Herleitung der Schuld, die praktische Feststellung dieser im Strafverfahren sowie die methodischen Barrieren zwischen juristischen und kriminologischen Sichtweisen.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, das schwierige Verhältnis zwischen Strafrecht und benachbarten Disziplinen zu beleuchten und aufzuzeigen, warum eine Integration kriminologischer Erkenntnisse in die strafrechtliche Schuldprüfung oft scheitert.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?

Es handelt sich um eine rechtswissenschaftliche Seminararbeit, die sich durch Literaturanalyse und die Auseinandersetzung mit straftheoretischen sowie kriminologischen Diskursen auszeichnet.

Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?

Der Hauptteil behandelt die gesetzlichen Kriterien der Schuldfähigkeit, das Indeterminismus-Postulat, die Probleme der forensischen Begutachtung sowie verschiedene kriminologische Strömungen und Lösungsversuche.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?

Die Arbeit ist maßgeblich durch die Begriffe Schuldprinzip, Willensfreiheit, Indeterminismus, Strafrecht, Kriminologie und Interdisziplinarität geprägt.

Warum wird die Zusammenarbeit zwischen Juristen und Gutachtern als problematisch beschrieben?

Die Zusammenarbeit leidet unter unterschiedlichen Sprachkulturen und Systematiken: Juristen suchen nach normativer Zurechnung von Schuld, während Psychologen empirische Wahrscheinlichkeiten und psychische Defekte analysieren.

Was besagt die Kritik am „Etikettenschwindel“ im Strafrecht?

Die Kritik besagt, dass die Unterscheidung zwischen Strafe und Maßregel in der Praxis oft an Wirksamkeit verliert und die Unterbringung für den Betroffenen keine echte Alternative zur Kriminalisierung darstellt.

Welche Lösungsansätze für das Dilemma werden diskutiert?

Diskutiert werden das Maßnahmerecht (Défense sociale), die „Neue Sozialverteidigung“ sowie die Limitierung des Schuldprinzips durch den Grundsatz der Verhältnismäßigkeit.

Zu welcher Schlussfolgerung kommt die Autorin im Fazit?

Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass das Strafrecht den Konflikt nicht aktiv lösen will, da das Schuldprinzip als tradierter, verteidigungswürdiger Wert gegenüber empirischen Erkenntnissen immunisiert bleibt.

Final del extracto de 29 páginas  - subir

Detalles

Título
Schuld und Willensfreiheit oder: Trennt das Schuldprinzip das Strafrecht von den Nachbardisziplinen?
Universidad
University of Hamburg  (Aufbaustudiengang Kriminologie)
Autor
Angela Thams (Autor)
Año de publicación
2000
Páginas
29
No. de catálogo
V145536
ISBN (Ebook)
9783640556281
ISBN (Libro)
9783640556656
Idioma
Alemán
Etiqueta
Maßregelvollzug Kriminologin défense sociale Labeling-Approach Willensfreiheit Indeterminismus Schuldprinzip Angela Thams
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Angela Thams (Autor), 2000, Schuld und Willensfreiheit oder: Trennt das Schuldprinzip das Strafrecht von den Nachbardisziplinen?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/145536
Leer eBook
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
  • Si ve este mensaje, la imagen no pudo ser cargada y visualizada.
Extracto de  29  Páginas
Grin logo
  • Grin.com
  • Envío
  • Contacto
  • Privacidad
  • Aviso legal
  • Imprint